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Nigeria Reisebericht (2) Dezember 2010


Solarwerkstatt in Kaduna gestartet – Förderprogramme

erkundet – neue Perspektive: Waldschutz durch CDM?


von Arwed Milz und Marie Cauzard 12/2010

Diente die Reise im März 2010 nach Kaduna der Erkundung und Marktrecherche für unser Projekt „Solarwerkstatt“, konnten wir im Dezember 2010 schon mit der Arbeit in der Solarwerkstatt beginnen, aber auch in unserer Recherche zur Projektskizze „Solarstrom statt Generatorstrom“ einen Schritt weiter gehen und sogar neue Perspektiven für ein weiteres Projekt entdecken.

Marie Cauzard hatte im Sommer für die neue Projektidee „Solarstrom statt Generatorstrom“ viele internationale und nationale (nigerianische) Finanzierungprogramme analysiert, die wir nun vor Ort in Abuja und Kaduna auf ihren Realitätsgehalt prüfen wollten. Welche können wir für unsere Projekte nutzen? Ein Überblick über diese Finanzierungsmöglichkeiten sind auf der website veröffentlicht  unter Downloads > „Mappe“.

Nach der Reise sind wir zu folgendem Ergebnis gekommen: Es lohnt vor allem, sich mit den Finanzierungsmöglichkeiten der GEF (Global Environment Facility) auseinanderzusetzen, sowohl für das Projekt „Solarwerkstatt“ als auch für das größere Projekt „Solarstrom statt Generatorstrom“. Das Small Grant Programme der GEF (SGP-GEF) eignet sich für die Umsetzung der Solarwerkstatt, und das größere Programm scheint sich für die Durchführung des Projekts „Solarstrom statt Generatorstrom“ zu eignen.


1. Ausbildungs-/Solarwerkstatt gestartet

Obwohl über den Finanzierungsantrag des LHL „Werkstatt für die Ausbildung nigerianischer Jugendlicher und Frauen zu Solartechniker/innen“ bei InWent/Land NRW noch immer nicht entschieden ist, (er soll nach einer Überarbeitung von Bernd Blaschke in die nächsten Haushaltsberatungen kommen), haben wir durch private Spendengelder mit der Werkstatt und dem Bau von 30 Solarlampen begonnen. Wir hatten die erforderlichen Materialien als Reisegepäck mitgenommen (ca. 40 Kilo).

Mit 3 Frauen und 4 Männern von DARE und SPRAD* starteten wir den Bau der Solarlampen und vermittelten Grundkenntisse zur Elektrizität, Photovoltaik und Batterietechnologie.

* siehe auch grüner Einschub, weiter unten. Das vollständige Profil von SPRAD hier, unter  "Download"


Marie erläutert die Grundlagen der Elekrizität und Nosa übersetzt in Pidgin oder Hausa


Nosa ist gelernter Elektriker und arbeitet bei DARE. Er ist dort auch für die PC-Technik zuständig. Im Ausbildungs- und Montagekurs erwies er sich als schnell lernender Teilnehmer, der die neu erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten gut vermitteln konnte. Er ist fähig, als Trainer einen entsprechenden Kursus anzuleiten und durchzuführen.



Arwed demonstriert mit Amperemeter Messungen, die zeigen, wie sich bei einem Solarmodul durch Beschattung und ungünstiger Ausrichtung zur Sonne die Leistung negativ verändert.



Stolz präsentieren die Auszubildenden ihre Produkte. Es waren nur wenige Nachbesserungen nötig. Auch ohne Vorkenntnisse wurden die Montagefertigkeiten und Grundkenntnisse der Photovoltaik schnell erworben.


Nosa beim Aufladen der gebauten Solarlampen mit den Solarmodulen. Sie erhalten eine von den Frauen von SPRAD genähte Ledertasche und gehen dann in den Verkauf.

Nosa von DARE und James von SPRAD sind für die Logistik und Kontrolle/Beratung zuständig und erhalten dafür 30,- € monatlich. Nosa wird als Fachmann auch die Wartung und Reparaturen durchführen. Er ist Trainer für den nächsten größeren Ausbildungskurs und wird auch die Montage der weiteren 50 Solarlampen anleiten. Voraussetzung: Wir erhalten die verauslagten Materialkosten in Höhe von 600,- € für die ersten 30 Lampen zurück.

Die Lampen werden für 30,- € verkauft. Der Preis setzt sich wie folgt zusammen: 20,- € Materialkosten, 5,- € für Montagearbeit und 5,- € als Verkaufsverdienst.

Marke Eigenbau: mms Solarpak

Die Solarlampe „mmsSolarpak“ mit einem 12 V / 2,4 Ah Akku und einem Solarmodul 12 V / 1,5 W (alternativ 2,4 W ). Gibt Licht und eignet sich zum Laden von Handys. Das 1,5 W Solarmodul liefert Strom für 5 Stunden Licht plus 3 Stunden Handyladen (das 2,4 W Modul entsprechend mehr). Eingepackt wird es in eine Ledertasche.

2. Finanzierung durch GEF-Mittel

Für eine zweite Ausbildungs-/Solarwerkstatt wurde durch unsere neue Partnerorganisation SPRAD ein Finanzierungsantrag bei der nationalen Koordinationsstelle für GEF SMALL GRANT PROGRAMME in Abuja eingereicht.


Habiba, mit Mai Nasara, Marie und die Leiterin der Koordinationstelle
Mrs Ibironke Favour Olubamise

Wir haben in Abuja das Ausbildungs-/Solarwerkstattprojekt Frau Ibironke Favour Olubamise vorgestellt und mit ihr diskutiert. Am Ende des Geprächs empfahl sie uns, über SPRAD umgehend ein „Concept Paper“ für das GEF SMALL GRANT PROGRAMME einzureichen. Anträge für diese Programme können nur aus dem Land, in dem die Projekte stattfinden sollen, von nationalen NGOs gestellt werden. Das SGP-GEF Program ist nach den Prinzipien der modernen Entwicklungszusammenarbeit konzipiert worden. Das verlangt u.a., eine starke Verbindung zwischen Armutsbekämpfung auf der lokalen Ebene und globalen umweltpolitischen Ziele. (Mehr dazu ist in Maries Dokumente auf der website unter Downloads>Mappe zu finden).

SPRAD griff unsere Initiative begeistert auf, da diese GEF-Mittel ein weiteres Arbeitsfeld für Frauen und Jugendliche in Kaduna ermöglichen würde. Wir hatten mit SPRAD schon im März über den Bau von Solarlampen gesprochen. Marie schrieb das „Concept Paper“ und nach ausführlicher Diskussion mit Frau Rose Titi Sodeyi, der Vorsitzdenden von SPRAD, hat SPRAD das Papier eingereicht. Damit ist das Antragsverfahren eingeleitet. Wir werden SRAD im weiteren Antragsverfahren beraten. Beantragt sind 38.000,- $ für eine Ausbildung von 20 Frauen und Jugendlichen und Material für 500 Solarlampen und 20 Solar-Home-Systemen (in Form von Powerboxen mit einem 80 W Modul). Das „Concept Paper“ kann auf Anfrage zugeschickt werden.

Der Antrag ist durch SPRAD gestellt worden, DARE und der LHL sind Partner in diesem Projekt, und die 3 NGOs werden an der Implementierung des Projekts Hand in Hand arbeiten. Die Ausbildung findet auf dem Gelände von DARE statt und der LHL führt den Workshop durch.



SPRAD – SOCIETY FOR THE PRESERVATION AND RESTORATION OF WOMEN HONOR AND DIGNITY

Die Frauenorganisation SPRAD ist vor allem in Beschäftigungsprogrammen für Frauen aktiv. 250 Frauen wurden in Workshops für kleingewerbliche Tätigkeiten ausgebildet, von denen 175 unter der Obhut von SPRAD kleingewerbliche Arbeiten verrichten. Die Produkte und Dienstleistungen werden in kleinen Läden/Kiosken (z.B. Nähstube) angeboten. Darüber hinaus ist SPRAD im Gesundheitswesen, im Friedens- und Konfliktmanagement ( häusliche und ethnisch begründete Gewalt), in der Aufklärung- und Betreuungsarbeit ( Prostitution, Hilfe für verarmte Kinder u.a.) engagiert.

SPRAD beschäftigt 7 Festangestellte und 22 Volontäre. Die Finanzmittel kommen von westafrikanischen Organisationen, UNICEF, der Weltbank und nationalen Organisationen. Das jährliche Gesamtbudget beträgt rund 100.000,-€.

Ein ausführliches Profil-Paper ist auf Maries website im Teil „English area“ zu finden.



3. Geld aus nationalen Entwicklungs- und Beschäftigungsprogrammen und die Anti-Korruptionsprinzipien

Die nationalen Entwicklungs- und Beschäftigungsprogramme (u.a. die PRSPs NEEDS/KADSEEDS, s.a. Maries website in „Mappe“) sollten von uns in Gesprächen mit Regierungsvertretern des Bundesstaates Kaduna auf ihren Realitätsgehalt geprüft werden.

Die vier Hauptprinzipien dieser Programme sind: eine Neuorientierung der Werte, die Bekämpfung von Armut, Generierung von Wohlstand und Beschäftigung. Zur Neuorientierung gehören auch die 7 Anti-Korruptionsprinzipien, die als doppelseitiges Stellschild in allen Amtsstuben auf den Schreibtischen stehen (sollen) und vom Angestellten und Besucher gleichzeitig gesehen werden. (Mehr Information zur Korruption in Nigeria auf Maries website unter Downloads>Mappe>Neopatrimonialismus in Nigeria, Hausarbeit).



Die Regierung des Bundesstaates Kaduna besteht aus dem Gouverneur, Vize-Gouverneur und 24 Ministern. Gespräche führten wir mit den 4 für diese Programme hauptsächlich zuständigen Ministern, bzw. ihren Staatssekretären. Organisiert hatte die Termine Ing. Davie Niyi, der die kleine Firma Glofem Nig. Ltd betreibt. Diese Firma soll Projekte im Rahmen von Staatsprogrammen durchführen. David hatten wir im März als Freund von Steve Mallan (2. Hand des Ministers für Arbeit und Transport) kennengelernt.


Im Vorbereitunsgespräch Marie mit Steve Mallan/David Niyi

Da sich Nigeria im Vor-Wahlkampf für die Präsidenten- und Parlamentswahlen auf allen Ebenen befindet, war uns klar, dass unsere Gespräche lediglich zur gegenseitigen Information und zu keinen verbindlichen Absprachen führen würden. Nach den Gesprächen in den Ministerien für Arbeit und Transport (Armutsbekämpfung), Arbeit und Produktivität (Beschäftigungsprogramme), Umwelt und dem Ministerium für die Local Governments (Regierungsbezirke des Kaduna State) kamen wir zu dem Ergebnis, das wir von uns aus (bis auf eine Ausnahmen), keine weiteren Initiativen in diese Richtung ergreifen werden.

Die Gespräche liefen immer nach dem gleichen Muster ab: Der Inhalt war unser Ausbildungs-/Solarwerkstattprojekt, da es am besten in den Rahmen der geförderten Projekte passte. Viele Arbeitslose sollen durch eine kurze Ausbildung mit einer Anschubfinanzierung in Beschäftigung gebracht werden. Wir haben unsere Argumentation an den in den offiziellen Dokumenten aufgestellten Prinzipien strukturiert bzw. uns „bewusst naiv“ nach der Papier-Dokumenten gerichtet.

Marie trug unser Projekt, oft unterstützt durch eine neue Power-Präsentation, vor und Arwed demonstrierte die Leistungsfähigkeit des mmsSolarpak-Systems. Nach der anschließenden Diskussion und dem Laden eines Handys wurde uns bestätigt, dass dieses Projekt in die Programme gut passe. Wir haben stets DARE und den LHL mit dem SAVE80 Projekt vorgestellt und den Bau der Photovoltaikanlage bei der „Barnawa MicroFinance Bank Ltd.“ durch DARE (Akai) erwähnt. Exemplarisch war die Reaktion des Umweltministers, der meinte, so eine Anlage als Modell bei seinem Privathaus wäre eine gute Werbung für Umweltschutz, erneuerbare Energien und für uns…



Die von DARE (Akai) gebaute Photovoltaikanlage bei der Barnawa Bank

Auf dem Rückweg zum DARE-Büro fragten wir David neugierig, wie das Ansinnen mit der Modellanlage zu verstehen sei. Ja, wenn man Geld aus den KADSEEDS haben wolle, meinte er, müsse man die Minister „geneigt“ machen. Eine gespendete oder stark subventionierte Solaranlage öffne Türen und Tore. Maries Vorhalt, das widerspreche doch den Anti-Korruptionsprinzipien, die nach den KADSEEDS gefördert werden sollen, beantwortet David lakonisch: Das KADSEEDS sei ein Papier und die Realität sei in Nigeria eine andere Sache. Wir haben David erklärt, dass DARE solche Anlagen inzwischen erheblich preiswerter bauen könne, wir hätten aber nichts zu verschenken.

Wir haben zusätzlich vor den 24 Local Government Chairmen, die zur monatlichen Budgetverhandlung ein Treffen in Kaduna hatten, unser Projekt präsentiert. Auch dort stieß das Projekt auf lebhaftes Interesse.

Fazit: Unser Projekt ist wichtigen Politikern von Kaduna State bekannt gemacht worden. David wird weiter Lobbyarbeit für das Projekt bei den Ministerien machen. Er hofft, dass ein entsprechender Workshop über seine Firma abgewickelt würde, was für ihn eine verlockende Einkommensquelle wäre. Er kennt aber unsere Anti-Korruptionsbedingungen. Wir werden von uns aus nur noch mit dem Ministerium für Arbeit und Produktivität Gespräche führen, da die Vertreter einen seriösen Eindruck hinterließen. Dieses Ministerium fördert auch die Frauenorganisation SPRAD. In den letzten Tagen hatte Marie noch ein spontanes Treffen mit Leuten vom Ministerium für Arbeit und Produktivität. Eine Zusammenarbeit mit diesem Ministerium scheint sinnvoller zu sein, als mit den anderen Ministerien. Marie untersucht momentan die Dokumente (Beschäftigungsprogramme) des Ministeriums für Arbeit und Produktivität. Sie wird im Januar/Februar eine empirische Arbeit mit dem Titel „From paper work to praxis work – Chances for NGOs to implement projects through local PRPS in Nigeria“ schreiben.


4. Solarstrom statt Generatorstrom – Solarstrom für 50 Motorpumpen?

Für unsere neue Projektidee „Solarstrom statt Generatorstrom“ begannen wir mit den ersten Erkundungen vor Ort. Hatten wir zunächst ein Modellprojekt in einem Krankenhaus angedacht, so haben wir diesen Plan fallen gelassen, nachdem Dr. Manfred Gruhl bei einer Recherche im Sommer feststellte, dass die Förderung durch die Fa. SolarWorld für ein Krankenhaus nicht ausreichen würde (s.u. die „Solar2Projekte-Projekte“ der Fa. SolarWorld).

Deshalb schlug Yahaya ein kleines Dorf vor, in dem Motorpumpen zur landwirtschaftlichen Bewässerung eingesetzt werden.

Das Dorf ANGUWAN TAWAKIRI hat 200 Einwohner, die in 50 Familien leben. Sie betreiben ganzjährig Gemüseanbau (Tomaten, Paprika, Zwiebel, Bohnen u.a.) für den Eigenbedarf und den Markt. In der Trockenzeit (8 Monate) werden die Felder mit 50 Benzinmotorpumpen aus 50 Brunnen bewässert.


Das Dorf hat die Form einer Haufensiedlung, um die herum die Felder liegen. Es gibt keinen Anschluss ans Stromnetz. 4 Haushalte haben zur Stromversorgung einen Generator, die übrigen nutzen abends Petroleum- und Taschenlampen.

Viele Arbeiten, wie auf dem Foto das „Dreschen“ von Bohnen, finden oft gemeinschaftlich statt.

Die 4 PS Benzinmotorpumpen aus China müssen jährlich ersetzt werden. Sie verbrauchen 1480 Liter Benzin pro Jahr. Die jährlichen Kosten für die Pumpe, einschl. des Kaufpreises und der Wartung betragen 870,- €

Die Bewässerung ist traditionell. Das ganze Feld wird geflutet. So gehen 70 % des Wassers durch Verdunstung verloren.

Der Dorfvorsteher NUHU ISHAYA demonstriert uns, wie das einlaufende Wasser von Parzelle zu Parzelle über kleine Furchen und Dämme gesteuert wird. Ist eine Parzelle des Zwiebelbeetes geflutet, wird der Damm geschlossen. Dann ist die nächste Parzelle dran.

Am Ende stehen alle Parzellen unter Wasser, das versickert und verdunstet. Tröpfchenbewässerung mit Metafim-Tropfrohren würde Wasser und Benzin sparen. Diese Effizienzsteigerung in der Bewässerungstechnik reduziert auch die erforderliche Größe und Kosten einer Solarpumpenanlage.


Diese Informationen werden wir aufgrund der festgehaltenen Diskussionergebnisse noch vervollständigen. Marie hat mit einem Interviewleitfaden eine lange und lebhafte Diskussion über das Dorf, die Arbeit, das Einkommen und die Perspektiven des Dorfes entfacht.


Zu jeder Frage gab es auch heftige Diskussionen unter den versammelten Dorfbewohnern: Wie hat sich der Grundwasserspiegel im Jahresverlauf und Verlauf der letzten Jahre verändert? Wie hoch sind verbrauchten Wassermengen? Diese und weitere Fragen konnten nicht abschließend beantwortet werden. Sie müssen deshalb noch geklärt werden, damit wir die Auslegung (Größe) und die Kosten der Umstellung auf ein mit Solarstrom gestütztes Pumpensystem berechnen zu können. Mit Unterstützung der Universität Zaria (Department Landwirtschaft) wollen wir dann auch mit den Dorfbewohnern die „Tröpfchenbewässerung“ diskutieren.

Finanzierung des Modellprojektes

Die Finanzierung der Umstellung von Generatorstrom bzw. Benzinmotorpumpen auf PV-Systeme erfolgt zunächst aus den Einsparungen der Aufwendungen dieser umweltschädlichen Energiegewinnung. Preisgünstige Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) können ausschließlich aus den Einsparungen finanziert werden. Die Art und Weise der Finanzierung enthält ein Problem. Generator-/Motorpumpenkosten fallen in kleineren Raten über die Zeit verteilt an und sind für die Bauern deshalb realisierbar. Bei einer PV-Anlage entsteht der Investitionsaufwand in voller Höhe bei Beginn der Umstellung. Wenn diese Investition nicht „geschenkt“ wird, ist sie nur kreditfinanziert möglich. Die hierfür anfallenden Zinsen machen die Umstellung zu teuer (vgl. das Kalkulationsbeispiel einer Umstellung auf Marie website in „English area“; „Comparisson of costs – Solar power instead of generator current-„).

Eine mögliche Lösung dieses Problems könnte sein: Die Analyse der internationalen Finanzierungsprogramme hat ergeben, dass sich wahrscheinlich die Finanzierung aus den

GEF-Mitteln eignen würde. Es käme ein sog. GEF MEDIUM GRANTS Programm in Frage, das mit 50.000,- bis 1 Mio. € gefördert würde. Ein solches Programm trägt die „Zusatzkosten“ einer Umstellung auf eine umweltschützende Technologie. Als „Zusatzkosten“ fallen die Zinsen für kreditfinanzierte PV-Anlagen an.

Da das Antrags- und Entscheidungsverfahren bis zu 3 Jahre dauern kann, streben wir als Zwischenlösung an, ein Modellprojekt im Dorf ANGUWAN TAWAKIRI mit Unterstützung aus dem „Solar2World“ Programm der Fa. SolarWorld durchzuführen. Im Rahmen dieses Programm werden Projekte unserer Art mit einer Spende von Solarmodulen bis maximal 5 KW gefördert. Alle übrigen Komponenten müssen in unserem Fall aus den Einsparungen des ersetzten Pumpensystems finanziert werden.

Wir haben unsere Projektidee auf der letzten Solarmesse in München dem Projektleiter von „Solar2World“- Projekten Herrn Peter Finger von SolarWorld vorgestellt.


Marie, Yahaya und Arwed erläutern Herrn Peter Finger die Projektidee „Solarstrom statt Generatorstrom“. Es passt in die von SolarWorld geförderten Projekte. Auf der Basis von Maries weiteren Erkundungen im Juni 2011 werden wir danach einen Projektantrag bei SolarWorld stellen (Foto: Dr. Manfred Gruhl).


Wir besuchten noch ein weiteres Dorf in der Nähe des bedrohten Kagorowaldes. Dieses Dorf erwies sich für unser Projekt als ungeeignet, da hier und in der gesamten Umgebung die Landwirtschaft ausschließlich als Regenfeldbewässerung betrieben wird. In dem großen Dorf gibt es Handpumpen für den Wasserbedarf der Haushalte. In dieser Streusiedlung (4500 Einwohner) fanden wir nur 4 Stromgeneratoren für die private Stromversorgung, einen Anschluß an das öffentliche Stromnetzt gibt es nicht.


5. Der bedrohte Kagorowald – ein neues CDM Projekt?

Kurz bevor wir nach Nigeria abflogen, hat uns Dr. Paul Krämer auf einen interessanten Artikel zum bedrohten Kagorowald im Kaduna-State hingewiesen. Der Artikel „Assessing changes in Kagoro forest, Kaduna State Nigeria using remote sensing and GIS“ ist von Prof. Ojunigu F. Ati vom Department of Geography der Ahmadu Bello University Zaria in Kooperation mit dem National Centre for Remote Sensing, Jos National Space Research and Development Angency geschrieben worden. Daher erschien uns ein Treffen mit einem der Verfasser des Artikels sowie ein Besuch des Waldegbietes sinnvoll. Der Artikel beschreibt die Veränderung des Waldes und der Landschaft im Kagoro-Waldgebiet anhand von GIS-Daten (Geografisches Informationssystem) von 1987, 1994, und 2005.


Große Teile des Kagorowaldes sind noch ursprünglich und zusammenhängend, andere stark zergliedert und zersiedelt, teilweise mit Plantagenwald aufgeforstet.

Den Wald kann man sich in Google Earth bis aus einer Höhe von 1,5 km genauer ansehen

Finden: in Google Earth Nigeria ansteuern und über das Ortsmarkierungssymbol (gelber Pin Sticker) Koordinateneingabe aufrufen. Folgende Koordinaten jeweils N/E paarweise eingeben: 9° 22 ' N / 8° 11' E -9° 22' N / 8° 24 ' E - 9° 35'N / 8° 11 'E - 9° 35' N / 8° 24' E. In dem quadratisch abgesteckten Gebiet ist der Wald.


Der Kagoro Wald schwindet dramatisch schnell, hauptsächlich durch Abholzung, der Ausbreitung der Landwirtschaft sowie Vermehrung der Siedlungen im Randgebiet. Dank Paul und Yahaya konnten wir Prof. Ati in Zaria treffen und ihm unser Interesse für seine Arbeit mitteilen. Arwed will sich mit der Beschaffung von guten Karten auch zur Nutzung in GPS-Systemen beschäftigen. Die Idee fand Prof. Ati sehr gut. Er ist an einer GPS-Software und Karten, die vom Laptop aus benutzt werden können, sehr interessiert. Die weitere Bearbeitung der GIS-Daten bzw. die Gewinnung von neuen Daten für das Kagoro-Waldgebiet scheint sinnvoll zu sein. Wir werden uns damit beschäftigen, möglicherweise mit der Unterstützung eines Geologen, der in Hamburg lebt und bereit ist, seine Kenntnisse dem Projekt zur Verfügung zu stellen.

Nach dem Termin mit Prof. Ati haben wir uns dafür entschieden, gleich am nächsten Tag nach Kagoro zu fahren, um uns den Wald anzuschauen und einen 2. Dorfbesuch zu machen. Leider wußte von den uns begleitenden DARE Mitarbeitern und den Dorfbewohnern niemand, wo der ursprüngliche Wald war. Alles, was uns gezeigt wurde, waren Plantagen von schnell wachsenden Bäumen, die wohl Teil eines Wiederaufforstungsprojekts sind. Das nächste Mal werden wir Prof. Ati darum bitten, uns zum ursprünglichen Wald zu bringen.

Der Schutz von unberührten Waldgebieten stellt eine Möglichkeit für ein CDM-Projekt dar. Man könnte es nach den Ergebnissen der Klimakonferenz in Cancún Ende 2010, als ein REDD-Projekt (Reducion Emissions from Deforestation and Degradation) planen. Das REDD-Programm funktioniert ähnlich wie die Clean Development Mechanism (CDM), ist allerdings ausschließlich auf Verminderung von CO2-Emissions durch den Schutz von Wäldern bezogen. Das Programm ist nach den modernen Prinzipien der Entwicklungszusammenarbeit konzipiert worden: Es verlangt, die möglichst schnelle Erreichung von globalen umweltpolitischen Zielen in Verbindung mit einer spürbaren und nachhaltigen Verbesserung der Lebensverhältnisse der lokalen Gemeinschaften.

(Weitere Information zum REED-Mechanismus findet man auf der UN-Seite 

Für DARE und LHL macht es sicherlich Sinn, sich im Rahmen des SAVE-80 Projekts noch genauer mit dem Problem der Abholzung zu beschäftigen, vielleicht in Form eines zweiten CDM-Projekts, als REED-Projekt.

(Marie wird sich mit den Strukturen des REDD-Mechanismus befassen und weitere Informationen auf ihrer website veröffentlichen.)



Prof. Ati vom geografischen Institut der Universität Zaria, Mitverfasser des Aufsatzes über die Probleme des Kagorowaldes im Gespräch mit Marie und Arwed. Prof. Ati wünscht sich Unterstützung zum Schutz des ursprünglichen Kagorowaldes.

Die Bibliothek des geografischen Instituts. Hier stapeln sich die Abschlussarbeiten der Studenten


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