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Nachtbriefe IV/2011




Nachrichten aus Kaduna Nr. 115


Düsseldorf, den 7.10.2011

Liebe Kaduna-Freunde,

jetzt weiß ich endlich, was es kostet in Abuja zu wohnen: aufgepasst, wenn London die teuerste Stadt in Europa ist so soll Abuja die teuerste in Afrika sein, also für eine Zwei-Zimmer-Wohnung in zentraler Lage sind locker 1.000 € (kalt) an Miete zu bezahlen, monatlich (das ist bei einem Mindestlohn von knapp 100 € im Monat, über den gerade heiß diskutiert wird, schon purer Wahnsinn).

Warum ich davon berichte? Weil wir mit dieser Entscheidung ringen, in Abuja ein Büro einzurichten. Vor ein paar Wochen war das noch überhaupt kein Thema, doch eine Radiosendung hat uns ins Herz getroffen, wir werden überrollt. Auslöser war ein Interview, welches Yahaya dem Sender geben musste und welches live übertragen wurde, aber nicht in Haussa oder Oxford-Englisch sondern in der hier typischen Landessprache, dem Pidgin-Englisch und die Reaktion war überwältigend. Bereits während des Interviews gingen 75 Anrufe ein. Das war am Samstag und der Moderator hatte darauf hingewiesen, dass unter einer bestimmten Adresse man diesen Ofen kaufen kann. Am Montag war es soweit und der Moderator, der sich als Anwalt der kleinen Leute versteht, hatte Mühe, die Massen zu beschwichtigen, die Straße vor seinem Haus war verstopft und auf dem Hof fand Yahayas Vorführung inmitten einer großen Menge statt. Interessenten konnten sich in eine Liste eintragen und die Ausgabe der Kocher sollte dann auf einem zentralen und größeren Platz stattfinden, wozu sich die Taxifahrer bereit erklärt hatten. Überhaupt ist die Taxifahrergewerkschaft schon immer an unseren SAVE80 interessiert und auch hier hat sie sich bereit erklärt, die Werbe- und Verkaufskampagnen solange zu unterstützen, bis wir ein eigenes Büro besitzen. Seit dieser Sendung also liegt uns Abuja zu Füßen, zumindest das gemeine Volk und da wir nicht mit jedem Kocher
einzeln 250 km über die Autobahn fahren können überlegen wir ernsthaft, ob es sich lohnt. Um 1.000 € zu bezahlen müssen wir im Monat erst einmal ca. 15 Kocher verkaufen. Das aber scheint machbar zu sein, wenn man die augenblickliche Nachfrage zugrunde legt und die Verkaufszahlen
steigen eher als dass sie sich nach unten bewegen. Soweit Nachrichten aus Abuja.

Die Trennung des Staatsgebietes in verschiedene Projektgebiete (Guineazone und Sudanzone) hat bei einem Verkauf zu dem kuriosen Hinweisen an den Käufer geführt, dass er den ersten Kocher
unbedingt seiner Ehefrau aushändigen muss während der zweite Kocher für die im Norden wohnende Mutter bestimmt ist, bitte nicht vertauschen, sonst kann es beim Monitoring Probleme geben.
Heute am Sonnabend arbeitet die ganze Mannschaft in Abuja für die Botschafterfrauen, die eine Fundraising-Veranstaltung durchführen und Yahaya gebeten haben, mit einem SAVE80 die Beköstigung
der Gäste zu übernehmen. Neben vielen Botschaftergatten wird auch sonst viel Besuch erwartet und Yahaya ist sicher, dass er auch für seine S80 viel Reklame machen kann. Bevor sie am Nachmittag aber mit den Vorbereitungen (Zeltaufbau) begannen absolvierten sie noch eine spontane Verkaufsveranstaltung bei der Taxifahrerinnung und haben dort 10 St. verkaufen können. Die Verantwortlichen schlugen vor, dass sie jeden Samstag kommen könnten, es würden sich bestimmt
reichlich Kaufinteressenten einfinden. Vielleicht sollte Yahaya auch auf dem Wochenmarkt seinen Stand aufschlagen, für eine Stadt vielleicht keine schlechte Lösung.

Derzeit kämpft Yahaya mit zwei Problemen: es streiken die Bankangestellten und damit gibt es kein Geld, also gibt es auch keine Ratenzahlungen für unsere Kocher und damit gibt es eine kleine Einkommensdelle derzeit. Hinzu kommt, dass er schon wieder den Verkauf rationieren muss, denn knapp 200 Kocher befinden sich noch im Container und der nächste schwimmt noch immer auf hoher See. Und das zweite Problem sind die streikenden Telefongesellschaften, die – ganz übel – keine festen Streikzeiten bekannt geben sondern spontan mal hier für ein paar Stunden und am anderen Tag sind andere Städte davon betroffen. Gestern war es Abuja, welche in der Zeit von 18 – 23
Uhr abgeschnitten war. Durch Zufall unternahm ich gegen 23.15 noch einen letzten Versuch und sofort nach dem ersten Ton nahm er ab und wir konnten - ich war eine ganze zeitlang verdutzt – doch noch telefonieren.
Es muss noch von einem Besuch eines Fernsehteams berichtet werden, welches aus Lagos nach Kaduna gesandt war, um die Konferenz der Forstverantwortlichen zu filmen. Der Chefredakteur hatte ihnen aber die Weisung mitgegeben, dass sie in Kaduna nach einem gewissen Yahaya Ahmed suchen müssten, denn der könnte sie zu einem Plastikflaschenhaus führen, so etwas hat die (afrikanische) Welt noch nicht gesehen und es wäre wichtiger darüber einen Beitrag mitzubringen als von der Konferenz. Nach Yahaya brauchte das Fernsehteam nicht lange zu suchen, denn erstens hatte Yahaya als Redner einen großen Auftritt vor versammelter Mannschaft und zweitens stand DARE
mit seinem Stand und Pavillon vor dem Kongressgebäude, unübersehbar. So ist es auch nicht verwunderlich, dass nahezu alle Landesdelegierten und viele Landesumweltminister bei ihm vorbeischauten und auch die nigerianische Umweltministerin, die ihn bereits von einem Besuch kennt, machte ihm ihre Aufwartung, wobei sie vom Vizegouverneur begleitet wurde, man kennt sich inzwischen.
Das wird hoffentlich noch alles Folgen haben. Zumindest der Leiter der Forstverwaltung hat ihn schon zu einem weiteren Treffen eingeladen, naja Einladungen haben wir jetzt genug bekommen, jetzt brauchen wir endlich mal Bestellungen meine Damen und Herren Politiker.

Zusammengefasst: es ist derzeit eine Menge zu tun, Yahaya bremst etwas, denn der nächste Container wird noch 1 – 2 Wochen brauchen. Dann aber kann er direkt aus dem Container heraus liefern, so viele Vorbestellungen hat er eingesammelt und dies wäre auch der Zeitpunkt, den Container Nr. 4 zu bestellen, Lieferziel Dezember. Wenn wir das schaffen, dann glaube ich stehen wir in diesem Jahr erstmals finanziell so gut da, dass erste Zahlungen an unsere Gläubiger geleistet werden könnten. Da uns der Umzug auf das neue Gelände  außergewöhnlich belasten wird muss der 3. Container diesen Finanzbedarf decken und auch die Jahresmiete für das Gelände ist im Januar fällig. Dem sehe ich im Augenblick gelassen entgegen, die Nachrichten aus Nigeria sind positiv wie schon lange nicht mehr. Ich genieße diesen Moment und hoffe, dass bei meinem Besuch Ende Oktober ich Yahaya und das Team von DARE in guter Stimmung antreffen werde.

Ich werde bis dahin noch einen Nachtbrief verfassen, denn es ist gerade spannend, wichtige Entscheidungen stehen bevor und Sie, verehrter Leser, werden davon rechtzeitig in Kenntnis gesetzt, versprochen.


Mit besten Grüßen


Bernd Blaschke


Der vollständige Nachtbrief Nr.115 vom 7. Okt. 2011  kann als pdf-Datei (17,4 kb) HIER heruntergeladen werden.



Nachrichten aus Kaduna Nr. 114

Ramadan ist Ruhezeit

Düsseldorf, den 7.9.2011

Liebe Kaduna-Freunde,

es sind seit den letzten Nachrichten nahezu zwei Monate vergangen, davon ein ganzer Monat Ramadan. Während dieser Zeit kommt das Leben im nördlichen Nigeria ziemlich zum Erliegen, dennoch ist viel passiert und ich komme kaum hinterher mit dem Schreiben. Die Verkaufstätigkeit hatte deutlich nachgelassen während dieser 4 Wochen, auch Termine oder Gespräche mit wichtigen Personen konnten nicht stattfinden, weil der Betreffende sich auf Pilgerreise in Mekka oder Medina befand. Für hochrangige Persönlichkeiten ist die Pilgerreise Pflicht. Aber außer dem Verkauf von SAVE80 haben wir unsere Aktivitäten in letzter Zeit erheblich ausgeweitet, Sie werden dazu gleich Näheres erfahren. Natürlich telefoniere ich noch immer mit Yahaya vorzugsweise am späten Abend, oftmals bis nach Mitternacht, doch benutze ich in letzter Zeit Prepaid-Telefonkarten und das ist doch sehr umständlich.

Zuerst möchte ich kurz auf die Situation unseres SAVE80 eingehen. Ende Juni ist der zweite Container in diesem Jahr eingetroffen und das wird auch höchste Zeit, denn der letzte Container vom März ist komplett verkauft. Wir hatten allerdings im April und Mai größere Probleme wegen der Wahlen, so gesehen ist es schon wahnsinnig, dass in dieser kurzen Zeit der Container mit 1.600 Kochern verkauft werden konnte. Und mit dem jetzigen wird es auch nicht mehr so lange dauern wie noch im letzten Jahr, ich rechne damit, dass Ende September der Verkauf weitgehend abgeschlossen ist. Glücklicherweise hat uns atmosfair schon den nächsten Container bestellt und er wird bis Mitte Sept. in Lagos eintreffen. Da unsere neue Spedition sich inzwischen gut eingearbeitet hat und der hiesige Clearing-Agent die Abläufe und besonders die handelnden Personen gut kennt, dauert es heute nur noch wenige Wochen bis der Container in unserem Büro in Kaduna eintrifft..

In meinen letzten Nachrichten stand der Besuch von Yahaya in D kurz bevor, jetzt kann ich berichten, dass er schon wieder zurück in seiner Heimat ist, insgesamt gut zwei Wochen, angefüllt mit Besprechungen und Besuchen bei wichtigen Leuten. Yahaya hat sich in Bielefeld auch den Bus angesehen, den wir kurzerhand gekauft haben, ein alter Bus der Wasserwacht, aber nur 67.000 km, quasi gerade eingefahren, ein Benziner, wichtig in Nigeria, denn dort gibt es Diesel nur an den Autobahnen.

Zurück in Nigeria haben wir uns gleich um ein sehr zukunftsträchtiges Thema unterhalten müssen: da wir unser mitten in der Stadt liegendes Büro zum Jahresanfang gekündigt haben müssen wir uns um Ersatz kümmern. Ein Stadtbüro kommt nicht infrage, da erstens zu teuer und zweitens bringt die exponierte Lage uns keine Vorteile: wir kommen zu unseren Kunden, nur ganz wenige verlaufen sich in unser Büro. Die Alternative heißt also raus aus der Stadt und da gibt es ein attraktives Angebot: Chistopoulus, ein Grieche, den wir schon längere Zeit kennen, weil er im Brunnenbaugeschäft tätig ist, besitzt ein großes Grundstück an der Autobahn Abuja – Kano, eine Hauptverkehrsader in Nord-Süd-Richtung. Das Nachbargrundstück ist noch frei oder wir könnten mit auf sein Grundstück ziehen, Platz ist reichlich. Es gibt darauf ein paar ältere Gebäude, mehrere Wasserbecken mit Fischzucht, Felder die z.T. bewirtschaftet werden, Bäume, viel Wasser aber keine Toilette. Die beiden – Yahaya und Chris – haben sich dann immer öfter über die Möglichkeiten unterhalten, die das Gelände bietet und festgestellt, dass die beiden Männer sehr ähnliche Träume haben. Also haben wir eingeschlagen und werden das Gelände in 2012 mieten und danach wollen wir Geschäftspartner  werden.

Inzwischen hat das Flaschenhausprojekt dort begonnen, Andreas hat seinen Aufenthalt um 2 Wochen verlängert, um die Fertigstellung zu begleiten, aber das wird nicht klappen, denn es fehlen Flaschen.


Bild: ein Flaschentransporter

Gesucht ist der Typ 1,5 l, diese werden weniger verkauft oder weniger weggeworfen. Nur durch einen beherzten Kauf auf dem Wochenmarkt in Zaria bei einem Flaschenhändler (uns war unbekannt bis dahin, dass mit Plastikflaschen gehandelt wird) haben wir einige tausend Flaschen erwerben können und jetzt geht es weiter. Zwar wurde lange um den Preis gefeilscht weil der Verkäufer für 1 Flasche 1 Cent, für alle 1.000 Flaschen aber 1.000 Cent haben wollte, der hat wohl noch nie etwas von Mengenrabatt gehört?

Dann habe ich von seinen Terminen erfahren: heute am 13.8. muss er nach Jos, dort wird er ein Radiointerview geben, am Sonntag trifft er auf dem neuen Gelände einen BBC-Reporter, der darüber berichten will. Am Montag Treffen mit dem Landtagspräsident von Katsina, das Gespräch findet aber in seinem Zuhause  statt. Am Dienstag fährt er nach Abuja, und ich weiß nicht warum. Ich beneide ihn nicht, denn die meisten Fahrten werden mit dem PKW unternommen und bei den Straßenverhältnissen und den großen Entfernungen ist das lange Fahren eine Tortur. Zudem muss man hellwach sein, denn es gibt auch Schlaglöcher die meistens dort sich befinden, wo man sie nicht vermutet.

Am 6.8. habe ich Andreas Froese um 9.00 am Flughafen abgeholt; und obwohl er ganz schlecht geschlafen hatte saßen wir noch 1 Std. im Stehcafe im Empfangsgebäude und haben über die Gegenwart und die Zukunft gesprochen. Es war sein zweiter Afrika-Aufenthalt und es war eine eindrucksvolle Reise. Es hätte natürlich einiges besser laufen können und es ärgerte ihn ein wenig, dass der Bungalow nicht fertig geworden ist. Andererseits ist es das erste Flaschenhaus in Afrika, keiner hat ähnliches in diesem Land geschafft, wir haben großes Interesse gefunden, auch die Politiker ließen sich blicken und sprachen lobende Worte, wir werden uns überraschen lassen, ob dem Taten folgen.


Bild: Unser Flaschenbungalow, halb fertig

Der Emir von Zaria ist echt begeistert und wenn die Ramadan-Feiern endgültig vorbei sind wird Yahaya noch einmal dort vorsprechen. Denn nun haben wir eine konkrete Vorstellung, wie eine Ausbildung für angehende Flaschenbaumaurer aussehen könnte, wir haben einen Geldgeber in D gefunden, der mit 50% behilflich ist und wir brauchen nur noch Geldgeber, die aus Nigeria kommen könnten für die anderen 50%. Ideen haben wir schon, wer darauf angesprochen werden müßte, z.B. die Landesregierung von Kaduna. Sie hat allergrößtes Interesse an einer Ausbildung von jungen Arbeitslosen, da können wir behilflich sein. Aber die Kosten für Unterbringung und Verpflegung sollte sie dann auch übernehmen, wir stellen den Ausbilder und die dazugehörigen Kosten übernehmen wir. Neben der Theorie wird viel Praxis vermittelt und auch praktisch gebaut, zuerst auf unserem Grundstück und dann zwei größere Gebäude in der Nachbarschaft.

Mit beiden Gebäude werden wir Neuland betreten: einen Klassenraum als Klassenbungalow und eine Toilette, die zu einer Moschee gehört. Die Schulen befinden sich oftmals in einem schlechten Zustand und wir können hier zeigen, dass mit wenigen Mitteln die alten Schulen durch neue „Flaschenschulen“ ersetzt werden können. Das Problem der fehlenden Toiletten an den Moscheen ist ein landesweites und wir wollen auch hier zeigen, dass eine Flaschentoilette eine preiswerte und nachhaltige Lösung sein kann, besonders wenn es für Männer und Frauen Toiletten gibt. Die Innovation besteht darin, dass die Produkte eines Toilettenbesuches bei unserer Toilette nicht entsorgt wird, sondern gesammelt und dann zum Kompost aufbereitet wird. Hierzu werden wir uns Beistand bei der German Toilet Organisation holen, die schon einige Toiletten in Entwicklungsländern gebaut hat.

Bei unserem SAVE80-Projekt gibt es eine neue Entwicklung: um die Finanzierung sicher zu stellen sucht atmosfair Finanzpartner. Wir hatten anfangs Probleme mit der überfallartigen Vorgehensweise, doch inzwischen sind wir von Interessenten angesprochen worden, die sich mit einer finanziellen Einlage beteiligen wollen. Natürlich wird dabei eine Rendite ausgezahlt und wir formulieren jetzt Vertragstexte für unsere neuen potentiellen Partner. Das alles findet vor dem Hintergrund statt, dass unser Nigeriaprojekt bald die erste Phase abgeschlossen hat und wir in ein größeres CDM-Modell einsteigen, das sog. PoA. Hierbei werden viele kleine gleichartige Projekte zusammengefasst zu einem Programm mit dem Vorteil, dass die Projektbeschreibung und das Registrierungsverfahren nur einmal durchexerziert werden muss. Auf diese Weise werden wir ganz Nigeria zu unserem Projektgebiet erklären und haben dann endlich keine Probleme mehr wenn Käufer uns antworten, dass sie aus dem Süden Nigerias kommen, bisher eine verbotene Zone.

Inzwischen ist auch Heinz in Nigeria eingetroffen und er wurde standesgemäß am Flughafen abgeholt, d.h. als VIP brauchte er nicht durch den Zoll. Yahaya ist am Flughafen inzwischen ein bekannter Mann, denn erstens verkauft er den Wunderofen SAVE80, zweitens reist er selbst recht viel und drittens erhält er häufig Besuch aus Germany, das macht einen guten Eindruck. Heinz hat in seinem Gepäck die Aufgabe, sich mit wichtigen Leuten über die Chancen einer „Solarkonferenz in Nigeria“ zu unterhalten. Bisher sind alle Angesprochenen von unserer Idee begeistert, aber es geht nicht ohne Unterstützung aus dem Lande, da muss noch mehr kommen. Aber zumindest die Messegesellschaft Kaduna hat signalisiert, dass eine Solarmesse höchst willkommen sei. Wir brauchen aber auch Teilnehmer aus der Wirtschaft und von den Hochschulen, ich bin gespannt, was Heinz bei unserem Besuch noch erreichen wird und ich werde dann Ende Oktober bei meinem Besuch in Nigeria die Gespräche fortsetzen.

Die Zeit und der Platz reichen nicht um die ganzen Gespräche und Einladungen aufzulisten, die mir Yahaya in den letzten vier Wochen ins Telefon diktiert hat. Aber einen Besuch möchte ich zum Schluss noch erwähnen, denn hier entwickelt sich vielleicht eine ganz neue Form der Partnerschaft: die Raffinerie in Kaduna ist ein sehr großer Arbeitgeber und deren Chef ist ein Freund vom SAVE80. Jetzt hat er Yahaya noch einmal eingeladen, vor den Vertretern der Kooperative den Kocher vorzuführen und es gab eine Begeisterung, die kaum zu beschreiben ist, denn endlich wurde kein Fernseher, kein neues Handymodell und keine Waschmaschine vorgestellt sondern etwas wirklich nützliches: unser SAVE80. Und weil die Begeisterung so groß war will der Chef prüfen, ob man die firmeneigene Bank in das Finanzierungsgeschäft nicht einschleusen könnte.  Wenn das klappt dann bedeutet dies ein großer Schritt Richtung Konsolidierung, sprich Entschuldung,  denn noch sitzen wir auf einem Berg Schulden in 6-stelliger Höhe.

Wir haben zur Zeit einen guten Lauf und wir sind noch steigerungsfähig, darum kann ich mich jetzt gut auf’s Ohr legen.

Beste Grüße

Bernd

Der vollständige Nachtbrief Nr. 114 vom 7. Okt. 2011  kann als pdf-Datei (17,4 kb) HIER heruntergeladen werden.


Nachrichten aus Kaduna Nr. 113

 

Düsseldorf, den 15.7.2011

Liebe Kaduna-Freunde,

wieder einmal hatten wir ein längeres Telefongespräch, vor Mitternacht begonnen, nach Mitternacht beendet. Zuerst die erfreulichen Nachrichten.

Seine Reise nach Caux musste Yahaya verschieben, da ein Abgesandter des Emir ihn im Hotel (in Abuja) aufsuchte um ihm die Nachricht zu übermitteln, dass der Emir ihn zu einem Besuch in seinen Palast einlädt, und zwar Morgen am Do. Und am Nachmittag solle er beim Gouverneur in Kaduna sich einfinden. Darüber war Yahaya einerseits erfreut, weil geehrt, andererseits war damit seine Reise nach Caux hinfällig geworden. Und dass der Emir ihn empfangen würde, da war er sicher, dass der Gouverneur ihn empfangen würde, darüber hatte er leichte Zweifel.

Der Empfang beim Emir war großartig, denn außer den Bezirkshäuptlingen waren auch alle 17 Local Government Chairmen vertreten, insgesamt über 300 Zuhörer. Der Emir ließ es an deutlichen Worten nicht fehlen, er selbst hätte den ersten Schritt getan und 40 Kocher befinden sich in seinem Palast. Und von seinen Bediensteten höre er nur lobende Worte. Daran mögen sich besonders die Vertreter der Local Governments  ein Beispiel nehmen und mögen sorgfältig überlegen, wofür sie ihr Budget einsetzen. Darüber hinaus erwähnte er, dass derzeit eine Revolution nahe seines Palastes stattfindet, denn der deutsche Baumeister verbaut den Plastikmüll zu wunderbaren Bauwerken, er selbst habe sich davon überzeugt. Und dann bat er Yahaya und Andreas dazu etwas zu sagen und beide hielten einen PP-Vortrag mit beeindruckenden Bildern. Anschließend konnten sich die Teilnehmer an dem köstlichen Reis laben und sich überzeugen, mit wie wenig Holz eine leckere Mahlzeit bereitet werden kann. Es hagelte Einladungen und Yahaya hätte zudem mind. 50 Kocher verkaufen können, aber die liegen noch immer im Container und warten auf die Biegevorrichtung.

Nach dem Besuch beim Emir nahm ihn der Sekretär beiseite und deutete an, dass der Emir von den LG-Chairmen erwartet, dass jeder einen Container bestellt. Derart frohgestimmt eilte Yahaya zurück nach Kaduna, Andreas wurde unterwegs abgesetzt und pünktlich erreichte er das Büro des Gouverneurs. Ich will es kurz machen: ein Offizieller bedauerte ihm mitteilen zu müssen, dass der Gouverneur in einer anderen dringenden Angelegenheit benötigt wird und daher diese Verabredung nicht wahrnehmen kann. In diesem Zustand habe ich Yahaya noch am Abend angetroffen und es dauerte eine Zeit, bis ich ihn aus diesem Jammertal herausgeholt hatte. Wir waren uns einig, dass man den Versprechen der Politiker nicht blind vertrauen sollte.

Auf dem neuen Grundstück ist das Flaschenhaus weiter gewachsen, eine Mauer hat die Höhe von 2m erreicht, das Fenster ist eingebaut, die anderen müssen noch etwas wachsen, aber das passiert auch und nun kann man schon erkennen, welch grandioser Bungalow das werden wird, er wird 3 m hohe Mauern bekommen. Vielleicht wird auch noch das Dach fertig, ein Strohdach, aber jetzt wird das Geld knapp, bei der Kalkulation hatten wir wohl die Inflation vergessen. Unruhe kam bei den Besuchern auf als ein Blinder auf der Baustelle erschien, der unbedingt die Wände befühlen wollte, er konnte den Erzählungen nicht glauben und war erstaunt, als er die Flaschen betastete.

 

Bild: ein blinder Mann aus der Nachbarschaft ertastet was er nicht glauben wollte.

Für das kommende Wochenende haben sich nun doch die Mitarbeiter der amerikan. Botschaft angemeldet, die sich bisher aus Sicherheitsbedenken aus Abuja nicht rausgetraut haben. Aber nachdem es dort wieder ordentlich geknallt hat sind sie jetzt mutiger und inzwischen so neugierig, dass sie nichts mehr halten kann.

Um für Arweds Besuch gerüstet zu sein planen sie jetzt auf dem Grundstück noch eine Werkstatt zu bauen, auch um die beiden angelernten Maurer weiter zu beschäftigen, die müssen Praxis sammeln und unter der Anleitung von Chris geht das hier am besten. Auf der Baustelle hat sich auch die Leiterin einer Missionsschule eingefunden, die hat davon gehört und war sehr neugierig geworden. Nachdem sie den Bungalow besichtigt hatte war sie begeistert und hat mit Andreas sofort einen Anschlussauftrag aushandeln wollen. Der war sehr angetan, denn die Schwester sprach spanisch und Andraes konnte  sich gut mit ihr verständigen.

 

Bild: die Missionsschwestern haben das Haus besichtigt und hätten es am liebsten mitgenommen.

Chris hat schon einmal bei den Behörden vorsichtshalber das Visum um 14 Tage verlängern lassen, jetzt hängt es davon ab, ob die Kolumbianer Ernst machen und das Honorar für eine Reise nach Medellin in den nächsten Tagen überweisen, sonst bleibt er in Afrika. Obwohl dies nur bedingt möglich sein wird, denn auch er braucht etwas Geld und dazu müssen wir hier erst einmal auf Tour gehen (vielleicht bei Misereor?). Ich habe also vor, mit Yahaya der GLS-Bank einen Besuch abzustatten, er wird dort die eindrucksvollsten Bilder vorlegen, in überzeugenden Worten von dem gelungenen Bauvorhaben berichten und dann seinen Kostenplan präsentieren. Vielleicht ist die Leiterin der Abtlg. für Entwicklungshilfeprojekte so beindruckt, dass sie einen Scheck zückt und nur noch nach dem Betrag fragt, nachdem sie sehr unbürokratisch schon die ersten 5.000 € bewilligt hatte.

Auf der Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung hat Yahaya viele interessante Leute getroffen und die Leiterin Christine K. hat ihm versprochen, dass sie mit ihm ein kleines SAVE80 Projekt in Jigawa realisieren wolle. Aber auch für die Solarinitiative hat sich ein Gast ernsthaft interessiert.

Am 18. Juli sehen wir uns und dann kann uns Yahaya persönlich berichten. Wir treffen uns an diesem Tag im Agenda-Raum in den Düsseldorfer Arcaden, Yahaya wird zwar etwas müde sein, aber bei dieser Tagesordnung wird er bestimmt hellwach werden. Und dann geht es Schlag auf Schlag, doch davon später mehr.

Beste Grüße
Bernd

Der vollständige Nachtbrief Nr. 113 vom 7. Okt. 2011  kann als pdf-Datei (17,4 kb)
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Nachrichten aus Kaduna Nr. 112

Es läuft und läuft


Düsseldorf, den 9.7.2011

Liebe Kaduna-Freunde,

Es läuft jetzt vieles besser, wenn auch das Telefonieren nach Nigeria noch immer keine richtige Freude bereitet. Aber wenn man Nachteule ist dann bekommt man davon wenig mit, denn je später das Telefonieren desto besser wird die Übertragungsqualität. Hin und wieder rufe ich Yahaya aber auch tagsüber an und dann ist es ein Graus. Da ich auch mit Madagaskar und Namibia zu tun habe kann ich mir dieses Urteil erlauben: Die Telekommunikationsfirmen in Nigeria beherrschen ihr Metier nicht.

Jetzt ist Andreas aus Madrid zurück und hat sich bei der Botschaft einen Termin geben lassen. Von Yahaya hat er eine Einladung erhalten und nächste Woche fährt er nach Berlin; bis dahin muss auf seinem Konto ein vierstelliger Betrag stehen, sonst hat er keine Reputation für Nigeria. Wir machen Pläne für seinen Aufenthalt, es werden wohl nur vier Wochen werden, denn anschließend will er ohne Unterbrechung nach Kolumbien. Sicher ist, dass die Zisterne in Kaduna auf dem Gelände von DARE gestrichen ist und stattdessen wird ein Rundbungalow auf dem neuen Gelände außerhalb von Kaduna in der Nähe des Dorfes Jaji geplant. Und in den Wochen 3 + 4 wollen wir mit einer Schulaula für eine Schule beginnen, die etwas außerhalb von Abuja liegt. Yahaya hat dort einen ersten Besuch gemacht, die äußeren Bedingungen sind schlecht (keine Straße die dort hinführt, man braucht einen Geländewagen). In Abuja werden fleißig Plastikflaschen gesammelt, in Kaduna nicht ganz so intensiv. Für den Bungalow werden etwa 7500 Flaschen benötigt, gezählt hat bisher noch keiner. Eigentlich könnten sie schon mit dem Fundament beginnen, was ein richtiger Maurer ist der sollte wissen was man machen muss. Aber trotz diverser Hinweise will Yahaya nicht anbeißen und lieber warten, bis Andraes eingetroffen ist und die genauen Anweisungen gibt.

Langsam klärt sich auch, was alles mit dem Bus mitgenommen werden soll, u.a. will Udo seinen Gefrierschrank an Yahaya übergeben, den hat er schon vor Jahren versprochen. Es ist nur zu prüfen, ob die nig. Zollbehörden bei dem Kältemittel R600a uns Schwierigkeiten machen könnten. Außer­dem ist es brennbar und da könnte auch die Spedition ihr Veto einlegen. Ich überlegen, ob wir für Yahaya nicht noch einen Anhänger beschaffen, beim letzten Telefonat war er noch nicht so überzeugt. Dann hat sich überraschend Wolfgang B. gemeldet und gefragt, ob wir das alte Druck­system aus dem Büro von Futuro Si übernehmen wollen und ich habe erst einmal wohlwollend genickt. Dann suche ich noch einen Dachgepäckträger und Udo hat auch noch jede Menge Kinderrucksäcke von der LTU. Wenn der Anhänger a gewünscht und b bezahlt werden kann benötigen wir einen 40 Fuß-Container, sonst reicht auch ein kleiner.

Am 10.6. sind sie zu einer Vorführung bei einer Frauengruppe in Abuja, die 22 Kocher bestellt hat und man darf davon ausgehen, dass sie bar zahlen (können). Die Frauen stellen Seife aus Sheabutter her und dafür wird viel Holz benötigt. Sie wollen jetzt versuchen, durch die Nutzung des S80 den Holzverbrauch zu reduzieren. Yahaya fiel bei seinem letzten Besuch in Abuja auf, dass viele Frauen wieder draußen mit dem 3-Steine-Feuer kochen, man sieht auch Holzhändler, ein neuer Anblick, das ist wohl den hohen Kerosinpreisen geschuldet.

Bei meiner obligatorischen Frage nach dem Wetter bekomme ich die gleiche Antwort wie bei den letzten malen: die Regenzeit ist keine richtige Regenzeit, die Bauern machen sich Sorgen, dass deswegen die Ernte schlecht ausfällt.

Es hat sich Besuch angesagt und Yahaya hat eine Einladung nach Caux in der Schweiz erhalten, dort soll er einen Vortrag halten. Wir erwägen, dass er anschließend nach Düsseldorf kommt, aber das hängt vom Veranstalter ab, ob das Ticket so lange gültig ist.

Wir machen uns Sorgen um den Container, eigentlich sind die Zollformalitäten erledigt, aber SONCAP hat jetzt Einspruch eingelegt und die Lieferung beanstandet. Es wird verhandelt.

Inzwischen hat ein Treffen mit Vertretern der Clean Cookstove Alliance stattgefunden. Das Gespräch war nicht sehr ergiebig, das Interesse war nicht sehr groß. An einer Besichtigung in Kaduna waren sie nicht interessiert, hatten keine Lust aus dem Hotel heraus zu gehen. Wegen Sicherheitsbedenken? Schade, wir hatten mehr erwartet.

Dann gab es aber doch erfreuliches zu berichten, denn den Emir von Zaria haben sie in Abuja getroffen. Der hat sich den S80 vorführen lassen und spontan 30 St. bestellt. Weiterhin hat er angekündigt, dass die politisch Verantwortlichen den Kocher sehen sollten und er wird sie zu einer großen Versammlung nach Zaria einladen. Der Vertreter des Emirs hat daraufhin Yahaya angekündigt, dass er dann mit weiteren 30 oder sogar 50 Bestellungen rechnen müsse. Da wurde es Yahaya etwas mulmig, denn so viele S80 sind nicht mehr im Container. Tatsächlich hat der Verkauf ordentlich angezogen um jeden Kocher wird palavert, wer diesen bekommen sollte. Es ist schon ein wenig verrückt, dass sich die Zeiten so schnell ändern, aber besser so als anders herum. Und außerdem müßte der nächste Container jeden Tag aus dem Zoll herauskommen.

Am 23.6. ist es soweit, der Container ist auf dem Wege nach Kaduna. Er sollte schon eingetroffen sein, aber unterwegs gab es eine Panne. Und noch jemand ist eingetroffen: Andreas ist in Abuja gelandet. Yahaya hat ihn gut durch den Zoll lotsen lassen, einzig am Gepäckband gab es einen größeren Stau, denn im Flughafen von Abuja gibt es nur eines und bei der Ankunft mehrerer Maschinen am Abend kommt es regelmäßig zu längeren Wartezeiten. Für eine Weiterfahrt nach Kaduna war es zu spät, außerdem hatte Yahaya einen Termin am 23.6. und dann wollten beide am 24. 6. nach Kaduna und von dort weiter auf das Gelände. Doch Andreas hatte Hummeln und ließ sich schon zu Chris fahren, um die Baustelle in Augenschein zu nehmen. An diesem Tage war der Container endlich in Kaduna eingetroffen, es könnte jetzt losgehen. Aber: dieser Container enthält keine gebogenen Bleche und die Biegemaschine liegt noch in Köln am Flughafen bei unserem Spediteur. Diesen habe ich tags darauf nach dem Grund gefragt und er gab an, dass alle Maschinen nach Kano ausgebucht waren und keine mehr eine Palette mit 120 kg mitnehmen konnte. Das kann man glauben, aber auch nicht.

Jetzt knubbeln sich die Einladungen, denn Yahaya berichtete mir von einer weiteren Einladung, dieses Mal der Heinrich-Böll-Stiftung, die am 10. – 12.7. ein großes Fest für alle Geschäftspartner und Freunde veranstaltet. Das wird jetzt eng, denn in Caux/Schweiz findet der Kongress vom 10. – 17.7. statt, in dieser Zeit liegt auch sein Vortrag. Damit ist auch klar, dass er ab dem 18.7. in Düsseldorf sein wird und wir müssen uns Gedanken für das Programm machen. Sicher ist, dass wir mit atmosfair über das PoA sprechen müssen und vermutlich wird auch H. K. uns sehen wollen.

Beim nächsten Telefonat berichtet mir Yahaya leicht aufgeregt, dass sie für den nächsten Tag eine Einladung zu einer Audienz in den Palast des Emirs in Kaduna erhalten haben. Andreas sollte dabei sein, denn ihn will Yahaya bei dieser Gelegenheit vorstellen, schließlich wollen wir mit dem Flaschenhaus groß raus kommen. Auf dem Gelände übrigens geht es voran, nicht so flott wie es sein sollte, aber das Fundament ist nach 5 Tagen fertig, Morgen beginnt der Mauerbau. Zuvor war Andreas mit Chris auf dem Schrottplatz um Eisen für das Fundament zu besorgen, das hat auch gut geklappt.


Bild: Das Fundament eines Flaschenbungalows

Und dann die Sensation: der Emir besucht die Baustelle und läßt sich von Andreas über die Bautechnik und das geplante Gebäude berichten. Er fragt, wie lange er bleiben könne um mehr als nur ein Haus zu bauen und will, dass noch mehr seiner Leute mithelfen. Die Presse hat angefragt, ob sie kommen soll, das würde allerdings etwas kosten, woraufhin Yahaya dankend ablehnte. Das sollten wir uns noch einmal überlegen meine ich, denn bessere und billigere Reklame für unser Projekt können wir nicht bekommen. Alles in allem war es sehr gut, dass der Emir sich für unsere Ideen interessiert und hat sie noch einmal eingeladen, dieses mal in seinen Palast in Zaria für den kommenden Sonntag. Die bestellten 30 Kocher werden dann vor Ort montiert und Yahaya fragte, ob ein paar junge Männer als Monteure ausgebildet werden wollen (in der Annahme, dass noch mehr bestellt wird am Hofe). Inzwischen hat sich auch ein weiterer wichtiger Besucher auf der Baustelle eingefunden: Prof. Architect aus Kaduna, der am Polytechnikum in der Architekturfakultät arbeitet. Er hat sich mit Andreas ausführlich über die Bautechnik unterhalten du hat neue Ideen, wie man in Kaduna auf dem Gelände des Polytechnikums etwas machen könne.

Bei meinem nächsten Gespräch hatte ich Pech, viele Wählversuche aber kein Anschluss. Yahaya berichtete mir am nächsten Tag, dass ein Starkregen erstens die Verbindung stark gestört hat und zweitens viele Telefonmasten und auch Häuser um- bzw. eingestürzt waren (und die Bewohner erschlagen haben). Aus Kano kommt schlechte Kunde, unsere Werkzeugpalette liegt noch immer dort. Aber dafür umso erfreulicher, was von der Vorführung aus dem Palast in Zaria berichtet werden kann. Mit 30 Kochern sind sie hingefahren und wurden vom gesamten Hofstaat erwartet. Drei junge Leute haben sich als Helfer vorgestellt und der Emir hat ihnen einen Platz für das Montieren und einen Platz für das Kochen zugewiesen. Dann kam ein Bote mit einem Handy und der Emir zog sich zurück, weil es eine schlechte Nachricht war: seine Schwester war gestorben. Daraufhin packte Yahaya und seine Leute die Sachen ein und fuhren ab, aber eine Eskorte holte sie ein und sie wurden zurückgeholt. Also ging es mit den Montagearbeiten weiter (wobei sich einer der jungen Leute besonders geschickt anstellte und auf Fragen von Yahaya der Emir ihn für weitere Trainings freistellte). Der Emir hat trotz der beginnenden Trauerfeierlichkeiten Yahaya noch einmal besucht, sich von den Montagearbeiten überzeugt und ihn für Donnerstag eingeladen, dann sollen alle Bürgermeister und Vertreter der Local Governments kommen und sich die Vorführung von Yahaya und Habiba anschauen. Mit mind. 200 Zuhörern solle er rechnen.

Auf dem Rückweg hat Yahaya Stop auf dem Gelände gemacht und ein längeres Gespräch mit Andreas und Chris geführt. Es ging dabei um den derzeitigen Baufortschritt und um die Frage, wie es überhaupt weiter gehen könne. Yahayas alte Idee von einem Ökodorf wurde aufgegriffen und weiterentwickelt und Andreas hat Interesse gezeigt, dafür noch einmal nach Nigeria kommen zu wollen. Was hier alles möglich ist übersteigt derzeit unsere Phantasie und unser Budget. Aber über das benötigte Grundstück muss gesprochen werden, ein paar Hektar müssen entweder angemietet oder gekauft werden. Und der Emir ist sehr daran interessiert, dass eine Ausbildungsstätte für Bauhandwerker hier eingerichtet wird. Dafür könnte man bestimmt Gelder vom BMZ erhalten. Wir werden mal in die Planung gehen.

Jetzt geht aber die Post ab. Die 1.600 Herde aus dem neuen Container sind theoretisch verkauft, im August wird ein neuer Container benötigt. Zumal sich weitere Interessenten angemeldet haben: zum Beispiel am Freitag eine Privatvorführung bei einem Senator (in Abuja) und am Samstag in Kano eine Vorführung beim Energiebeauftragten. Der will Yahaya auch erzählen, was ihm so mit Solartechnik vorschwebt.

Auf der Baustelle sind viele Leute, einige die arbeiten, die meisten sind Besucher aus den benachbarten Dörfern. Dort hat sich die neue Bautechnik herumgesprochen und keiner will das glauben und alle wollen es sehen. Yahaya und Andreas haben beschlossen, am letzten Tag den Rohbau einzuweihen. Fertig wird der Bungalow wohl nicht, der Flaschennachschub tröpfelt. Das Schulgebäude wird dann auch nichts, denn Andreas will lieber ein fast fertiges Gebäude als zwei angefangene. Aber einen Rohbau kann man immer einweihen, und dazu wird der Emir mit seinen Würdenträgern erscheinen, evtl. kann er auch den Gouverneur mitbringen sowie den Vize­präsidenten Nigerias, der war bis vor kurzem Gouverneur in Kaduna. Das wäre ein hochrangig besetztes Besuchertrio und dann ließe sich bestimmt einiges regeln.

Beste Grüße

Bernd Blaschke


Der vollständige Nachtbrief Nr. 112 vom 7. Okt. 2011  kann als pdf-Datei (17,4 kb)
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Es läuft immer besser

Düsseldorf, den 7.6.2011


Liebe Kaduna-Freunde,

Es läuft jetzt einiges besser, aber das Telefonieren nach Nigeria macht noch immer keinen richtigen Spaß, es gibt zu viele Fehlversuche und es ist auch kein Trost wenn Yahaya berichtet, dass es auch bei Inlandsgesprächen nur selten mit der Verbindung klappt, das muss ein ziemlicher Frust sein, ich kann mir das fast nicht vorstellen. Und genauso schlecht ist auch die Internetverbindung, das Mailen funktioniert sehr unbefriedigend, das war schon immer ein großes Handicap. Und auch das Wetter ist nicht mehr so wie früher, denn die Regenzeit ist zwar angekommen, aber sie verläuft bisher ganz ungewöhnlich schwach, auch wenn die Regengüsse ungemein heftig runterkommen, aber immer nur für wenige Minuten, dann ist es für diesen Tag vorüber.

Ende Mai war Yahaya mit Habiba für drei Tage in Lome / Ghana um dort an einem Kongress teilzunehmen, auf dem sie über die Arbeit ihrer Frauengruppen berichtete (Women empowerment in climate change). In Lagos sind sie abgeholt worden und fuhren über Cotonou in einem Rutsch durch, alles in allem ein 5-tägiger Kurztrip und dadurch haben sie die Einführung des Präsidenten verpasst. Aber daran waren sie nicht sonderlich interessiert, es wurden noch einmal Unruhen befürchtet und nach dem, was sie in Kafanchan gesehen hatten, bestand kein Interesse an Massenveranstaltungen teilzunehmen bei denen man nicht weiß, wie sie enden. In Abuja war dann auch eine Bombe hochgegangen und ausgerechnet diese Schule war ausgesucht worden für einen Flaschenpavillon. Diesen Besuchstermin mussten sie also streichen und werden ihn nächste Woche nachholen. In Lome gab es u.a. ein Treffen mit Leuten aus Togo und Benin, die an dem S80 interessiert sind und ebenfalls an den Solarlampen bzw. SHS’en. Wir werden mit Chantal sprechen, ob eine Zusammenarbeit denkbar ist, sobald eine offizielle Anfrage kommt.

Inzwischen habe ich noch einmal mit Yahaya telefoniert und die Situation bessert sich stündlich. Für uns ist dies eine erfreuliche Entwicklung, denn jetzt kommen wir mit dem Verkauf kaum nach. Ohne Yahaya und Habiba war das Team in Kafanchan, kamen spät heim und sind am nächsten Morgen in aller Frühe (unrasiert und unausgeschlafen) nach Zaria aufgebrochen. So geht es nicht jeden Tag, aber es könnte so laufen, denn für jeden Tag liegen mehrere Anfragen vor. Wenn in Kaduna ein Besuch gewünscht wird, dann steigt Yahaya schon mal in ein Taxi und erledigt - zusammen mit Habiba oder einer anderen Frau – diese Stadtbesuche selbst, die Dorfbesuche machen inzwischen seine Leute selbstständig. Er wird sich jetzt ganz intensiv um neues Personal kümmern müssen, keine einfache Aufgabe, aber wir können jetzt ordentlich bezahlen und unsere Jobs haben Zukunft. Dazu kommt das Problem, dass für die Fahrten zu den Dörfern die Ladekapazität des Berlingo meist nicht ausreicht und jetzt habe ich also einen Kleinbus entdeckt und mit Yahaya beschlossen, dass wir hier zugreifen werden. Er hat 9 Sitzplätze (hinten 2 Bänke) und dann noch ausreichenden Stauraum. Zur Not könnte man die Bänke herausnehmen, dann ist es ein Kleinlaster mit großem Laderaum und 7.5 t Gesamtgewicht. Manfred hat schon eine Besichtigung mit Probefahrt unternommen und konnte nichts Negatives feststellen. Jetzt muss er noch ein wenig aufgehübscht werden und dann rauf auf das nächste Containerschiff und ab nach Afrika. Vorher werden wir den Wagen nach Hildesheim bringen, dort - bei dem Verein Arbeit und Dritte Welt - sitzt H. Brien, der uns schon einmal fantastisch geholfen hat, einen Container für Nigeria fertig zu machen. Vielleicht kann er uns auch dieses Mal behilflich sein, ich bin optimistisch, dass z.B. der DLRG-Schriftzug mit DARE überpinselt werden kann.

Wir haben längere Zeit darüber nachgedacht, ob man bei dem Schuldenstand sich den Luxus leisten darf, ein Auto zu kaufen, aber ich bin der Meinung, dass nur mit dem Berlingo die Verkaufszahlen nur in bescheidenem Maße gesteigert werden können, wenn aber der Kleinlaster zur Verfügung steht, ist das Beliefern der Dörfer mit S80 unproblematisch und damit ist eine deutliche Steigerung der Verkäufe möglich. Mit dem Berlingo wird dann überwiegend das Team zu Erstbesuchen auf die Dörfer fahren, während die bestellten Kocher mit dem Bus geliefert werden können. Natürlich werden wir in spätestens 6 Monaten die Situation überprüfen, welche Rückzahlungsmöglichkeiten dann bestehen. Schließlich haben unsere Darlehensgeber bisher ohne Murren sich in Geduld geübt, das muss unbedingt erwähnt und gewürdigt werden, denn es ist nicht selbstverständlich, solange auf sein Geld zu warten.

In dieser Woche hat Yahaya alle Hände voll zu tun, einige Einladungen sind abzuarbeiten, angefangen beim Umweltministerium in Kaduna, bei der Energiekommission in Abuja und dort auch zusammen mit den Leuten vom British Council Besuch unserer Schule, die einen Schulpavillon aus Plastikflaschen bekommen soll. Dieses Programm wird in der zweiten Besuchshälfte abgearbeitet, zuvor wird Andreas auf unserem neuen Gelände einen Pavillon für Besucher oder Mitarbeiter errichten, zusammen mit Helfern von Chris, der ebenfalls teilnehmen wird. In Kaduna sind reichlich Flaschen gesammelt worden, die müssen jetzt weggeschafft werden und auf dem neuen Gelände sollen sie auch gleich mit Sand gefüllt werden. Auf dem alten Gelände in Kaduna sind inzwischen auch etwa 2.000 Jatrophabäumchen gewachsen, die sollen ebenfalls ihren Standort wechseln. Wenn Chris wüsste, welchen Grundriss der Pavillon erhalten soll, könnte mit dem Fundament bereits begonnen werden. Jetzt ist auch die Unterkunft für Andraes geklärt: in der benachbarten Kaserne gibt es die Möglichkeit, dass Besucher sich dort für einige Tage im Gästehaus einmieten können, das ist eine sehr gute Lösung. Andreas kommt in dieser Woche zurück aus Spanien und wird dann ganz schnell nach Berlin zur nigerianischen Botschaft weiterfahren, um sein Visa zu beantragen, denn Erstbesucher müssen sich beim Botschafter vorstellen.

Wir blicken jetzt mit viel Optimismus in die nächste Zukunft. Bei den Verkäufen haben wir uns um 100% gesteigert und kommen erstmalig in den Bereich der schwarzen Zahlen, womit das Team an seine Grenzen (und damit ins Schwitzen) kommt. Yahaya muss alleine für Kaduna die Mannschaft um fünf neue Mitarbeiter verstärken und sich gleichzeitig um die neuen Standorte kümmern. Besonders in Katsina hat er gute Vorarbeit geleistet und dort sitzt mit Aziz zudem ein sehr guter Verkäufer. In Kafanchan brummt das Geschäft ebenfalls, Didi in Jos fragt jeden Tag wann er neue Ware bekommen kann und in Kano könnte auch sofort ein Verkaufsbüro eröffnet werden. Hier muss Yahaya sich um Personal und Räume kümmern und dafür wird dann auch Geld benötigt (beim Abschluss eines Mietvertrages wollen die Vermieter eine Jahresmiete im voraus), ganz abgesehen von der Büroeinrichtung. Während die Möbel vor Ort gekauft werden, wird natürlich Solarstrom benötigt, aber wir denken, dass die Solar-Power-Box jetzt selbst hergestellt werden kann, während Laptop, Beamer und Leinwand wir mit dem Bus mitschicken könnten. Es gibt also auch hier genügend zu tun. Heute packe ich nichts mehr an, eine kleine Pause muss sein.

Jetzt bin ich in guter Stimmung und glaube, dass diese positive Entwicklung lange anhält.

Beste Grüße

Bernd Blaschke


Der vollständige Nachtbrief Nr. 111 vom 7. Okt. 2011  kann als pdf-Datei (17,4 kb)
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Die Normalität kehrt zurück


Düsseldorf, den 23.5.2011

Liebe Kaduna-Freunde,

das Telefonieren nach Nigeria macht noch immer keinen Spaß, aber es gibt wundersame Überraschungen und die versöhnen einen mit der Welt und aller Ärger ist (vorerst) vergessen. Gestern war so ein Tag, denn nachdem ich in den letzten Tagen viele Stunden damit verbracht hatte die Wiederholungstaste zu betätigen, klingelte gegen 13 Uhr mein Telefon und zu meiner Überraschung meldete sich Yahaya. Während ich aber früher den Fehler gemacht habe, ihm die wichtigste Frage zu stellen und dann mit ihm zu verabreden, am Abend weiter zu telefonieren – was in der Regel in den letzten 4 Wochen nie geklappt hat – blieb ich heute am Ball, er hatte sogar Zeit, und so haben wir eine Stunde über wichtige Dinge uns besprochen.

An oberster Stelle meiner Neugier steht die Frage: wie läuft der Verkauf unserer Kocher? Und heute machte es ihm sichtlich Spaß mir zu berichten, dass der halbe Container verkauft ist, das sind 800 Kocher (50 davon hat der neue Partner Jörg in Lagos erhalten). Das ist ein gutes Ergebnis, wenn man berücksichtigt, dass der Container erst am 10.3. eintraf, am 28.3. kamen die Leute von atmosfair und TÜV, im April war wegen der Wahlen so gut wie kein Verkauf möglich und noch im Mai waren sie wegen der Ausgangssperre und der vielen Straßen­kontrollen ziemlich behindert bei ihren Besuchen, also in knapp 2 Monaten ½ Container, bei diesem noch immer schwierigen Umfeld, das Ergebnis kann sich sehen lassen (wenn man dann noch berücksichtigt, dass der bisherige Schnitt bei 10 Kochern pro Tag liegt). Denn daraus errechne ich 3 ganze Container nur alleine mit der Mannschaft in Kaduna. Aber Yahaya will natürlich mehr, das Doppelte ist unser ehrgeiziges Ziel. Wenn die Mannschaft von DARE sich noch um ein Verkaufs- und Montageteam verstärken kann, dann kommen wir dem Ziel schnell näher. Aber es gibt ein Problem: uns fehlt Transportkapazität.


Hier seht ihr Yahayas Traumwagen, ein Mercedes Sprinter, denn der Neue muss deutlich größer sein als der Berlingo. Er könnte noch einen Dachgepäck­träger besitzen, aber so richtig beliebt ist das Ding andererseits auch nicht, denn bei den Polizei­kontrollen erregt ein Gepäckträger den Unwillen der Polizei und der läßt sich nur mit einer kleinen Sonder­zahlung besänftigen. Noch besser wäre also eine Lang­version, davon ist auf der Seite von autoscout24 auch 1 Expl. Zu finden und kostet 7.000 €. Als ich ihn fragte ob er diese Summe aufbringen könne lächelte er vielsagend (ich spürte das förmlich) und antwortete: wenn der nächste Container auch so gut verkauft werden kann ginge das schon. Und darüber hinaus wäre auch noch eine erste Rückzahlungsrate möglich.

Die Situation ist tatsächlich so, dass Termine nicht angenommen werden können, weil der Berlingo unterwegs ist. Solange die Touren an einem Tag erledigt werden können ist die Situation noch erträglich, aber nach Katsina sind es mehr als 400 km und diese Strecke schafft man nicht mehr an einem Tag hin und zurück. Damit ist der Wagen an 2 Tagen belegt und alles andere muss warten. Zudem werden die Auftragsmengen größer. Heute ist die DARE-Mannschaft in Zaria (100 km) und um nur 50 Kocher dorthin zu transportieren mußte ein zweiter Wagen angemietet werden. Dort in Zaria und im südlichen Kafanchan befinden sich die größten Absatzmärkte derzeit, zusätzlich in Jos bei Didi. Der hat übrigens seine 200 Kocher gut verkauft und hat weitere 100 bei Yahaya geordert. Erfreulich ist auch die Tatsache, dass Yahaya mit mir von seinem Büro aus telefonierte, während seine Leute auf Verkaufstour waren. Das klappt immer besser und ist eine riesige Entlastung für ihn.

Yahaya konzentriert sich jetzt auf die Ausweitung unseres neuen Projektes. Damit wird die Region Sudan-Savanne für uns offiziell zugänglich und das ist das gesamte nördliche Gebiet. Yahaya wird nächste Woche eine größere Tour nach Katsina unternehmen, der Nachbarstaat von Kano und erfreulicherweise arbeitet Aziz bereits längere Zeit für DARE, allerdings bisher nur im Bundesland Kaduna. Jetzt darf er auch in seiner Heimatstadt (und seinem Heimatland) Katsina verkaufen. Seit Wochen schon hält er Ausschau nach einem Büro mit Werkstatt und einem geeigneten Lagerplatz für seinen ersten Container. Yahaya will sich das Ergebnis anschauen und dann kann Aziz richtig durchstarten, auch wenn er vorläufig noch von Kaduna aus beliefert werden muss. Es ist aber unser Ziel, dass die Filialbüros in Katsina und später in Maiduguri gleich einen ganzen Container angeliefert bekommen, das macht die Klein-Klein-Transporte überflüssig.

Während Yahaya in Kaduna Büroarbeiten erledigt fährt Habiba nach Kano. Dorthin wurde sie eingeladen von ihrem ehemaligen Professor, der arbeitet für Sequest. In Kano wird eine Stakeholderkonferenz durchgeführt, darauf hat der norwegische TÜV bestanden. Nun sitzt Habiba unter den Zuhörern und wir werden auf diesem Wege einiges über unsere Konkurrenz in Erfahrung bringen.

Heute am Dienstag, wird Yahaya nach Lagos aufbrechen. Er plant, dort Jörg zu treffen und Bolaji, unseren Agenten. Am nächsten Tag geht es weiter nach Cotonu in Benin. Dort trifft er Freunde von der Partei „Die Grünen“ und gemeinsam fahren sie weiter nach Lomé in Togo, wo am 26. + 27.5. eine Konferenz der westafrikanischen Grünen stattfindet. Am Sonntag will er wieder zurück in Kaduna sein. Den genauen Zweck der Veranstaltung habe ich schlecht verstanden, aber es findet ziemlich regelmäßig ein Treffen der westafrikanischen Grünen statt und Yahaya ist jedes Mal dabei. Ihnen liegt die Klimaschädigung durch die massenhafte Holzverbrennung sehr am Herzen und Yahaya hat dort schon öfter über unseren SAVE80 berichtet.

Zum Schluss haben wir noch zu unserem Flaschenhausprojekt die aktuelle Situation beleuchtet und Yahaya, der darüber auch mit seinen Leuten gesprochen hat, ist jetzt davon überzeugt, dass Andreas einfliegen kann. Zwar hat sich einiges geändert, aber die Situation hat sich insgesamt nicht verschlechtert. Zum einen wird auf dem Gelände von DARE nun doch keine Zisterne errichtet, denn das Gelände wird Ende des Jahres aufgegeben. Yahaya will aus der Stadt raus und hat ein Angebot von Chris, auf seinem Gelände einzuziehen. Das liegt zwischen Kaduna und Kano direkt an der Autobahn und ist somit sehr verkehrsgünstig zu erreichen. Hier also soll Andreas einen Wohn-Bungalow bauen, der für Mitarbeiter oder Gäste gedacht ist. Sobald die Bautechnik erlernt wurde wollen die Leute von Chris weitere Bungalows bauen und so den 1. Schritt zum Ecodorf beschreiten. Nach 14 Tagen zieht Andreas nach Abuja weiter, wo der Bau einer Schulklasse auf ihn wartet. Der Plan mit Hilton etwas zu bauen hat sich zerschlagen, aber Schulklassen sind auch wichtiger und medienwirksamer als ein Gartenpavillon auf dem Hiltongelände. Wenn die beiden Baumaßnahmen gelingen, könnte das ein großer Erfolg werden, weil ein riesiger Bedarf an preiswerten und stabilen Bauwerken besteht, also Wohngebäude und auch Schulgebäude. Langfristig will Yahaya auch den Dorfchef des benachbarten Dorfes damit überzeugen, dass auf diese Weise eine Toilette neben der einzigen Moschee gebaut werden könnte. Aber das ist ein ganz neues Thema.

Ganz zum Schluss noch ein Beitrag zu einem neuen und ganz anderem Thema, das ich von einer Vortragsveranstaltung aus dem Düsseldorfer "ZAKK" mitgenommen habe. Thema hier war ein neues Wirtschaftsmodell, das als Gemeinwohl-Ökonomie bezeichnet wird. Erfinder ist Christian Felber und es hat mich deswegen begeistert, weil es eine echte Alternative zum Raubtier­kapitalismus darstellt. Wir sollten untereinander und besonders mit Yahaya darüber diskutieren, ob sich seine Firma dahingehend orientieren will. Kerngedanke ist, dass Geld alleine nicht mehr ausreicht um Zufriedenheit bzw. Glück zu erzeugen. Dabei kann eine Firma eine Menge beitragen, dass die Mitarbeiter, die Kunden, die Lieferanten, die Mitunternehmer, die Darlehensgeber, der Staat und die Umwelt zufriedener sind: wenn z.B. die Firma den Mitarbeitern die Selbstorganisation erleichtert,
wenn die Firma die Kunden z.B. an der Planung weiterer Produkte beteiligt,
wenn die Firma gegenüber der Konkurrenz auf mediale Werbung verzichtet,
wenn die Firma nur saubere Lieferanten unter Vertrag nimmt,
wenn die Firma EMAS einführt (Umweltschutz),
wenn die Firma versucht, den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern.
Es gibt noch viele solcher Ideen und alle diese Kriterien werden am Jahresende gewichtet und zu einer Jahresbilanz zusammengefasst und neben der Zahlenbilanz veröffentlicht. Eine größere Gruppe entwickelt gerade eine handhabbare Gemeinwohlmatrix (die erste umfaßte nahezu 200 Kriterien) und es gibt etliche Firmen die sich bereit erklärt haben, diese in ihren Betrieben anzuwenden. Sobald diese Matrix veröffentlicht wird (mit H. Felber stehe ich im eMail-Kontakt) möchte ich uns davon überzeugen, dass wir uns daran beteiligen, theoretisch und besonders praktisch.

Inzwischen bin ich wieder in guter Stimmung und hoffe dass bei Yahaya diese positive Entwicklung lange anhält.

Beste Grüße

Bernd Blaschke



Der vollständige Nachtbrief Nr. 110 vom 7. Okt. 2011  kann als pdf-Datei (17,4 kb)
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Nachrichten aus Kaduna Nr. 109

Langsam, ganz langsam kehrt die Normalität zurück

Düsseldorf, den 16.5.2011

Liebe Kaduna-Freunde,

das Telefonieren hat früher auch mehr Spaß gemacht, da konnte ich nach einem, spätestens nach dem 2. Versuch sicher sein, dass ich Yahaya in der Leitung hatte. Heute ist es mir erst nach vier Tagen und über 100 Versuchen gelungen, aber die hätte ich mir alle ersparen können meinte Yahaya, denn die Mobilfunkanlagen sind größtenteils zerstört und im übrigen haben sie seit knapp einer Woche keinen Strom mehr bekommen, also steht dann die Mobil­funkstation funktionsunfähig auf ihrem Mast oder Turm blöd herum.  Gestern hatte ich ihn kurz angetroffen, aber da hielt er sich in Katsina auf, das ist der nördliche Nachbar, und dort konnte er auch einige eMails lesen. Natürlich ist bei der Lage der Kühlschrank leer, sie müssen täglich auf den Markt einkaufen gehen, das Benzin ist knapp und teuer, die Ausgangs­sperre ist immerhin auf 21 Uhr verkürzt worden. Im Büro haben sie noch die Solaranlagen, da steht ihnen genügend Strom zur Verfügung, zuhause aber benutzen sie nur die kleinen Solarsysteme, immerhin war sein Handy zu 33% geladen, das bedeutet also 1 Std. telefonieren.

Im Staat Kaduna ist es zwar ruhig, aber auf der heutigen Fahrt nach Kafanchan haben sie auf dem Hinweg 21 Polizei- und Militärkontrollen passieren müssen, dito auf dem Rückweg. Je näher sie an Kafanchan herankamen desto dichter wurden die Straßenkontrollen und als sie die Stadt erreicht hatten wussten sie auch warum: in den Straßen ausgebrannte Autowracks (ohne verbrannte menschliche Körper), ausgebrannte Kirchen und Moscheen und ausge­brannte Häuser, es war noch schlimmer als in Kaduna Stadt, und in dieser Region waren auch die meisten Toten zu verzeichnen. Richtung Norden ist die Situation deutlich anders, besser, keine Kontrollen, keine Autowracks, intakte Moscheen und Kirchen. Yahaya hat keine Erklärung für diese höchst unterschiedlichen Ereignisse, aber er befürchtet, dass es bis zum 29.5. angespannt bleiben wird, denn das ist der Tag der Amtseinführung des Präsidenten, der Gouverneure und der Parlamente. Es könnte noch einmal knallen.

Es ist jetzt schon der dritte Monat, wo es nicht recht vorangeht, wir haben quasi ¼ Jahr verloren, diese Zeit ist kaum noch aufzuholen. Nun hoffen wir, dass nach der Präsidenten­einführung sich die Unruhen zerstreuen und die Normalität wieder hergestellt werden kann. Zum Glück läuft es in Jos wieder deutlich besser, Didi kann nahezu unbehindert sowohl in der Hauptstadt als auch im Lande selbst herum fahren und unseren Kocher anbieten bzw. die ausstehenden Raten einsammeln. Wenn wir dieses Team dort nicht hätten, Yahaya hätte wieder einmal große Probleme mit der Bezahlung seiner Leute bekommen. Aber so können sie sich gegenseitig unterstützen, vor drei Monaten war es noch umgekehrt.

Diese etwas düstere Perspektive macht mir Sorgen, wenn ich an unser Flaschenhausprojekt denke. Am 10. Juni sollte Andreas Froese nach Nigeria starten und in Kaduna sollte einiges an Flaschenbauwerken entstehen. Ich habe Yahaya die Frage gestellt, ob dies ratsam wäre und er wird sich nochmals mit seinen Leuten und denen von der deutschen Botschaft besprechen, was die uns empfehlen. Vielleicht wäre es ja besser, unser Vorhaben zu verschieben, z.B. wenn Andreas aus Namibia zurückkehrt, das sollte im September sein. Dann haben evtl. auch die Studenten des Polytechnikums wieder angefangen zu studieren, im Augenblick streiken sie und in einer solchen Situation kann man schlecht mit PET-Flaschen experimentieren und eine Musterschule bauen wollen.

Nun gleich zur Frage von Jürgen, ob die Kartons mit den Französischbüchern bald nach Maiduguri geschafft werden könnten, denn Milisor wartet seit einem Jahr darauf. Als ich diese Frage an Yahaya richtete antwortete er mit dem Hinweis, dass Boko Haram noch sehr aktiv dort oben ist, schließlich war Maiduguri ihr Hauptquartier bis 2009. Boko Haram bedeutet „Bücher sind Sünde“ oder „Westliche Bildung verboten“, und das bedeutet für uns, dass man besser die Fahrt nach Maiduguri verschiebt und falls es doch unumgänglich sein sollte, dann nicht mit mehreren Bücherkisten.  Lieber Jürgen, lass uns auf bessere Zeiten warten, sie kommen bestimmt. Eine weitere Frage kam von Arwed bzgl. des Schweißgerätes. Yahaya empfiehlt uns unbe­dingt ein Schweißgerät aus D mitzubringen, in Nigeria gäbe es nur große, teure und von schlechter Qualität. Das Schweißgerät wird für die Solar-Ausbildungswerkstatt benötigt, die wir jetzt weiter aufbauen können, nachdem wir von GIZ / InWent einen positiven Bescheid auf unseren Antrag erhalten haben. Da noch einiges anderes an Werkzeugen benötigt wird werden wir an GIZ /gtz herantreten, um eine Transporthilfe zu bekommen. Vor 3 Jahren hat uns die gtz bei einem Containertransport geholfen und nun hoffe ich, dass diese feine Leistung nicht unbedacht  gestrichen wurde.

Es gibt aber auch positive Nachrichten, z.B. der nächste Container ist inzwischen im Hafen Lagos und wird derzeit vom Zoll abgefertigt. Die Zeichen stehen gut, dass die Abfertigung noch im Mai abgeschlossen ist und der Container in Kaduna eintreffen wird. Schon in der letzten Woche und nochmals in dieser hat Yahaya mit seinem Verkaufsteam einigen Gemeinden in dem Bundesstaat Katsina einen Besuch abgestattet und ist dabei auf großes Interesse gestoßen. Dort haben wir auch schon einen Mann seit Monaten, der bisher im Norden Kadunas verkauft hat, aber er kommt eigentlich aus Katsina, heißt Aziz und dort möchte er ein Filialbüro von DARE bekommen. Yahaya ist einverstanden weil er zufrieden ist mit ihm und da wir jetzt auch offiziell im neuen Projektgebiet verkaufen dürfen, läuft der Verkauf dort bereits an. Das Interesse ist groß, die Nachfrage ebenso, denn die Versorgungs­lage ist schlecht: Gasflaschen sind knapp und teurer geworden, die Holztransporte erreichen immer seltener die nördlichen Regionen und da kommt unser SAVE80 wie gerufen. Als nächstes ist die Frage zu beantworten, wie er mit Material versorgt wird, denn bis zur Hauptstadt Katsina sind es fast 300 km. Wir träumen von einem zweiten Lieferwagen, ein wenig größer als der Berlingo, mehr Typ Sprinter, aber dazu benötigen wir etwa 10.000 €. Wenn wir wüßten, wann wir in Sokoto (weit im Nord-Westen) und wann wir in Maiduguri (weit im Nord-Osten) starten können, dann käme uns vielleicht eher eine Erleuchtung. Aber in den nächsten 3 Monaten muss die Entscheidung fallen, denn hoch im Norden herrscht große Not: viel Wüste und wenig Holz, aber viele Menschen, die bald nicht mehr wissen wie es weiter geht.

Zum Schluss noch ein Beitrag zu diesem Thema, den ich von einer Podiumsdiskussion mitgenommen habe. Thema hier war der Atomausstieg und Prof. Hennicke vom Wuppertal-Institut verdeutlichte zu Beginn, dass in New York ebensoviel Strom verbraucht wird wie auf dem  gesamten afrikanischen Kontinent (85% der Amerikaner kann man getrost als Energie­verschwender bezeichnen, in Afrika sind es noch keine 10%). Da elektr. Energie Voraus­setzung sowohl für bessere Bildung als auch für eine verstärkte ökonomische Entwicklung ist wird sich Afrika intensiv um mehr Energie bemühen müssen (aber bitte nicht durch die Verbrennung der letzten Wälder).

Noch immer mit nicht sorgenfreien Grüßen

Bernd Blaschke


Der vollständige Nachtbrief Nr. 109 vom 7. Okt. 2011  kann als pdf-Datei (17,4 kb)
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Nachrichten aus Kaduna Nr. 108

Düsseldorf, den 23.4.2011

Liebe Kaduna-Freunde,

heute wurde ich von Yahaya angerufen aber da er nur über ein kleines Guthaben auf seiner Telefonkarte verfügte rief ich ihn zurück, denn in Kaduna kann man derzeit keine Telefon­karten kaufen. Zwar war auch heute wieder die Ausgangssperre zwischen 8 und 16 Uhr aufgehoben, aber bis auf weiteres müssen die Einwohner sich auf diese Einschränkungen einstellen, denn die Situation in Kaduna State und Bauchi ist weiterhin angespannt. So angespannt, dass in diesen beiden Bundesstaaten die Gouverneurswahlen um 2 Tage auf Do. verschoben wurden und Yahaya rechnet damit, dass wenn nicht das richtige Wahlergebnis ausgezählt wird, die Unruhen anhalten oder sich ausweiten werden. Es ist ja nicht so, dass die muslimische Mehrheit in den beiden Bundesstaaten so wählt, dass der muslimische Kandidat an die Gouverneursspitze gewählt wird, sondern die Bestechung der Wähler führt dazu, dass sich der Kandidat mit dem größten Geldsack durchsetzt. In Kaduna ist der Kandidat der PDP gemäß des Proporzes ein Christ (weil der letzte Gouverneur ein Muslim war und jetzt als Vize von Goodluck Jonathan aus der Landesregierung ausgeschieden ist) und da die Regierungs­partei logischerweise über die ergiebigsten Geldquellen verfügt stehen die Chancen für ihn nicht schlecht, dass er sich genügend Wähler kaufen konnte um damit auch gewählt zu werden, d.h. die Zeichen für eine Beruhigung stehen schlecht in Kaduna.

Zu unserer Überraschung sieht es in Plateau State etwas besser aus als in Kaduna, denn dort gibt es beispielsweise keine Ausgangssperre mehr. Dies kann Didi – unser Mann für den Verkauf der SAVE80 in Jos – nutzen um mit seinen Mitarbeitern unterwegs zu sein und im Großraum Jos hat er derzeit keine Probleme mit Reisen und Verkaufen und bis vor 4 Wochen war es die Hochburg Aufständischer und jedem wurde geraten, Jos tunlichst zu meiden und um Plateau State einen großen Bogen zu machen. Jetzt kann er sogar Telefonkarten für Yahaya kaufen und deren PIN an ihn durchgeben, nur so kann Yahaya noch mit dem Handy telefonieren. Aber weder Strom kann er ihm schicken noch Geld, beides ist knapp in Kaduna, denn es gibt permanent längere Stromausfälle und die Banken haben seit den Wahlen nicht mehr geöffnet. Da die Geldautomaten inzwischen (legal) abgeräumt sind wird es mit dem Einkaufen auch schwierig, auf den Märkten werden keine Kreditkarten akzeptiert. Diese Situation wird auch noch die ganze nächste Woche anhalten und schon deswegen will er raus nach Abuja. In seinem Wohnviertel ist es noch relativ ruhig, keine Brände und keine Schießereien, auf der Straße vor seinem Haus patroulliert viel Polizei und Militär. Er fühlt sich dennoch wie in einem Gefängnis und kann nichts Richtiges unternehmen, dabei gäbe es eine Menge zu tun.

Am Sonntag sind sie aus Kafanchan zurückgekehrt und waren mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Inzwischen hat ihr dortiger Kontaktmann über 60 Kunden auf der Interessentenliste und für Do. war ein weiterer Besuch vereinbart gewesen, diesmal mit SAVE80, weil die Familien auch schon die erste Rate angespart hatten. Es handelt sich hierbei um die Mitarbeiter in einem Gefängnis und erfahrungsgemäß gibt es noch eine zweite Verkaufswelle, wenn die ersten Interessenten ihren Sparherd in der Hand halten, dann erst wird das Misstrauen bei den Skeptikern nachlassen und sie melden sich ebenfalls als Interessent an. Am gleichen Tage sollte auch ein Kindergarten besucht werden, hier haben die Mitarbeiter ebenfalls Yahaya und Habiba eingeladen. Alles zusammen war die Situation in den letzten Tagen vor den Wahlen ausgesprochen positiv, jetzt allerdings müssen wir geduldig warten. Aus dem Süden, d.h. südlich von Abuja erhielt Yahaya bisher keine Nachrichten über Tumulte oder Unruhen und dies bestärkt ihn, für ein paar Tage mit der Familie dorthin zu fahren. Vielleicht klappt es ja am Samstag, wenn sich mehrere Familien zu einem Konvoi zusammenschließen und evtl. weitere Polizeistationen auf der Strecke eingerichtet wurden. Die Bewohner dieser Gegend mögen die Situation bereits aus den Vorjahren kennen, für Yahaya ist das alles neu und sehr bedrohlich und daher rührt auch sein Bestreben, bis Ruhe eingekehrt ist woanders sich freier aufzuhalten. Heute Abend wollen wir wieder miteinander telefonieren und ich hoffe, dass es sich bis dahin weiter beruhigt hat.

Noch immer mit sorgenvollen Grüßen

Bernd


Der vollständige Nachtbrief Nr. 108 vom 7. Okt. 2011  kann als pdf-Datei (17,4 kb)
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Nachrichten aus Kaduna Nr. 107

Düsseldorf, den 22.4.2011

Liebe Kaduna-Freunde,

nachdem ich 4 Tage in Berlin verbracht habe und dort weder Eure eMails lesen noch einen Kontakt zu Yahaya herstellen konnte ist es mir gestern Abend trotz meiner späten Ankunft in Düsseldorf gegen 23.30 gelungen Yahaya anzurufen und mit ihm ein längeres Gespräch zu führen Parallel dazu habe ich meinen PC eingeschaltet und Eure eMails überflogen. Die Informationen überschnitten sich z.T. aber inzwischen ist auch keine Beruhigung eingetreten, denn in Kaduna City brennen in den muslimischen Stadtteilen die Kirchen und in den christ­lichen Stadtteilen, die im Süden der Stadt liegen, brennen die Moscheen. Dass es sich nur äußerlich um einen religiösen Konflikt handelt zeigt aber die Tatsache, dass sowohl auf den Palast des Emirs von Sokoto als auch auf das Haus des Vizepräsidenten, welches in Kaduna steht, ein Brandanschlag verübt wurde und es scheint keiner der etablierten Politiker mehr sicher zu sein vor Übergriffen. Yahaya erklärte dass mit der allgemeinen Unzufriedenheit weiter Bevölkerungsschichten, die nach 12 Jahren Herrschaft der PDP sich betrogen fühlen. Keines der vielen Versprechen wurde bisher tatsächlich eingelöst und die Jugend, die seither arbeitslos ist, reagiert sauer auf das verlogene und korrupte Polit-Establishment, welches die Gelder zum größten Teil in die eigenen Taschen fließen lässt und dort wo es dringend benötigt wird, kommen nur Tropfen an.

Die nächste und letzte Wahl findet am Dienstag statt und Yahaya will so schnell es möglich ist raus aus Kaduna und nach Abuja, dort haben sie Freunde, die sie für ein paar Tage aufnehmen könnten. Um nach Abuja zu kommen müsste er 200 km Autobahn ohne Eskorte befahren, das ist ihnen zu gefährlich und suchen dringend nach einem Ausweg. Allerdings befürchtet Yahaya, dass es am Di erst so richtig los geht.

Bei DARE wird natürlich nicht gearbeitet, die Mitarbeiter sollen besser zuhause bleiben, es fließt auch kaum Strom durchs Netz, Internet und Telefon funktionieren nur sporadisch; zum Glück haben sie einen kleinen Holzvorrat, womit sie sicher in den nächsten 2 Wochen den SAVE80 befeuern können, aber die meisten Familien haben weder Kerosin noch Holz. Apropos SAVE80: gerade jetzt erhalten sie Anrufe von besorgten Familien, die ohne Holz auskommen müssen und die liebend gerne jetzt einen Holzsparkocher wie den S80 besäßen. Die Stromausfälle sind auch für Yahaya ärgerlich, denn in seiner Wohnung hat er nur sie Solar-Power-Box als Strom­spender, nicht aber die Solarmodule dazu und somit kann er die SPB nicht aufladen.

Heute Abend wollen wir erneut versuchen ein Telefonat zu führen, aber sehr viel können wir von hier nicht machen. Wenn Yahaya nach Abuja gelangen sollte spielt er mit dem Gedanken, sogar für 1 – 2 Wochen nach D zu kommen, dann wäre er auf unserer MV dabei wenn’s klappt. Also Daumendrücken bitte ich Euch, egal ob mit oder ohne Flug.

Nervöse Grüße

Bernd


Der vollständige Nachtbrief Nr. 107 vom 7. Okt. 2011  kann als pdf-Datei (17,4 kb)
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Nachrichten aus Kaduna Nr. 106

CONTAINER IST ENDLICH ANGEKOMMEN!

13.4.2011

Liebe Nigeriafreunde,

vor 4 Wochen berichtete ich, dass der Container nun wohl bald aus dem Hafen von Lagos rauskommt. 3 Tage später rief mich Yahaya am Abend an und ich dachte zuerst: er steht auf dem Container und will mir dieses wunderbare Bild bzw. diesen tollen Eindruck vermitteln. Aber denkste, er stand vor seiner Haustür und schaute sich die Augen vergebens aus, denn etwa 250 km entfernt liegt unser Truck mit plattem Hinterreifen und Yahaya fluchte, nur weil diese dämlichen Fahrer sich den kleinen Umweg von 250 km ersparen wollten und statt der Autobahn die ausgefahrene Landstraße aus der Kolonialzeit zwecks Abkürzung nahmen. Das geschieht ihnen Recht, jetzt liegen sie im nächtlichen Straßenstaub und wuchten den zentnerschweren Reifen im Dunkeln - vermutlich bei Kerzenschein - von der Achse runter bzw. rauf (es grenzt schon fast an ein Wunder dass sie einen Ersatzreifen überhaupt dabei hatten).

Also verschieben wir die Ankunftsfeier bis heute Nachmittag, eine Weiterfahrt hatte ihnen Yahaya verboten, denn er befürchtet, dass der Lastwagen über max. einen Scheinwerfer verfügt (wenn es hoch kommt) und dann ist ein Zusammenstoß schon fast programmiert.. Aber nun mal ehrlich: was sind die 250 km = 12 Std. Verspätung, wo wir schon Monate warten mußten.

2 Tage später erfahre ich das Neueste aus Nigeria: Yahaya berichtete, dass sich etwas über Nigerias Kocherhimmel zusammen braut: die Konkurrenz in Form des Cookstoves. Mit dieser Situation - ein Verkaufsstand im 150 km entfernten Kano - haben wir die Leute von atmosfair konfrontiert und wir waren uns schnell einig, dass wir dabei nicht tatenlos zusehen werden. Also wird Yahaya jetzt ein neues Team in Kano aufbauen müssen (und am besten ein weiteres in Katsina im Nordwesten) und der nächste Container wird in Kürze bestellt werden, damit wir dort ebenfalls präsent sind, möglichst noch vor den Amis. Das war also Mitte März und nun nach 4 Wochen können wir stolz berichten, dass nicht nur die 300 Kocher, die mit Luftfracht eingeflogen wurden, verkauft sind, sondern auch von der neuen Lieferung schon wieder etliche ausgeliefert werden konnten. In diesem Container befanden sich 100 Kocher mehr als üblich und der Grund, warum jetzt Platz für 1.600 Kocher ist, liegt schlichtweg daran, dass die großen Bleche nicht mehr gebogen sind sondern plan und somit passen mehr Kocher in den Container. Damit diese Bleche aber auch verarbeitet werden können sind wir mit einem weiteren Biegewerkzeug ausgestattet worden, d.h. neben dem Bodenblech wird jetzt auch das Mantelblech gebogen. So nähern wir uns schrittweise unserer Vorstellung, irgendwann die gesamte Produktion in Nigeria durchzuführen.

Aus Kano übrigens ist noch keine Nachricht zu uns gedrungen, dass auf dem großen Markt ein Cookstove-Verkäufer sein Unwesen treibt.

Heute ist Yahaya nach Kafanchan gefahren und Sie wollen sicher wissen wo das liegt? Wenn Sie Kaduna in südlicher Richtung verlassen dann zweigen Sie bald von der A2, die bekanntermaßen nach Abuja führt, ab auf die A235, die über 300 km nach Jos führt und kurz hinter Kachia auf halber Strecke liegt Kafanchan (um nach Jos zu gelangen können Sie auch einen nördlichen Bogen schlagen, aber diese Strecke soll sich im schlechten Zustand befinden). Hier in Kafanchan sind Yahaya und seine Leute zu einer Vorführung geladen und kaum hatten sie die Stadt erreicht war diese Information auch schon rum und prompt meldete sich eine zweite Gemeinde, die ebenfalls besucht werden möchte. Am Abend allerdings will man wieder zurück in Kaduna sein und hofft natürlich, dass alle mitgenommenen Kocher verkauft werden konnten (CASH!!) und weitere Verkaufsaufträge vorgemerkt werden konnten (ausgeliefert wird erst sobald die erste Rate gezahlt wurde).

Natürlich waren auch die Wahlen ein Gesprächsthema und nachdem die erste Wahlrunde mit nur wenigen Toten als ruhig für nigerianische Verhältnisse bezeichnet werden kann, wird es am kommenden Samstag spannender, denn an diesem Tag steht die Wahl des Präsidenten auf dem Programm. Zwar ist Goodluck Jonathan der Kandidat der regierenden PDP, aber diese Partei hat etliche Bundesstaaten in der Woche zuvor verloren und zumindest eine Stichwahl erscheint sicher (wer im 1. Wahlgang 66% der Stimmen erhält ist gewählt). Die Spannung ist also spürbar, allerortens Polizei und Militär und dennoch muss man anerkennen, dass die Verlierer dieses Ergebnis als gute Demokraten akzeptiert haben und es bisher keine Aufstände deswegen gab.

Bzgl. unseres Flaschenhausprojektes wollen wir unserem Flaschenbaumeister Herrn A. Froese vorschlagen, statt im Mai besser im Juni zu kommen, denn es steht zu befürchten, dass die Wahl des Staatsoberhauptes nicht im 1. Wahlgang entschieden wird, d.h. eine Stichwahl wird erforderlich und diese findet 1 Woche später statt, so dass sich die Wahlen noch weiter hinauszögern. Dies könnte volle seine Zustimmung deswegen finden, da er anschließend einen Auftrag in Namibia hat und das bedeutet, Mitte Juli könnte er von Nigeria nach Namibia direkt durchfahren.

Also melde ich mich wieder sobald die Wahlen über die Bühne gegangen sind. In der taz vom gestrigen Tage (13.4.20111) findet sich übrigens ein längerer Artikel über Nigeria und seine unruhigen Nordostprovinzen, Zentrum Maiduguri, dort wo wir zukünftig auch unsere Kocher verkaufen wollen.

In nervöser Erwartung grüße ich

Bernd Blaschke


Der vollständige Nachtbrief Nr. 106 vom 7. Okt. 2011  kann als pdf-Datei (17,4 kb)
HIER heruntergeladen werden.



Nachrichten aus Kaduna Nr. 105

Endlich endlich, er Kommt
Düsseldorf, den 7. März 2011

Liebe Nigeriafreunde,

den letzte Bericht habe ich im Januar geschrieben, seitdem sind wieder einmal zwei Monate vergangen, aber gerade habe ich ein langes Telefongespräch mit Yahaya beendet, es ist also
weit nach Mitternacht, und es gibt eine Menge zu berichten, vor allem viel Erfreuliches. An erster Stelle steht die Tatsache, dass unser Container in den nächsten Stunden den Hafen von Lagos verlassen wird, nachdem er dort seit Mitte Januar festlag. Die Überfahrt von HH nach Lagos verlief wie immer bisher planmäßig, ich konnte die Route unseres Containerschiffes „Helle Rietscher“ sogar am PC verfolgen. Am 13. Jan. entdeckte ich unser Schiff im Hafen von Lagos und dann war allerdings bis heute Stillstand.


Bild: unser Container auf der Helle Ritscher (3. Reihe, 5. Von oben)

10. März 2011. Eingetroffen war der Container schon im Januar, wie wir etwas weiter unten als "neueste" Nachricht melden - aber erst in Lagos, noch nicht in Kaduna.
Und nachdem auch die Verzollung geschafft ist, ging die Reise los ins Hunderte von Kilometern entfernte Kaduna. Bernd Blaschke schrieb am 9.März, was da noch alles passierte:
Y. rief mich gestern Abend an und ich dachte zuerst: er steht auf dem Container und will mir dieses wunderbare Bild bzw. diesen tollen Eindruck vermitteln. Aber denkste, er stand vor seiner Haustür und schaute sich die Augen vergebens aus, denn etwa 250 km entfernt liegt unser Truck mit plattem Hinterreifen und Y. fluchte, nur weil diese dämlichen Fahrer sich den kleinen Umweg von 250 km ersparen wollten und statt der Autobahn die ausgefahrene Landstraße aus der Kolonialzeit zwecks Abkürzung nahmen. Das geschieht ihnen Recht, jetzt liegen sie im nächtlichen Straßenstaub und wuchten den zentnerschweren Reifen im nächtlichen Dunkeln - vermutlich bei Kerzenschein - von der Achse runter bzw. rauf (es grenzt schon fast an ein Wunder dass sie einen Ersatzreifen überhaupt dabei hatten).

Doch jetzt, am 10. März ist auch das geschafft:


Ankunft des Containers auf dem Gelände von DARE

Gut Ding will Weile haben, oder auf afrikanisch: wenn der Lastwagen techn. nicht mehr richtig verkehrstüchtig ist fährt man besser Nebenstraßen (statt die schnellere Autobahn) und dann noch nachts, und wenn es dann noch eine Panne gibt dauern die Reparaturen naturgemäß etwas länger. So ist es zu erklären, dass dieser Lastwagen (ob er diesen Namen noch verdient hat?) statt 36 Std. die doppelte Zeit brauchte.



Nach dem Abladen freuen sich Yahaya und Manfred Gruhl, der zu dieser Zeit in Kaduna sich aufhielt.

Aber dafür hat Y. einen hochmodernen großen Kran gefunden und der
Abladevorgang dauerte keine halbe Stunde, also es geht doch...


Der Nachtbrief Nr.105 vom 7. März 2011 kann hier als pdf-Datei (43,9kb) herunter geladen werden heruntergeladen werden.



Nachrichten aus Kaduna Nr. 104

Jetzt wird's spannend

Düsseldorf, 17.Januar 2011


Liebe Nigeriafreunde,

der letzte Bericht liegt zwei Monate zurück und dass ich so lange nicht aus Nigeria berichtet habe hat verschiedene Gründe, auf die ich hier nicht näher eingehen will. Aber jetzt geht es weiter und die zurückliegende Zeit raffe ich ein wenig, der Blick nach vorne ist mir wichtiger.

Die aktuelle Situation ist die: Im Hafen von Lagos liegt seit Freitag unser Container, der am 22.12. aus Hamburg abgegangen ist und jetzt beginnt die spannendste Zeit mit der Frage: Wie viele Tage werden benötigt bis er aus dem Hafen heraus kommt? Diese Frage war bei den vorangegangenen Containern jedes Mal ein Nervenspiel, es hat einmal bis zu 6 Monaten gedauert. Doch dieses Mal hoffen wir auf eine schnelle Abfertigung. Denn wir haben uns eine neue Spedition und damit einen neuen Agenten gesucht, selber machen ist "Mist" würde man in der Politik sagen. Also schauen wir mal, aber wir sind ungeduldig, denn Y. hat in den letzten Tagen verschiedenen Orten und Institutionen einige Besuche abgestattet und überall ist er mit dem SAVE80 auf große Begeisterung gestoßen und jedes Mal konnte er einige Kocher sofort bar verkaufen, die restlichen Interessenten haben sich auf eine Liste setzen lassen. Jetzt hat er mind. 200 Bestellungen und damit ist die Palette verkauft. Hier muss ich erklären, warum wir keinen Container mit 1.500 sondern nur eine Palette mit 300 Kochern besitzen. Es liegt schon Monate zurück, dass wir eine Sonderlieferung mit 300 Töpfen bestellt hatten, weil eine plötzliche Nachfrage nach Zweittöpfen einsetzte. Doch so schnell wie sie akut wurde, so schnell war das Interesse auch wieder verflogen. Wir sitzen also auf 300 Töpfen und da lag es nahe, 300 Kocher separat zu bestellen. Neu ist auch der Transportweg gewesen: diese Palette haben wir per Luftfracht nach Kaduna gebracht. Natürlich ist Luftfracht deutlich teurer, aber es dauerte nur eine Woche und kostete somit keine Liegegebühren. Und auch unsere Verkaufsmannschaft musste nicht – da arbeitslos - wochenlang durchgefüttert werden. Von diesen 300 sind seit Dezember nahezu 90 bereits verkauft worden, alles Barverkäufe und die restlichen 210 haben eigentlich auch schon einen Besitzer.

Bei den 300 Kochern befand sich noch ein Werkzeug: eine Biegevorrichtung, um die äußeren Bleche zu biegen. Das hat zwei Gründe: zum ersten wird weniger Platz im Container benötigt und zweitens bedeutet es eine kleine Mehrarbeit für unsere nigerianischen Freunde. Es klappt gut damit und wir haben mit dem Hersteller vereinbart, dass mit der nächsten Sendung eine weitere Biegevorrichtung geliefert werden soll, um auch die restlichen Bleche zu biegen. Dann liegen im Container nur noch plane Bleche (von den Töpfen und Wonderboxen abgesehen), die alle vor Ort gebogen werden müssen. Es ist unser Ziel, die komplette Verarbeitung der Bleche zu übernehmen, aber Bohren, Stanzen und Schneiden von V2A-Blechen ist eine anspruchsvolle Verarbeitung, dazu gehört Fachkenntnis und spezielle Maschinen, die im Gegensatz zur Blechbiegemaschine mit Strom arbeiten, der aber ist Mangelware in Nigeria.

Seit Anfang Dezember war H. im Krankenhaus mit dem Töchterchen Mai Nasara und Y. wollte sie besuchen. Beim Überqueren der Straße wurde er von einem unbeleuchteten Motorradfahrer am Bein erwischt und der Fahrer fuhr natürlich weiter. Y. konnte nur unter ziemlichen Schmerzen weiterfahren und ging im Krankenhaus zuerst in die Unfallstation um sich dort untersuchen zu lassen. Zum Glück wurde beim Röntgen kein Knochenbruch festgestellt, aber eine deftige Prellung besonders am Fuß und verschrieben haben sie ihm viel Ruhe. Aber er musste noch zu Frau und Kind  und in der Nacht zurück nach Kaduna, da war schon mal nichts mit Ruhe. Und auch in den Folgetagen hielt Y. es zuhause nicht lange aus, es gab jetzt noch mehr zu tun und alle zwei Tage zusätzlicher Krankenhausbesuch für sich (Schmerzspritze abholen) und die Familie. Diese Unruhe musste er damit bezahlen, dass sein Fuß nur ganz allmählich abschwoll, aber mit "Flip Flop" konnte er wenigstens einigermaßen durch die Gegend humpeln. So ging das bis kurz nach Weihnachten und erst am 31.12. konnte er Frau und Kind aus dem Krankenhaus abholen. Diese 4 Wochen wird H. so schnell nicht vergessen, denn sie war die ganze Zeit beim kleinen Sohn und die Krankenstation ist nichts für schwache Nerven. Die Uniklinik von Zaria ist spezialisiert auf schwere Unfälle und die Patienten im Krankensaal hatten erhebliche Blessuren. Jeden Morgen kamen die Krankenpfleger um die Verstorbenen zu „versorgen“. Da darf man nicht zimperlich sein, wenn es denn der Nachbar ist, der die ganze Nacht so ruhig „schlief“. Doch die meisten jammerten eher als sie schlafen konnten und entsprechend unruhig und kurz waren die Nächte (in den Nächten wurden die schlimm­sten Fälle eingeliefert, denn auf Nigerias Straßen geht es am Tage wild, in der Nacht wüst zu). Seit dem 1. Januar ist die Tortur vorbei und Mutter und Kind erholen sich, wobei Mai Nasara schon nach wenigen Tagen putzmunter war, H. braucht etwas länger.

Mit Y., P. und Ch. haben wir im Oktober ein Toilettenseminar der gtz besucht und seitdem sind wir mit einem Thema konfrontiert, welches wir bisher ziemlich unterschätzt haben. Y. hat einen alten Bekannten getroffen der mit der WHO zusammenarbeitet und bei diesem Gespräch wurde das Thema angeschnitten. Der Gesprächspartner war sehr dankbar dass Y. darauf einging denn es ist in Nigeria nicht einfach, dieses Thema sachlich und emotionslos zu behandeln. Nun habe ich die Aufgabe erhalten, bei der Deutschen Toilettenorganisation anzufragen, wo und wie man eine Förderung hinbekommt und bei den Ingenieuren ohne Grenzen soll ich dann anfragen, ob sie sich für eine Bauwoche in Kaduna erwärmen könnten, z.B. wären im Polytechnikum in Kaduna  die Zustände katastrophal. Aber auch in allen Schulen ist dieses Thema wichtig und bietet Gelegenheit für viele Bauwochen. Also dann fange ich gleich Morgen damit an zu fragen.

Das Vorhaben „Bau eines Flaschenhauses“ nimmt langsam konkrete Formen an. Auf dem Grundstück von DARE wollen wir eine Zisterne mit Andreas Hilfe bauen, Fassungsvermögen mind. 50.000 l, vielleicht auch 2 davon. Y. hat schon fleißig leere Flaschen gesammelt, etwa 5.000 benötigen wir für den Tank. Dann müssen Hilfskräfte angeworben werden um die Flaschen mit Sand oder Erde zu füllen (Erde hat er vom Brunnenbau übrig) und Bauarbeiter/Maurer, die das Bauen mit Flaschen erlernen wollen. Eine Liste mit Werkzeug haben wir von Andreas bereits erhalten. Richtig begeistert von dieser Idee ist Katy von der Britischen Botschaft. Sie hat in ihrem Keller schon Hunderte von Flaschen, hat die Presse bereits informiert und weitere Gespräche mit Interessenten geführt, die sich ein solches Gebäude auf ihrem (öffentlichen) Grundstück gut vorstellen können, das Polytechnikum z.B. und die Messe Kaduna. Die beste Zeit ist nach den Wahlen, also ab 1. April und Andreas wird mind. 4 Wochen bleiben. Für die Finanzierung haben wir eine erste Zusage der GLS-Bank, die sich erfreulicherweise ohne großartige Formalitäten dazu bereit erklärt hat. Und einen zweiten Antrag habe ich bei einer Stiftung vorgesehen, die innovative Ideen unterstützen will, da hoffe ich doch sehr dass unsere Idee Anerkennung findet.

Unser Ausbildungskurs für Solarhandwerker hat im Dezember stattgefunden und als Ergebnis haben die beiden Teams je 15 Lampen gebaut die sie verkaufen sollen. Der Materialpreis beträgt 25 €, der VK-Preis beträgt 30 €. Von den beiden DARE-Mitarbeitern wurden bereits 6 Lampen verkauft, vielleicht gelingt es ihnen bis Monatsende die restlichen 9 auch noch zu verkaufen, dann wäre Arwed glücklich und einer Nachlieferung stünde nichts mehr im Wege. Aber was ist bei dem anderen Team? Es ist wichtig, denn immer wieder kommen junge Leute und wollen an dem nächsten Kurs teilnehmen. Die Solartechnik ist bei vielen schon sehr bekannt und man verspricht sich eine Menge davon, schließlich hat Afrika reichlich Sonne. Unser Mann bei DARE hat sich als fähiger Mitarbeiter entpuppt, der durchaus in der Lage ist, einen nächsten Kurs selbständig durchzuführen und wir wollen dranbleiben, denn das Thema „Junge Menschen brauchen eine sinnvolle Arbeit“ ist für Nigeria besonders wichtig und wir schulden es dem "Gold-Standard", bei unserem CDM-Projekt. In Kaduna war es gestern kühl, Y. hustete ungewohnt, waren es die 15 Grad oder der staubige Wüstenwind? Es hat jedenfalls die Trockenzeit begonnen und jetzt haben die Menschen wieder Wasserprobleme, diesmal aber im Gegensatz zum Herbst einen Wassermangel.

Jetzt habe ich erst einmal genug berichtet und verspreche, dass bis zum nächsten Nachtbrief keine 10 Wochen vergehen werden.

Ihr

Bernd Blaschke


Der vollständige Nachtbrief Nr. 104 vom 7. Okt. 2011  kann als pdf-Datei (17,4 kb) HIER heruntergeladen werden.
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