Reisebericht (1) März 2010


Training für Solarenergie in Nigeria +
Erkundungen in Kaduna

Ausbildung für Solarenergie in Nigeria


Solar Workshop


Erkundungen in Kaduna


Von Arwed Milz, Marie Cauzard – März 2010



Inhaltsverzeichnis:

Kleine Tröpfchen auf heiße Steine?

1. Solarwerkstattprojekt

Produkte und Marktpreise für unsere Werkstattausrüstung/Erstausstattung

Finanzierung unserer Produkte durch Micro-Kredite

Vorstellung unserer potentiellen Auszubildenden

2. Frauen-Förderprogramm SPRAD

3. Beschäftigung durch Photovoltaik und Klimaschutz: Solarstrom statt Generatorstrom

Probleme/Kosten der Stromversorgung

Die Solaranlage von DARE bei der Barnawa Micro Finance

Solarstrom statt Generatorenstrom: Beschäftigung und Klimaschutz (CDM-Projekt)

4. Solarstrom im Krankenhaus von Zaria

5. Solare Stromversorgung im Dorf

6. Ausbildungswerkstatt des CVJM

7. Energieprobleme des National Hospital in Abuja


Kleine Tröpfchen auf heiße Steine?


In unseren Erkundungsgesprächen mit verschiedensten NGO- und Behördenvertretern stieß unser Projekt, arbeitslose Jugendliche/Erwachsene zu Solartechnikern auszubilden auf sehr positive Zustimmung. Wenn wir die Zahl von 10 Auszubildenden nannten, machte sich eine gewisse Enttäuschung breit. Sogar Yahaya reagiert erstaunt, er war von 50 Teilnehmern für den ersten Kurs im Dezember ausgegangen.

Diese Reaktion wird verständlich wenn man die Ergebnisse der aktuellen Kurzanalyse von R. Kappel „Nigeria: Die Instabilität wächst“ (1) liest. Die rasante Urbanisierung mit wachsender Armut braucht strukturelle Großprogramme, um wirtschaftliche Entwicklung zu ermöglichen.

Die staatlichen Förderprogramme (s. Ziffer 2) sind nur Tropfen auf den heißen Stein. Was kann unser Tröpfchen da bewegen?


Aber fangen wir trotzdem an.


Unsere erste Unterrichtseinheit.....Sonne und Solarmodul werden an die Werkstattwand gemalt.


1. Ergebnisse zum Projekt „Solarwerkstatt“

Werkstattausrüstung und Baukomponenten für Solarlampen/Mini SHS


Alle Werkzeuge und einfachen Installationsmaterialien (Kabel, Schalter u.a.) für die Werkstatt können zu ähnlichen Preisen wie bei uns, auch in Kaduna gekauft werden. Da es nur einen Kleinhandel gibt, ist es zeitaufwendig, die Sachen dort einzukaufen.

Die Baukomponenten Solarmodule, Solarregler, LED-Lampen u.a. gibt es nicht zu kaufen oder sie sind sehr teuer. Solarmodule kosten z. B. zwischen 3,75 bis 5,- € pro 1 Wh Leistung gegenüber 2,- bis 2,50 € selbst importierter aus China. Bis auf 12 V Solarbatterien, die billiger* als bei uns sind, müssten die Baukomponenten importiert werden. Die Bedenken gegen chinesische Produkte müssen bei unseren nigerianischen Partnern (Micro-Kreditbank, Kunden u.a.) sehr gut widerlegt werden.

* Neue Solarbatterien kosten zwischen 1,75 bis 2,- € pro 1 Ah. Empfohlen wurden Lead-Acid V.R.L.A. 100 Ah Batterien.

Alte Autobatterien werden auch „repariert“ durch den Austausch korrodierter/sulfatierter Bleiplatten und sehr billig angeboten. Sie könnten als „Solarbatterien“ noch gut eingesetzt werden.


Finanzierungsunterstützung


Die Baranwa Mircrofinance Bank (Nig.) Ltd., die schon ein ähnliches, aber größeres Projekt im Bereich der Telekommunikation unterstützt, will auch in unser Projekt mit Micro-Krediten einsteigen. Wir hatten mehrere Gespräche mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden (Chairman) Dogara Gyet und dem Geschäftsführer (Mangaging Director) R. A. Malumfashi, die uns die Finanzierung der Materialien (Erstausstattung) zu 50 % und Micro-Kredite für die Kunden unserer Produkte zusagten. Die Zinsen zwischen 5 % bis 8 % p.a. liegen unter der Inflationsrate. Einzelheiten des Konzepts arbeitet die Bank jetzt aus. Es geht dabei vor allem um den Zugriff der Bank auf die Materialien und Zahlungen als Sicherheit. Es läuft darauf hinaus, das unsere Auszubildenden zunächst nur den Verdienst/Überschuss ausgezahlt bekommen sollen. Das „Kapital“, die Reinvestitionsmittel bleiben unter Kontrolle der Bank, unser Anteil unter unserer Kontrolle. Nur so kann nachhaltig weiter gearbeitet werden.

Wir müssen den Import der Baukomponenten organisieren und die Qualität der chinesischen Produkten kontrollieren. Die Bank fürchtet sonst einen Imageschaden. Sie hat selbst schlechte Erfahrungen mit einem Stromgenerator chinesischer Herkunft gemacht.

Die Bank ist grundsätzlich bereit, bei Ausweitung des Projekts die Finanzierung zu übernehmen.


Unsere Auszubildenden

Wir führten mit 12 potentiellen Auszubildenden/Interessenten Gespräche. Wir erklärten unsere Ziele, Ausbildungsinhalte und das Finanzierungskonzept. Sie schilderten uns ihren Bildungsweg und ihre jetzige Lebenssituation. Von einfachster Grundschulbildung bis abgeschlossenem Studium war alles vertreten. Sie sind arbeitslos und verdienen sich teilweise in Gelegenheitsjobs hier und da einige Nairas. Vier Frauen sind von der Fraueninitiative „Society“benannt (s. Ziffer 2).




An unserer Ausbildung interessiert Bulus Mato und Bitrus Daniel, beide Sozialarbeiter, arbeiten nur an einem Tag in der Woche, im Gespräch mit Marie.


Die Kunden/Nachfrager


Aufgrund der Probleme in der Stromversorgung (s. Ziffer 3.) gibt es sowohl in der Stadt wie auf dem Dorf eine zahlungsfähige Nachfrage für solare Stromversorgung (Solarlampen, kleine und größere Solar-Home-Systeme). Dieses gilt insbesondere, wenn die Zahlungsfähigkeit wegen unregelmäßigem Einkommen durch Micro-Kredite abgestützt wird.

In der Perspektive scheint es möglich zu sein, Generatorenstrom durch Photovoltaik zu ersetzen.

Damit würde sich ein weiteres Beschäftigungsfeld auftun (s. Ziffer 3.)


2. Frauen-Förderprogramm SPRAD; die Frauen-Society


Der Staat Nigeria, auch der Bundesstaat Kaduna führen Programme zur Armutsbekämpfung und Frauenförderung durch. Der Abteilungsleiter für diese Programme im Bundesstaat Kaduna Steve Mallan sagte uns die Unterstützung für unser Projekt zu. Auf unsere Nachfrage organisierte er den Kontakt zu einem ihrer Beschäftigungsprogramme, der „Society for the Preservation und Restoration of Women Dignity (SPRAD)“. Dort wurden wir sehr herzlich mit Gesang empfangen.

Diese Frauen arbeiten in einigen Geschäftsfeldern (Produktion von Seife/Kosmetika; Schneiderei; Friseursalon und Kunsthandwerk). Nachdem sie uns ihre manufakturmäßig organisierte Arbeit demonstriert hatten, haben wir sie gefragt, ob sie nicht auch einfache Solarlampen usw. in ihr Programm aufnehmen wollten. Wegen der häufigen Stromausfälle in ihrem Stadtviertel gäbe es dort einen Markt, der über einen weiteren Kiosk bedient werden könne. Sie waren begeistert und vier Frauen zeigten sich an der ersten Ausbildung interessiert.

Über die Zusammenarbeit mit der „Society“ kämen wir indirekt in ein staatliches Förder- und Armutsbekämpfungsprogramm.


Frauen der Society schneiden Kleiderstoffe zu



Hier wird Seife produziert



Das hatten wir nicht erwartet: mit Gesang und großer Show wird ein von uns überreichtes mini-SHS mit Durchschneiden des roten Bandes eingeweiht. Jetzt gibt’s Licht bei Stromausfall im Versammlungsraum der „Society“.



3. Beschäftigung durch Photoltaik und Klimaschutz: Solarstrom statt Generatorenstrom


Im nachfolgenden werden die Probleme der Stromversorgung und alternative Lösungsmöglichkeiten dargestellt.

Probleme/Kosten der Stromversorgung

Die Stromausfälle des öffentlichen Stromversorgers NEPA (Nigerian Electric Power Authority) sind erheblich. So waren es 2009 in Abuja 55 %. In anderen Städten und ländlichen Regionen fallen sie noch höher aus. Von der vorhandenen Kraftwerkskapazität in Nigeria, 6.000 MW können nur 2.000 MW genutzt werden. Fehlende Wartung und Reparaturen lassen die nutzbare Kapazität weiter sinken. Es sollen jetzt 1,8 Mrd. € in die Restrukturierung der vorhandenen Kapazitäten investiert werden.Die vorhandene Netzstruktur erreicht 40 % der städtischen und 10 % der ländlichen Bevölkerung. (2) (3)

Der Strompreis liegt zwischen 0,053 bis 0,061 € pro 1 KW einschl. der Nebenkosten, bzw. bei 0,017 € ohne Nebenkosten. (4)

Bei Stromausfällen sitzt man im Dunkeln oder lässt für die Stromversorgung den diesel-/benzinbetriebenen Generator laufen, verbunden mit gesundheitsschädlichem Lärm/Abgasen.

Die Kosten dieses Strompreises liegen bei 0,18 € pro 1 KW (z. B. 5 KW Anlage) einschließlich Abschreibungen. Da wird dann verständlicherweise über die hohen Treibstoffkosten, den Lärm und die Abgase geklagt und nach Alternativen gefragt. Können wir nicht erneuerbare Energien wie Photovoltaik oder Biogas einsetzen?

Der solare Strom ist allerdings teuer, er liegt bei 0,33 bis 0, 40 € pro 1 KW. (5) Wie soll so etwas finanziert werden?



Generatoren über Generatoren. Sie machen Lärm, stinken und vergiften die Luft.


- die Solaranlage von DARE bei der Barnawa MicroFinance Bank

Der Aufsichtsratsvorsitzende Dogara Gyet der Barnawa MicroFinance Bank hat sich dafür engagiert, den Generatorenstrom bei Stromausfällen durch Solarstrom zu ersetzen. In erster Linie begründete er es mit den gesundheitschädigenden Folgen des Generatorstrom (Lärm/Abgase). Er vertrat auch die Meinung, dass die Umstellung rentabel sei.

Der 5,5 KW Generator ist durch eine 2,3 KW Photovoltaikanlage mit Batterien ersetzt worden. Da der Verbrauch bei Stromausfall nur ungefähr geschätzt wurde, fiel die Leistung der Solaranlage etwas zu knapp gegenüber dem tatsächlichen Verbrauch aus. Durch Sparmaßnahmen beim Verbrauch wird jetzt versucht, den Verbrauch auf die Leistungsfähigkeit der Solaranlage abzustimmen.

Nach den uns zu Verfügung gestellten Zahlen könnte sich die Anlage in 8 bis 10 Jahren durch Einsparungen der Treibstoffkosten amortisiert haben. (5) Hierbei ist eine Verzinsung der eingesetzten Investitionsmittel unberücksichtigt geblieben. Würde man eine Verzinsung zu den ortsüblichen Zinsen von 3 % pro Monat einbeziehen, rechnet sich die Umstellung wahrscheinlich nicht, auch wenn die hohe Inflationsrate eingerechnet wird. Dieses muss genauer recherchiert werden.



Die Solaranlage ist offiziell von DARE gebaut worden. Akai (grünes T-Shirt) hat als Solarinstallateur die Anlage geplant und die Arbeiten ausgeführt.



- Solarstrom statt Generatorenstrom


Angesichts der hohen Investitionskosten für eine Umstellung von Generatoren- auf Photovoltaikstrom müssen Finanzierungshilfen mobilisiert werden.

Speziell dafür vorgesehen sind die sog. Global Enivromental Facility (GEF). Hier werden Mittel zur Verfügung gestellt, die die Mehrkosten einer umweltfreundlicheren Alternative abdecken sollen.

Aus einer Internet-Recherche, die wir noch in Nigeria machten, ging hervor, das diese Mittel/Projekte über den Staat abgewickelt werden. In Nigeria laufen einige dieser Projekte. Yahaya meinte, dass wegen der staatlichen Kontrolle/Steuerung an diese Mittel sehr schwer herauszukommen sei. Habiba hat einen solchen (kleinen) Projektantrag schon lange laufen.

Eine weitere Finanzierungsmöglichkeit wäre, ein weiteres Projekt über die Clean Development Mechnism (CDM) zu starten. Yahaya ist von englischen Investoren auf Projektmöglichkeiten angesprochen werden; wir müssten nur die Vorarbeit leisten und ein Konzept erstellen. Marie will und wird diese Arbeit übernehmen.

Die dritte Möglichkeit ist die Finazierung durch Spenden und Sponsoren. Das wird allerdings nur gehen, wenn wir uns auf gut begründete, notwendige Umstellungsprojekte beschränken würden ( z. B. solare Stromversorgung für Medikamentenkühlschränke in Krankenhäuser statt Generatorenstrom).


4. Solare Stromversorgung in einem Krankenhaus


(Spenden/Sponsorenmodell)

Das Krankenhaus bei Zaria hat einige solare Insellösungen zur Stromversorgung, überwiegend auf Sponsorenbasis. So wird die Wasserversorgung, das Licht in einem großen Krankenzimmer und in der Verwaltung, ein Medikamentenkühlschrank u.a. durch jeweils eigenständige kleine Solaranlagen ganz oder nur bei Stromausfall versorgt. Zusätzlich werden auch (wieder dezentral) kleine Generatoren eingesetzt. Dieser Flickenteppich ist verschiedenen Spendern/Sponsoren geschuldet. Die geschäftstüchtige Krankenhausleitung sucht wieder Spender/Sponsoren für die solare Lichtversorgung eines weiteren neuen Gebäudes.


Solare Wasserversogung im Krankenhaus, vom Griechen Chris Vassiliu gebaut. Er hat 30 Jahre Erfahrung im Brunnenbau und in der Solartechnik.



5. Solare Stromversorgung in einem Dorf

Als wir in dem Dorf nachmittags ankamen, brannten bei hellem Licht an einigen Häusern 40 W Glühbirnen vom Netzstrom. Über das Dorf verteilt gab es solare Straßenlaternen. Die nicht ausgeschalteten Glühbirnen wurden damit erklärt, dass wohl abends der Strom ausfiel und die Lichtschalter eingeschaltet blieben. Irgendwann kam wieder Strom und das Licht blieb auch an..., man bemerke das gar nicht mehr.

Die 28 solaren Straßenlampen mit Batterien und LED Lampen, seien von der Regierung (Politikern) erstellt worden. Da es 150 Häuser gäbe und man sich nicht hätte einigen können, wer ein Modul usw. bekommt, habe es eben 28 solare Straßenlampen gegeben. In den Häusern sitzt man abends bei Stromausfall im Dunkeln.



28 solare Straßenlampen in einem Dorf



Beklagt wurde von den Bauern, dass die Bewässerung ihrer Felder für den Gemüseanbau in der Trockenzeit mit den Benzinmotorpumpen sehr teuer sei. Verteilt über die Felder gibt es Brunnen, zu denen die Bauern die Motorpumpen bringen, um alle 3 Tage die Gemüsegärten zu bewässern.

Die 28 solaren Straßenlampen mit mindstens 60 Wp Modulen bringen täglich ca. 8,5 KW Strom in die Batterien. Jeweils 3 Hochleistungs-LED-Lampen zu 3 W (gleich 40 W Glühbirne) pro Haus könnten damit versorgt werden oder es könnten einige Motorpumpen durch Solarpumpen ersetzt werden. Wie viel, müsste gerechnet werden.

Aber was war passiert? Ein Politiker oder mehrere wollten wiedergewählt werden. Solare Straßenlaternen scheinen der Hit bei Wahlkampfgeschenken in Nigeria zu sein. Die arme Dorfbevölkerung ist diesem unsinnigen Wahlgeschenk ziemlich hilflos ausgeliefert, statt Licht fürs Haus und Strom für Solarpumpen im Gemüsegarten sind die Ressourcen verschwendet worden.


Die Motorpumpe versorgt das Gemüsefeld mit Wasser


6. Ausbildungswerkstatt des CVJM


Die Ausbildungswerkstatt des CVJM wurde 2002 bei der Unruhen in Kaduna völlig zerstört. Sie ist vom Norden in den christlichen Süden der Stadt umgezogen und neu aufgebaut worden.

Es werden Metallhandwerker in einer 2 jährigen Ausbildung trainiert. In dem ersten Jahr werden die senso-motorische Handfertigkeiten (Feilen, Bohren u.a.) und Materialkenntnisse gelernt, im zweiten wird an großen Maschinen ausgebildet (Drehbank, Blechschneidemaschine, Schweißen usw.). Früher fanden die Ausgebildeten immer schnell eine Arbeit in der Industrie (Peugot, Raffinerie ua.). Seit dem Niedergang der Industrie werden die Ausgebildeten in die kleingewerbliche Selbständigkeit ohne Handwerkszeug/ Material-ausrüstung entlassen. Mittlere Gewerbebetriebe, bei denen evtl. eine Beschäftigung möglich wäre, gebe es nicht (obwohl wir etliche solcher Betriebe gesehen haben).

Nachdem Yahaya den SAVE80 gezeigt und erklärt hatte, machten die CVJM-Ausbilder große Augen. Die Produktion von SAVE80 passt genau zur Ausbildung dieser Metallhandwerker. Alle erforderlichen Maschinen sind vorhanden. Da gäbe es ein hohes Beschäftigungspotential.

Ein Problem wäre zu lösen: qualitativ gutes Niro-Blech müsste beschafft werden.



7. Energieprobleme des National Hospitals in Abuja


Für unseren Besuch im National Hospital waren wir leider vom Anliegen des Hospital nicht vollständig informiert. Wir kannten den Schriftwechsel zwischen Paul und A. K. Bakari nur sehr unvollständig. Deshalb glaubten wir, es ginge um die Datensammlung zum Energieverbrauch im Krankenhaus für eine Beratung zur Effizienzsteigerung.

Als wir im Gespräch mit diesem Thema begannen, erklärte uns der leitende Ingenieur, es ginge ihnen nicht um „Energieeffizienz, sondern um mehr Energie“.

Das jetzt 200 Betten Krankenhaus soll zunächst auf 400 erweitert werden mit dem entsprechend höheren Stromverbrauch. Schon jetzt sei der Generatorenstrom bei Netzausfall sehr teuer und würde bei einer Vergrößerung des Krankenhauses zum finanziellen Problem. Deshalb suche man nach Alternativen, wie erneuerbare Energien. Sie erwarteten eine technische und finanzielle Beratung (Konzepte) für diese alternative Stromversorgung. Wir erklärten, dass wir keine Experten für große Stromanlagen seien, sondern bisher nur mit kleinen Solarkomponenten gearbeitet hätten, wie Solarlampen und kleinen Solar-Home-Systemen.

Große Solaranlagen mit 4 oder noch mehr MW-Leistung müssten ganz anders geplant werden.

Aber auch für eine solche Planung brauche man Informationen über den tatsächlichen Stromverbrauch des Krankenhauses. Diese Informationen würden wir gerne an Experten in Deutschland weiter geben. Schnell stellte sich herhaus, dass es keine verlässlichen Daten zum Stromverbrauch des Krankenhauses gab.

Die schon bekannten maximalen Verbräuche der einzelnen Abteilungen (s. Papier:National Hospital Abuja Power Requirement) sind Daten von den Typenschildern der einzelnen Stromverbraucher. Der tatsächliche Verbrauch ist nicht bekannt. Messgeräte sind nicht vorhanden. Es gibt nur eine Stromzange (Clamp meter) die Belastungen bis zu 1000 V/A messen kann. Wir haben der Fa. AKBAK zugesagt, uns zu informieren, ob es geeignete Messgeräte gibt, die auch hohe Spannungen und Ströme messen können. Ansonsten sollen sie sich 2 Studenten von der techn. Uni holen und mit der Stromzange messen lassen (mit Hilfe einfach hergestellter Messleitungen).

Wir habe noch versucht, herauszufinden, ob es Daten über den Gesamtverbrauch des Krankenhauses gibt. Da 45 % aus dem NEPA-Netz kommt und hierfür Abrechnungen vorliegen müssen, hätte man für den halben Verbrauch schon mal Daten. Die Energieversorgung des Hospitals ist arbeitsteilig organisiert: AKBAK ist nur zuständig für den Generatorenstrom bei Stromausfall.

Deshalb konnte man uns nicht mal sagen, wie viel der NEPA-Strom kostet. Man wusste nur, dass der Generatorenstrom teurer sei. Wie viel usw. war unbekannt.

Bei einem Rundgang durch den Betrieb und durchs Maschinenhaus haben wir dann gesehen, dass Log-Bücher über die beiden Generatoren geführt wurden. Wenn die Generatoren laufen, wird stündlich notiert wie viel KW sie gerade leisten.

Wir haben die Fa. AKBAK gebeten, aus diesen Maschinenbücher die Gesamtleistung für das Jahr 2009 zu errechnen, den Dieselverbrauch usw. Und sich von der Abteilung, die die NEPAAbrechnungen macht, ebenfalls die entsprechenden Daten errechnen zulassen.

Am Tag vor unserer Abreise, am 17 .3. 10 haben wir eine Aufstellung bekommen (s. Anlage 2).

Diese Zahlen sind noch zu hinterfragen. Bei den Kosten des Generatorstroms fehlen die Abschreibungen und Wartungskosten der Generatoren. Die Zahlen „Kwh on self generated energy“ scheinen aus der Multiplikation von Spitzenleistung (1400 KW) und Betriebsstunden zu sein.(7)

Aus den Aufzeichnungen in den Log-Büchern geht aber hervor, wie der Stromverbrauch im Tages und Wochenverlauf ist. Von 11 Uhr bis 14 Uhr produzieren die beiden Generatoren je 700 KW stündlich (zusammen 1400 KW), davor und danach weniger und den Nachtstunden erheblich weniger. Die Nacht-/Tagleistung soll ¼ zu ¾ sein.


Einige weitere Fakten:

z. Zt. Laufen bei Stromausfall 2 Generatoren mit zusammen 1400 KW in der Spitze (bei 2,04 MW möglicher Maximalleistung),

ab Juni kommen für die Erweiterung 2 Generatoren mit 2,4 MW möglicher Maximalleistung dazu; sie sollen ebenfalls mit durchschnittlich 1400 KW in der Spitze gefahren werden.

Bei einer Umstellung der Stromversorgung auf alternative Energien, sollen die 4 Generatoren auf „stand by“ gehen. Wir brachten daraufhin ein Hybridsystem, aus einem Generator für die Grundlast/Nachtstrom plus Photovoltaik für den Tagstrom in die Diskussion. Das wolle man nicht, man wolle ein Photovoltaik-/Batteriesystem.

Die Solare Einstrahlung in Kaduna ist im August (ungünstigster Monat) 4,5 KW auf 1m² , im April (günstigster Monat) 6,5 KW.

Die Krankenhausleitung erklärte uns auf Nachfrage, dass bei Umstellung auf alternative Energien die Einsparungen aus dem Dieselverbrauch zur Finanzierung nicht zur Verfügung stünden. Alles müsste durch Dritte finanziert werden. Hier erhoffen sie sich Hilfe und Beratung.

Soweit hierfür Mittel über CDM oder GEF eingeworben werden könnten, ist diese Erwartung richtig, aber wie aus der Kurzanalyse von R. Kappel ersichtlich, stünden auch Mittel aus Nigeria zur Verfügung, wenn sie nicht als Renteneinkommen von der herrschenden Klasse verbraucht würden.



Nur die aktuelle Leistung des Generators ließ sich messen...ca. 600 KW um 13 Uhr.

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1) R. Kappel: Nigeria: Die Instabilität wächst. In: GIGA-Focus Nr. 2 /2010

2) AKBAK-Papier „National Hospital Abuja Power Requirement“ (2009: 45,4 % NEPA Strom und 54,6 % Generatorenstram)

3) Länder und Märkte: Energiewirtschaft – Nigeria 2008.                                      , 20.01.2010

4) Angaben der Barnawa MicroFinance Bank; AKAB Ltd.

5) Eigene Berechnungen aufgrund der Umstelliung Generator/Solaranlage bei der Barnava

MicroFinance Bank

6) Liste der Ausbildungsintessierten (Anlage 1)

7) Akbak Engineering und Technical Services Limited: Verbrauchdaten/Kosten (Tabelle als Anlage 2)