Nachtbriefe III/2010



7.11.2010

Nachrichten aus Kaduna Nr. 103

Zurück aus Deutschland

Liebe Nigeriafreunde,

es liegt schon ziemlich lange zurück, dass ich aus Nigeria berichtet habe, es ist eine Menge passiert inzwischen. Ich werde auch diese 8 Wochen nachdokumentieren, aber jetzt ist Y. von seinem dreiwöchigen Deutschlandbesuch zurückgekehrt und das Programm geht mit unveränderter Geschwindigkeit weiter. Also beginne ich mit meinem Bericht dort, wo Y. zurück nach Nigeria kehrt: es ist Montag, der 1. November gegen 20.00. Yahaya hat 3 schwere Koffer dabei, aber die Zollabfertigung ist kein Problem, er wird von einem DARE-Mitarbeiter abgeholt und fährt mit ihm nicht mehr nach Kaduna (nachts fährt man besser nicht auf Nigerias Straßen. Ich habe ihm dennoch zwei Warnjacken mitgegeben, denn es passieren nachts die grässlichsten Unfälle mit viel Fahrerflucht), sondern sie übernachten in einem kleinen Hotel außerhalb. Als er am Dienstag in Kaduna eintrifft reicht seine Physis gerade noch um das Notwendigste auszupacken (dazu gehört auch eine Tafel Schokolade für die Tochter Ta Dutse und ein Paket Filterkaffee für Habiba, alles andere bleibt erst einmal wo es ist), dann verordnet er sich einen langen Schlaf. Am Mittwoch trifft er sich mit Vertretern von British Council, um den Besuch der Medienvertreter vorzubereiten.

Am Donnerstag kommen die Medienvertreter, Damen und Herren aus Deutschland und aus Polen um sich über die Klimaauswirkungen zu informieren. Er informiert sie über unser Projekt und zeigt ihnen, wie sie sich in Kaduna eingerichtet haben. Am Freitag fährt die Gruppe Richtung Wombai und sie besuchen ein Dorf, welches sich Umsiedler aufgebaut haben einschließlich eines neuen Waldes. In diesem Dorf werden bereits viele SAVE80 benutzt und die Besucher kamen gerade, als ein größeres Dorffest vorbereitet wurde. Dabei wurde der S80 sowohl mit dem Originaltopf als auch mit Ersatztöpfen benutzt, es ging gut. Die Dorfbewohner berichteten, warum sie aus ihrer ursprünglichen Heimat flüchten mussten und jetzt durch die S80-Benutzung in der Lage sind, einen Wald anzulegen, der allerdings gut bewacht werden muss. Die Reporter haben div. Interviews geführt, das Kamerateam beobachtete die Familien bei der Benutzung des S80. Zur Mittagszeit waren sie zurück in Kaduna, dort hatte im Büro das Team von DARE ebenfalls auf dem SAVE80 ein Mittagessen vorbereitet. Anschließend hielt Y. seinen bekannten Power-Point-Vortrag, in der Pause wurde Kaffee gereicht, zubereitet auf dem Parabolkocher und Kuchen, gebacken im Boxkocher, also das volle Programm wurde vorgeführt und die Neugier der Besucher war groß. Besonders der Vertreter des Osnabrücker Landboten interviewte Y. besonders ausführlich, weil Osnabrück von Y. als Wirkungsstätte von LHL genannt wurde (musste Y. später korrigieren, aber da war es schon zu spät). Da auch einige Vertreter des Dorfes mitgekommen waren, wurde die Diskussion fortgeführt, denn es war den Journalisten auch wichtig zu erfahren, welche Auswirkungen die Klimaveränderungen auf die Menschen haben (Landvertreibung und Konflikte mit den Einheimischen). Am Abend kehrten sie nach Abuja zurück und fliegen am Montag weiter nach Lagos, am Mittwoch zurück nach Deutschland.

Am Montag wird Y. seinen Mitarbeitern über die Reise nach Deutschland berichten, nachmittags steht ein Vortrag über unser Projekt vor den Direktoren der "Alliance Francaise" in Kaduna auf der Tagesordnung. Am Dienstag fährt er nach Abuja um einen neuen Pass zu beantragen, am Mittwoch geht es weiter nach Lagos. Dort ist sein Hauptziel gemeinsam mit dem Clearing-Agenten die Bank aufzusuchen und Form M für den Container zu beantragen. Dies ist ein dringender Besuch, da unser nächster Container erst auf Reisen gehen kann, wenn wir die Form M-Nr. erhalten und an unsere Hamburger Spedition weitergegeben haben. Aber es wartet in Lagos noch eine weitere Aufgabe. Der Kauf von 8 Batterien, und das bedeutet Arbeit, denn es handelt sich um 200 Ah-Batterien. Die kann Y. natürlich nicht im Flieger transportieren, aber im Bus. Auch wenn er selbst nicht mitfahren wird, Gepäck nehmen die Busse immer mit. Es handelt sich um einen Paketdienst besonderer Art: am Busbahnhof kann man Pakete aufgeben und auch abholen. Da es sich bei unseren Batterien - kaum verpackt – um ein höher­wertiges Gut handelt, muss sowohl beim Beladen als auch beim Entladen eine Vertrauens­person dabei sein, es könnte sonst passieren, dass 8 kleine PKW-Batterien ankommen (und keiner weiß wie das geschehen konnte). Nun werden Sie fragen, wozu wir Batterien benötigen, und die Antwort ist einfach: für unsere Solaranlage. Die wir neben der neuen Werkstatt errichten wollen. Die 12 PV-Module wurden bereits per Luftfracht nach Kaduna gebracht, die Batterien treffen auf dem Landweg per Bus ein und der Lade­regler sowie den Wechselrichter haben wir Y. in Deutschland besorgt. Der Transport erfolgte als Fluggepäck, aber das war nur unter Inan­spruchnahme von Übergewicht möglich, kein billiges Vergnügen.


Bild: Neue Solaranlage vor der Werkstatt von DARE, begutachtet von stolzen DARE-Mitarbeitern.

Diesen Luxus leisten wir uns, weil wir in der Werkstatt und im Büro verlässlich mit Strom versorgt werden wollen. Der staatliche Energieversorger ist dazu nicht in der Lage, wenn es gut läuft, kann man einmal am Tage für ein paar Stunden Strom erhalten, aber keiner weiß wann und wie lange. Dennoch muss dafür Geld bezahlt werden, das ist uns mehr als suspekt und daher tat es uns überhaupt nicht weh, als die Mitarbeiter von NEPA die Zuleitung unter­brachen und sicherheitshalber auch den Anschlusskasten verplombten. Überhaupt stellen wir uns auf eine autarke Versorgung ein, denn auch für die Wasserversorgung haben wir uns einen Brunnen bauen lassen, der bis jetzt – toi, toi, toi – unsere Mitarbeiter mit sauberem Wasser versorgen konnte. Das ist schon ein Kostenfaktor weniger, wenn nur noch das Trinkwasser gekauft werden muss. Und auf dem Freigelände ist einiges angebaut worden, begonnen hat es bereits im letzten Jahr mit einer kleinen Jatropha-Plantage (wir möchten gerne Jatrophaöl selber herstellen) und in diesem Jahr kam ein Moringa-Feld hinzu (diese Pflanze ist eine wahre Wunderpflanze und kann frisch als Salat gegessen werden aber auch zum Tee zubereiten – natürlich im getrockneten Zustand).

Gestern am Sonntag hat es wiederum nicht geregnet, der dritte regenfreie Tag schon. Es scheint, als ob die überlange Regenzeit endlich beendet ist. Man kann schon fast wieder die nahe Wüste riechen, es wird deutlich wärmer und die Luft ist schon trocken, doch noch blüht und grünt es. Wir hoffen, dass die Bauern die Ernte noch retten können, es wäre ein Wunder, denn durch das viele Wasser ist doch das meiste der Aussaat ertrunken. Lediglich die Bäume haben die lange Regenzeit gut überstanden.

Wir werden am Freitag wieder telefonieren. Beste Grüße bis dahin
Ihr Bernd Blaschke

                   

19.05.2010

 

Nachrichten aus Kaduna Nr. 98

Die letzten Nachrichten vor seiner Ankunft

Heute blieb uns nur wenig Zeit für ein ausführliches Telefonat, denn Morgen am Freitag hat Yahaya noch ganz ordentlich zu tun und dann muss er sich schon auf seine Reise nach D vorbereiten, denn für Mo. hat KLM ihm ein Ticket fest zugesagt. Abflug am Abend, d.h. Ankunft gegen 6 am nächsten Tag in Amsterdam, 1 Std. später Weiterflug nach Düsseldorf, dann kann ich ihn um 8.30 am Flughafen abholen. Erfahrungsgemäß werden wir uns in ein Stehcafe noch im Empfangsbereich zurückziehen, trinken in aller Ruhe einen Milchkaffee, dazu leckere Frühstücks­brötchen und ich werde zuerst über die letzten 24 Std. informiert. Meistens war seine Ruhezeit sehr kurz, so dass wir bald auch die Fahrt zu mir nach Hause antreten, wo er dann ohne großes Zeremoniell ins Bett fällt und für 3 – 4 Std. nicht mehr zu sehen ist.

Heute aber war er erst noch einmal in Wombai, unser Sorgenkind, und hat dort mit einem Häuptling ein ernstes Gespräch darüber geführt, wie es weitergehen könne. Die Zahlungs­moral könnte besser sein, doch man hat ihn mit dem Hinweis getröstet, dass die derzeit laufende Tomatenernte gut ausfallen werde und vielleicht schon in der nächsten Woche eine weitere Ratenzahlung vorgenommen werden könne.

Der Wasserkochertest ist nun für Morgen terminiert, fest zugesagt hat Kadashi, evtl. kommt auch Prof. Adesina, es sollte also klappen. Die Tabelle von Hubert liegt bereit und es sind pro Kocher 3 Versuche zu machen.

Ebenfalls am Freitag wird er nun endlich zu seiner Bank gehen und die Unterlagen für das FORM M bzw. für das RAR einreichen. Und dann hoffen wir, dass nach seiner Rückkehr Cotecna ihre Arbeit erledigt hat.

Yahaya wird vorauss. bis zum 14.6. bleiben, ein Programmpunkt ist der Besuch der Intersolar in München. Wir haben dann die weiteren Besucherpunkte abgesprochen: Herr K., die Windturbine, den Solartrockner, die Elektrifizierung, die neue DB, ein LHL-Treffen, in Berlin zu atm und nach Bonn zu einem Interview mit dem UN-Klimasekretariat. Dazu soll noch Zeit sein für eine kleine 3-tägige Verschnaufpause, etwas Urlaub muss der Mensch haben, bevor es zurückgeht. In Nigeria warten im Juni zwei wichtige Termine, an der Yahaya unbedingt teilnehmen muss. An einem Terminplan arbeite ich schon, es wird eng, denn bereits am Dienstag Nachmittag gibt es den ersten Termin mit atm.

Ein interessanter Punkt wird die Ausschreibung sein, die jetzt veröffentlicht wurde: die 8 Wüsten-Anrainerprovinzen zu Niger haben u.a. die Beschaffung von je 330 SAVE80 ausgeschrieben und obwohl sich DARE nicht beteiligen will, werden wir an dem Geschäft beteiligt werden, denn DARE ist der exclusive Importeur. Es wird spannend und die ersten Anrufe von indischen Firmen sind schon eingegangen. Yahaya hofft inständig, dass keine Billigkopien angeboten werden.

Ich hoffe, dass ich bald neue Bilder hier veröffentlichen kann, zwischendurch ist leider aus techn. Gründen nicht möglich, dass Strom- und Telefonnetz ist zu schwach für größere Dateien.

Der nächste Nachtbrief kommt nächste Woche, es gibt dann einiges zu berichten, es hat sich eine Menge angestaut.

Beste Grüße

Bernd





 Nachrichten aus Kaduna Nr. 97

                                                                                                       17.05.2010

                                      

Es ist unruhig und das Wetter spielt auch verrückt


Heute hatten wir uns für 23 Uhr verabredet, es klappte auch auf Anhieb mit der Verbindung, aber nach 2 min. schon war er weg und das wiederholte sich anfangs einige Male. Erklärung von Yahaya dazu: das Wetter spielt verrückt. Die Temperaturen liegen auch nachts nur knapp unter 30 Grad, tagsüber heftige Winde, ab und zu Regen, in Maiduguri steigt das Thermometer am Tage auf 40 Grad, das hält auch der tapferste Nigerianer nicht aus.

Außer dem klimatischen Wetter ist auch die politische Wetterlage unruhig. Heute war der erste normale Tag nach der einwöchigen Staatstrauer, Goodluck Jonathan hat heute seinen Vize benannt und es ist der Gouverneur von Kaduna. Das bereitet Yahaya einiges Kopfzerbrechen, denn nun beginnen in Kaduna die politischen Instanzen zu rotieren, es ist ein neuer Gouverneur zu wählen (sein Vize ist ein Christ), d.h. für die nächsten Wochen funktioniert das politische Leben in Kaduna State nur eingeschränkt. Die einzig beruhigende Nachricht: seine Frau kocht auf einem SAVE80:


Ich habe von Yahaya für sein Paket eine Nr. zur Sendungsverfolgung erhalten und diese sogleich in das DHL-System eingegeben mit dem Ergebnis, dass ich Morgen Post erhalten werde, das jedenfalls stand in der Übersicht. Nun bin ich sehr angetan von diesem Service, auch wenn das Paket – es enthält die Kaufverträge ab Juni 2009 – von Kaduna bis Lagos 10 Tage benötigte und insgesamt 125 € kostet.

Während seines Berichts über den Besuch in Zaria bei dem Lehrer-ausbildungsseminar geht das Licht aus und – was noch schlimmer ist – der Deckenventilator bleibt stehen. Ich schlage ihm vor an die frische Luft zu gehen, doch das kann nur einem unerfahrenen „Afrikakenner“ passieren, denn draußen "lauern" die Moskitos. Also bleibt er im Zimmer, derweil piepst auch sein Handy, Battery Low, wir beeilen uns und sprechen schneller.

Am Mittwoch wird er von KLM erfahren, ob sein Abflug am Samstag klappt, dann würde er am Sonntag Früh hier eintreffen. Aber als ich sein Programm erfahre, was noch alles bis dahin er erledigt haben will, zweifle ich etwas. Z. Bsp. hat Kadashi sich bisher für den Wasserkochertest noch nicht gemeldet, er säße jetzt in einer Regierungskommission und hätte wenig Zeit. Also muss Y. seinen Vertreter befragen ob dieser den Test begleiten kann. Dann will er das FORM M noch zur Bank bringen, wartet aber auf eine Anweisung aus Lagos und muss auch noch mit Bolaji telefonieren, dem neuen Mann von der neuen Spedition. Dann soll er noch ein Schreiben des Min. für Armuts-bekämpfung beiholen woraus erkennbar ist, dass sie unser Projekt Solar-ausbildungswerkstatt begrüßen und unterstützen. Dann will er noch eine Firma beauftragen, die einen Brunnen auf dem neuen Gelände graben soll und die alte Toilettengrube muss auch erneuert werden, es ist viel zu tun und alles kostet Geld. Heute haben sie 25 Wasserkanister a 25 l gekauft und in die Werkstatt gebracht, wird für Händewaschen, für die Latrinenbenutzung und zum Mörtel anrühren gebraucht, sollte bis Freitag reichen.

Das Geld fließt nicht so zügig wie gehofft, es stottert mehr und das erfordert, dass man sich persönlich darum kümmert. Dann erfahre ich, dass meine 3 Pakete mit den Außenlampen für die Bank noch immer nicht angekommen sind, sie sollen im Zoll in Lagos liegen. Aber die Bank hat es auch noch nicht geschafft, die Solaranlage großartig einzuweihen, es kommt jedes Mal etwas dazwischen.

In Plateau State ist es noch immer gefährlich sich auf die kleinen Dörfer zu begeben, während man in Jos schon wieder ziemlich frei herumlaufen kann. Trotzdem traut sich Yahaya nicht dorthin, um Didi einen Besuch abzustatten, aber der fährt schon wieder durch die Gegend, bevorzugt nach Nassarawa, südlich von Abuja und kommt auch schon mal nach Kaduna um sich das neue Büro anzuschauen .

Sein Handy schwächelt hörbar und wir beschließen Schluss zu machen für heute, aber am Do. wollen wir noch einmal telefonieren, dann werde ich erfahren, wie es um sein Flugticket bestellt ist.

Soweit mein Bericht aus dem unruhigen Nigeria. In der Rheinischen Post übrigens begann heute eine 8-teilige Serie über Afrika (www.rp-online.de). Auf der Afrikakarte ist Nigeria als bevölkerungsreichster Staat mit 200 Mill. Einwohner eingezeichnet, im Jan. waren es erst 150 Mill. lt. Wikipedia. Das ergibt eine Menge Arbeit für unser kleines Verkaufsteam!

Beste Grüße

Bernd




Nachrichten aus Kaduna Nr. 96


31.04.2010

Es bewegt sich an vielen Stellen

 

Natürlich haben wir erst kurz vor 24 Uhr mit unserem Telefonat angefangen, so war es abgesprochen, aber meinen Anruf nahm Habiba entgegen. Ich erfuhr dass Yahaya eingeschlafen war aber sie würde ihn wecken, denn er wartete auf meinen Anruf. Also nach 10 min. ein neuer Versuch und jetzt hatte ich meinen vertrauten Partner am Telefon.

Wir kamen schnell zum erfreulichen Teil. Am Mi. hatte - wie angekündigt - eine Sitzung der ALGON stattgefunden (alle LG sind hier versammelt), aber es waren keine 747 sondern nur sieben, der Generalsekretär höchstpersönlich und seine wichtigsten Mitstreiter (Finanzen etc.). Yahaya durfte seinen PP-Vortrag abspulen, Habiba hatte den SAVE80 in Gang gesetzt und kam mit dem Kocher dazu, als der Reis in die Wonderbox „umgebettet“ wurde und schließlich gab es noch eine Tomatensauße, die allen mundete und die Begeisterung war groß. Der Vorschlag, in allen LG jeweils eine größere Zahl von Kochern an die Bedürftigsten zu verteilen, wurde diskutiert, die Zahl wurde nach oben gesetzt und die Frage in den Raum gestellt, ob solche Mengen in kurzer Zeit geliefert werden können. Natürlich wolle man nur den subventionierten Preis bezahlen, es war kaum verständlich zu machen, warum dies nicht möglich ist, dalli dalli war die Antwort, aber so schnell schießen die Politiker auch nicht, schon gar nicht in Nigeria. Beginnen will man aber ganz im Norden, hier ist das Dilemma sprich Katastrophe am weitesten vorangeschritten, und das baldmöglichst. Also werden wir unser ganzes Engagement darauf ausrichten, dass pCDM-Projekt für das restliche Nigeria durchzuziehen.

Mit dieser Vision lasse ich Euch jetzt alleine, ich lege mich aufs Ohr und male mir aus, wie das in Kaduna aussehen könnte. Ein paar nette Nachrichten gab es  dann noch, aber darüber berichte ich später. Ob Yahaya nächste Woche kommt ist noch unklar, jetzt werden die Tickets nur für den jeweils nächsten Flug verkauft, der Mo. ist ausgebucht, für Do. oder Sa. wird er sich bewerben, mal schau’n.

Mit besten Grüßen

Bernd Blaschke



Nachrichten aus Kaduna Nr. 95

24.04.2010

Es bewegt sich etwas


Gestern gegen 23 Uhr habe ich Yahaya unter einem Regenschutz angetroffen, ein starker Regen­guss hat ihn auf dem Heimweg überrascht, er musste sich unterstellen und hatte etwas Bammel, in der Dunkelheit weiter zu gehen, denn die umgefallenen Strommasten bzw. die am Boden liegenden Leitungen sind oftmals noch stromführend und in der Dunkelheit ist die Gefahr kaum zu erkennen. Vor einer Woche hatte ich berichtet, dass Dr. Gardner als Berater von der Landesregierung des Bundesstaates Cross River State angeheuert wurde und er will anregen, dass jedes der Local Governments knapp 1000 Kocher für die großen Familien, also die Familien mit großem Holz­verbrauch, von DARE kauft bzw. einen Zuschuss gibt. Gestern am Fr. habe ich mit Yahaya wieder telefoniert und er berichtete mir jetzt, dass er am Di + Mi nach Abuja eingeladen war. Am Di durfte er unseren SAVE80 vor 10 interessierten Herren vorführen. Diese bilden den Rat der Local Governments und treffen die wichtigsten Entscheidungen aller Local Governments. Sie waren von dem Vortrag und der anschließenden Vorführung stark beeindruckt, beschimpften Yahaya fast wie er es wagen könne, ein solches Geschenk des Himmels ihnen so lange vorzuenthalten, luden ihn dann aber trotzdem für nächsten Mittwoch nach Abuja ein. An diesem Tag treffen sich die Chairmen aller 774 Local Governments (LG) und der Rat wird vorschlagen, dass die LG erst einmal mit je 100 St. SAVE80 beginnen sollen. Yahaya hat nach diesem Gespräch erstmals das Gefühl, mit den richtigen Leuten gesprochen zu haben, diese Regierungsebene ist näher dran an den Problemen des Volkes. Sie haben es nicht bei allg. Bewunderungen und Danksagungsfloskeln belassen und das Gespräch ohne weitere Ergebnisse beendet sondern haben sofort einen Beschluss gefasst und einen nahen Termin genannt. Also wird Yahaya + Habiba nächste Woche wieder nach Abuja aufbrechen, ob die Veranstaltung im Fußballstadion von Abuja stattfindet habe ich jetzt nicht nachgefragt, aber auf Habiba kommt eine echte Herausforderung zu: Essen kochen für mehr als 700 Personen.

Am Di fuhr Habiba noch nach Kaduna zurück, Yahaya blieb bis Mi denn er hatte einen weiteren Termin: mit dem Vorsitzenden von ECO Frontiers. Dieses ist mehr Firma als NGO, unterhält mehrere Büros – so auch in Abuja – und hat  ihre Zentrale in Lagos. Bereits vor ein paar Wochen gab es ein erstes informelles Treffen und dabei wurde Yahaya der Vorschlag unterbreitet, den SAVE80-Vertrieb für Süd-Nigeria (Küstenstaaten von Port Harcourt bis Lagos) zu übernehmen. Am Mi. wurde der Vorschlag konkretisiert und ausgeweitet, denn dieser Verein möchte mit DARE kooperieren. Sie haben eine Reihe von Ideen und sind begeistert vom SAVE80 und seinem großen Bruder. Für diesen großen Kocher können sie sich einige Benutzergruppen vorstellen, so z.B. die Mama Puts in Lagos (einige 1000) und Cateringfirmen. Sie kennen sich auch ein wenig im CDM-Bereich aus und würden gerne den großen S80  in einem CDM-Projekt nach Nigeria bringen. Sie wollen ein Papier verfassen, worin die Zusammenarbeit konkretisiert wird, Yahaya bringt es mit nach D. Auch die Chairmen der LG haben diesen im Visier, sie denken an die Energieversorgung in den Gefängnissen und die vielen Firmen, die Maniokmehl herstellen. Dazu wird viel Energie benötigt und dasgeschieht derzeit auf dem Drei-Steine-Feuer.



Bild: Maniokwurzel      


Letzte Meldung: im Container sind keine 300 Kocher mehr, es wird dringend Nachschub benötigt. Inzwischen habe ich die endgültige Pro Forma Invoice von H. Koch erhalten und diese auch schon an Yahaya versandt. An einen Abflug nach D ist noch nicht zu denken, KLM muss erst ca. 15.000 sitzen gebliebene Rückkehrer heimbringen, dann werden neue Tickets ausgegeben. Es kann also dauern.



Nachrichten aus Kaduna Nr. 94

17.04.2010

Yahaya bereitet sich auf seinen nächsten Besuch in D vor

 

Nun sind seit meinem letzten Bericht nahezu 4 Wochen vergangen und dass ich so langen nichts geschrieben habe lag nicht daran, dass nichts passiert ist, im Gegenteil. Mit Yahaya habe ich in den zurückliegenden Tagen viele kurze Gespräche geführt, für sich allein gesehen kaum Wert darüber zu schreiben, aber gestern Nacht gegen 23.45 begannen wir ein längeres Gespräch und gegen 1.30 habe ich Yahaya gebeten, dass wir eine Pause einlegen, ich war dann doch zu müde, während er um diese Zeit sonst ziemlich müde in den Seilen hängt. Nun also habe ich eine Menge Stoff und weiß wieder einmal nicht, wo ich anfangen soll, aber der Einfachheit halber – und so beginnen wir auch meistens unsere Gespräche – frage ich ihn was er heute getan hat und damit starte ich diesen Nachtbrief.

Der heutige Tag war ein trauriger Tag, denn bei meinem ersten Anruf traf ich ihn noch im Auto und wie er später berichtete  kamen sie aus dem Krankenhaus, dort war kurz zuvor die Tochter von Rasak gestorben. Ich habe nicht nach der Ursache gefragt, aber es kam wohl nicht überraschend. Trotzdem ist die Trauer groß, denn Rasak gehört zu den engsten Mitarbeitern von Yahaya, er begann seine Karriere bei DARE als Fahrer und inzwischen kann es fast alles, außer fahren auch montieren, erklären, vorführen, überzeugen und verkaufen, also ein wichtiges Mitglied im Team. Heute schon ist die Beerdigung, kurz nach Sonnenaufgang wird sich die Trauergemeinde auf dem Friedhof versammeln (in den heißen afrikanischen Ländern werden die Toten schnell unter die Erde gebracht), die eigentliche Trauerfeier findet eine Woche später statt, also am 24. April. Nun ahnte ich schon, dass Yahaya daran teilnehmen wird (und muss) und dass damit sein Abflugtermin am nächsten Mittwoch verschoben werden muss. Damit wird Yahaya nicht an unserer Mitglieder­ver­sammlung teilnehmen können, vermutlich wird auch der Termin mit atmosfair nicht zu halten sein, denn der nächst mögliche Ankunftstermin ist eben dieser Dienstag. Aber ich möchte Yahaya nicht zumuten, nach 12 std. Flug gleich mit einer langen Sitzung bei atmosfair in Berlin einzusteigen, spätestens nach 3 Std. ist er am Tisch eingenickt. Sein Besuchsprogramm liegt erst in groben Zügen fest: atmosfair, Herr Koch, Prof. Luthe (Windturbine), Prof. Adelmann (Energielösungen für Krankenhäuser), Innotech (Solartrockner) und ein Besuch im RZ, wo wir mit dem Programmierer unserer neuen Datenbank zwecks Übergabe zusammen­treffen. Und dann möchten die L-H-L-Mitglieder von Yahaya etwas aus Nigeria hören. Und schließlich braucht er noch ein paar Tage zum Durchatmen, auch wenn in Kaduna viel Arbeit auf ihn wartet, doch davon später.

Zurück nach Nigeria, denn nach der Beerdigung plant er nach Abuja zu fahren, dort gibt es eine Frauengruppe, die Sheabutter herstellt, auch bekannt als Karitébutter. Die Früchte des Sheanussbaums sind botanisch gesehen Beeren, die darin enthaltenen etwa 4 cm großen Fruchtkerne, die Kariténüsse, enthalten ungefähr 50 % Fett und stellen eine wesentliche Quelle für Speise- und Hautpflegefett dar, das Fruchtfleisch wird gegessen. Aus der Kariténuss wird die

Foto: Karitenüsse

Sheabutter, auch Galambutter oder Karitébutter genannt, gewonnen. Bei der traditionellen Produktionsweise wird nach dem Waschen und Zerstampfen der Samen durch Kochen in Wasser und nachfolgendes Abschöpfen des oben schwimmenden Sheaöls die Sheabutter gewonnen. Dies alles habe ich aus Wikipedia und ab hier wird es für uns interessant, denn für den Kochvorgang auf dem Drei-Steine-Feuer wird viel Holz benötigt. Aber diese Frauengruppe benutzt schon den Lehm- oder Tonofen, der weniger Holz benötigt. Allerdings ist das Herstellungsverfahren ungewöhnlich: auf den Feldern in der Nähe der Schibutterbäume,  die auch Afrikanischer Butterbaum genannt werden, wird von den Frauen als erstes ein Ofen gebaut, da diese so groß und schwer sind, dass sie nicht von Ort zu Ort transportiert werden können. Sind alle Bäume der Gegend abgeerntet, zieht das Ernteteam weiter zum nächsten „Feld“ und zurück bleibt der Lehmherd. Nun will Yahaya zusammen mit seinem Freund Tom – den er in der Brit. Botschaft kennen gelernt hat – mit den Frauen ein Experiment durchführen: das Kochen der Kariténüsse einmal auf dem Lehmofen und ein zweites Mal auf dem SAVE80 um festzustellen, ob der Kochvorgang auf dem SAVE80 wesentlich schneller und damit preiswerter ist (geringerer Verbrauch von Feuerholz). Das wäre schon ein großer Vorteil, ein weiterer ist, dass der S80 zum nächsten Ernteeinsatz mitgenommen werden kann, es entfällt der Bau eines neuen Herdes aus Lehm. Das aber ist das Hauptargument der GTZ, die dort die Frauen unterstützt und den Lehmherd eingeführt hat. Mit diesem Versuch will Yahaya der GTZ beweisen, dass manchmal importierte Technik, auch wenn sie anfangs teuer ist, sich langfristig rechnen kann. Sollte ihm das gelingen, könnte sich ein großer Markt eröffnen, denn die Herstellung von Sheabutter ist in ganz Westafrika weit verbreitet und bei guter Qualität kann sie sogar nach Europa exportiert werden.

Eigentlich sollte Yahaya am letzten Mittwoch in Katsina einer Einladung Folge leisten und wichtige Leute aus der Landesregierung treffen, die sich den SAVE80 anschauen und vorführen lassen wollten. Doch wurde dieses Treffen kurzfristig abgesagt und auf nächste Woche verschoben. Durch die Verlegung des Reisetermins kann er diesen neuen Termin wahr­nehmen und dabei gleichzeitig die Universität von Katsina besuchen, die ihn ebenfalls eingeladen hat, denn der Lehrkörper möchte sich ebenfalls gerne den SAVE80 vorführen lassen. Leider liegt Katsina nicht in unserem Projektgebiet, so dass der Wunsch, gleich genügend S80 mitzubringen, vorerst nicht erfüllt werden kann, aber wir arbeiten daran, dass auch in Katsina unser Sparkocher verkauft werden kann.

Weiter zurück im Kalender ist ein Anruf von Dr. Gardner zu erwähnen, der sich zu einem wahren Fan unseres Herdes entwickelt hat, seitdem er selbst einen besitzt. Aber dies war nicht der Grund seines Anrufes. Vielmehr befand er sich in Port Harcourt, wohin ihn die Landes­regierung von Rivers State eingeladen hatte. Dort haben sie ein Problem: durch die Ölein­nahmen und besonders durch die zusätzlichen Zahlungen der Erdölförderfimen hat der Bundesstaat – aber auch alle anderen Küstenstaaten – viel Geld, welches sinnvoll ausgegeben werden muss. Dr. Gardner ist als Berater gerufen worden und soll Vorschläge unterbreiten, worin am besten investiert werden kann. Natürlich hat er eine gute Idee und nun kommt es darauf an, ob es ihm gelingt, die Landesregierung davon zu überzeugen, dass an erster Stelle die Bevölkerung mit SAVE80 zu versorgen sei, denn das Feuermaterial stammt in diesen Staaten aus dem wertvollen Mangrovenholz. Eine umfangreiche Studie über die Bedeutung der Mangrovenbäume hat die GTZ vorgelegt (http://www2.gtz.de/dokumente/bib/02-0088.pdf).

Bereits letzte Woche bekam Yahaya einen Anruf von der Universität aus Kano, dort hat ebenfalls der Lehrkörper eine Einladung ausgesprochen und darum gebeten, gleich 80 der Kocher mitzubringen, so viele könnten DARE dort direkt verkaufen. Leider liegt auch Kano nicht in unserem Projektgebiet, genau wie Katsina, also müssen auch die Menschen in Kano sich noch etwas gedulden.

Anschließend haben wir noch lange über unsere Probleme gesprochen, die ich hier nicht weiter ausbreiten möchte, aber wir werden noch hart arbeiten müssen, bis wir alles im Griff haben. Aber das war mir zumindest klar: wir arbeiten in Afrika mit Afrikanern zusammen und hier gehen die Uhren anders; und Geduld gehört hier besonders zum Geschäft, besonders wenn man ein Geschäft betreibt, welches auch in Deutschland nicht einfach zu handeln ist, in Nigeria betreten wir Neuland. In zehn Jahren wird das alles selbstverständlich sein und wir werden schmunzeln, wenn wir dieses hier nachlesen, doch noch müssen wir uns das Neue erarbeiten.

Das war kein leichtes Gespräch und mit entspr. dickem Kopf lege ich mich anschließend zum Schlafen, was mir dann aber doch gut gelingt.

Bernd



Nachrichten aus Kaduna Nr. 93


18.3.2010

Arwed und Maria haben Nigeria verlassen

Heute am Donnerstag habe ich Y. bei meinem ersten Anruf noch in Kaduna erwischt, da waren sie aber alle am Packen, denn um 19 Uhr wollten sie Arwed und Maria am Check-In abgeliefert haben. Es reichte nur zu einem kurzen Gespräch mit Arwed, um unsere Verab­redung für Sonntag zu canceln, denn er war ziemlich erkältet, doch mit Y. habe ich mich dann für 23 Uhr verabredet, dann sollte alles überstanden sein und er hätte dann mehr Zeit für mich. Also ein zweiter Anlauf um 23 Uhr - und tatsächlich, gleich beim ersten Klingeln hob er ab. Es herrschte eine beeindruckende Ruhe und eine gute Sprachqualität. Das ist Abuja, die Hauptstadt, hier ist einiges besser als in der Provinz und zudem hatte er beim Wirtschaftsattache der britischen Botschaft das Gästezimmer erhalten - klimatisiert, keine Moskitos, einwandfreie Strom­versorgung - kurzum paradiesische Verhältnisse.

Heute Vormittag noch hatten sie ein Gespräch mit der Micro-Kredit-Bank geführt und die hatte noch einmal betont, dass sie an dem Ausbildungsprojekt für Jugendliche ein starkes Interesse habe. Sie wären bereit, sich mit 50% an der Finanzierung der Jugendlichen zu beteiligen, wenn diese die Ausbildung erfolgreich beendeten und sich selbstständig machen wollten. Die Bank wolle auch bei der Kundenaquise behilflich sein und besonders für betuchte Kunden sehe sie große Chancen. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, der das ganze Solarprojekt angeschoben und durchgedrückt hat, ist sehr interessiert, mit DARE zusammen zu arbeiten...

Gestern noch haben sie zusammen mit Arwed ein Dorf von Pastor M. besucht und sich ein Eindruck von der bedrückenden Armut machen können. Hier will sich die obige Bank auch an dem Brunnenprojekt beteiligen, ebenfalls mit einem Micro-Kredit und das bei moderaten Zinsen zwischen 5 – 8 %. Für die Details will die Bank uns ein Konzept vorlegen und es uns zur Beurteilung übergeben.

Die Überlegungen hinsichtlich der Monitoringaufgabe nehmen langsam konkrete Formen an. Etwa 100 Monitoringberichte wären anzufertigen, davon max. 50% bei denen durch einen Besuch die Daten erhoben werden. Für diese Aufgabe, so berichtete Y., würden sie sich ein weiteres Fahrzeug wünschen, denn die Fahrten, die sie weit nach Osten und Westen  führen könnten, wären durchgeführt als Taxifahrt doch ziemlich teuer... Zudem könne man gleichzeitig den Frauen eine Nachschulung  anbieten, die nicht persönlich den Kocher gekauft haben (sondern der Mann) und schlecht informiert seien. Als Monitoringhelfer können sie in Oyo-State auf die Studenten der Forschungsgruppe von Prof. A. zurückgreifen, die im Rahmen ihrer Forschungsarbeit eine ganze Reihe von Daten erfragen. In Kaduna müssten sie einen festen Personalstamm aufbauen, der sich nur dieser Aufgabe widmet. Daneben wird es eine zweite Division geben müssen, die sich dem Verkauf widmet während eine dritte den technischen Support ausübt. In den Dörfern müsse es einen Ansprechpartner geben, der für die Geldgeschäfte verantwortlich ist und in größeren Dörfern auch einen versierten Techniker, der Beratungen durchführt, kleine Reparaturen ausführen kann, weitere bestellte Kocher montiert und Verkäufe im kleinen Umfang selbstständig durchführt.

Bei ihren Besuchen in den Dörfern sind sie immer wieder überrascht, wie zufrieden die Frauen mit dem SAVE80 sind. Waren es zuerst die Glasdeckel, die unseren Kocher zieren, sind es die Wonderboxen, deren Vorteile jetzt erst langsam entdeckt werden, z.B. die Tatsache, dass das Essen abends fertig gemacht, am nächsten Morgen den Männern zum Frühstück immer noch heiss aufgetischt werden kann. Aber auch Gerichte, die mittags für die Kinder zubereitet werden, können abends noch warm verzehrt werden. Aber wir haben dazugelernt, dass bei großen Familien ein zweiter Original-Kochtopf benötigt wird, sonst besteht die Gefahr, dass eigene unpassende Töpfe in den Kocher reingehängt werden könnten. Dann wären unsere berechneten CO2-Einsparungen ziemlich im Eimer.

Dann folgte ein Höhepunkt: ein Bauer zeigte den deutschen Besuchern wie er sein Tomaten­feld bestellt. Zu jedem Feld gehört ein halbtiefer Brunnen (max. 2 m). Darin hängt eine Tauchpumpe und wenn man Glück hat, kann der Förderstrom über ein langes und verzweigtes Rohrsystem die Pflanzen mit Wasser versorgen. Aber für die Versorgung ist Benzin oder Diesel erforderlich, ein begehrter und deswegen knapper Stoff, der auf dem Lande oftmals nur beim Schwarzhändler zu erhalten ist und wenn man Pech hat dann steht die Pumpe auch schon mal wegen Treibstoffmangel längere Zeit still. Etwa eine Gallone Benzin verbrauchen die kleinen Pumpen und etwa 3 € sind dafür zu bezahlen. Manchmal gibt es einen zentralen Brunnen, der mehrere Felder versorgt, dann muss nach einer gewissen Zeit der Wasserfluss umgelenkt werden. Einen Tank, aus dem man gleichzeitig die Felder versorgen könnte, kennt man nicht. Ein Solarmodul könnte die Stromversorgung übernehmen. Die kleinen Motoren schaffen immerhin ca. 1 kW (pumpt 35 m3/h), das benötigt die Pumpe und da müsste das Modul schon eine Fläche von 10 qm besitzen. Ähnliche Werte erreichte man, wenn stattdessen eine Solarpumpe eingesetzt würde, die leistete das gleiche, benötigte nur 120 W und kostete etwa 1.500 € zzgl. Kabel und max. 500 € für das Solarmodul. Allerdings wäre diese nicht ohne weiteres mobil, käme also nur bei stationären Pumpen in Betracht, wobei auch größere Dieselgeneratoren nicht mehr ohne weiteres durch die Gegend getragen werden könnten. Das muss also alles noch einmal gründlich recherchiert werden...

Bei zwei Familien hat Arwed seine mini SHS-Lampen hinterlassen und er war selbst überrascht, wie hell die kleine Power-LED die Hütte ausleuchtete und es setzte sofort eine große Begeisterung ein. Akai wird die Familien 1x im Monat besuchen und beobachten, wie sich diese Geschichte entwickelt. Wir sind daran sehr interessiert, weil es genau solche Lampen sind, die später bei unserem Ausbildungskurs hergestellt werden und von den jungen Leuten verkauft werden sollen. Diese Perspektive hat auch unsere Bank interessiert und in einem Gespräch haben wir unsere Planung vorgetragen. Dass der Chef ein Solarfreund war wussten wir schon, aber jetzt zeigte er auch Interesse an beruflicher Ausbildung Jugendlicher auf dem Gebiet der Solartechnik. Sie würden hier mit Start-Up-Darlehen an die Jungunternehmer den beruflichen Start erleichtern können und außerdem ließen sich evtl. auch Kundenkontakte leichter herstellen. Sie wären sogar bereit, die gesamte Ausrüstung vorzufinanzieren, also hauptsächlich die Solarmodule einzukaufen. Wir würden ihnen ein chinesisches Qualitätsprodukt benennen, das sei besonders wichtig, es müsste das TÜV-Prüfsiegel besitzen, denn das richtige Vertrauen auf chinesische Produkte haben sie nach den bisherigen Erfahrungen nicht mehr und befürchten Rufschädigung...

Am nächsten Tag ein Besuch in der CVJM-Werkstatt, hier werden Metallarbeiter ausgebildet (die auf Grund der Wirtschaftskrise nicht gebraucht werden). Also auch hier großes Interesse an einer Ausbildung zum Solartechniker, aber mehr noch an der kompletten Herstellung des Save80 (viele Maschinen die dazu benötigt würden, stehen dort herum). Aber auch mit Holzverarbeitung haben sie Erfahrung und könnten sich auch Produkte für die Haltbarmachung von Lebens­mitteln vorstellen, z.B. Solartrockner. Also ein großer Strauss von Möglichkeiten die sich hier anbietet und wieder ist unsere Bank bereit, sich finanziell einzubringen, also Kredite bereitzustellen, wenn Interessenten nicht bar bezahlen können.

Natürlich war die Stakeholderkonferenz ein wichtiges Thema, denn sie soll nun durchgeführt werden, bevor Y. nach Deutschland reist. Veranstaltungsort könnte diesmal Abuja sein. Eine Konferenz für das gesamte Staatsgebiet von Nigeria, das könnte eine größere Konferenz werden. Waren bei unserer ersten Konferenz in Kaduna schon 90 Personen, werden wir diese Teilnehmerzahl mit Sicherheit überschreiten. Und die Teilnehmer wollen versorgt werden, für die von weit angereisten auch mit Fahrtkosten und Übernachtung? Das könnte teuer werden, also müssen wir erst einmal die Richtlinien von UNFCCC und Gold-Standard studieren, ob das alles erforderlich ist, denn sonst käme leicht ein Betrag von über 10.000 € zusammen...

Im neuen Büro ist die Mauer endlich fertig und die Mitarbeiter von DARE ziehen ein. Bisher gibt es nur eine große Halle, die als Werkstatt und Großraumbüro genutzt wird. Es macht allen sehr viel Spaß, es bieten sich völlig neue Möglichkeiten, aber es gibt noch ein paar kleine Probleme, die den ungetrübten Spaß noch verhindern: so gibt es noch keinen richtigen Strom (der staatliche Energieversorger wird uns nicht beliefern, da er die lange (mehrjährige) Stillstandzeit von uns finanziert haben möchte), die Toiletten sind defekt und es gibt noch keinen Brunnen, der frisches Wasser liefern kann. Letzteres ist das größte Problem und wir müssen dringend über eine Lösung nachdenken: Brunnen bohren, Rohr einsetzen, Solarpumpe einführen, Solarmodul aufstellen, Wassertank auf Gestell aufbocken. Was kostet das und wer bezahlt das?

Schließlich berichtete ich Y. noch von der kleinen Windturbine und dem neuen Kontakt zu Prof. G. L., der diese in Deutschland vertreibt. Aber dessen großes Interesse gilt Afrika, genauer die Energie­versorgung für Afrika, und hier besonders die der ländlichen Bevölkerung. Es ist absehbar, dass in den nächsten Jahren die Stromversorger keine flächendeckende Energie­versorgung bereitstellen können und dies bedeutete eine große Chance für dezentrale Energie­versorgung auf dem Lande auf der Basis erneuerbarer Energien. Natürlich ist an erster Stelle die Solarenergie zu nennen, aber auch Wasserkraft und Windkraft haben in Afrika ein großes Potential. Hier könnte die Windturbine ins Spiel kommen, denn eine Versorgung über Solar- und Windkraft garantiert noch immer keine 100%-ige Versorgungssicherheit, aber der Stromspeicher (Batterie) könnte erheblich kleiner gehalten werden. Wir denken an eine Demonstrationsanlage auf dem neuen Gelände, aber zuvor sind noch ein paar Fragen zu beantworten (wieviel Wind weht dort überhaupt?) und Yahaya wird seine alten Beziehungen reanimieren. Wenn er in Deutschland ist, werden wir uns dieses Teil unbedingt anschauen (zum Mitnehmen ist es mit seinen 64 kg etwas zu schwer, zumindest als Handgepäck).

Ich vergaß zu berichten, dass ich schöne und praktische Lampen für den Außenbereich (der Bank) gefunden habe, das war aber dann doch nicht so leicht wie gedacht, denn überwiegend werden die Lampen mit der Schutzart IP 44 hergestellt. Das reicht aber für Nigeria nicht aus, IP 55 müßte es schon sein, aber das zu finden ist einfacher gesagt als getan. Schließlich habe ich IP 64 entdeckt, das müsste ausreichen und nun befinden sie sich schon auf dem Weg nach Nigeria (sie sind mit Sicherheit schon über die Landesgrenze, d.h. die ersten 10.000 km sind schnell erledigt, die restlichen 1000 km dauern erfahrungsgemäß etwas länger). Wir wären froh, wenn innerhalb der nächsten 8 Wochen die drei Pakete ankommen.

Zum Schluss erfuhr ich noch, dass die politische Situation ziemlich aufgekratzt ist, der neue Präsident Goodluck Jonathan ist noch nicht ganz angekommen und was er genau plant, weiß noch keiner, also abwarten. Wir werden es bestimmt bald erfahren und werden sehen wohin die Reise geht.

Mit besten Grüßen

Bernd Blaschke


Nachrichten aus Kaduna Nr. 92

8.3.2010

Wohin mit dem Container?

 

In unserem letzten Gespräch haben wir wieder einmal gemeinsam überlegt, was man mit den Containern machen könne, da mit der nächsten Lieferung auch diese Frage zu beantworten ist: Sollen wir den Container mieten oder kaufen? Gegen mieten spricht die Erfahrung, dass man eine Kaution hinterlegen muss und garantiert erhält man diese nicht vollständig zurück, weil natürlich ein Container nach 2000 km von Lagos nach Kaduna und zurück nicht ohne Blessuren zurückkehrt und dies ist ein Grund für die meisten Speditionen, einen Teil der Kaution einzubehalten. Zudem bleibt für das Auspacken nur wenig Zeit, nach 2 Std. läuft die Uhr und jede weitere Stunde muss bezahlt werden. Auch wird das Aus- bzw. Abladen nicht ohne Probleme ablaufen, denn runter vom Lastwagen kommt der Container immer, aber wie bekommen wir ihn wieder hinauf? Und schließlich muss man für den Rücktransport bezahlen, auch wenn er leer ist, mind. die Hälfte des Betrages, der für den Hintransport zu entrichten ist. Also lohnt es sich mehrfach, den Container zu kaufen, zumal man dafür ein paar Euro erhal­ten könnte, wenn man den richtigen Interessenten dafür auftreibt. Jetzt hat Y. einen Tipp bekommen, dass ein Trupp von Arbeitern jeweils aus zwei Containern eine Einfachunterkunft herstellt, indem einer der beiden Container aufgeschnitten wird und in der Mitte - jeweils rechts und links - die beiden Hälften angeschweißt werden. Das neue Containerheim bietet dann vier Räume und ist auf jeden Fall stabiler als die Papphütten und Plastikdächer, aber auch wärmer. Gegen einen Aufpreis erhält man sogar noch eine Isolierung, alles vom Feinsten also und in den Slumgegenden sieht man neuerdings vermehrt diese neue Art der „Einfachbungalows“.

Mehr Kopfzerbrechen bereitet uns der Besuch im Krankenhaus, denn das Gespräch verlief etwa nach dem Motto: Energie brauchen wir ohne Ende, aber wir können sie nicht bezahlen und zu sparen gibt es da nichts. Dass man das Thema mit Überlegungen Richtung Energie­sparen beginnt, ist dort noch nicht angekommen, lediglich die Frage, wer kann die Umstellung auf regenerative Energien bezahlen, sollte behandelt werden. Da wir Europäer an diesem Thema interessiert seien und hier soviel auch schon getan haben, war für unseren Gesprächspartner die Frage eigentlich beantwortet: Das könnt ihr am besten und wir bitten euch, dies am Beispiel des Zentralkrankenhauses von Abuja zu beweisen. Diese Aussage wurde im zweiten Gespräch mit der Geschäftsführung noch einmal unterstrichen, Über­legungen hinsichtlich des Einsatzes sparsamer Geräte blieben unbeantwortet, dafür wäre kein Geld vorhanden. Hinweise auf Amortisationsberechnungen wurden mit dem Hinweis auf die angespannte Haushaltslage blockiert, der Finanzminister würde für solche Ausgaben im Kabinett keine Mehrheit erhalten und das Krankenhaus darf keine Bankdarlehen aufnehmen. Wir sind jetzt ein wenig ratlos darüber, dass Nigeria so wenig Bereitschaft zeigt, seinen CO2-Verbrauch mit einfachen Mitteln (Energiesparen) zu reduzieren. Auch die Tatsache, dass die nigerianischen Haushalte bei ihrem Stromlieferanten quasi eine Flatrate erhalten und monat­lich einen Pauschalpreis entrichten, da es keine Zähler in den Haushalten gibt, spricht Bände. Fällt das vielleicht unter den Begriff „Good Governance“?

A. M. hat nach seiner Ankunft in Kaduna bereits die Bank besichtigt, die Akai mit einer Solaranlage ausgestattet hat. Es handelt sich hier tatsächlich um eine große Anlage, denn 32 Solarpaneele und 16 Batterien wurden installiert, um die 5 kW zu erzeugen. Auch der Wechselrichter wurde inzwischen beschafft, ein indisches Fabrikat, der für den halben Preis erhältlich war, den man hier auf den Tisch legen müßte. Aber auch hier kamen wir schnell ins Staunen, denn jetzt werden die Glühlampen durch Energiesparlampen ersetzt, alles sehr löblich, doch leider die falsche Reihenfolge. Das muss unser einheimischer Techniker wohl auch noch lernen. Telefonisch haben sie bei mir noch ½ Dutzend Außenstrahler geordert, jetzt aber mit ESL ausgestattet, immerhin. Diese Anlage hat jetzt schon für Aufsehen gesorgt, die erste Bank die mit einer Solaranlage ausgerüstet ist, das wird bald Schule machen und die Landesregierung ist hoch erfreut über die deutschen Ingenieure. Ende März soll mit viel Presse die Anlage eingeweiht werden und Y. muss deswegen seinen Abflug um eine Woche verschieben.

Am Freitag dann das nächste Gespräch mit der Landesregierung, die eingeladen hatte, weil man Näheres über unsere Ausbildungswerkstatt für Solartechniker erfahren wollte. Dafür erhielten wir viel Lob und man war neugierig, wie es weitergehen könne und wie man das Programm möglichst schnell ausdehnen könne. Wir wurden um eine Programmbeschreibung gebeten und in den nächsten Tagen soll ein Gespräch beim Gouverneur stattfinden.

Es liegt eine Einladung aus dem Süden vor (Nassarawa State) und eine aus Katsina, wo sich gleich mehrere Local Governments gemeldet haben. Die Situation in den nördlichen Bundes­staaten verschlechtert sich zunehmend, der ständig steigende Benzinpreis könnte eine Ursache sein. Denn die Preise für Brennholz im Norden liegen jetzt deutlich höher als in den südlichen Regionen und es ist nicht nur teurer sondern auch schwieriger zu erhalten. Aus diesem Grunde kommen vermehrt Anfragen aus den Wüstenregionen und wir haben das Problem, dass diese Staaten noch nicht zu unserem Projektgebiet gehören, wir also dort noch nicht zum subventionierten Preis verkaufen dürfen. Dennoch wird Y. in der kommenden Woche hinfahren und sein Programm erläutern, man kann ja schon einmal anfangen mit dem Sparen.

Auf der Kaduna Messe gab es auch div. Nachfrage nach den Entsaftern (2 Verkäufe) und den Solartrocknern. Hier soll ich mehrere Folien besorgen, die man in Nigeria nicht erhält (UV-undurchlässig), weil ein Interessent diese Trockner nachbauen möchte. Auch an dem großen Solartrockner für 7.000 € ist er sehr interessiert und fragte an, ob wir ihm diesen aufbauen können wenn er die Bezahlung übernimmt. Da Y. bei seinem Besuch in D auch die Hersteller­firma aufsucht, werden wir alle anstehenden Fragen direkt vor Ort beantworten lassen. Eigentlich soll es für einen erfahrenen Handwerker kein Problem bereiten, wir werden uns davon überzeugen.

Und schließlich habe ich noch den Auftrag erhalten nachzuforschen, wie man es anstellen muss, damit die kleinen Benzin- und Dieselgeneratoren mit Jatrophaöl betrieben werden können, denn inzwischen wird im Land Jatropha angebaut und das Öl ist erhältlich. Im Internet habe ich bisher nur etwas von Umrüstsätzen gelesen und den allg. Hinweis, dass bestimmte Motoren damit arbeiten würden. Da besteht wohl noch etwas Forschungsbedarf.

Also verehrter Leser, ein wenig bleibt noch zu tun heute, Folie besorgen, Lampen kaufen, schnellen und preiswerten Transport erkunden, Dieselgenerator finden der mit Jatrophaöl läuft und eine Strategie entwickeln um den nigerianischen Finanzminister zu überzeugen, dass Energiesparen nicht nur sich lohnt sondern auch geboten ist. Wenn ich einen dieser Punkte erledigt habe, melde ich mich wieder.

Beste Grüße

Bernd





Nachrichten aus Kaduna Nr. 91

28.02.2010

A. in Abuja angekommen, Koffer noch in Amsterdam

Liebe Freunde,

zuerst das Wichtigste: A. und M.sind in Nigeria wohlbehalten eingetroffen, aber am Kofferband fanden sie statt ihrer Koffer ein Schild mit div. Namen, Besitzer von virtuellen Koffern, die in Amsterdam auf den Abflug der nächsten Maschine warten (heute am Mo.). Dafür durften sie im Sheratonhotel absteigen, das Abuja Zentralkrankenhaus hat zwei Übernachtungen spendiert. Dort sind sie am Mo. Gast und führen ein Gespräch über die unzureichende Energieversorgung des Krankenhauses. Von Y. hatte ich aber schon am Donnerstag einen überraschenden Anruf erhalten: Man braucht dringend einen Wechselrichter (WR) für eine 5 kW-Anlage. Mir schwante nichts Gutes und schaute dann im Internet nach: das Ding wiegt an die 50 kg und kostet schlappe 3.000 €, das ist wohl als Handgepäck ungeeignet. Ich war ziemlich überrascht, als Y. mir weiter berichtete, dass Akai die Bank bereits mit einer Solaranlage voll versorgt hat, 32 Module und 16 Batterien wären installiert, es fehle nur noch der Wechselrichter, um den 230V-Strom zu erzeugen. Nach einem längeren Gespräch mit H. kamen wir zu dem Ergebnis, dass erst einmal im Lande nach den vorhandenen WR geforscht werden solle, ehe man sich mit dem Kauf und Transport befasst. Außerdem gäbe es auf dem WR-Markt in letzter Zeit aufregende Entwicklungen, z.B. mit integriertem Laderegler und einer Umschaltautomatik die bewirkt, dass vom Netz auf Solarmodul oder Batterie umgeschaltet werden kann. Ich bin ziemlich überrascht über diese Entwicklung und A. ist es auch, denn gestern haben wir noch Batterie-Lampe-Selbstbausets für Tuaregs verkauft, heute statten wir Banken aus.

Die Messe ist zu Ende und sie war ein durchwachsener Erfolg, denn verkauft wurden gerade einmal zwei Dutzend S80, aber eine Menge interessanter Gespräche geführt. Unsere Solar-Power-Box ist noch immer ein Favorit, aber auch die Dampfentsafter und Solartrockner waren umlagert, alles kann gebraucht werden. Dann erschien ein Vertreter der Kaduna Government und zeigte großes Interesse, besonders unser Plan zur Solartechnikerausbildung hat ihn interessiert und Y. wurde eine Einladung beim Gouverneur zugesichert. Auch Terracon könnte wieder in den Focus rücken, denn ein Vertreter eines Mobilfunkproviders fragte nach, ob die Versorgung der Funkmasten auch mit Solarstrom möglich sei. Wir mögen ihm Unterlagen zukommen lassen, dies wäre ein wichtiges Thema für die Branche. Das alles ist beim Besuch von Yahaya in Deutschland einzuplanen, diese Firmen noch einmal zu besuchen einschl. Prof. A. in Ulm, der zugesagt hat, sich in die Frage der Energieversorgung von Krankenhäusern einzuschalten, wenn die erforderlichen Daten vorlägen. A. hat also gut zu tun.

Das neue Büro wird langsam fertig, es wird jeden Tag geputzt und ab heute wollen sie aus dem alten ausziehen. Da die Räume noch zu streichen sind werden sie vorerst in den Pavillons ihre Arbeitsplätze aufschlagen. Da kein Stromanschluss bestellt wurde benötigt man jetzt unbedingt die SPB, ein Wassertank fehlt noch, da der Brunnen defekt ist und eine Dixitoilette, da die eigentlichen noch nicht funktionieren.

Auch seine eMail-Adresse funktioniert noch immer nicht, ich soll bei gmx anrufen und nachfragen.

Und schließlich hat sich die Armee wieder einmal gemeldet, diesmal nicht die Luftwaffe sondern das Heer. Ein ranghoher Offizier hat zuerst einen SAVE80 gekauft und Y. nach Zaria bestellt, in sein Haus, dort möchte er eine Solaranlage installieren lassen und Y.+A.+Akai sollen kalkulieren, was benötigt wird.


Zaria liegt nördlich von Kaduna und bis zur Sahara ist es nicht mehr weit.

Derweil will er Y. etwas über den Kocherbedarf der Armee erzählen und es ist klar: da kommt nur der Speedmaster infrage. Bei unserem geplanten Besuch bei K. werden wir also auch dieses Thema anschneiden, auch deshalb, weil auf der Messe eine Reihe anderer Interessenten (Schuldirektoren und Leiterinnen von Kindergärten) anklopften und darauf verwiesen, dass bei diesen Holzpreisen eine andere Lösung kommen muss.

Beste Grüße

Bernd



Nachrichten aus Kaduna Nr.90

20.02.2010

Viele und interessante Nachrichten....

Liebe Freunde,

wir hatten schon am Nachmittag miteinander telefoniert und vereinbart, dass wir am Abend ganz früh zum Telefon greifen sollten, denn derzeit ist Messe in Kaduna und Y. muss früh raus, besonders an diesem Tag, da die christlichen Mitglieder von DARE am Sonntag zuerst zum obligatorischen Kirchbesuch aufbrechen, bevor sie gegen Mittag auf dem Stand von DARE erscheinen. Als ich aber zur vereinbarten Zeit um 22.30 zum ersten Mal anrief hatte er noch den Mund voll und so startete unser Gespräch erst kurz vor 23 Uhr, also zur gewohnten Zeit (und wir haben dann auch locker die Mitternachtsstunde miteinander verplaudert). Ich fragte zuerst nach der politischen Situation und Y. berichtete, dass durch das Urteil des Obersten Gerichtes die Regierung sich wieder stabilisiert hat und die Menschen aufatmen, da jetzt wieder eine gewisse Sicherheit und Stabilität herrscht. Nicht ganz so freundlich hingegen sieht es in Plateau State aus. In Jos (Hauptstadt) patrouilliert noch viel Militär durch die Straßen und es herrscht von 6 – 6 Uhr Ausgangssperre. Darum waren Didi und seine Leute froh, dass sie endlich einmal aus der Stadt raus kamen, um sich mit Y. und seinen Leuten zu treffen. Ich musste ihm dann erst einmal rekapitulieren, über was zuletzt wir miteinander gesprochen hatten, denn es war einiges passiert in den letzten Tagen und da bekommt man dann schnell nicht mehr alles auf die Reihe. Sie, liebe Leserinnen, liebe Leser, erinnern sich, dass wir uns am Samstag den 13.2. verabschiedeten und für Sonntag war ein Besuch von zwei Dörfern geplant, etwa 150 km entfernt. Das Besondere daran war die Art der Einladung, die über einen muslimischen Dorfvertreter zustande kam und jetzt kenne ich auch seinen Namen: Lawan Gazara. Der erwartete Y. und die Mitfahrer am Dorfeingang in Begleitung des christlichen Dorfvertreters namens Daurda Lawan und beide arbeiten in letzter Zeit intensiv zusammen. Im ersten Dorf wurde der SAVE80 direkt nach dem Gottesdienst von 12 – 14 Uhr vorgeführt, dann Aufbruch ins 7 km entfernte Nachbardorf und dort ging es bis 16 Uhr weiter. Es wurde die neue Strategie angewendet, d.h. kein Verkauf, aber es wird eine Liste ausgehändigt, in die sich Interessenten eintragen können und dazu ist eine Anzahlung von 20 € erforderlich. Die beiden restlichen Raten sind in den beiden folgenden Monaten zu bezahlen und wir hoffen, dass diese Verkaufsstrategie erfolgreicher ist als die vorherige. Auf dem Rückweg hat Y. in einem abgelegenen Tal ein Dorf von Nomaden entdeckt, die vor einigen Jahren bereits aus den nördlichen Wüstengebieten geflüchtet sind und sich hier angesiedelt haben. Zu seinem Erstaunen ist das Tal trotz der z.Zt. herrschenden Trockenheit ziemlich grün und es stehen dort auch Bäume, junge Bäume, die wiederaufgeforstet wurden. Die Bewohner haben vermutlich aus ihrer Vergangenheit die entsprechenden Lehren gezogen und Y. will sie bei nächster Gelegenheit besuchen und befragen. Diese grüne Region ist ein kleines Wunder und Y. fragt sich, wie sie ihr Essen zubereiten? Vielleicht sind sie an unserem SAVE80 interessiert und er würde ihnen auch ohne Probleme einen Herd schenken, denn das, findet er, müsse belohnt werden. Am letzten Montag dann Besuch in Abuja, F. hatte sie eingeladen und H. war dabei, denn es war eine große und wichtige Konferenz mit vielen Regierungsvertretern, sogar zwei Minister und zwei Vertreter der Weltbank saßen im Auditorium. Nach vielen politischen Reden hat Herr F. Y. aufs Podium gebeten und den Zuhörern verkündet, dass jetzt ein Mann der Tat komme, der Nigerias Vorzeigeprojekt im CDM-Umfeld vorstellen werde und dies sei ein vorbildliches Beispiel, wie dem Land geholfen werden könne. Y. hielt also am Montag seinen Vortrag und für Dienstag war über Mittag eine Kochpräsentation vorgesehen. Schon nach dem Vortrag waren alle begeistert, zumindest beeindruckt und alle waren gespannt, ob man tatsächlich mit dem 250 gr Bündel Holz eine Mahlzeit für 15 Personen fertig bringen würde. Am Dienstag gab es ein kleines Missgeschick, denn durch die Bauarbeiten auf den Zubringerautobahnen rund um Abuja (Bilfinger&Berger erweitert sie von 4-spurig auf 6-spurig) gab es einen Endlosstau und mit 2 Stunden Verspätung trafen sie knapp vor der Mittagszeit erst ein. Außer den offiziellen Kongressteilnehmern hatte sich auch eine größere Frauengruppe unter die Zuhörer gemischt, die an einer Tagung teilgenommen hatten (Women Empowerment … Sustainability . Africa), aber als sie von der Vorführung erfuhren ihr Programm kurzfristig abgeändert. Mit der Ankündigung, nun würde draußen mit dem SAVE80 gekocht, zogen alle Frauen vor das Gebäude und kehrten nach einer Stunde satt und platt und begeistert zurück. Die Vizepräsidentin des Vereins erklärte spontan vor versammeltem Auditorium, dass diese Vorführung das Beste sei was sie je gesehen hätte, nur so könne Afrika geholfen werden und die Mitglieder hätten kurzweg beschlossen, ihre nächste Konferenz im Juli in Abuja abzuhalten, damit Y. und H. dann allen Teilnehmerinnen den SAVE80 noch einmal präsentieren könne.

Dieser Tag also war ein voller Erfolg, es wurden dann noch schnell 5 Stück S80 verkauft, Y. hatte in dieser Zeit sein Gespräch mit Dr. F., der ihm noch einmal versicherte, wie wichtig jetzt sein Projekt geworden sei und er hätte jetzt auch endlich einen Termin beim Chef der Zollverwaltung. Im übrigen habe er wahnsinnig viel zutun, u.a. müsse er für seinen (Umwelt)minister ein Schreiben an den Kollegen Finanzminister vorlegen, worin dieser um Zollreduzierung oder gar Zollbefreiung für umweltrelevante Produkte gebeten werden solle. Dann ging es zurück nach Kaduna, wo sie - wegen der Baustellenstaus - erst gegen 24 Uhr eintrafen... Doch auch diese anstrengende Fahrt haben Habiba und ihr Baby schadlos überstanden, Afrikas Frauen sind stark!

Am Mittwoch war es soweit: der Mietvertrag für das neue Büro wurde unterzeichnet und Y. hat die Jahresmiete überwiesen. Jetzt beginnen die Bauarbeiten. Für die Außen- und Innenarbeiten hat Y. die Wachmannschaft engagiert, die während der Messezeit alle einfachen Arbeiten erledigen sollen. Für den 2. März ist der offizielle Umzug geplant.

Am Donnerstag haben sie den Messeauftritt vorbereitet. Mit drei Pavillons treten sie dort auf und ab Freitag dann Aufbau. Der Hingucker sind unsere Solar-Power-Boxen, denn alle drei Pavillons haben eine beeindruckende Zeltbeleuchtung erhalten und alle Passanten fragen ab 18 Uhr nach, wo die Generatoren ständen, man würde nichts hören und trotzdem gäbe es helles, flackerfreies Licht. Also sind die SPB wieder ein Thema und Y. hat neue Interessenten, die evtl. den Preis bar auf den Tisch legen können. Ein Ärgernis ist der staatliche Stromversorger, denn die Stromrechnung muss man vorab bezahlen, doch auf eine kontinuierliche Stromversorgung kann man sich nicht verlassen. Und es müssen auch die Aussteller auf dem Freigelände bezahlen, obgleich sie nur wenig Strom nutzen können. Gemeldet hat sich auch die bisher einzige Micro-Credit-Bank (MC-Bank) in Kaduna, die den Plan verfolgt, ihren Kundenbereich (und den Raum mit den PC’s) vollständig mit Solarlicht auszuleuchten, denn die Versorgung durch das EVU sei katastrophal und man wolle keinem Kunden mehr zumuten, die meiste Zeit in der Dunkelheit zu warten. Vereinbart wurde, dass unser dortiger Solartechniker Akai eine Kostenberechnung durchführt und dann solle er diesen Auftrag auch ausführen. Von dem Ergebnis hänge es dann ab, ob man weiter zusammenarbeite, denn für Solarbeleuchtung besteht auch in der Bankenbranche und bei vielen Geschäftsleuten reges Interesse. Die Bank würde gerne solche Aufträge zwischenfinanzieren...

Aus Oyo hat Y. ein Anruf der dortigen Local Government erreicht, diese haben von dem Projekt von Prof. A. erfahren und sind selbst an 100 Kochern interessiert. Sobald die erste Rate auf dem Konto eingetroffen ist, müssen zwei Leute dorthin.

Y. verfolgt weiterhin seinen Plan, zusammen mit A. M. am 18.3. nach Deutschland zu kommen und sich hier etwa 3 Wochen aufzuhalten. Es sind vier Besuche geplant, außerdem ein paar Tage zum Ausruhen. Wir müssen noch einen genauen Zeitplan machen, Ostern liegt in dieser Zeitspanne - mal sehen. Aber es läuft jetzt alles ziemlich gut, es gibt sehr viel zu tun und die Vorbereitungen für den Besuch des TÜV (für das Monitoring des laufenden Projektes und die Validierung für das neue Projekt) haben absolute Priorität dabei.

Diese Woche wird sich Y. vorwiegend auf der Kaduna-Messe aufhalten und am 28. nach Abuja starten, denn dann treffen A. M. und seine Dolmetscherin ein, die sich vorrangig um das neue Solarprojekt kümmern werden. Starten wird er am Montag mit einem Besuch im Zentralkrankenhaus in Abuja, dort gibt es ein Energieproblem und man erwartet von uns, dass wir helfen können. Schau’n wir ´mal...

Beste Grüße

Bernd


Nachrichten aus Kaduna Nr. 89

14.02.2010

Heute nur gute Nachrichten aus Kaduna

Liebe Freunde,

das Telefont mit Y. liegt zwar schon wieder Stunden zurück, aber bevor ich mich an diesen Nachtbrief gesetzt habe, mussten die Ergebnisse aus Vancouver abgewartet werden - und mit 2 Silber- und 1 Goldmedaille hat es sich gelohnt. Aber jetzt konzentriere ich mich ganz auf Nigeria und beginne mit den Wetternachrichten, denn das Wetter ist auch nicht mehr das was es einmal war: heftige Regenfälle mitten in der Trockenzeit und großes Erstaunen bis hin zum Entsetzen. Ich fragte Y., wieso man über Regen entsetzt sein könne, dies wäre doch ein Grund zur übermütigen Freude. Aber dann erfuhr ich, dass die Trockenzeit von vielen Dorfbewohnern genutzt wird, um ihre Häuser wieder instand zu setzen. Und wenn mitten in diese Arbeiten hinein eine Regenflut überraschend kommt, ist der Schaden (und das Gejammere) natürlich groß. Er als Stadtbewohner hatte es aber auch zu spüren bekommen, denn von seinem Mangobaum der im Hof steht, hat der Sturzregen viele unreife Früchte abgeschlagen und der Boden ist mit Minimangos übersät.

Eigentlich sollte das letzte Gespräch nur ganz kurz dauern, denn er war erst um 22 Uhr von einem Dorfbesuch zurückgekehrt, hatte Hunger, wollte sich duschen und darum verschoben wir unser Gespräch um eine Stunde, für uns eine ganz normale Zeit. Als ich aber gegen 23 Uhr wieder bei ihm anrief kam mir nach vielen Klingeln eine sehr müde Stimme aus dem Hörer entgegen und ich hatte mich dann schnell darauf eingestellt, dass es nur eine Frage und eine Antwort geben könne, obgleich wir seit 14 Tagen nicht mehr miteinander telefoniert hatten. Die Frage lautete: was machst Du morgen, am Sonntag, und er berichtete, dass er in ein Dorf eingeladen sei, wo die Umstände schon etwas Besonderes wären. Die Information dazu hatte er aus dem muslimischen Nachbardorf erhalten, der dortige Vertreter des Bürgermeisters hatte ihn extra angerufen und dabei ihm mitgeteilt, dass er zu seinem christlichen Kollegen des Nachbardorfes engen Kontakt pflegt und man sich häufiger gegenseitig besucht. Diese Entwicklung ist durch die Unruhen in Plateau State – besonders in Jos – forciert worden und da Y. beide Herren gut kennt, hat er diese Nachricht mit Genugtuung aufgenommen. Es dauerte nur wenige Stunden bis er einen Anruf von dem Vertreter des christlichen Dorfes bekam, der ihm nun seinerseits schilderte, dass er seinen muslimischen Kollegen überreden konnte, Y. und seine Leute zu einer Kocherpräsentation einzuladen. Natürlich sind die beiden Herren jeweils anwesend, wenn Y. und das Team von DARE auftritt und die Tatsache, dass auch bei DARE die Mitglieder muslimisch und christlich sind, wirkt noch verstärkend in die Richtung zu einer besseren Verständigung zwischen den beiden großen Religionen zu gelangen. Solche kleinen positiven Ereignisse wünscht sich Y. jeden Tag und noch besser wäre es, wenn darüber die Medien berichten würden, sowohl in Nigeria als auch in Deutschland. Dieser laut geäußerte Wunsch hat mich zu dem spontanen Vorschlag bewogen, die Heinrich-Böll-Stiftung in Nigeria zu informieren und da P. eh schon einen guten Draht dorthin hat, werden wir dies auch tun, denn gute Nachrichten verbreiten sich nur sehr schwer von alleine.

Nun war Y. etwas munterer geworden und fuhr mit seinem Bericht gleich fort, dass er nämlich am Montag und Dienstag in Abuja weile, da ihn F. hinbestellt habe. Dieser will seinen Kollegen aus den verschiedensten Ministerien beraten, was nun nach Kopenhagen kommen müsse und Y. soll als Leuchtturmprojekt über unser CDM-Kocherprojekt berichten. Diesen Weg möchte F. gerne ausbauen, eigentlich ist es ein Makel, dass eines der größten Länder Afrikas nur 3 CDM-Projekte vorweisen kann. Zurück aus Abuja müssen sie sich dann umgehend für die Kaduna-Industriemesse vorbereiten, die am Freitag beginnt und wo DARE groß auftreten möchte. Mit dem Bürocontainer hat Y. mehrere kleinere und große Pavillonzelte erhalten und mit diesen möchte er einen großen Stand auf dem Außengelände aufbauen. Jeder der 4 Pavillons ist einem Thema gewidmet, also S80, SK14 + Lazola (die Solarkochertechnik), der Solartrockner + Dampfentsafter zum Thema Weiterverarbeitung und schließlich Solarbeleuchtung. Die Messe dauert bis zum 28.2. und dann bereitet er sich darauf vor, seine Gäste aus Deutschland vom Flughafen abzuholen.

Nun war Y. vollständig erwacht und es sprudelte weiter: im nächsten Jahr wären Wahlen und man spürt, dass bereits jetzt der Wahlkampf beginnt. Aus der Landesregierung des Bundesstaates Kaduna ist er zu einem Gespräch eingeladen worden mit dem Ziel auszuloten, wie weit DARE behilflich sein können bei der Verteilung von Wahlgeschenken. Die Idee ist nicht ganz neu, aber war noch nie so konkret: die Dörfer sollen entlang der Hauptstraße eine solare Straßenbeleuchtung erhalten und da die bisherigen chinesischen Produkte durch viele Defekte negativ auffielen, wolle jetzt die Regierung es mit Made in Germany-Qualität versuchen. Die Bürgermeister werden dazu noch mit kleinen SHS „belohnt“ und einige unteren Chargen erhalten eine Solux-Lampe geschenkt. Inzwischen habe ich einen Kontakt zu dem Düsseldorfer Straßenverkehrsamt herstellen können, denn hier wird seit 2 Jahren ein Programm mit LED-Straßenlaternen erprobt. Das alles soll A. bei seinem Besuch dem Gouverneur vortragen und wenn möglich ein Muster mitbringen. Na wir werden sehen ob und wie das gelingt.

Dies ist nicht der einzige Besuch den A. antreten muss, wir rechnen auch damit, dass er im Zentralkrankenhaus in Abuja seine Aufwartung machen könnte, denn von dort hat uns ebenfalls eine Anfrage erreicht: Ist es möglich, die Energieversorgung des Krankenhauses von der unzuverlässigen Stromversorgung durch das staatliche EVU unabhängig zu machen und dabei die regenerativen Energien stärker zum Einsatz zu bringen? Dazu haben wir einen Fachmann in D ausfindig gemacht, der auch spontan sein Interesse und seine Bereitschaft erklärte, sich dieser Aufgabe zu stellen. Nun warten wir auf eine erste Bestandsaufnahme aus dem Krankenhaus und wenn sie rechtzeitig eintrifft, könnten wir noch anlässlich A's Besuch darauf reagieren.

Inzwischen war es weit nach Mitternacht aber Y. war noch immer nicht zu bremsen als ich ihm die Frage nach dem neuen Büro stellte. Also, wie Ihr wisst, wollen wir aus dem alten Gebäude ausziehen, erstens wird es langsam zu eng und zweitens glaubt der Vermieter, dass er an uns gut verdienen kann und hat mit saftiger Mieterhöhung gedroht. Das neue Gebäude ist Teil eines Zeitungsverlages, verfügt über ein Gebäude mit einem kleineren Bürogebäude, einer großen Halle und reichlich Freigelände. Der Haken ist, dass vieles von uns selbst hergerichtet werden muss, z.B. die Stromversorgung, der Brunnen und die Toiletten. Da bei der Stromversorgung eine offene Rechnung des Vormieters vorab zu begleichen ist, kommt für uns nur eine Solarstrombeleuchtung infrage. Der Brunnen muss von einer Fachfirma frei geräumt und vertieft werden, die Toiletten und die Rohre müssen erneuert werden. Das alles kostet ordentlich Geld, haben wir aber nicht, also kann alles nur in kleinen Schritten realisiert werden: ein kleines Solar-Home-System für die Beleuchtung, ein Wassertank der einmal die Woche gefüllt wird und zwei Dixi-Klos auf dem Hof, damit starten wir.

Schließlich berichtete er noch kurz von den Verkaufstätigkeiten – dieses Geschäft wird schon ziemlich eigenständig von seinen Mitarbeitern durchgeführt – und sie haben sich zu einer neuen Verkaufsstrategie entschlossen: Maximal 3 Raten werden akzeptiert, d.h. dass nach 3 Monaten der S80 bezahlt sein muss. Die Dorfstrategie hat sich nicht bewährt, denn eine schlechte Ernte nur und sie müssen ½ Jahr auf die nächste Ernte d.h. auf die nächste Rate warten - zu lange. Da inzwischen der Bekanntheitsgrad erheblich größer ist als vor zwei Jahren hat man ein deutlich größeres Nachfragepotential und damit auch bessere Chancen, an Barzahler oder 3-Monatsratenzahler zu kommen. Die nächste große Bewährung ist die Messe und ich habe gedämpfte Hoffnung, da der letzte Auftritt in Kano ein Flop war. Aber Y. ist Optimist (sonst würde er sich nicht mit diesem Geschäft rumquälen), also glaube ich ihm letztendlich. Sollte er tatsächlich im März nach Deutschland kommen, werden wir es aus erster Hand erfahren. Bis dahin gibt es bestimmt noch einen Nachtbrief, mindestens, aber nicht mehr heute.

Beste Grüße

Bernd



Nachrichten aus Kaduna Nr. 88


24.01.2010

 Gute Nachrichten und schlechte Nachrichten aus Kaduna

Liebe Freunde,

ich hatte im letzten Brief vor 10 Tagen Ihnen versprochen, dass ich mich melde, sobald der Container in Kaduna eingetroffen ist. Jetzt melde ich mich, obgleich der Container bereits vor 8 Tagen in Kaduna eingetraf. Der Entladevorgang war wieder ein Abenteuer. Sollte ich noch mal auf die Welt kommen, ich würde Kranführer in Nigeria werden, denn hier bietet sich noch ein riesiges Entwicklungspotential. Y. hatte also einen leistungsfähigen Kran aufgetrieben, aber das Unheil begann schon damit, dass die Ankunft unseres Lastwagens nicht wie erwartet im Laufe des Tages erfolgte sondern kurz vor Mitternacht, zu einer Zeit also, wo der Kran seine Heimreise schon wieder angetreten hatte. Da aber ein enger Zeitplan einzuhalten war, wurde der Kranführer ohne Rücksicht auf Arbeitszeitregelungen aus dem Bett geklingelt (oder geklopft) und dann standen sie alle auf unserem neuen Gelände und mussten sich gedulden, denn der Kran kam nicht von der Stelle, weil inzwischen seine Batterie leer war. Das gehört zu den kleineren Übungen, mitten in der Nacht eine 200 Ah Batterie zu besorgen, also stand der Kran nun doch noch vor Morgengrauen vor unserem Lastwagen mit dem Container. Dennoch konnte mit dem Abladen noch immer nicht begonnen werden, da nun die Hydraulik Probleme bereitete und es musste ein Fachmann geholt werden, der den Schaden tatsächlich nach einigen Stunden behoben hatte. Als der Container schließlich am Haken hing und die Sonne sich schon am Horizont zeigte, sollte nur noch der Lastwagen wegfahren, damit der Container auf die Erde abgesetzt werden konnte. Doch der Truck zeigte sich bockig, streikte gar und es dauerte wieder einige Zeit, bis – ich weiß nicht mehr genau die Ursache – auch dieser Defekt behoben war und der Container endlich festen Boden erreichte. Jetzt musste es schnell gehen, denn noch am gleichen Tag sollte die Fahrt nach Oyo abgehen, doch zuvor mussten: der Container ausgeräumt, 250 Kocher gestempelt und die übrigen Teile zusammengestellt werden, was natürlich einige Zeit in Anspruch nahm.


Bild: Ankunft des Containertrucks in Jos, die beiden Kranwagen stehenzum Abladen bereit.

Um es abzukürzen: Es war schon dunkel, als der Lastwagen gen Oyo aufbrach, das Personal war von der Nacht- und Tagaktion geschafft und bedurfte einer kurzen Erholung. Als unerbittlicher Chef zeigte sich Y., als er die Abfahrtszeit auf 6 Uhr festsetzte, man wollte mit dem Lastwagen zusammen Oyo erreichen und das Zusammentreffen hat dann auch so stattgefunden. So nebenbei erfuhr ich, dass unser Truck bei der Ausfahrt am Hafen Lagos nicht ganz ungeschoren davon kam: Die Zöllner dort waren der Meinung, wenn ein Container nach 6 Monaten noch das Hafengelände verlassen kann, muss auch das Zollteam einen Grund zur Freude (und zum Feiern) haben.

Die Verteilung der Kocher war so geplant, dass drei Local Governments je 70 Kocher erhalten sollten. Doch bereits die erste Station glich mehr einem Volksauflauf und die Regierungsvertreter forderten statt der vereinbarten 70 das Doppelte an Kochern, das Volk würde sie sonst in Stücke reißen. Also wurde Prof. A. angerufen, der wegen einer Beerdigung selbst nicht anwesend sein konnte, und der entschied salomonisch, dass statt 70 zumindest 90 hier abgeliefert werden sollten, dafür mussten die anderen beiden LG auf je 10 St. verzichten. Es war ein Kampf mit Hauen und Stechen, aber die Forderung an Y., einfach mehr Kocher abzuliefern, wollte Y. nicht nachkommen, denn über eine Bezahlung sollte er mit Prof. A. reden. Das erschien Y. dann doch zu ungewiss und so blieb es wie vereinbart, auch wenn die Menge murrte. Dass die Dorfbewohner so verrückt auf unseren SAVE80 sind ist damit zu erklären, dass unser Preis nochmals reduziert werden kann, da die Teilnehmer sich zu einer umfänglichen Befragung bereit erklären mussten, es ist nun mal ein Forschungsprojekt. Nebenbei wurden noch sechs Leute aus der Studentengruppe in die Montage eingewiesen, denn einerseits konnten einige Kocher wegen fehlender Schrauben nicht fertig montiert werden und andererseits könnten weitere Dörfer beliefert werden. Da eine Fahrt nach Oyo mind. 3 Tage dauert ist es sinnvoll, diese Investition zu tätigen, auch in Anbetracht der zukünftigen Situation, dass hier im Südwesten unser Verkaufsbüro einen optimalen Standpunkt hätte.

Am Mi. um 11 fuhr das Team zurück und nach 12 Std. erreichten sie Abuja, wo eine Pause eingelegt wurde, man fährt nachts nicht ohne Not. Am Donnerstag – das Team war inzwischen nach Kaduna aufgebrochen - steckte Y. seinen Kopf bei Fodeke rein, denn sie waren verabredet, um den Zoll ihre Aufwartung zu machen. Aber diese Mühe hätte er sich sparen können, denn ein „höheres Tier“ hatte sich für diesen Tag einen anderen Termin vorgenommen, so etwas kann schon mal passieren in Nigeria. Es bedarf mind. ein bis zwei weiterer Verabredungen bis es klappen könnte, vorausgesetzt, der Gesprächspartner hat Lust dazu. Ihr und Sie merken schon, von diesem Gespräch erwartet Y. nur wenig, aber er wird kommen wenn man ruft. Wichtiger sind ihm jetzt die Kocherverkäufe. Hierfür war geplant, dass er noch am Do. nach Kaduna aufbricht, aber ein Anruf kam dazwischen. Es war Prof. A., der ihm bedeutete, dass es ihm eine große Ehre sein würde, wenn Y. nach Oyo zur Beerdigung kommen könnte und da diese Beziehung für uns wichtig ist drehte Y. um und steuerte den Flughafen an um nach Lagos zu fliegen. Am Fr. früh ging es weiter nach Oyo, wo ab Mittag eine mehrtägige Trauerfeier stattfand. Y. wurde als weit gereister Gast ein ehrenvoller Empfang zuteil, leider konnte er nur bis zum Abend bleiben und war beeindruckt, wie fröhlich die Trauergäste Abschied von dem Toten genommen haben. Je älter der Verblichene desto länger und ausgelassener sind die Feierlichkeiten, denn man ist der Meinung, dass bspw. ein Hundertjähriger sein Leben in vollen Zügen genossen haben muss und dann wäre sein Tod kein Grund zur Trauer sondern eher zur Freude. Und ich habe bei dieser Gelegenheit von einer weiteren sehr symphatischen Tradition erfahren, dass nämlich alte Männer, denen die Frau weggestorben ist, von der Sippe schnell wieder an eine Witwe verkuppelt werden, damit sie auf ihre letzten Tage nicht vor die Hunde kommen (wobei die muslimischen Männer in diese Lage kaum kommen, denn es steht ihnen oftmals eine zweite und dritte Frau zur Seite).

Seit Tagen schon wird Y. mit Anrufen von der Pastorin aus Jalingo, der Hauptstadt von Taraba bombardiert, nachdem sie erfahren hat, dass der Container in Kaduna angekommen ist. Ihre Gemeinde umfasst ca. 2000 Gläubige und alle hätten eher einen SAVE80 verdient als die Bewohner von Oyo, dort gäbe es schließlich noch ein paar Bäume. Also hat Y. sich erweichen lassen und wird am kommenden Wochenende dorthin fahren, denn nach dem Gottesdienst soll es eine große Kochervorführung geben, mit Probeessen. In dieser Woche muss er sich unbedingt um das neue Büro kümmern, denn bis zum 28. muss umgezogen sein. Deswegen wird er auch nicht persönlich dorthin fahren, zumal die Situation in Plateau noch unübersichtlich ist, das Militär hat eine Ausgangssperre verhängt. Der (christliche und muslimische) Mob hat schrecklich gewütet und in und um Jos herum kam es zu regelrechten Hinrichtungen und Verwüstungen. Leider ist auch eine unserer Mitarbeiterinnen, Joy S., 23 Jahre, ledig, davon betroffen, denn ihr Haus wurde angezündet und sie konnte nur mit dem fliehen, was sie am Körper trug. Sie ist Mitarbeiterin von DARE in Jos bei Didi und steht jetzt ohne alles da. Y. fragte mich, ob wir Arwed oder Dr. G. ein paar Kleider mitgeben könnten. Y. selbst will aus der Firmenkasse 25 Euro ihr geben und ich denke, dass unser Verein diesen Betrag zumindest verdoppeln wird. Ich habe Y. gefragt, an welchem Ereignis sich der Streit entzündet hat (ich hatte etwas von einem geplanten Moscheebau  gehört), aber Y. wusste, dass ein Muslim, der sein niedergebranntes Haus wieder aufbauen wollte, von seinem christlichen Nachbarn verjagt wurde. Das haben Jugendbanden erfahren und Rache genommen und das Ergebnis ist bekannt. Y. ist davon überzeugt, dass bei niedriger (Jugend-)Arbeitslosigkeit es soweit nie gekommen wäre.

Zum Schluss hatte Y. noch drei Bitten:

-         Die Landesregierung ist an DARE heran getreten und fragt, ob er eine Bezugsquelle für (Medikamenten)kühlschränke nennen könne. Ich berichtete ihm kurz von A. Aktion mit Greenpeace und dem Steca Modell.

-         Die Wahlen im nächsten Jahr werfen ihre Schatten voraus und die Kandidaten verteilen Wohltaten unters Volk. Besonders beliebt sind Straßenlaternen auf LED-Basis. Ich möge bei den Düsseldorfern Stadtwerken anfragen, ob dieses Modell käuflich erworben werden kann, den chinesischen Laternen geht nach kurzer Zeit die Puste aus. (werden dunkel).

-         Die Uni hat jetzt wieder Zeit, sich um die Beleuchtung der Hörsäle zu kümmern. Wir hatten einige Leuchten mit Energiesparlampen runter geschickt und diese werden jetzt getestet.

 

Y. hat im Februar derart viele Termine (der wichtigste vom 19. – 28.2. die Kaduna-Messe), dass ein Besuch in Deutschland erst im März möglich ist, evtl. direkt nach A. Rückkehr. Und dann will er unbedingt 1 Woche ins Sauerland, zum Schlafen und Winterwandern, ohne Handy und Termine. Wir gönnen es ihm, die letzten Monate haben ihn fast verzehrt.

Herzliche Grüße

Bernd


Nachrichten aus Kaduna Nr. 87

14.01.2010

Höchst erfreuliche Nachrichten aus Kaduna

Liebe Freunde,

jetzt treffen die Nachrichten in dichter Folge ein, das hat damit zu tun, dass sich unser Container auf der Autobahn zwischen Lagos und Ibadan befindet, aber um diese Zeit im Stillstand, denn kein vernünftiger Mensch fährt nachts über Nigerias Straßen. Für Lastwagen gibt es rund um Lagos riesige Parkplätze zu diesem Zweck, denn wenn die Fahrer die Tortur durch Lagos Verkehrschaos nach Stunden geschafft haben sind sie selbst geschafft und benötigen eine Ruhepause. Am Donnerstag geht es dann weiter und je nach Ver­kehrsverhältnissen und Zustand des Verkehrs­mittels könnte die Strecke bis Don­nerstag Abend bewältigt sein, immerhin knapp 1.000 km, wahrscheinlicher ist aber ein zweiter Stop und Weiterfahrt am Freitag. Für diesen Tag haben unsere Leute 2 – 3 Autokräne bestellt und es wird sicher wieder ein besonderes Ereignis, wenn unser Container „abgeladen“ wird.



Karte vom Südwesten Nigerias

Y. wird am Donnerstag nach Abuja fahren, dorthin hat ihn Dr. F. bestellt, der dann mit ihm zusammen zur Zollabteilung marschieren will. Was dort genau passiert weiß Y. noch nicht, wir stellen uns darauf ein, dass es ein großes Palaver geben wird; sollte uns der Zoll eine Zollbefreiungsbescheinigung ausstellen haben wir allen Grund, statt Sekt mit Champagner anzustoßen. Auf jeden Fall will er am Donnerstag noch nach Kaduna zurückkehren um am Freitag dabei sein, wenn die ersten 225 Kocher für Prof A. nummeriert und verladen werden. Diese Fahrt will er noch mitmachen und ist dann mind. 4 Tage unterwegs. Was dann kommt ist noch offen, er sprach davon, doch noch im Jan. nach Deutschland zu kommen, evtl. in der letzten Woche und will bis Mitte Febr. bleiben, da ist dann eine Woche Urlaub mit eingeplant (Y. ist erholungsreif, ich kann das sehr gut nachvollziehen). Hier in Deutschland haben wir aber schon 4 Termine geplant: Besuch bei H. K., bei der Fa. I. (Solartrockner), bei Prof. A. (Krankenhausenergie) und last but not least bei a., da ist schon ‚mal eine Woche weg.

Ich hatte im letzten Brief von den nächsten drei Aktivitäten gesprochen, die auf unserer TO-DO-Liste stehen: Container – Brunnen – Solartrockner und dann sehen wir mal. Jetzt können wir auf unserer Liste den Container als erledigt streichen, dafür steht eine neue Projektidee drauf: das Krankenhaus in Abuja. Hierzu nur einen Satz, denn ein paar Informationen fehlen uns noch, bevor wir an eine breitere Öffentlichkeit damit gehen: Dieses Krankenhaus leidet – wie so viele andere auch – unter den Stromausfällen und sie haben, um den Betrieb nicht zu gefährden, sich bei einer großen deutschen Baufirma etliche großer Stromgeneratoren für gutes Geld ausgeliehen. Als Überbrückung geht das, eine Dauerlösung ist das nicht. Wir sind angefragt worden, ob die Stromversorgung auf der Basis regenerativer Energien möglich sei und darüber denken wir gerade nach.

Ich melde mich wieder, wenn der Lastwagen mit unserem Container in Kaduna angekommen ist und berichte in Wort und Bild von den dann überglücklichen Käufern, die nach Wochen des Wartens uns endlich einen (es können auch gerne zwei sein) SAVE80 abkaufen können.

Mit besten Grüßen

Bernd


Nachrichten aus Kaduna Nr. 86


12.01.2010


Liebe Afrikafreunde,

ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr wünsche ich Euch.

Mein erster Brief in diesem noch so jungen Jahr, und keine Spur von Aufbruchstimmung, obwohl die Hoffnung nicht zerstört am Boden liegt sondern als kleine Flamme noch lodert. Gestern am Mo. war Y. wieder in Lagos, um bei den Zollbehörden anzufragen, ob sie den Geldeingang registrieren konnten - und er erwartet, dass sie dies bestätigen können. In diesem Fall würde er umgehend mit der Agentur die Abholung unseres Containers einleiten (Truck bestellen usw.). Aber er hat noch andere Sorgen, doch lest selber.

Herzlichst
Bernd

inzwischen habe ich mehrmals mit Y. telefoniert und mein Optimismus kehrt langsam zurück. Zwar hat sich der Container noch keinen Millimeter Richtung Ausfahrt bewegt, aber um ihn herum gibt es viel Bewegung, evtl. auch Aktionen. Y. befindet sich ‚seit Montag wieder in Lagos, aber die Flugverbindung war so chaotisch, dass er es nicht mehr bis Apapa zum Hauptzollamt geschafft hat. Um einen Eindruck zu erhalten füge ich eine Übersichtskarte von Lagos bei und gut zu erkennen ist die Lage von Apapa, dort liegt auch ein großer Containerhafen der Fa. Maersk.



Ganz bestimmt heute am Dienstag wird er dort früh anklopfen und höflich fragen, warum es noch Probleme mit den „Entlassungspapieren“ gibt und er ist so optimistisch, dass er mir sagte, am Abend können wir den Lastwagen bestellen, am Mittwoch ist Abfahrt. Und ich glaube ihm das gerne, denn bald sind 6 Monate herum, da wird es Zeit. Kurz vor seinem Abflug hat er einen Anruf aus Abuja erhalten, von Dr. F., der Mann im Umweltministerium, der das Thema CDM bearbeitet. Dieser also bestellt ihn für Mittwoch in sein Büro und er wolle über unser Zollproblem mit ihm sprechen. Na endlich, denn in der letzten Woche hat Y. dort seinen Brief an den Minister abgegeben, worin er noch einmal die ganze lange Geschichte ausführlich darstellte und zum Schluss damit drohte, das unser Projekt sang- und klanglos eingepackt werden muss, wenn jetzt nicht gehandelt wird. Wir werden sehen, was am Mittwoch dabei heraus kommt.

In der frühen Morgenstunde hatte er bereits einen Besuch einer Frau aus der Umgebung, die eine Frauengruppe der evang. Kirche leitet. Diese Frau schilderte ihre Ängste und Sorgen und verspricht sich von dem SAVE80 eine deutliche Verbesserung der Lebenssituation, weil die Holzpreise in den letzten Monaten sich mehr als verdoppelt haben und viele Familien jetzt am finanziellen Ende sind. 120 Frauen warten jetzt in ihren Dörfern und sie bittet, dass aus dem nächsten Container sie bevorzugt beliefert wird. Das allerdings konnte Y. ihr nicht versprechen, denn als erster Kunde wird Prof. A. seine 225 Stück S80 erhalten, die er schon vor Wochen für eine größere wissenschaftliche Untersuchung dringend benötigt.

In der Zwischenzeit hat sich aber noch mehr ereignet, ich will die Geschichte mit den Bauern hier wiedergeben, denn hier herrscht große Not in den Dörfern bei Pastor M. Ein Problem sind die schlecht funktionierenden Brunnen was zu einer Unterversorgung in der Bewässerung führt. Da jetzt die heißeste Jahreszeit ist, vertrocknet das Gemüse im Handumdrehen und schuld daran ist die schlechte Qualität der benzinbetriebenen Generatoren und die hohen Spritpreise. Y. fragt also, ob sie nicht durch Solargeneratoren ersetzt werden können und ich konnte nur mit einem lapidaren „natürlich können sie das „ darauf antworten. Die Solarstromerzeugung scheint hier noch relativ einfach zu sein, denn man könnte ohne Batterien auskommen, da die Wasserversorgung nur am Tage erforderlich ist. Ob man allerdings die alten Pumpen in den Brunnen belassen kann wage ich zu bezweifeln, denn sie werden mit 220 V laufen und die Solarpumpe braucht nur 12 V. Das also muss man prüfen und noch wichtiger, woher das Geld kommen soll, denn ein kompletter Pumpensatz kostet locker seine 5.000 €. Hier setzt die Idee an, das Programm „Klimaschutzinitiative“ des BMU in Anspruch zu nehmen. Mit diesem Programm sollen CO2-Dreckschleuder ersetzt werden und genau dies würde hier passieren, denn viele viele Bauern haben auf ihren Feldern viele solcher Pumpen, die von ebenso vielen Generatoren angetrieben werden. Das würde sich, glaube ich, richtig lohnen, denn die Generatoren brummen von morgens bis abends und werden vielleicht 2 l pro Stunde verbrauchen, da kommt einiges zusammen an CO2.

Und die Bauern haben noch eine zweite Sorge: das Trocknen auf den Teerstraßen bei den hohen Temperaturen führt zu verbrannten Tomaten im weichen Teerteig, eine nigerianische Spezialität, die aber nur wenige Freunde hat. Es wird also eine Trocknungsvorrichtung benötigt und den haben wir doch quasi im Angebot: den Tunneltrockner aus Hohenheim (der Fa. Innotech). Aber auch hierfür wird das entsprechende Kleingeld benötigt, wir müssen uns also auf die Suche nach einer Finanzierungsmöglichkeit begeben. Und wenn wir schon einmal beim Suchen sind: Gesucht wird ein Brunnenbauer, der die vielen ausgetrockneten Brunnen wieder aktivieren kann, evtl. einfach ein paar Meter tiefer bohren? Die Bauern würden es versuchen, aber es fehlt ihnen das Werkzeug oder das Geld, um eine Fachfirma zu beauftragen. Hier könnte uns M. W. helfen, der im Augenblick im Kongo sitzt und sich vielleicht nach Nigeria locken ließe?

Jetzt zuerst den Container, dann das Brunnenproblem lösen, dann Trockner bauen und dann haben wir wieder Zeit und gucken mal, was es sonst noch zu tun gibt in Nigeria!

Ich melde mich wieder, wenn der Lastwagen mit unserem Container in Kaduna angekommen ist und berichte in Wort und Bild von den dann überglücklichen Käufern, die nach Wochen des Wartens uns einen SAVE80 abkaufen können.

Mit besten Grüßen

Bernd





Nachrichten aus Kaduna Nr. 85


05.01.2010

Liebe Freunde,

mein vorletzter Brief lag fast vier Wochen zurück und jetzt hat es nur zwei Wochen gedauert, das ist in erster Linie den Feiertagen geschuldet und auch unsere Probleme mit der unterbrochenen Kommunikations­übertragung wird nur halbherzig angegangen. Sie merken schon, es hat mit unserem Container noch immer nicht geklappt, wir sind kurz davor, aber das Ziel schwankt. Die Abwicklung des Geldverkehrs findet jetzt mit Unterstützung des Sicherheitszentrums statt, welches sich im Rechenzentrum der Uni in Ife befindet. So weit so gut, trotzdem konnte die Zollbehörde den Eingang unserer Zahlung nicht feststellen. Erst beim genaueren Hinsehen erkannt Y., dass er auf der Bank als Absender DARE angegeben hatte, in den Zollpapieren steht aber Developmental …..Dies bedeutete eine Buchungsstornierung und einen neuen Buchungs­auftrag, das passierte in der Woche nach Weihnachten und ab dem 4.1. sollte das Geld angekommen sein. Bis dahin sind es noch ein paar Stunden, wir werden sehen.

Statt sich zu Weihnachten unter die Weihnachtspalme zu setzen hat sich Y. an allen Feiertagen und auch danach in die Dörfer begeben, wo mit unseren Herden zwar gekocht wird aber illegal, will sagen die Herde sind oftmals nicht bezahlt worden, abgesehen von der obligatorischen Anzahlung. Nachdem er schon seit Wochen die Dorfverantwortlichen erst gebeten, dann gedroht hatte, passierte wenig. Jetzt ist ihm der Kragen geplatzt. Er hat sich zum Emir begeben und diesen um Rat gefragt und daraufhin bekam er grünes Licht, seinen säumigen Käufern auf den Pelz zu rücken. Dabei mußte er eine etwas unangenehme Überraschung hinnehmen: Einige hatten nach den ersten Kochversuchen ihren SAVE80 an interessierte Nachbarn weiter verkauft, ohne uns den Besitzerwechsel zu melden. Glücklicherweise sind die neuen Besitzer darauf hingewiesen worden, dass noch ein paar Raten zu bezahlen seien, was erst einmal vergessen wurde und jetzt durch den persönlichen Besuch nachgeholt werden konnte. Immerhin haben die meisten der besuchten Familien einige Raten bezahlt, andere versprachen zur Bank zu gehen, im Endeffekt werden aber die Leute von DARE jetzt täglich zum Geldeintreiben losfahren müssen. Eine bittere Erkenntnis, aber glücklicherweise war das nur in einem der „Großdörfer“, andere Dörfer besitzen eine bessere Zahlungsmoral. Zudem gibt es Familien, die ihren Herd bisher noch nicht genutzt hatten, entweder weil sie ihn nicht bezahlen konnten oder weil er als Hochzeitsgeschenk gedacht war. Einigen davon konnte Y. den Kocher wieder abkaufen und an interessierte Frauen sofort weiter verkaufen.

Die politische Situation in Nigeria ist verwirrend, denn der derzeitige Präsident Umaru Yar' Adua ist schwerkrank und befindet sich wegen Behandlung eines Herzleidens seit Wochen in Saudi Arabien. Er selbst ist ein Vertreter des muslimischen Nordens, sein Vertreter, der zur Zeit die Amtsgeschäfte führt, kommt als Christ aus dem Süden. Bei einem vorzeitigen Amtswechsel droht dieses unge­schrie­bene Gesetz zu kippen und keiner möchte daran denken was passieren könnte, wenn der Präsident freiwillig abtritt oder dazu gezwungen wird


­ Bild: Präsident Umaru Yar' Adua. Foto: AFP
(mehr Hintergrundinformation findet sich in der Süddeutschen Zeitung.)

Die Unruhen in den letzten Wochen sind deshalb neu, weil das Unruhegebiet Nassarawa bisher noch nicht aufgetaucht war. Dies ist ein Zeichen, dass die Besitzer der Viehherden immer mehr in den Süden ziehen und natürlich auch hier auf die Ackerbauern stoßen, die diese Fremden bisher noch nie zu Gesicht bekamen: der Ressourcen­mangel verlagert sich südwärts, das ist die Meinung von Y. jedenfalls. Waren sie bisher nur bis Bauchi gezogen (östlicher Nachbar von Kaduna), so ziehen sie jetzt weiter nach Süden an Abuja und Plateau vorbei.


In den nächsten Tagen hat Y. seine eigenen Sorgen: Vielleicht kann er den Container aus Lagos bald abholen, derweil seine Leute dem Geld hinterher laufen müssen. Es würde uns überhaupt nicht ins Konzept passen, wenn in dieser schon schwierigen Situation auch noch politische Instabilität hinzukommt, die sich bei den kleinen Leuten durch verstärkte Korruption bemerkbar macht.

Ich wünsche Euch und Ihnen und uns trotz allem ein frohes und erfolgreiches Neues Jahr, wir hätten eigentlich eine Menge Pläne und Ideen, vielleicht lässt sich davon doch einiges umsetzen.

Bernd