Nigeria.l-h-l.org

Nachtbriefe II/2009



Nachrichten aus Kaduna Nr. 84

19.12.2009

Liebe Freunde,

mein letzter Brief liegt fast vier Wochen zurück und es hat sich einiges ereignet, teilweise sogar überschlagen, aber jetzt ist eine gewisse Ruhe eingekehrt und darum Zeit Euch zu berichten. Das wichtigste ist die Frage: was macht unser Container und hierzu gibt es noch immer keine Erfolgsmeldung aus Lagos. Der Container liegt, und dies kann nicht wirklich trösten, zusammen mit tausenden anderer, im Hafen fest, weil durch die Unterbrechung der gesamten elektronischen Kommunikation die Daten von den Banken nicht an die Zollbehörde gesendet werden können - und ohne den Zahlungsnachweis gibt es keine Entlassungspapiere. Wir gehen jetzt also in die dritte Woche, seitdem das Geld eingegangen ist und diese Tatsache treibt uns fast in den Wahnsinn: ich beiße wieder einmal in die Tischkante und Y. rennt gegen die Wand weil wir ohnmächtig mit ansehen müssen, wie die heiß ersehnten SAVE80 im Container dahin vegetieren derweil in den Dörfern die Menschen jeden Tag nach den Holzsparkochern fragen, während die Preise für Holz (und Kerosin) ohne Unterbrechung anziehen. Die äußert schlechten Kommunikationsverbindungen bekamen wir schon bei unserer Geldüberweisung zu spüren, denn die Zentrale in Lagos konnte zwar am 3.12. den Geldeingang feststellen, aber den Betrag nicht an ihre Filiale in Kaduna weiterleiten (die Überweisung wurde dann händisch durchgeführt). Und wir merken es auch daran, dass das Internet einfach nicht funktioniert, es kommt keine eMail an noch geht eine ab, man kann in Kaduna nur Offline arbeiten. Sogar in Abuja, wohin Y. extra gefahren ist, weil dort die Bedingungen in der Regel günstiger sind, hatte er kein Glück und war froh, dass er wenigstens die 15 € für die sinnlose Zeit im Internetcafe zurück erstattet bekam. Dennoch auch hier Frust auf der ganzen Linie, denn weder gibt es ein Bild von Mai Nasara noch können die Exceldateien mit den Kaufdaten übermittelt werden.

Ähnlich desolat sieht es bei der Stromversorgung aus, mit der es seit Monaten bergab geht. Gestern hatte Y. den ganzen Tag über für 20 Minuten Strom und dies war wahrlich kein Ausreißer sondern ein normaler Tag. Die Stromversorgung mit unseren Powerboxen funktioniert hingegen ganz ordentlich, denn jetzt ist Trockenzeit und die Sonne scheint täglich. Zwischen dem Büro und Y's zuhause wandern sie hin und her und leisten hier und da ihre wertvollen Dienste. Das ist zwar erfreulich einerseits, doch andererseits waren sie für den Verkauf bestimmt und sollten Bargeld nach D bringen. Y. hat verständlicherweise kein allzu großes Interesse, sie zu verkaufen, denn dann würde er im sprichwörtlichen Dunkeln stehen. Aber ihm fehlt andererseits das Kleingeld, um sie uns zu bezahlen, keine einfache Situation. Und ab Januar kommt es noch schlimmer, denn dann soll das Büro von DARE umziehen und das neue Gebäude hat wesentlich mehr Räume als das alte Büro, braucht also mehr an Solarenergie. Denn das ist schon klar, dass wir NEPA, den staatlichen Stromlieferanten, nicht in unser neues Büro lassen, denn erstens muss man bezahlen, unabhängig davon ob die Stromversorgung klappt oder nicht und zweitens müssen wir die Stromrechnung bezahlen, die seit dem Auszug der Druckerei vor 5 Jahren fällig ist (ein übliches Verfahren, dem Nachfolger die Schulden aufzubürden). Also müssten wir Y. wenigstens eine Solaranlage mit 1 kWh spendieren und wissen derzeit nicht, woher das Geld nehmen. Alleine für fünf Module a 200 W benötigen wir ca. 3.000 - 4.000 € und das ist noch nicht einmal alles.

Nach soviel schlechten Nachrichten habe ich auch etwas zum Schmunzeln, z.B. die Frau (oder war es doch ein Hausmann?), die nach dem Aufkochen von Wasser und Reis den gesamten Topfinhalt in die Wonderbox schüttete (erstaunlich, dass auch auf diese Art der Reis weich gekocht werden konnte). Überhaupt wollen wir die Anregung von Hermann D. aufgreifen und die stärkere Verwendung der Wonderbox propagieren (denn auch Fleisch kann auf diese Art weich gekocht werden). Es wäre durchaus denkbar, wenn zu einem S80 zwei Wonderboxen gehörten, um neben dem Reis weitere Essensbestandteile mit der zweiten Wonderbox zu „kochen“. Hermann plädiert für den altbewährten Weidekorb, doch der müsste geflochten werden und diese Arbeit wollen wir lieber den Käuferinnen überlassen. Und bei einem anderen Besuch meldete sich eine Frau, die sich beschwerte, dass der Kocher so schlecht zieht. Ihr Problem: sie hatte versucht, im oberen Teil des Kochers das Feuer zu entzünden, d.h. rund um den Topf herum. Das kann natürlich nicht funktionieren, liebe gute Frau.

Das Opferfest ist inzwischen vorbei und nun warten viele darauf, dass die Holzpreise wieder fallen, denn die vielen Schlachtungen und das viele Braten führten zu einem erheblichen Brennholzverbrauch und damit zu steigenden Brennstoffkosten. Andererseits merkt DARE auch eine steigende Nachfrage nach dem SAVE80 und sogar Y's Schwiegermutter will jetzt den SAVE80 auch zuhause benutzen (dazu muss sie ihn allerdings jeden Tag hin und zurück tragen) und durch die häusliche Benutzung sind die Nachbarn aufmerksam geworden und fragten ebenfalls danach. Und es gibt eine weitere Anfrage, diesmal aus Lagos. Dort hat die Bankmitarbeiterin, die mit DARE über die Möglichkeit eines Mikrokredits verhandelt hatte, sich selbstständig gemacht und möchte gerne den SAVE80 in Lagos und Umgebung vermarkten, sogar zum vollen Preis, den meint sie in Lagos erzielen zu können.

Wir haben mit Prof. A. einen engagierten Mitstreiter, der mit seinen Studenten unseren SAVE80 bzw. seine Auswirkungen untersuchen möchte. Aus den ursprünglich 120 Kochern sind inzwischen 230 geworden und wenn das Experiment erfolgreich verläuft, soll es in anderen Gebieten wiederholt werden. Allerdings bedrängt er Y. mit einem täglichen Anruf (wann könnt ihr liefern?), denn er möchte gerne seinen Geldgebern noch in diesem Jahr erste Ergebnisse vorlegen. Wenn der Zoll weiter so trödelt wird daraus nichts werden.

Am 3.12. ist das Geld aus Berlin eingetroffen, aber es dauerte dann nochmals Tage, um es von der Zentrale in Lagos zur Filiale nach Kaduna zu transferieren. Inzwischen ist Y. wieder mit seinen Nerven am Rande eines Zusammenbruchs und er braucht im Januar mindestens zwei Wochen Europa zur Erholung. Aber zuvor will er noch nach Niger um festzustellen, ob die Gründung eines DARE-Ablegers dort möglich ist. Das neue Büro soll dann die Container nach Nigeria weiterleiten, denn zwischen diesen Staaten gibt es keinen Zoll. Den Weg über Benin und Niger direkt nach Kaduna wagt Y. nicht, er weiß, dass an beiden Grenzen wild gehandelt wird, d.h. erhebliche Korruption herrscht und es geht dabei zu wie auf einem Basar, also Kapitalismus pur.

Y. hat die Soluxlampe aus dem Krankenhaus abgeholt und ich habe ihm empfohlen, diese aufzuladen und dem Krankenhaus zu schenken als Dank für den kurzen Aufenthalt in der Entbindungsabteilung. Vielleicht bringt die Begeisterung der Hebammen den Oberarzt auf den Gedanken, weitere Lampen anzuschaffen, nicht nur für den Kreissaal, sondern auch für den Operationssaal, die Schwesternzimmer und die Patientenzimmer, in denen während des Stromausfalls mit Kerzen hantiert wird. Gleichzeitig solle er sich an den „Governor“ von Rotary Nigeria-Nord wenden, die vielleicht durch eine großzügige Spende die Krankenhäuser mit einer Soluxlampe ausstatten könnten. Dazu benötigen wir die Unterstützung von H. G., der Y. mit dem Rotary-Mann zusammenbringen muss.

Unser nächstes Telefonat fand am 5.12. statt und damit begannen ein paar Tage Hektik und Aufregung. Denn am Tage zuvor gab es ein Interview mit der BBC, die anlässlich der Kopenhagenkonferenz eine Talkrunde übertrug und dabei saß ein ranghoher Beamter aus dem Umweltministerium. Der wurde gefragt, was konkret hier geschieht und daraufhin berichtete er stolz, dass die Regierung beabsichtigt, eine große Zahl von SAVE80 zu verteilen. Kaum war das Interview über den Äther trafen bei DARE die ersten Anfragen ein: wo kann man einen SAVE80 erhalten bzw. bekomme ich mein Geld zurück, den jetzt gibt es den S80 kostenlos. Wir haben allergrößtes Ungemach befürchtet doch hat sich glücklicherweise die Aufregung wieder gelegt. Dazu beigetragen hat ein Interview der Deutschen Welle, die Y. am nächsten Tag anrief und darum bat, dass der Beamte noch einmal interviewt werden sollte um zu erfahren, wie das Programm der Regierung genau aussieht. Aber aus dem Umweltministerium war kein Interview zu erhalten und darum wurde ein Interview mit Y. ausgestrahlt worin klargestellt wurde, dass diese Aussage wohl mehr als vorschnelle Ankündigung zu verstehen sei, denn wie so oft macht die Regierung Versprechen ohne sie einzuhalten (so z.B. das Versprechen, ab 1. Jan. wird es keine Stromausfälle mehr geben). Auf diese Weise wurde das Ganze zu Recht gerückt und einige säumige Käufer haben es sich tatsächlich wieder überlegt und ihre Ratenzahlungen wieder aufgenommen.

Mehr Sorgen machen uns die Familien, die mit ein bis zwei Ratenzahlungen zwar begonnen haben, den S80 zu bezahlen, aber darüber nicht hinausgekommen sind. Y. spielt tatsächlich ernsthaft mit dem Gedanken, statt Bargeld auch Naturalien (Sack mit Reis, Mais oder Hirse) anzunehmen, das würde den Bauern leichter fallen. Sollten sie verehrter Leser an einem Sack Bohnen o.ä. interessiert sein, dann bitte bei der Redaktion melden. Durch die lange Regenzeit sind die Erntergebnisse nicht besonders ertragreich in diesem Jahr und viele Bauern haben große Probleme ihre Ernten zu verkaufen. Trotz aller Bemühungen von Pastor Majau haben wir in seinen Dörfern überproportional viele säumige Zahler. Y. plant deswegen, ein ernstes Zeichen zu setzen und den säumigen Zahlern den Kocher wegzunehmen, ohne Entschädigung selbstverständlich, denn sie haben den Kocher viele Wochen genutzt und kaum Brennholz kaufen müssen. Etwas anders liegt der Fall bei einigen Familien, die den Kocher noch nie benutzt haben, weil sie ihn als Aussteuer bis zur Hochzeit aufbewahren wollen. Das ist ziemlich heikel, dann auf diese Weise erarbeitet der Kocher kein Gramm CO2. Diesen Familien will Y. die Kocher zurückkaufen und an Interessenten weitergeben, die mehr Interesse haben. Als ob es nicht schon genügend Arbeit gäbe.

Bei unserem Gespräch am 15.12. erfahre ich, dass inzwischen die Deutsche Welle ein Interview mit Y. aufgenommen und auch schon gesendet hat. Außerdem plant die DW ein weiteres Interview nach der Kopenhagener Klimakonferenz und Y. ist dazu schon eingeladen worden. Zwar sind den Entwicklungsländern größere Beträge bis 2012 zugesagt worden, doch keiner weiß bisher wie die Aufteilung aussieht und wer das Geld verteilt. Y. befürchtet, dass diese Gelder in den bekannten obskuren Kanälen verschwinden und die große Gemeinde der NGO’s befürchtet das ebenfalls.

Für das neue Büro liegen jetzt erste konkrete Zahlen vor, was die Jahresmiete betrifft. Zusammen mit den erforderlichen Renovierungen – sowohl die Büros sind herzurichten, die Sanitäranlagen zu erneuern, der Brunnen muss ausgebaggert werden, die elektrische Installation modernisiert und die Außenanlagen hergerichtet werden – werden ca. 1,5 Mill. Naira benötigt. Jetzt heißt es in die Hände spucken, denn ab Januar wollen sie dort einziehen.

Die SOLUX50 leistet nicht nur im Krankenhaus gute Dienste sondern auch in der Kirche. Pastor Wuhe hat in einem Frühgottesdienst seine SOLUX50 benutzt, um aus der Bibel vorzulesen und im Gesangbuch den richtigen Text zu finden, er war begeistert, denn seine bisherigen Taschenlampen haben bis zum Ende des Gottesdienstes nie durchgehalten und waren zudem deutlich schwächer. Die teilnehmenden Pfarrerskollegen waren ob des technischen Equipments beeindruckt und wollen ebenfalls eine Lampe bestellen. Langsam spricht sich auch die Qualität dieser Lampe herum, es ist auch verdammt schwer, bei hellstem Sonnenschein die Interessenten zu überzeugen, dass diese Lampe besonders hell und langlebig ist und mit einem Solarmodul immer wieder aufgeladen werden kann. Hoffentlich bekommen wir die 25 Stück bald verkauft. Ein schwieriges Thema ist auch unsere Solar-Power-Box. Abgesehen davon, dass Y. großes Interesse hat, sie selbst zu behalten, auch bei anderen Interessenten sitzt das Geld nicht so locker. Zwar hat Y. unsere große SPBox in einem großen Haushalt erfolgreich vorgeführt, doch auf Grund der vielen Verbraucher ging unserer Anlage schnell die Puste aus und statt weniger Verbraucher dranzuhängen wurde er gefragt, was das nächst größere Modell kosten würde. So werden wir unsere Produkte nie los, denn andererseits ist auch keiner bereit, eine ordentliche Anzahlung zu leisten und wir könnten dann anfangen zu produzieren. Aber wir glauben, dass auch hier die Zeit für uns arbeitet, denn die Stromversorgung wird immer katastrophaler und auf der anderen Seite steigt der Bedarf an einer sicheren Stromversorgung (spätestens bei der Fußball WM wollen die Leute eine unterbrechungsfreie Übertragung) und wir könnten sie liefern.

Am 18.12. haben wir zum letzten Mal telefoniert. Y. hatte vor nach Lagos zu fliegen doch der Stromausfall hat diesmal auch den Flughafen von Lagos erwischt mit dem Ergebnis, dass für Stunden der Flugverkehr ohne Radar gesteuert werden musste. Nachdem die Nachrichten von 15 Beinahe-Zusammenstößen berichteten verschob er seinen Flug. Bei der anschließenden Fehlersuche stellte sich heraus, dass auch das gesamte Backup-System marode war und das Batteriesystem, welches bei Stromausfall für einige Stunden einspringen soll, überhaupt nicht geladen war. Am gleichen Tage erhielt Y. auch einen Anruf vom Zentralkrankenhaus aus Abuja, die hat es ähnlich schlimm erwischt und seit Wochen überleben sie nur, weil ihnen Bilfinger&Berger mit mehreren großen Generatoren ausgeholfen hat. Jetzt will man von Y. wissen, ob auch eine regenerative Energieversorgung möglich ist, er kenne sich doch auf diesem Gebiet aus! Jetzt soll ich mit A. M. den Fall besprechen, ob der im Februar dort nicht einmal nach dem Rechten schauen kann. Neben Solarstrom käme auch Windenergie und Biogas infrage, denn es sind große Mengen von Speiseabfällen zu entsorgen und es besteht ein großer Wärmebedarf (für Küche und Wäscherei). Alles zusammen eine schöne Aufgabe, die sich für ein eigenes Projekt eignete. Haben wir den entsprechenden Fachmann schon unter uns? Bei a. gibt es ein Scheffler-Projekt in Indien für Großküchen, da sollte man doch anfragen, denn es handelt sich um ein CDM-Projekt und ähnliches könne auch in Abuja erzielt werden (Ersatz von Diesel für Generatoren). Zudem könne auch die Stromversorgung regenerativ erfolgen und hier ebenfalls der Dieselgenerator abgeschaltet werden.

Bevor ich jetzt stärker um diese nachtschlafende Zeit in das Thema einsteige will ich hier erst einmal unterbrechen, Y. habe ich in dieser Nacht nicht erreichen können, es gibt also nichts zu berichten mehr.

Herzliche Grüße

Bernd





Nachrichten aus Kaduna Nr. 83


25.11.2009

Liebe Freunde,

Ta Dutse hatte letzte Woche Geburtstag und da die neuen Bilder von der Geburtstag-Party bei mir noch nicht eingetroffen sind, kann ich nur das Bild von der letztjährigen Feier Ihnen bieten:


Bild: Ta Dutse in besonderer Aufmachung (man beachte die Frisur).

Zwei Wünsche hatte die kleine Prinzessin und den ersten konnte Papa sofort erfüllen: Eisessen gehen zu Mc Donald. Der zweite Wunsch ist schon etwas schwieriger zu erfüllen, weil Spielzeugläden rar sind in Kaduna: eine schöne Puppe (die haben übrigens blonde Haare in der Regel).An der Geburtstagsfeier selbst konnte Y. nicht teilnehmen (war noch in Abuja), da hat er leider etwas versäumt. Denn die Mama hatte aus dem großen LTU-Koffer zwanzig kleine LTU-Rucksäcke mitgenommen und an die Freundinnen verteilt, das war ein echter Überraschungsknüller und es gab viel Hallo bei den Kleinen und auch bei den Müttern war die Freude groß, denn endlich einmal etwas anderes als die üblichen Süßigkeiten. Von dieser Stelle aus Dank an Udo. Und dann noch eine Familiennachricht: der für den 21.11. erwartete Nachwuchs lässt die Familie warten

Das Wetter war übrigens kühl an diesem Tage, abends nur noch 22 Grad, also ein guter Grund sich warm anzuziehen, besonders beliebt bei den Männern sind Strickmützen und Pullover. Y. war an diesem Tage aus Abuja zurückgekehrt, wo er Dr. F. noch immer nicht angetroffen hatte. Dafür hatte ihn die Heinrich-Böll-Stiftung zu einem Vortrag nach Enugu eingeladen, Thema ist Sensibilisierung auf die Auswirkungen des Klimawandels, und das am kommenden Montag. Y. will mit Razak und zwei Frauen hinfahren, etwa 500 km, mit dem Berlingo kein Problem. Der schnurrt übrigens prima, säuft zwar ordentlich und verbraucht seine 10l auf 100 km, aber außer zwei Reifenpannen wären bisher noch keine größeren Reparaturen aufgetreten. Einzig eine Klimaanlage wird vermisst, denn bei Überlandfahrten können sie wegen des vielen Staubes nicht mit offenen Fenstern fahren. Mitten im Gespräch sprang der Strom an, aber mit zu wenig Spannung. Das merkt man am Ventilator zum Beispiel, der nicht anspringt und das Licht brennt nur schummrig schwach. Trotzdem stiefelte Y. mit mir am Ohr auf den Hof um die Pumpe zu starten, denn es war zu wenig Wasser im Wassertank und in diesen Fällen muss man per Hand und Eimer schöpfen, das macht in den frühen Morgenstunden keinen besonderen Spaß. Aber auch hier blieb die Pumpe einfach stehen und Y. kehrte zurück in die warme Stube. Aber er ließ den Schalter auf ON, denn wenn sie doch noch anspringen sollte würde er das hören, denn dann läuft der Tank bald über und es plätschert das überschüssige Wasser auf das Dach, praktisch.

Sonst allerdings hält sich die Zufriedenheit mit der Stromversorgung in engen Grenzen, denn eine kürzlich durchgeführte Befragung unter den Einwohnern der drei größten/wichtigsten Städte Abuja, Lagos und Benin-City kam zu dem Ergebnis, dass 45% der Bevölkerung nicht mehr als 3 Stunden Strom täglich geliefert bekommt. Als er mir gerade berichten wollte, dass 52% mit Strom zwischen 3 – 6 Stunden rechnen können, plätscherte es kräftig aufs Dach, und da keine Regenwolke weit und breit zu sehen war (um 23.45 sowieso nicht) war klar: der Wassertank war voll und so zogen wir beide wieder raus, um die Pumpe abzustellen. Dies ist übrigens einer der Gründe, warum in vielen Haushalten Nigerias auch Licht tagsüber brennt, obwohl die Sonne vom Himmel lacht: der Schalter wird eingeschaltet, kein Strom da, man knipst noch einige Male hin und her und geht irgendwann zu Bett ohne genau zu wissen, ob der Schalter auf AUS oder AN steht.

Am Sonntag fährt Y. nach Wombai zu Pastor M., denn mit den Rückzahlungen sieht es mau aus. Am Telefon hat er erfahren, dass jetzt die Erntesituation sich deutlich gebessert hat, besonders der Zuckerrohr gedeiht prächtig und ebenso die Hirse, beide sind wohl ziemlich resistent gegen Überwässerung, aber die übrigen Gemüsesorten haben gelitten. Mit dem Pastor besprach er die schlechte Zahlungsmoral und sie kamen zu dem Ergebnis, dass gehandelt werden muss. Zuerst will Y. mit den Besitzern sprechen, die einen S80 ihr eigen nennen aber nicht benutzen, sei es, dass sie sich den Kocher als späteres Hochzeitsgeschenk für die Tochter zugelegt haben oder sie scheuen sich, ihn zu benutzen wenn er nicht bezahlt werden kann. Da diese Kocher noch neuwertig sind erhalten die Besitzer ihre Anzahlung zurück. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Interessenten, die Cash bezahlen wollen, die Nachfrage ist erfreulich groß. Und dann wären da noch die Besitzer, die ganz wenig Geld haben und dennoch mit dem S80 kochen: diese müssen den Kocher herausrücken, und zwar ohne Geld zu bekommen, denn sie haben längere Zeit damit Geld sparen können, also sofort bezahlen oder Herausgabe des SAVE80. Wir sind gespannt, wie gut das verlaufen wird.

Am Freitag war ein Besucher im Büro, der aus Kogi State kam, der Staat direkt südlich von Abuja. Er war an dem SAVE80 nicht nur interessiert, sondern wollte auch seine Unterstützung anbieten, indem er z.B. in seiner Hauptstadt Lokoja eine Filiale einrichten d.h. übernehmen würde. Der Mann machte einen durchaus sympathischen Eindruck und Y. bat ihn wieder zu kommen, wenn der Container aus Lagos eingetroffen ist und er an einigen Verkaufsveranstaltungen teilnehmen kann. Wenn er sich dabei schon geschickt anstellt und noch immer begeistert ist, wolle man über Näheres reden.

Das alles war bis zum Freitag passiert, dann haben wir für vier Tage keinen Kontakt gehabt und gestern konnten wir wieder miteinander telefonieren, er war noch in Enugu. Ich musste ihn diverse Male anklingeln ehe er reagierte, es war kurz vor Mitternacht und er saß in seinem Hotelzimmer und war schon ziemlich müde. Doch im Laufe des Gesprächs wurde er immer munterer und das begann schon, als er von der tollen Veranstaltung berichtete. Etwa 70 Zuhörer hatten teilgenommen, sodass das Probeessen ziemlich karg ausfiel, nur eine Handvoll Reis pro Person. Aber der schmeckte immer noch besser und spätestens da war für die Teilnehmer klar, dass unser SAVE80 auch in Enugu verkauft werden muss. Probleme bereiteten allerdings die Teilnehmer aus Alhambra State, denn dieser Bundesstaat gehört nicht mehr zur Guinea-Savannen-Zone, leider. In beiden Bundesländern herrscht das pure Elend, was die Naturverwüstungen betrifft. Das hügelige Land ist kahl und die Berghänge sind zu großen Teilen abgerutscht, die Erosionen prägen das Land. Die Bewohner erkennen schon, dass das Holz aus ihren wenigen Wäldern illegal abgeholzt und in den Norden transportiert wird. Y. konnte schon bei der Anfahrt erkennen, dass kaum noch richtige Wälder existieren und fragte sich, ob die amtliche Waldstatistik den Tatsachen entspricht. Die großen Wälder sind ihm weder während der Autofahrt noch bei seinen diversen Flügen nach Lagos oder Port Harcourt begegnet. Nachdem die üblichen Vorträge gehalten wurden (der Staat muss sich mehr um das Problem Abholzung kümmern und endlich etwas unternehmen) konnte er zeigen, dass stattdessen von einer kleinen Organisation etwas unternommen wird und daraufhin hagelte es nach Schluss seines Vortrages mit diversen Einladungen.

Den Ärger mit der großen schweizerischen Handelsinspektion X haben wir jetzt abgestellt, weil nach diversen Mails und drei Telefongesprächen mit der hiesigen Niederlassung nur ein Kompromiss erzielt werden konnte. Immerhin wurde uns der Tipp gegeben, nicht komplette Herde einzuführen sondern nur Einzelteile, dafür würden nur 5% an Zoll zu entrichten sein (statt der jetzt 20%). Ich glaube wir werden das einmal erproben. Unser Container, für den die Drei-Monats-Frist inzwischen abgelaufen ist, liegt noch immer im Hafen. Unser Mann vom Zoll hat ihn dort belassen können und dabei sind die beiden Feiertage (Opferfest) hilfreich, denn alle guten (zumindest die gut betuchten) Muslime fahren nach Mekka zur Haddsch. Und die hohen Beamten und mittleres Management nehmen sich noch 1-2 Tage Urlaub, damit daraus kein Stress wird. Das Geld für den Container ist auch bereits eingezahlt worden, sodass wir nächste Woche mit heftigen Aktivitäten rechnen. Es wird auch verdammt Zeit, wir befinden uns im vierten Monat, das sind drei zuviel.


Bild: Mehr als zwei Millionen Pilgerbesucher in Mekka bei einer der größten religiösen
Massenzusammenkünfte.

Herzliche Grüße

Ihr Bernd Blaschke



Nachrichten aus Kaduna Nr. 82

18.11.2009

Liebe Freunde,

am 7. November hatte ich Ihnen zuletzt geschrieben, es ist eine gute Woche seitdem ins Land gegangen und eine Menge passiert. Ich benötigte zuerst ein paar Tage, um meine Enttäuschung zu verdauen und ein paar Tage, um über meinen Ärger hinweg zu kommen. Aber zuvor eine Meldung der besonderen Art: die Schweiz hat bei der U17 WM in Nigeria gegen Nigeria den Titel geholt, da war für kurze Zeit Trauer im Lande. Nun gönnen wir den Schweizern den überraschenden Titelgewinn und neben den Disziplinen Skifahren, Schienenbauen und Schwarzgeldwaschen freuen wir uns auf den neuen Stern am Fußballhimmel (die Sieger-Mannschaft besteht zu mehr als 50% aus Secondos übrigens und 13 Spieler kommen aus dem Ausland).

Nun will ich aber zu unserem Thema kommen, unser Container, der noch immer im Hafen von Lagos festsitzt. Wir sind immerhin ein kleinen Schritt vorangekommen, denn unsere Bank hat jetzt von C. den RAR-Report erhalten, worin für die einzelnen Komponenten der Zolltarif festgelegt ist. Bis es dazu kam hatten wir allerdings jede Menge Arbeit zu verrichten und jede Menge Ärger zu verdauen, denn um den Zolltarif zu bestimmen muss man den Gegenstand kennen. Diese Information holt sich der Zollbeamte i.d.R. aus der Proforma-Invoice und diese Tätigkeit ist kein großartiges Geheimnis, das kann Jeder (und auch Jede), denn die Tariftabellen sind heutzutage im Internet veröffentlicht. Es ist deswegen einfach, weil die Zollnummer in einem weltweit geregelten harmonisierten System definiert wird und die Codes heißen dementsprechend HS-Codes. Ich hatte also vorab schon unsere Kocherkomponenten mit den Zollnummern identifiziert und in der nigerianischen HS-Codetabelle findet man den jeweils zugehörigen Zollsatz. Dazu benötigte ich einen langen Abend und für mich war dann klar, dass wir mit einem Zoll von ca. 5.000 € rechnen mussten. Der erste Ärger überfiel mich, als wir auch nach 6 Wochen noch keine Rückmeldung von unserer Bank erhalten hatten. Also begannen wir zu drängeln und prompt kam der erste Request (es war etwas unklar). Diese erste Anfrage haben wir noch in aller Ruhe beantworten können, doch dann begann das Spielchen erst richtig, denn jetzt trudelte jede Woche ein neuer Request ein: mal sollten wir den Inhalt des Erste-Hilfe-Kastens beschreiben, dann wollte man aufgeklärt werden, was eine Wonderbox bedeutet und auch solch kuriose Fragen, was unter einem Schraubendreher und Schraubenschlüssel zu verstehen ist fehlten nicht. Unsere Antworten wurden dementsprechend immer aggressiver (zur letzten Frage haben wir einen Auszug aus der Encyclopedia Britannica geliefert) und das ganze mündete in der schließlichen Behauptung: unser Hersteller sei als Autofirma registriert, diese könne doch wohl allen ernstes keine Holzsparkocher herstellen. Hier endlich platzte uns der Kragen und wir wendeten uns an die Zentrale in der schönen S. Es dauerte dann nur noch 4 Wochen und der Report für die Zollberechnung traf ein. Als ich diese in den Händen hielt traf mich fast der Schlag, denn statt der erwarteten 5% hatte man uns saftige 35% aufgebrummt, im Klartext sollten wir 35.000 € bezahlen. Jetzt ließen wir alle Rücksicht fallen und wendeten uns an die Behörde zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität. Hier fand wohl erstmalig für die Firma C., die sich als weltweit führendes Unternehmen für Handelsinspektion definiert, ein Verhör statt und es wurde vereinbart, dass die Zollberechnungen korrigiert werden. Natürlich erwarteten wir, dass wir jetzt mit einem Zollsatz von 5% bedacht werden, doch weit gefehlt. Das arithmetische Mittel zwischen 35 und 5 ist 20 und genau so stand es in der neuen Zollberechnung (wir sind eben in Afrika und da wird bis zum letzten Atemzug verhandelt und das Ergebnis ist ein Kompromiss). Wir müssen uns vorerst damit zufrieden geben, denn jetzt zu klagen heißt, dass der Container von der Polizei als Beweismittel beschlagnahmt wird und irgendwo im Chaos des Hafengeländes von Lagos auf Nimmerwiedersehen verschwindet.

Jetzt möchte ich Ihnen aber auch noch eine schönere Geschichte erzählen, die Geschichte von H.'s Mutter, die als Besitzerin eines Straßenrestaurant als Mama Put arbeitet. Den SAVE80 kennt sie natürlich, schließlich hat sie diesen von ihrer Tochter geschenkt bekommen und seitdem steht er unbenutzt in der Ecke, trotz mancher Überredungsversuche. Begründung: er sei zu klein und das ständige Nachschieben der kleinen Stöckchen sei zu mühsam. Doch die Zeit arbeitet für uns, d.h. es sind die ständig steigenden Holzpreise, die Mutter H. zum Umdenken brachten. Zuerst wurde der SAVE80 zuhause genutzt, da hat man noch etwas mehr Zeit und die Mengen sind überschaubar. Eines Tages schleppte sie ihn aber mit zu ihrem Straßenrestaurant und verwendete ihn auch dort und siehe da, es klappte ganz wunderbar, denn die Dame kam auf die pfiffige Idee, vorzukochen und die fertigen Gerichte in zwei Wonderboxen zu verstauen. Seitdem wandert der SAVE80 morgens nach dem Frühstück, auf dem Kopf getragen, zum Restaurant, dient dort brav bis 16 Uhr und wird dann wieder auf dem Kopf nachhause gebracht, denn schließlich muss er noch für ein Abendbrot herhalten.


Die Geschichte ist hier noch nicht zu Ende. Die Nachbarinnen beobachteten längere Zeit wie Mutter H, mit dem sonderbaren Gerät täglich spazieren ging und nach einer entsprechenden Frage bekamen sie anlässlich einer Vorführung die Vorzüge präsentiert mit dem Ergebnis, dass jetzt auch die Nachbarinnen scharf auf unseren S80 sind. Seitdem verzichtet Y. auf teure Werbung in den Medien und lässt der Mundpropaganda freien Lauf. Besser und billiger geht’s nimmer.

Letzte Woche war Y. wieder einmal in Abuja, die 250 km bis dorthin sind mit dem Auto in knapp 3 Stunden zurückgelegt und in der Hauptstadt gibt es die schnellsten Internetverbindungen und nur selten Stromunterbrechungen. Aber der Hauptgrund war eine Einladung des British Council: hoher Besuch aus England interessierte sich für die Möglichkeiten von CDM-Projekten und der Wirtschaftsattaché hatte von unserem Projekt Wind bekommen und Y. zu einem Vortrag eingeladen. Es wurde ein längerer Nachmittag, denn die Herren zeigten sich sehr interessiert, fragten auch ob man den Kocher auch in Kenia einsetzen könne und stellten zum Schluss fest, dass dieses Projekt für ganz Afrika eine Bedeutung haben könne. Man wolle sogar darüber nachdenken, die Weltbank hierfür zu interessieren. und sie versprachen wieder zu kommen, man wolle sich mit der Zentrale beraten. Da wir aber schon des Öfteren solche Ansagen gehört haben ohne dass sich danach auch nur eine Maus rührte hat sich Y. das alles sehr gelassen angehört, wir werden sehen (und bis dahin eine paar Tassen Tee trinken).

In Kopenhagen trifft sich die Welt im Dezember und wir überlegen, ebenfalls dorthin zu fahren. Wir möchten einmal dem nigerianischen Umweltminister unsere Meinung sagen und ihn drängen. mehr zum Thema Zollbefreiung zu unternehmen und seinen Kollegen Finanzminister auf die Füße zu treten, damit dieser den Augiasstall in Lagos ausmistet. Sie merken schon, noch habe ich meine alte Ruhe nicht wieder gefunden, wir strampeln uns die Hacken ab und dort unten lässt man es gemütlich angehen. Wer kungelt dort eigentlich mit wem, kann man überhaupt noch einem Politiker über den Weg trauen? In Kopenhagen ist aber auch unser neuer Umweltminister, vielleicht hat der ein paar Minuten Zeit für uns? Natürlich wollen wir mehr, als nur 15 min ihm zu parlieren, er könne doch einmal die Deutsche Botschaft auf Trab bringen, oder ist das Sache des neuen Außenministers? Dann wenigstens könne er unserem Bundespräsidenten berichten, dass seine Afrika-Initiative unten beim Volk kaum ankommt. Die Regierung jedenfalls hat unser Projekt auch nach der Registrierung durch die UNFCCC einmal in der Presse erwähnt (wir sind stolz über das dritte CDM-Projekt), dann ging man zum Tagesgeschäft über.

Liebe Nigerianer, habt Ihr nun ein Problem mit der Versteppung des Landes, mit Erosion, mit Wüstenausbreitung die zur Völkerwanderung führt, zur Konfrontation zwischen den Einheimischen und den Zugereisten, alles hervorgerufen durch wildes Abholzen der letzten Bäume? Wir wollen Euch gerne helfen, haben unsere Freunde und Gönner überzeugt ihren letzten Euro uns anzuvertrauen und sitzen stundenlang am PC, um Anträge an die UN und den Goldstandard zu schreiben oder die Politiker mit unseren Appellen aufzuschrecken. Wir hätten noch viele gute Ideen, z.B. den Familien mit Solartrocknern und Dampfentsaftern zu helfen, um ein paar Naira dazu zu verdienen oder junge Menschen in Solartechnik auszubilden. Gebt uns eine Chance, wir zerreißen uns gerne für Euch, aber macht es uns nicht unnötig schwer. Unser Projekt hängt am sprichwörtlichen seidenen Faden, die Mitarbeiter von DARE in Nigeria hoffen ganz stark dass es weiter geht.

In diesem Sinne seien Sie herzlich gegrüßt

Ihr Bernd Blaschke



Nachrichten aus Kaduna Nr. 81

7.11..2009


Liebe Freunde,

diese Information sollten Sie zuerst erhalten: für das Viertelfinalspiel der U-17-WM 2009, Spanien gegen Uruguay am Montag im Ahamdu-Bello-Stadion von Kaduna gibt es noch Eintrittskarten. Sie sind zwar nicht ganz billig, aber dafür hat man noch eine große Auswahl und von allen Plätzen eine gute Sicht (urteilen Sie selber).


Es wird sicher nicht überfüllt sein, denn lediglich beim ersten Spiel in Kaduna war es rappelvoll, aber dafür gibt es eine Erklärung: die Stadtverwaltung hatte alle Karten aufgekauft und ihren Bürgern einen freien Eintritt ermöglicht. Entsprechend chaotisch war es vor, während und nach dem Spiel. Sie werden am Montag allerdings etwas gegen die Hitze unternehmen müssen, denn die Regenzeit ist endgültig vorbei und um 0 Uhr herrschte noch eine Temperatur von nahezu 30 Grad.

Wer in Kaduna eine Wohnung sucht, dem kann ich einen heißen Tipp geben: Suchen Sie die Wohnung in der Nähe des Stadions, denn die Stromversorgung ist hier, im Gegensatz zum restlichen Stadtgebiet, hervorragend. Egal ob gespielt wird oder nicht, Strom steht immer zur Verfügung, mehr noch, das Stadion ist immer gut beleuchtet. Also vielleicht benötigen Sie gar kein eigenes Licht in Ihrer Wohnung. In den übrigen Bezirken geht dafür da Licht immer öfter aus und bleibt es dann auch, es reicht kaum noch zum Handyladen, für den Kühlschrank jedoch schon nicht mehr.

Während die anderen Spiele nur mäßig besucht waren, gab es nach langer Zeit wieder Warteschlangen an den Tankstellen, obgleich der Preis für Benzin sich deutlich verteuert hat. Der Grund hierfür: Es geht das Gerücht um, dass die Regierung die Subventionen für Treibstoffe bald streichen wird und da ist es gut, wenn man als Händler zum Stichtag ein gefülltes Lager hat, entspr. knapp ist jetzt also der Benzinvorrat.

Y. hat derweil viele Sorgen, heute war er mit H. im Krankenhaus, aber Fehlalarm, sie sind wieder entlassen worden, jedoch mit dem Hinweis, eine Frühgeburt sei möglich, jetzt also keine Reisen und keine Anstrengungen. Bevor sie zum Krankenhaus fahren konnten mussten sie eine 50 km lange Sucherei hinter sich bringen, bis sie eine Tankstelle fanden, die den Tank voll tanken konnte. In der Wohnung gibt es keine kühles Wasser (Kühlschrank ist warm) und keine laues Lüftchen (Deckenventilator steht), einzig kaltes Wasser zum Duschen. Aber was des einen Leid ist des anderen Freud, ich meine die Bauern, sie sind es, die strahlen. Das Gras wächst bei diesen Temperaturen, die Gerste und der Mais, Obst und Gemüse, alles entwickelt sich jetzt prächtig, lediglich die Sojabohnen haben die Regenzeit nicht überstanden. Ob das nun schon ausreichend ist, dass unsere Bauern mit dem SAVE80 genügend verkauft haben um die nächste Rate zu bezahlen wird er morgen erfahren. Eigentlich war vereinbart worden, dass bis Ende Dezember alle Raten bezahlt sind, aber bis dahin sind es noch 50 Tage und die Hoffnung stirbt, wenn überhaupt, zuletzt.

Am Freitag hatte er den Chefredakteur zu Besuch und diesem hat Y. die schwierige Finanzsituation beschrieben (vermutlich ist die Anzahlung für das neue Büro nicht vor Januar möglich). Ob der Besitzer das mitmacht, werden wir bald erfahren, aber immerhin haben die Vermieter des alten Büros noch einen Monat Aufschub gewährt, aber Ende Dezember wäre dort definitiv Feierabend. Nächste Woche wird er längere Zeit unterwegs sein, am Montag in Abuja, dort will er Dr.F. treffen, der dann hoffentlich aus Barcelona zurück ist, und ihm den Brief an den Umweltminister übergeben. Zugleich wird er vorfühlen, ob der Minister in Kopenhagen Zeit für ein etwa einstündiges Interview mit uns hat. Am gleichen Tag fliegt er weiter nach Lagos zur EFCC, um sich mit Frau B. zu treffen. Ebenfalls für Dienstag hat er eine Einladung vom British Council erhalten, die wollen mit einer hochrangigen Delegation aus mehreren afrikanischen Ländern über mögliche Antworten gegen den Klimawandel diskutieren und das Thema Reduzierung des Holzverbrauchs steht ganz oben auf der Agenda. Was liegt da näher als DARE anzusprechen und von deren Bemühungen berichten zu lassen (Flug und Unterkunft wird übrigens bezahlt).


In den Niger will Y. auch fahren, möglichst innerhalb den nächsten beiden Wochen, denn dorthin hat er Kontakte und geplant ist, dass dort eine NGO gründet wird. Die würde dann unsere Container erhalten und weiterleiten nach Nigeria, zolltechnisch gesehen ist das sehr viel günstiger und problemloser, denn nur im Seehafen von Lagos wird umständlich und langwierig geprüft. Wie sich das mit der bevorstehenden Niederkunft vereinbaren lässt wird man sehen. Zwischendurch erhält er Anrufe von besorgten potentiellen Käufern, die fragen, wann endlich der Container nach Kaduna kommt oder beschweren sich, dass man sie wohl vergessen hätte. Auch das nervt etwas, keine konkrete Auskunft geben zu können. Nächste Woche sollte eigentlich etwas Entscheidendes passieren, das wäre auch gut für die werdende Mutter, solche guten Nachrichten machen doch vieles leichter. Also drücke ich fest die Daumen, nicht nur in unserem Interesse.

In diesem Sinne seien Sie herzlich gegrüßt

Ihr Bernd Blaschke

PS: Sie haben bestimmt erfahren, dass die afrikanischen Staaten die Konferenz am Eröffnungstag boykottiert haben und alleine für Afrika einen jährlichen Finanzbedarf zum Ausgleich für Klimaschäden in Höhe von 67 Mill. Dollar gefordert haben.


Nachrichten aus Kaduna Nr. 80

30.10.2009


Liebe Freunde,

diese Woche war etwas anstrengender als sonst, denn es gab erfreuliches und weniger erfreuliches, über welches ich Ihnen berichten will, nein muss. Dass das UN-Klimasekretariat unser Projekt akzeptiert und registriert hat habe ich Ihnen berichtet, ebenfalls dass wir vom UN-Klimasekretariat zu einem Workshop eingeladen wurden, um über unsere Erfahrungen zu berichten. Für mich war beeindruckend, dass ich zum ersten Mal im Langen Eugen im 29. Stockwerk in der Kantine saß und den fantastischen Blick über Rhein und Siebengebirge genießen konnte. Und natürlich die besondere Atmosphäre einer internationalen Konferenz miterleben durfte, denn das EB Höchstselbst, die oberste Entscheidungsinstanz, hatte eingeladen und es entwickelte sich mit zunehmender Dauer eine lebhafte Diskussion über die manchmal etwas überzogenen oder wirklichkeitsfremden Anforderungen an die Projektbetreiber.

Nur in Nigeria, so scheint es, gehen die Uhren nicht etwa langsamer, sondern rückwärts, denn dort liegt unser Container im Hafen von Lagos seit geschlagenen drei Monaten und die Schreiben aus den Büros der Prüffirma C. werden immer verwirrender. Jetzt haben wir erstmals einen direkten Kontakt herstellen können, aber damit noch lange nicht unser Ziel erreicht. Allen Ernstes wird uns jetzt unterstellt, dass „the documentation may be fraudulent.“ Und das ist nicht die einzige Unverfrorenheit, denn es wird angezweifelt, dass eine Firma, die im Tagesgeschäft Anhänger baut, in der Lage wäre, einen solchen Ofen herzustellen.

Aber wir haben die Unterstützung mächtiger Verbündeter gefunden, denn am Dienstag hat Y. in Lagos die Behörde für Wirtschaftskriminalität (EFCC) aufgesucht und in dem fast 5-stündigen Interview alles erzählt was wir durchmachen. Es dauerte keine 24 Std. und uns hat die o.g. eMail erreicht. Dass das so schnell ging hat uns nun doch überrascht und wir überlegen, wie wir antworten werden, aber es wird nicht lange dauern, denn wir benötigen dringend den Container. Und selbstverständlich werden wir diese eMail an die Konzernzentrale schicken, die ihren Firmensitz in dem schönen Land S. hat, von denen ich noch immer auf eine Antwort auf meine erste eMail warte. Wir spüren jetzt erstmals am eigenen Leibe, welch mühsames Unterfangen es ist, gegen Korruption anzugehen, zumal wenn die Möglichkeit besteht, dass die Verstrickungen bis in die oberen Ebenen reichen.

Normalerweise ist Ende September die Regenzeit zu Ende, dann beginnen die Bauern mit der Aussaat und es schließt sich eine mehrmonatige Trockenzeit an, in der das Getreide wachsen kann. Der Mais z.B. reift und wird erst dann geerntet, wenn die Blätter ausgetrocknet an den Stängeln hängen, die Maiskörner reif sind und die schweren Kolben die Pflanzen zum Umknicken bringen, dann lässt es sich am einfachsten ernten (so hat es mir jedenfalls Y. berichtet und da ich vom Maisernten keine Ahnung habe, glaube ich ihm). Dieses Jahr ist alles anders, denn es regnet noch immer, bereits vier Wochen länger als üblich, in Kaduna über die Mittagszeit, entsprechend schwül ist das Klima und die Bauern sind verzweifelt, weil die Maisernte unter diesen ungünstigen Bedingungen schlecht ausfallen wird. Zu allem Überdruss fangen die Maiskörner bereits an im Kolben schon auszutreiben, was die Ernteerträge noch weiter reduziert. (Hier ein Bericht dazu). Während Westafrika unter nicht enden wollenden Niederschlägen leidet, ist es in Ostafrika die seit Monaten herrschende Trockenheit, die die Menschen zum Verzweifeln bringt. Es ist nicht nur Polynesien welches jetzt schon unter dem Klimawandel leidet, auch Afrika bekommt in diesem Jahr den Klimawandel deutlich zu spüren.


Bild: Überschwemmte Felder und Landschaften in Nigeria

Es ist zu befürchten, dass in Kopenhagen die unterschiedlichen Interessen der Völker aufeinanderprallen werden.

Mit den besten Grüßen

Ihr  Bernd Blaschke

Anmerkung: Dr. Paul Krämer, Soest, weist auf folgendes hin:

Unser Projekt ist aber weltweit das erste, das die Methodologie AMS-II.G. „Energy Efficiency Measures in Thermal Applications of Non-Renewable Biomass“ anwendet, oder anders ausgedrückt das erste CDM-Projekt mit Holzsparöfen. Es ist aber nicht das erste CDM-Projekt auf dem Sektor der Haushaltsenergie. Das Solarkocherprojekt von Trifellner war schon vorher registriert worden.


Nachrichten aus Kaduna Nr. 79


Liebe Freunde,
statt Morgenzeitung hier das Neueste aus Nigeria. Ich habe mich beeilt, damit die Morgenlektüre pünktlich bei Euch auf dem Tisch liegt, viel Spaß also beim Lesen.
Beste Grüße
Bernd

23.10.2009


Liebe Freunde,

dass das UN-Klimasekretariat unser Projekt akzeptiert und registriert hat habe ich Ihnen berichtet und inzwischen weiß es fast die gesamte Welt, na ein bisschen übertrieben, aber zumindest die Stove-Community hat es über das Hedon-Netzwerk erfahren und freut sich mit uns. Nur in Nigeria, so scheint es, gehen die Uhren etwas langsamer, denn dort liegt noch immer unser Container im Hafen von Lagos. Nachdem wir einen Risk-Assesment-Report mit vielen falschen Zolltarifen erhalten haben (die statt 5% einen Zollsatz von 35% bedeuten) haben wir zuerst unseren Agenten angeschrieben und jetzt haben wir uns direkt an die Prüffirma C. gewandt, einmal an die zuständige in Lagos und auch an die Zentrale in der S. Da bald die Drei- Monatsfrist abgelaufen ist besteht die Gefahr, dass unser Container in ein Außenlager verschoben wird und ihn dort heraus zu bekommen bedarf erheblicher Anstrengungen und kostet letztendlich Zeit und Geld. Im Juni haben wir die letzten SAVE80 verkauft, die DARE-Mitarbeiter leben von den letzten Ratenzahlungen und Ende Dezember ist alles ausgegeben und wir beginnen bei NULL (Personal entlassen, Strom abmelden, Büro kündigen etc.). Ich habe diese hartnäckige Art von Betrug und Korruption doch ziemlich unterschätzt und die Hinweise, dass in keinem anderen Land so massiv Gesetze missachtet werden, nicht Ernst genug genommen. Schon manches Mal war ich kurz vor dem Aufgeben, doch jetzt haben wir einen Punkt erreicht, an dem es kein Zurück mehr gibt und wir werden uns durchbeißen. Für den Fall dass wir auf diesem Wege scheitern haben wir einen Plan B entwickelt und hoffen weiterhin, dass wir unsere gute Sache dann auf einem anderen Wege ins Ziel bringen werden.

Heute wollte ich wieder mit Y. telefonieren, denn eine eMail von ihm war eingetroffen worin er uns berichtete, dass wir jetzt offizielle Unterstützung durch Prof. A. von der Obafemi Awolowo University in Ile-Ife (im Bundesstaat Oyo) erhalten haben. Diese Stadt liegt im Südwesten nahe Ibadan, die zweitgrößte Stadt Nigerias, und dort wird mit unserem SAVE80 ein interessantes Projekt von eben dieser Uni durchgeführt: In drei Gemeinden erhalten jeweils 40 Familien unseren Holzsparkocher und über ½ Jahr lang beobachten die Studenten die Familien um herauszufinden, welche Auswirkungen durch die Benutzung entstehen. Prof. A. ist sehr an einer Zusammenarbeit mit uns interessiert, denn er möchte seine Studien auch in anderen Landesteilen durchführen. Der Bundesstaat Oyo gehört zu den waldreichsten Gegenden Nigerias und es ist ein Trauerspiel anschauen zu müssen, wie dort die Kettensägen Tag und Nacht arbeiten. Neben Feuerholz gibt es auch große Industrien, die Holz als Energieträger benutzen, z.B. zur Tabakherstellung und zur Herstellung von Maniokmehl. Die Fahrt nach Oyo war übrigens kein Zuckerschlecken und nach den Berichten kann ich Ihnen nur abraten, diese Tour unternehmen zu wollen, denn für die etwa 800 km benötigte er mehr als 24 Stunden über schlechte, meist einspurige Straßen und eine Reifenpanne ist garantiert.

Von Dienstag bis Donnerstag war Y. in Katsina, im Nordwesten gelegen, dorthin hatten ihn die Grünen eingeladen und deren Schirmherrin ist die Frau des Gouverneurs. Auf der Fahrt dorthin – die Fahrt dauerte ca. vier Stunden – fing es auf halber Strecke an zu regnen und als sie ankamen mussten sie erfahren, dass es seit Wochen nicht mehr geregnet hatte und man ihnen sehr dankbar war, dass sie neben dem SAVE80 auch Regen mitgebracht hätten. Da einen Tag zuvor eine große Biogasanlage mit viel öffentlicher Prominenz eingeweiht wurde, war ein Teil der Teilnehmer bis Mittwoch geblieben und hatte sich Y.'s Präsentation des SAVE80 angeschaut. Entsprechend groß war die Zuschauermenge und es gab anschließend eine Privataudienz, die im Governmenthouse stattfand. Hier hörte er, wie schon so oft, lobende Worte über den S80 und für sein Engagement und es wurde wieder einmal viel von Unterstützung gesprochen. Diesmal hat mich Y. nicht direkt aus der Veranstaltung heraus angerufen und eine neue große Bestellung angekündigt, denn wir kennen das nun schon zur Genüge: viele Worte aber keine Taten! Aber zumindest wurde ein weiteres Treffen mit allen 34 Chiefs der Local Governments angekündigt und wenn dieses stattfinden sollte, dann hätte Y. direkten Zugang zu den Gemeindechefs; und das ist mehr Wert als hochrangige Versprechen. Und dann wurden sie noch aufgefordert, sich an einer Messe zu beteiligen, die in 2010 in Katsina stattfinden soll. Na ja, die Begeisterung hielt sich in Grenzen bei Y., denn auch hier haben wir unsere schon wenig ermutigende Erfahrungen.

Ha, es rührt sich etwas bezüglich unseres Containers. Y. hat einen Anruf aus Lagos von der EFCC erhalten, dass er sich bitte bald dort einfinden möge. Die EFCC ist die Economic and Financial Crimes Commission, die nigerianische Strafverfolgungsbehörde, die gegen Wirtschafts- und Finanzkriminalität ermittelt. An diese Behörde hatten wir uns mit einer eMail gewandt und unser Anliegen auf diesem Wege vorgetragen und den Verdacht geäußert, dass unsere Partner vorsätzlich betrogen werden und Korruption im Spiel ist, da Y. anonyme Anrufe erhalten hatte, worin er aufgefordert wurde, einen größeren Betrag zu überweisen, wenn er den Container aus dem Hafen haben möchte. Der Montag ist als Termin vereinbart worden und wir sind gespannt, wie dieses Gespräch ausgeht. Normalerweise hat in Nigeria keiner Vertrauen in die Gerichte, aber in diesem Fall handelt es sich um die Geldwäschekommission, die 2002 auf Druck der internationalen FATF gegründet wurde. Ich werde sie über den Fortgang in dieser Angelegenheit auf dem laufenden halten.

Am letzten Samstag war Y. in Wambai und traf sich dort mit den Vertretern der beiden Gemeinden, die zu unseren Hauptabnehmern zählen, eine muslimische und eine christliche. Nachdem der Pastor ihm schon telefonisch schlechte Nachrichten angekündigt hatte erfuhr er hier die Details: die Ernte setzt jetzt erst ein, da durch die ungewöhnlich lange und heftige Regenzeit alle Versuche, zu säen und zu ernten in der Vergangenheit gescheitert waren. Jetzt lässt der Regen langsam nach und die Bauern hoffen auf eine späte und knappe Ernte (die Preise werden entspr. hoch sein). Die beiden Vertreter beteuerten, dass bei anhaltend gutem Wetter alle noch offenen Raten bis Weihnachten bezahlt sein sollten. Y. war von dieser Nachricht nicht begeistert und stellte das ganze Ratensystem erst einmal infrage. Ich konnte ihn soweit überzeugen, dass wir auf Grund eines einmaligen Klimaereignisses jetzt nicht alles hinwerfen sollten, zumal in Jos die Erntegeschäfte deutlich besser liefen, zum Glück. Wichtig wäre es in Zukunft, unser Verkaufsgebiet so groß anzulegen, dass wir nicht von lokalen Ereignissen existenziell betroffen sind (Diversifikation ist also auch bei uns angesagt).

Zum Schluss hatte er noch eine wenig gute Nachricht von den beiden Praktikantinnen: diese seien zurück von ihrer Spritztour nach Bauchi, säßen jetzt aber mehr als ihnen lieb ist im Hause, denn sie besitzen ein ungültiges Visa. Am Mittwoch wollten sie mit H. nach Abuja zur Botschaft, doch kam von dort ein Anruf, dass ein Besuch nicht erforderlich sei. Jetzt hoffen sie, dass am Passschalter am Montag, dem Tag ihres Rückfluges, ein Botschaftsangehöriger stehen wird, um sie, wie auch immer, dort durchzuschleusen (vermutlich werden sie im Pass einen größeren Schein deponieren müssen). Also auch hier Spannung bis zur letzten Minute, aber von Praktikantenbesuchen haben Y. und H. wohl erst einmal genug....

Kommende Woche sind wir viel beschäftigt, denn für Montag hat uns das UN-Klimasekretariat zu einem Erfahrungsaustausch nach Bonn eingeladen und am Mittwoch will die GTZ und wollen eingeladene NGOs von uns erfahren, auf was sie sich einstellen müssen, wenn ein CDM-Projekt wie das unsrige realisiert werden soll. Aber am Freitag bestände Gelegenheit zum Kennenlernen und zu einem zwanglosen Gespräch bei LHL, denn für den 30.10. haben wir Freunde und Förderer eingeladen. Dann werden wir (evtl. ist Habiba anwesend) über unser Projekt berichten und gemeinsam einen Toast ausbringen auf die Auszeichnung, die uns die UN-Registrierung gebracht hat. Wenn Sie Zeit haben, sind Sie herzlich eingeladen und auf unserer Internetseite finden Sie Ort, Uhrzeit und Programm. Übrigens werden wir auch einen Blick nach vorn werfen und einen ersten Einblick geben in unsere weiteren Planungen, das sollte Sie interessieren.

Mit den besten Grüßen aus dem frühmorgendlichen Düsseldorf

Ihr

Bernd Blaschke


Nachrichten aus Kaduna Nr. 78


15.10.2009


Liebe Freunde,

meine letzten Nachrichten kommen in etwas größeren Abständen und das hat seinen Grund darin, dass tagsüber sehr viel passiert und ich nach meinen Telefonaten mit Y. erst noch wichtige Schriftarbeiten erledigen muss, bevor ich mich an das Tagebuch setzen kann. Aber jetzt ist der Zettelkasten quasi übervoll und ich weiß nicht wo ich anfangen soll, also gebe ich Ihnen und Euch erst einmal einen Überblick über die Themen, die dann ausführlicher behandelt werden:

  1. Am 12.10. ist die Registrierung durch das UN-Klimasekretariat erfolgt.

  2. Unser Container liegt seit Mitte August im Hafen von Lagos und bewegt sich nicht.

  3. Am 30.10. wollen wir uns in Düsseldorf treffen weil Y. oder H. kommen.

  4. Das UN-Klimasekretariat hat uns eingeladen, am 26.10. an einem Practitioners Workshop teilzunehmen.

  5. Die GTZ hat uns eingeladen, am 28.10. an einem Fachgespräch zum Thema Emissionshandelsprojekte im Herdbereich teilzunehmen.

  6. Probleme mit den beiden Praktikantinnen

  7. Überfall auf H.


Seit nahezu 2 1/2 Jahren arbeiten wir daran, bei der UNO als CDM-Projekt anerkannt bzw. registriert zu werden. Es gibt eine Vielzahl von Dokumenten die auszufüllen bzw. beizubringen sind und schließlich haben wir – genauer atmosfair, unser Partner in Berlin – den 7-seitigen Antrag am 22. Juni an das Klimasekretariat der UN in Bonn abgesandt. Das Registrierungsverfahren verläuft zweistufig: erster Prüfstein ist der Completness Check und hier muss man Geduld haben, denn es gibt keinerlei Fristen. Nach einem kleinen Request konnten wir am 12. September dann in die eigentliche Bewerbungsrunde starten und hier läuft die Zeit für uns, denn nach 30 Tagen muss das EB (Executive Board) seinen Daumen zeigen und uns zeigte es seinen Daumen aufwärts gerichtet. Sie müssen die Sektkorken knallen gehört haben, und obwohl ich die Nachricht erst um 12.25 erhielt gab es Sekt zum Frühstück. In den darauf folgenden Stunden und Tagen glühten die Drähte (da bin ich mir heute nicht mehr sicher, das ist doch alles Glasfaser oder Radiowellen), eine Pressemitteilung musste geschrieben werden, kurzum, wir wurden auf dem linken Fuß erwischt, denn die Fachleute hatten uns prophezeit, dass mindestens ein Einwand kommen würde und dann sollten wir uns auf eine mehrmonatige Wartezeit einstellen. Zum Glück kam es anders und nun strahlen wir alle, so etwas hat die Welt noch nicht gesehen!

Am Abend des gleichen Tages gab es eine weitere erfreuliche Nachricht: der Alternative Nobelpreis ist u.a. an René Ngongo verliehen worden, einem engagierten Umweltschützer, der speziell die Wälder im Kongo und die Wälder Afrikas überhaupt vor dem Abholzen retten will. Und da kam mir doch sofort die Idee, dass wir ein neues Ziel brauchen und nach der UN-Anerkennung gibt es nur eine Steigerung: der Nobelpreis. Andererseits habe ich nachgelesen, mit wie wenig Preisgeld die Preisträger bedacht werden: insgesamt nur 218.000 €, das sind gerade 70.000 pro Person. Vielleicht sollten wir uns doch besser um einen attraktiven Preis bemühen, z.B. der von Rio Tinto, um den Nobelpreis können wir uns später noch bewerben (oder muss man vorgeschlagen werden, weiß das Jemand?).

Unser Container ist im Hafen von Lagos Mitte August angekommen und seitdem liegt er dort wie festgenagelt. Wir ärgern uns schon wieder über die Prüffirma C., die unsere Zollpapiere jetzt endlich bearbeitet hat, aber mit welchem Ergebnis: wir sind aufgefordert, 35% Zoll dafür zu bezahlen (nachdem wir für den letzten Container nur 5% bezahlt hatten). Ich habe vor Ärger beinahe in die Tischplatte gebissen, aber dann habe ich an die Mahnung meines Zahnarztes gedacht, der mir empfahl, in keinen Apfel mehr zu beißen, meine Zähne würden das nicht mehr aushalten. Die Begründung hören wir zum ersten Mal: wir seien keine Manufacturers und auch nicht Mitglied in deren Organisation. Jetzt streiten wir uns, wann man ein Manufacturer ist und verlangen den Nachweis, dass man als solcher Mitglied in dieser ehrenwerten Gesellschaft sein muss. Inzwischen läuft die Zeit wieder einmal davon und jetzt laufen zusätzliche Liegegebühren an, ein Teufelskreis. Da haben wir mit der UN-Registrierung die beste Auszeichnung, und die nigerianischen Zollbehörden interessiert das nicht im Geringsten, hingegen lobt uns der Vertreter des Umweltministers in den allerhöchsten Tönen, denn mit unserem Projekt hat sich die Bilanz für Nigeria hinsichtlich seiner CDM-Projekte sprunghaft um 100% erhöht.

Y. wollte kommen, jetzt kommt wohl H. seine Frau, die von dem UN-Klimasekretariat eingeladen wurde, an einem Workshop teilzunehmen. Hintergrund ist die Tatsache, dass mit der Registrierung unseres Projektes weltweit das erste Herdprojekt anerkannt wurde, also das erste auf dem Gebiet der Haushaltsenergie. Dass eine solch kleine NGO wie LHL einen solch schwierigen Weg gemeistert hat, wurde mit höchster Aufmerksamkeit in Bonn registriert und nun wurden wir zum Rapport gebeten und dürfen das aufwendige und kostspielige Registrierungsverfahren öffentlich kritisieren. H.’s Anwesenheit wollen wir nutzen, um am 28.10. vor der GTZ ebenfalls über unser Projekt zu berichten, allerdings sitzen hier interessierte NGO’s im Publikum denen wir Tipps geben wollen, wie sie die diversen Klippen umschiffen können. Und am 30.10. sind Sie alle herzlich nach Düsseldorf eingeladen. Wieder ins Franz-Jürgens-Berufskolleg, wir haben auch einige Gäste geladen und H. wird als erste von unserem Projekt berichten. Wer noch kommt und was sonst noch geboten wird: auf unserer Internetseite steht alles: www.l-h-l.org

Ich will hier keine Interna ausbreiten, aber es gibt ein wenig Ärger und den haben sich die beiden jungen Damen selbst zuzuschreiben: erst jetzt haben sie in ihren Pässen entdeckt, dass statt der beantragten 3 Monate nur 3 Wochen als Aufenthaltsdauer eingetragen war. Jetzt befinden sie sich illegal im Lande und dass kann unangenehm werden, auf alle Fälle teuer.

Und noch eine unangenehme Geschichte kann ich Ihnen nicht ersparen: Überfall auf H. am helllichten Tag. Sie hatte von der Bank 50 € abgehoben und als sie das Auto verlassen hatte um auf ihr Haus zuzugehen, hielten ein Auto und ein Motorrad vor und hinter ihr und verlangten die Handtasche, sonst könne sie das Messer zu spüren bekommen. Im schwangeren Zustand zögert man nicht und damit waren 50 €, der Ausweis, das Handy und die Kosmetiktasche weg. Gegen solche brutalen Überfälle ist man machtlos, sowohl in Nigeria als auch hier in Deutschland. Sollen wir H. jetzt mit Pfefferspray ausstatten?

Ich werde darüber noch einmal nachdenken, für heute wünsche ich erst einmal Gute Nacht.

Ihr

Bernd Blaschke


Nachrichten aus Kaduna Nr. 77

30.09.2009

Liebe Freunde,

bei meinem ersten Versuch Y. zu erreichen habe ich eine französische Stimme vernommen, verstand zwar nichts, wusste aber sofort: Y. ist irgendwo in Burkina Faso. Zwei Stunden später habe ich ihn erreicht und er befand sich irgendwo in der unendlichen Weite auf der Straße zwischen Niamey und Ouagadougou, die letzte seiner drei Etappen, schlappe 500 km, für die er "nur" 7 Std. benötigte. Da die Telefonverbindung sehr schlecht war haben wir unser Gespräch um 24 Std. verschoben. Gestern ging es wesentlich besser, er war nach insgesamt 24 Std. Überlandfahrt in der Hauptstadt von Burkina Faso angekommen . Nun weiß er, wie gut die Straßen in Nigeria sind! Seine erste gute Nachricht für mich:


die SOLUX-Solarlampen sind in Kano aufgefunden worden und Musa hat sie nach Kaduna gebracht, ein kleiner Lichtblick (auf dem Postamt in Kano sollen noch etliche DHL-Sendungen herumliegen). Damit waren wir auch schon beim Thema, denn er befand sich mit S.S., dem Inhaber der Firma Microsow (Werkstatt und Verkauf von Solargeräten), zu Besuch in einem Dorf, wo Microsow sein Hauptprodukt, ein großes Handyladegerät, ihm vorführte.


Ein junger Mann hat es sich gemietet, bezahlt dafür etwa 75 € im Monat und kann weitere 100 € für sich hinzuverdienen. 20 Handys kann er damit gleichzeitig aufladen und das Geschäft brummt. S. würde an DARE gerne eine Fertigungslizenz vergeben, aber vielleicht können A. und H. uns eine ähnliche Anlage konzipieren, die wir in Lizenz vergeben könnten (denn wir würden die Solarmodule als Dach ausführen, um einen Sonnenschutz zu bekommen und eine große Batterie einbauen, um auch bei weniger gutem Wetter Strom zur Batterieaufladung verfügbar zu haben)?

Y. graust schon ein wenig vor der Rückfahrt, denn in Niger sind die Straßen noch schlechter, für die 780 km von Niamey bis Maradi nahe der Grenze zu Nigeria brauchte der Bus 13 Std. Im Bus, so Y.'s Erfahrung, kommt man zwar nur langsam voran, dafür etwas sicherer, denn die Kleinbusse rasen mit hohem Tempo auf den einspurigen Straßen und meistens fahren die Räder auf der rechten Seite nicht auf der Straße sondern auf Schotter, in der Pampas oder im Graben. Eine Erholung ist die letzte Etappe, für die knapp 600 km braucht man nochmals 5,5 Std. wenn alles gut geht. Auf der Hinfahrt hat Y. viele überflutete Felder und Brücken gesehen und viele zusammengesunkene Lehmhütten, das Land ist hart getroffen worden von den Regenmassen in den letzten Wochen.

Wir haben noch einige Details zu J.'s und N.'s Arbeit erörtert, die beiden fahren in knapp 4 Wochen wieder nach Deutschland zurück und wollen noch einiges vom Land sehen. Eine mehrtägige Fahrt nach Jos ist geplant, denn hier gibt es ein paar Sehenswürdigkeiten*) und das Büro von Didi wollen sie besuchen. Der wird übrigens Y. in Kaduna vertreten, wenn dieser Ende Oktober in Bonn weilt. Die Rückfahrt also wird er am Donnerstag antreten und am Samstag wieder in Kaduna sein. Wenn er Glück hat kann er für die letzten 600 km ein Flugzeug bis Abuja nehmen. Da ergeht es ihm wesentlich besser als dem Kollegen aus Mozambique, der für die Reise von Ostafrika nach Westafrika zuerst nach Johannisburg und von dort über Paris nach Ouagadougou fliegen musste. Er war auch 24 Stunden unterwegs. Ich glaube, die großen Fluglinien vernachlässigen mit Absicht die innerafrikanischen Verbindungen, erstens verdient man selbst gut damit und zweitens kann der afrikanische Fluggast auf diese Weise ein paar Tage in Europa verbringen. Über die Konferenz haben wir nicht viel gesprochen, er hat sie nicht mehr rechtzeitig erreicht, aber ein paar Teilnehmer hat er dennoch getroffen und einige interessante Gespräche geführt. Zuhause wird er sich in den nächsten Wochen bevorzugt um die beiden jungen Frauen kümmern, damit die Übergabe an seine eigenen Leute funktioniert (er hat jetzt endlich einen CDM-Officer eingestellt) und will sich auch auf die UN-Konferenz am 26. in Bonn vorbereiten. Und natürlich freut er sich auf den 30. Oktober, an diesem Tag wollen wir eine größere Veranstaltung in Düsseldorf durchführen und Y. wird als erster Redner über den aktuellen Stand unseres Nigeria-Projektes berichten.



*) Sollten Sie einmal nach Jos kommen, hier Sehenswürdigkeiten in Jos

Wegen der reizvollen Lage und des angenehmen Klimas gehört Jos zu den beliebtesten Urlaubsorten in Nigeria. Zu den Sehenswürdigkeiten gehört eine 1952 gegründete Museumsanlage und Freilichtmuseum mit einer umfangreichen Keramiksammlung aus den verschiedenen Regionen Nigerias, einer Art „Industriepark“ mit Oldtimerautos das und, als Besonderheit eine große Menge Flughunde beherbergt. Es gibt auch einen Zoo und verschiedene Museumsgebäude mit interessanten Exponaten, z. B. von der weltberühmten Nok-Kultur, Bildern der Ausgrabung des ältesten Bootes in Afrika (Dufunaboot) und eine umfangreiche Sammlung prämonetärer Geldsysteme (aus Wikipedia).


Nachrichten aus Kaduna Nr. 76

20.09.2009

Liebe Freunde,

im letzten Nachtbrief habe ich über die heftigen Regenfälle berichtet, die die Region südlich von Kaduna heimsuchte und die Situation hat sich noch nicht wesentlich gebessert. Y. plante letzten Donnerstag einen kurzen Ausflug nach Wombai, nördlich von Kaduna gelegen, doch schon bei seinem Versuch, telefonisch sich nach dem Befinden zu erkunden, rauschte ein Regenguss derart mächtig ins Telefon, dass kein Wort zu verstehen war. Also blieb er besser zuhause - denn hier gab es nur eine kurze Husche am Morgen - und mähte mit Unterstützung von einigen Arbeitern das hohe Gras, welches unser neues Grundstück im Laufe der letzten Jahre erobert hatte.

Wenn alles gut läuft dann werden wir nicht nur unser Büro hierher hinverlegen, sondern hier auch eine neue Werkstatt einrichten. Diese dient aber nicht dazu, die SAVE80 zusammen zu bauen, sondern wir planen eine Ausbildungswerkstatt für Solartechnik. Es sind vorzugsweise die jugendlichen Holzverkäufer, die wir hier zu Solartechnikern ausbilden bzw. umschulen wollen. Unser Freund A. hat sich bereit erklärt, einen ersten Ausbildungskurs zu leiten und mit dem Antrag wollen wir die erforderlichen Finanzmittel beantragen, um die Werkstatt auszustatten (Arbeitstische etc.) bzw. einzurichten (Werkzeuge etc.). Im ersten Kurs lernen die Jugendlichen, wie man eine einfache Solarlampe selber baut bzw. wie man eine fertige Lampe verkauft bzw. repariert (wobei hier nur der Batteriewechsel anfallen sollte). Und sollte dieser Versuch gelingen, dann geht es weiter mit dem Bau von Solartrocknern und Solarkochern. Nun warten wir erst einmal auf die Rückmeldung aus dem Büro von InWent-NRW, aber bei dieser Gelegenheit darf ich schon ein kleines Lob aussprechen, denn mit Hilfe dieser Einrichtung haben wir schon einiges erreichen können.

Y. berichtete mir als erstes, dass es noch keine Veränderungen bei unserem Container gegeben hat, aber damit konnte er mich nicht schocken, denn inzwischen weiß ich: es sind Ramadan-Feiertage und bis zum kommenden Wochenende wird noch gefeiert, da passiert nicht viel im öffentlichen Leben einer muslimischen Stadt (im Hafen von Lagos arbeiten überwiegend Muslime). Dafür hat er Zeit für den einen oder anderen Besuch und auch für Gespräche. Und ein solches Gespräch hat er mit Prof. A. geführt, der mit seiner Uni im Südwesten von Nigeria in einem Musterdorf eine sozial-ökonomische Untersuchung durchführt (welchen Einfluss hat unser SAVE80 auf das Verhalten der Bevölkerung und welche Auswirkungen hat es auf die Umwelt). P. hat ebenfalls Kontakt zum Professor aufgenommen, denn sein Thema ist für unser Projekt außerordentlich interessant. Und das allerbeste daran ist, dass die Dorfbewohner 130 unserer Solarkocher benötigen, lieber heute als morgen. Das bringt uns in leichte Verlegenheit, denn der Container darf erst geöffnet werden, wenn die Registrierung erfolgreich abgewickelt wurde. Das kann frühestens am 12. Oktober sein, der Termin, der uns vom UN-Klimasekretariat mitgeteilt wurde, vorausgesetzt, es gibt bis zum 11. Okt. keine Einsprüche. Wir warten jetzt und werden mit jedem Tag unruhiger, denn sollten wir bis zum 11.10. 17 Uhr nichts vernommen haben, wird im größeren Stil gefeiert.

Nach langer Zeit habe ich einen Anruf von H. K. erhalten, den ich wegen eines Anhängers angeschrieben hatte. Der Hintergrund: die Bestellmengen werden immer umfangreicher und mehr als zwanzig Wonderboxen passen nicht auf das Dach unseres Berlingos. Y. schlug als Lösung einen größeren Lieferwagen vor, ich plädierte für einen Anhänger, denn den könnte H. K. uns preiswert besorgen. Wird er auch machen, das versprach er mir am Telefon, eine extra Anfertigung, 3m lang und mit einer weißen Plane überzogen. Wenn die noch gekonnt bedruckt wird, dann könnte das ein echter Hingucker werden.

Am Montag wollen sie alle nach Kano, denn zum Abschluss der Ramadan-Feiertage werden prächtige Reitertrupps durch Kano ziehen und sich traditionell am Palast des Emirs treffen. Das muss man gesehen haben und die Frauen wollen es sich auf keinen Fall entgehen lassen (interessieren die sich für die Pferde oder mehr für die Reiter?) . Weiter geht es am Mittwoch, jetzt nach Abuja, wo F. zu einem Kongress mit dem Thema „Welche Rolle können die Zivilgesellschaften spielen“ eingeladen hat. DARE wurde gebeten, alle seine Produkte aufzubauen und Y. wird die Gelegenheit nutzen, mit den neuen Pavillons einen besonderen professionellen Eindruck zu hinterlassen. Natürlich ist der SAVE80, der Boxkocher, der SK14 sowie der Dampfentsafter und die SPB dabei und sie wollen nicht nur ihre Geräte ausstellen sondern auch leckere Gerichte herstellen, Brot backen und Saft erzeugen, natürlich in der Bag-in-Box. Alles ganz schön, aber auf die Frage, wann und wo man das alles kaufen kann wird er nur antworten können: das können sie bald alles in unserem Solarshop kaufen, liebe Frau (darf man so eine Muslima ansprechen?). Aber wer soll das alles im voraus bezahlen lieber Y.? Ein Container mit Dampfentsaftern kostet uns mindestens 6.000 €.

Seit vier Tagen gibt es keinen Strom mehr in Kaduna, doch haben sie unsere Solar-Power-Boxen, gleich 5 Stück und an Strom mangelt es unseren Leuten nicht, weder im Büro, noch zuhause, sogar der Kühlschrank kann betrieben werden. Lediglich als die Tiefkühltruhe angeschlossen wurde ging unsere Anlage in die Knie, vermutlich sind hier die Anfahrströme zu hoch, oder was ist es sonst H.?

Dass Y. Ende Oktober wieder nach Deutschland kommt sei hier und heute noch verraten, warum, berichte ich erst beim nächsten Mal, denn jetzt ist es schon ziemlich spät. Und dass wir diesen Besuch zum Anlass nehmen. eine kleine Feier zu veranstalten, das muss ich auch noch loswerden, aber mehr dazu nächste Woche, versprochen.

Herzliche Grüße

Bernd


PS: Damit Sie etwas zum Schmunzeln haben: Ta Dutse, die Tochter von Y., nimmt den Berlingo in Besitz.


Und auf diesem Bild sehen Sie unseren Container-Lastwagen, der seine Reifenpanne ignorierte und weiterfuhr, nur um einen nächtlichen Stop zu vermeiden.


Nachrichten aus Kaduna Nr. 75

10.09.2009


Liebe Freunde,

seit mehr als 14 Tagen habe ich mich nicht mehr gemeldet, doch nun muss ich berichten, denn die Nachrichtenlage ist einerseits deprimierend, andererseits gibt es auch Positives zu berichten.

In der Presse habe ich kein Foto aus Nigeria gefunden, aber so könnte es auch in Kaduna aussehen, denn der sonst so ruhige Kadunafluss führt Hochwasser und Teile der Stadt Kaduna, die nahe des Flusses liegen, wurden überschwemmt. Aber weder die Wohnung von Y. noch das Büro von DARE, liegt im gefährdeten Gebiet, sodass die Wohnung bisher trocken geblieben ist und das Büro sowieso, denn es liegt im 1. Stock. Aber die befestigten Strassen sind schlammig, die Sandpisten sind vollkommen aufgeweicht und auf dem Lande haben viele Lehmhäuser den heftigen und langen Regen nicht widerstanden und sind in sich zusammengebrochen. Inzwischen fahren Armeelastwagen in diese Region um Zelte als Notunterkünfte aufzustellen.


Die Bauern leiden besonders, denn es ist die dritte Regenflut in diesem Jahr, sie haben zweimal bereits ausgesät und alles war umsonst. Jetzt scheint der größte Niederschlag vorbei zu sein und die Bauern und auch die Bevölkerung hoffen, dass die jungen Maispflanzen den Regen überstanden haben. Doch eines ist sicher: Die Ernte wird äußerst mager ausfallen und die Preise werden entsprechend hoch liegen (worüber die Bauern sich nun wieder freuen würden). Uns würde das auch erfreuen, denn wir mussten einigen Ratenzahlern einen Zahlungs­auf­schub einräumen. Während in Kaduna der Regen nachlässt und alle auf den „Abschieds­regen“ warten (üblicher­weise verabschiedet sich die Regenzeit Ende September mit einer letzten Regen­woche), haben die nördlichen Regionen um Kano nach Monaten der Dürre überraschend heftige Regenfälle überstehen müssen, das Klima spielt verrückt.

Y. ist gestern und heute in Abuja, zusammen mit J. und N., die sich die Hauptstadt ansehen wollten, während Y. Herrn F. und dem Zentralkrankenhaus einen Besuch abstatten wollte. Der Stadtbummel fiel jedoch wegen heftigen Regens ins Wasser und die beiden jungen Frauen fuhren etwas enttäuscht am Nachmittag unverrichteter Dinge wieder zurück, während Y. zum Flughafen fuhr, um dort H. abzuholen. Die Nacht werden sie in ihrem Kakerlaken-Hotel verbringen, das einzige Hotel was sie sich leisten können nahe Abuja. Morgen wird Y. alleine nach Lagos weiterfliegen, und jetzt komme ich zum angenehmen Teil meines Berichtes: unser Container hat ein Lebenszeichen von sich gegeben. Ich hatte in meinem letzten Nachtbrief berichtet, dass wir mit der Prüffirma C. größere Probleme hatten und daraufhin haben wir uns an die schweizerische Zentrale gewandt. Gestern nun erhielt ich von dort die Antwort, dass "we have launched an investigation" und Y. ist sicher, dass ihn daraufhin der Anruf unserer Bank aus Lagos erreichte, dass der Containerinhalt „approved“ sei. Darum also begibt sich Y. ins ungeliebte Lagos um nach dem Rechten zu schauen. Wir rechnen nicht damit, dass er den Container sofort mitnehmen kann, aber in den nächsten 14 Tagen könnte sich das Tor des Containerhafens schon für unseren Container öffnen und dann werden unsere Leute in Kaduna ordentlich zu tun haben, denn die meisten Kocher sind bereits vorbestellt.

Bei Y. hat sich eine NGO gemeldet, die, obwohl nur etwa 100 km südlich von Kaduna ansässig (in Kafanchan), bisher noch nichts von DARE und natürlich auch nichts vom SAVE80 gehört hatte. Jetzt haben sie aber erfahren, dass in Kaduna unsere Freunde mit einem Wunderkocher unterwegs sind und haben Y. im Büro einen längeren Besuch abgestattet. In ihrer Stadt arbeitet eine sehr aktive Frauengruppe und die besitzen einige Häuser, die von einer recht großen Solaranlage mit Strom für Beleuchtung versorgt werden. In einem Raum stehen sogar mehrere PC und dort werden Jugendliche unterrichtet. Und welch ein Wunder: Sogar das Internet funktioniert dort erstaunlich gut. Y. hat sich schon den Techniker nach Kaduna bestellt und im Gegenzug wird H. nächste Woche vor den Frauen im Rahmen einer Demonstration den Dampfentsafter vorführen, von der Saftherstellung bis zur Herstellung von Marmelade (Dank an Gretel, die H. wohl ein paar sehr gute Tipps gegeben hat). Jetzt suchen wir einen Investor, denn in einen kleinen Container passen 250 Dampfentsafter (und 5000 Bag-in-Box) und mit Zoll, Mehrwertsteuer und Transportkosten würden wir etwa 15.000 € benötigen. Wenn Sie also jemand kennen, der für einen bescheidenen Zinssatz uns für 1 Jahr diese Summe zur Verfügung stellt, bitte sofort bei obiger Adresse melden!

Diese NGO hat großes Interesse an unserer Solartechnik gezeigt und Y. hat ihnen berichtet, dass wir in naher Zukunft eine Ausbildungswerkstatt für Solartechniker einrichten wollen. Diese Projektidee ist inzwischen ziemlich ausgereift und wir werden es in den nächsten Tagen bei InWEnt einreichen. Dann hoffen wir, in 2010 die ersten Kurse zur Solartechnik in unserer ausgebauten Werkstatt bei Auta durchführen zu können. Zu den Kursinhalten gehört auch Batteriemanagement, einmal die Nutzung ausgedienter Autobatterien für kleine Solaranlagen, aber auch das Wiederaufladen von Batterien (Handy!) und das Refreshing von Autobatterien ist ein Thema. Besonders hierfür zeigen die Kollegen aus Kafanchan großes Interesse und Y. will mir eine Projektidee zuleiten, worin dieses Thema umfassend behandelt wird, denn die Entsorgung alter Batterien ist ein großes Problem in Afrika. Und schließlich eine letzte Neuigkeit: diese NGO besitzt die Bank-Lizenz und arbeitet bei ihren Geschäften sehr erfolgreich mit Mikrokrediten. Hiervon könnte DARE nun wieder profitieren und es zeigt sich, dass die beste (und billigste) Werbung die Mund-zu-Mund Propaganda ist, auf afrikanisch die Buschtrommel. Y. glaubt, dass er zukünftig auf teure Fernsehwerbung verzichten sollte, denn durch die Stromausfälle können nur wenige Familien unsere Werbung ansehen, die Sender kassieren aber die vollen Gebühren.

Am Sonnabend werden wir noch einmal telefonieren, denn ich möchte endlich Klarheit über unseren Container und zudem will mir Y. noch meine Frage beantworten, was der Ausbau der Werkstatt (Lagerraum, Unterrichtsraum, Schutzdach) kosten könnte. Und ich soll mir überlegen, ob ich zur Eröffnung nach Kaduna kommen möchte. Jetzt zieht es mich erst einmal Richtung Bett und dort fange ich an zu überlegen, mal sehen, wie weit ich damit komme.

Bernd


Nachrichten aus Kaduna Nr. 74


24.08.2009


Liebe Freunde,

seit meiner letzten Info sind 10 Tage vergangen und 3 Telefonate habe ich in dieser Zeit geführt. Doch keine Sorge, die Verkaufsgeschäfte sind auf Null herunter gefahren, da unser Lager seit Wochen ausverkauft und die neue Lieferung noch nicht eingetroffen ist. Damit komme ich zum ersten und umfangreichsten Punkt unserer letzten Gespräche und ich Y. noch nie so böse erlebt wie in diesen Momenten. Thema ist die wieder verzögerte Ausfuhrprozedur unseres Containers, der am 14. August den Hafen Lagos erreicht hat. Es war zwar spannend zu beobachten, wie sich unser Schiff von Hafen zu Hafen bewegte, denn auf der Seite der Reederei kann mittels des Schiffnamens die Route verfolgen. Nun liegt er also wieder irgendwo auf dem riesigen Containerterminal und es geht nicht recht voran, weil die Prüffirma ein Haar nach dem anderen findet: einmal gefällt ihr nicht, dass der Name unserer Partnerorganisation abgekürzt wurde, dann sollten die Griffe für Töpfe und Pfannen getrennt aufgeführt werden und bei der letzten Reklamation wurden wir tatsächlich gefragt, was sich im First-Aid-Kit befindet. Wir fanden die Fragen zuerst überflüssig, dann lächerlich, doch jetzt drängt sich der Verdacht auf, man will uns hinhalten und die Herausgabe verzögern, denn jetzt erhält unser Mann anonyme Anrufe in denen Hilfe angeboten wird, wenn eine größere Summe gezahlt wird. Also habe ich gestern einen längeren Brief an die Prüffirma geschrieben und detailliert aufgeschrieben, mit welch dummen Fragen wir behelligt werden. Wenn man sich allerdings deren Homepage anschaut kann man Zweifel bekommen, ob es sich hierbei um die gleiche Firma handelt. Auf gleicher Homepage befindet sich allerdings auch die Adresse des Compliance-Officers und dem habe ich einen langen Brief geschrieben. Nun bin ich gespannt ob etwas passiert und was uns dazu geantwortet wird.

Es ist noch immer Regenzeit, wie jedes Jahr im August, doch sind die Regen dieses Jahr heftiger und damit werden die Telefonverbindungen merkbar gestört, d.h. auch Internet funktioniert nicht mehr so richtig. Also konnte Y.auch meine letzte Mail nicht lesen, worin ich ihm den Antrag an InWEnt (für die Unterstützung zu einer Ausbildungswerkstatt für Solartechniker) beilegte und meine Fragen musste ich also mündlich formulieren: welche Teilnehmergebühr kann erhoben werden (Antwort: pro Woche 300 Na oder 1/2 Sack Reis). Ja in der Tat ist es für Y. selbstverständlich, dass zumindest die Jugendlichen vom Lande in Naturalien bezahlen können. Aber wir beginnen in Kaduna, da kommen nur ortsansässige Jugendliche, die mit Geld bezahlen und auch keine Unterkunft benötigen (die auswärtigen schon, aber das realisieren wir später). Als einheimische Trainer will Y. Diplomanden oder Doktoranden von der Uni gewinnen, die sollten sich zu den Kursen dazusetzen und zuhören bzw. zuschauen, wie unser Trainer es anstellt. Und beim nächsten Kurs wird getauscht.

Gute Nachricht für H.: auch die zweite Solar Power Box (SFB) ist angesprungen, d.h. konnte voll aufgeladen werden. Jetzt stehen zeitweise drei SPB im Büro und da die Sonne ab Mittag wieder scheint werden sie gut geladen und spenden jede Menge Licht. Da bleibt es nicht aus, dass eine Menge Interessenten sich einstellen und auch die Armee hat sich angemeldet. Aber die kommt nicht in unser Büro sondern erwartet, dass man in ihr Büro kommt. Also packt Y. eine der SPB in den Bus nach Calabar (dort wird sie beim Verkaufsbüro abgegeben, so funktioniert der Pakettransport in Nigeria) und setzt sich am Dienstag ins Flugzeug. Am Donnerstag wird er auf dem Rückweg Station in Abuja machen, dort hin hat in Dr. F. eingeladen, die nigerianische Delegation für Kopenhagen tagt dort.

Am Wochenende tagte das Organisationskomitee für die Konferenz in Minna und jetzt haben sich auch die Grünen Afrikas gemeldet und wollen dabei sein. Weil nun alles noch einmal überplant werden muss findet die Konferenz erst Mitte November statt, bitte im Kalender vormerken.

Morgen trifft sich Y. mit dem Chefredakteur, der ein Teil des Zeitungsgebäudes an DARE vermieten will. Bisher konnte man sich noch nicht auf den Preis einigen, ich meine es ist ein Schnäppchen, den für einen 50% höheren Preis erhalten wir 200% mehr an Fläche (Außen und Innen). Auch hier bin ich gespannt wie das Gespräch ausgeht, aber wenn das klappt können wir groß herauskommen (viel Verkaufsraum, viel Besprechungsraum, viel Büroraum, viel Präsentationsraum, viel Lagerraum, viel Freifläche, alles bewacht).

J. geht es gut, N. nicht so sehr. J. hat sich gestern an einem Volleyballspiel beteiligt und war heute im Schwimmbad mit Ta Dutse, N. blieb zuhause und erholte sich. Sie findet ernährungsmäßig nicht das richtige Essen als Veganer, hier wird viel Fleisch gegessen. Letzte Woche haben alle eine Hochzeit in Kano besucht, man war gleich mit zwei Autos dort und hat sowohl die kirchliche Trauung in der Moschee mitgemacht (sagt man das so?) als auch die anschließende Hochzeitsfeier in einem Hotel. Aber da es in Kano sehr heiß war blieben sie nicht allzu lange (in Kaduna hingegen hat es geregnet). Im Büro geht es voran. Problem ist, dass sie mit der Excel-Datenbank nicht parallel arbeiten können. Jetzt arbeiten sie gemeinsam an den Kaufverträgen und hin und wieder telefonieren sie mit atmosfair, weil eine Prüfung bei der Eingabe nicht so funktioniert wie beschrieben. Ich vertröste sie auf die Web-Datenbank, aber da muss das Internet mitspielen.

Und zum Schluss noch eine beruhigende Nachricht: Am Sonntag war der Pastor von Maijeri bei Y. und hat 85.000 Na an Ratenzahlungen abgeliefert (erwartet wurden 90.000). Jetzt warten wir ungeduldig, dass das Paket mit den 20 Solarlampen eintrifft. Dann fragte mich Y., wo wir jetzt bei der Registrierung stehen und ich konnte ihm die erfreuliche Nachricht mitteilen, dass wir in den nächsten Tagen den Completness Check absolviert hätten und daran schließt sich die eigentliche 4-wöchige Registrierungsphase, also Ende Sept. feiern wir.

In diesem Sinne herzlichst Bernd


Nachrichten aus Kaduna Nr. 73


09.08.2009


Liebe Freunde,

ich bin jetzt täglich im Internet auf der Seite von UNFCCC, um festzustellen, wie schnell wir in der Liste "Undergoing completeness check" vorrücken und es tut sich etwas, denn derzeit stehen wir auf Position 40, d.h. um 28 Plätze sind wir vorgerückt. Bei gleich bleibendem Tempo können wir damit rechnen, dass wir in der nächsten Woche auf dem letzten Platz stehen könnten und dann muss etwas geschehen. Aber nicht nur bei der UN kommen wir voran, auch unser nächster Container marschiert und unser Containerschiff hat Las Palmas erreicht, Ende der Woche soll es Lagos erreichen.

Sorgen hingegen bereitet uns Cotecna, die Warenkontrollgesellschaft, die im Hafen von Lagos alle eingehenden Container einer Wareninspektion unterzieht. Wir haben nicht den Eindruck, dass es sich hier um ein modernes und effizient arbeitendes Dienstleistungsunternehmen handelt, denn bereits zum dritten Mal erhalten wir eine Reklamation unseres Form M, diesmal wird behauptet, dass Handschuhe nicht eingeführt werden dürfen. Unsere nigerianischen Partner haben in den Zolleinfuhrlisten keinerlei diesbezügliche Hinweise gefunden und es ist auch nicht zum ersten Mal, dass wir Arbeitshandschuhe beilegen, denn das Hantieren mit den scharfkantigen Blechen ist nicht ohne Gefahr. Also haben wir die Proforma Invoice abgeändert und haben die gloves in industrial gloves umbenannt. Wir befürchten allerdings, dass auch noch eine vierte oder fünfte Reklamation uns erreichen wird, diese Salamitaktik spricht auch nicht für eine professionelle Bearbeitung.

Julia und Nataly, die beiden Praktikantinnen, sind ins Haus von Y. und H. gezogen und nach Auskunft von Y. fühlen sie sich wohl und haben den Wechsel vom Hotel zum Privatquartier gut überstanden. Sie beteiligen sich auch schon an den üblichen Hausarbeiten wie Wasser aus dem Brunnen schöpfen und Kochen mit dem SAVE80 (ihr Einstandsgericht waren Bratkartoffeln und Milchreis). Tagsüber arbeiten sie fleißig im Büro mit. Dort kümmern sie sich vorrangig um die Erfassung der Kaufverträge und ich hoffe, dass sie bis zu ihrer Abfahrt alle Verträge im PC haben. Da derzeit kein Verkauf stattfindet, müssen sie nur den Berg abarbeiten.. Außerdem muss eine zweite Datenbank angelegt werden, denn wir haben auch schon ein paar Verkäufe in die nördliche Sudan-Savannenzone, die nicht zu unserem Projektgebiet gehört und deshalb separat erfasst werden müssen.

Die Regenzeit hat ihren Namen nicht verdient, denn es regnete bisher nur wenig und mit großen Unterbrechungen, so dass die Aussaaten nicht genügend Wasser bekamen und vertrockneten. Erst in den letzten Tagen regnet es länger und heftiger, die Bauern haben ein drittes Mal gesät und hoffen jetzt, dass die Saat aufgeht. Wir sind ebenfalls davon betroffen, denn bisher konnten die Bauern noch nichts verkaufen, d.h. es ist kein Geld übrig, um die nächste Rate für den S80 zu bezahlen. Am Sonnabend waren sie kassieren in der Gegend von Wombai und jeder 4. Bauer war zahlungsunfähig und versprach beim nächsten Mal doppelte Ratenzahlung. Auf dem Rückweg haben sie in Kachia einen Mann besucht, der um ihren Rat und ihre Hilfe gebeten hatte: Für seine Fischteiche, seine kleine Schule (mit 10 PC’s), seinen Brunnen, seine Hühnchenzucht (die Küken werden mit 100W-Glühlampen gewärmt) und seine Hausbeleuchtung muss er ein Vermögen für Treibstoff bezahlen, den der Stromgenerator verschlingt und er hofft, von uns eine preiswerte Solarlösung zu bekommen. Es sind schon eine Menge kW die er verbraucht, aber für eine Solaranlage in dieser Größenordnung muss er einen Batzen Geld auf den Tisch legen. Jetzt wird er bei den Banken vorsprechen, um einen Kredit zu erhalten.

Wir haben auch noch einmal den Besuch von H. A.M. angesprochen, der auch 3 oder 4 Wochen nach Nigeria kommen würde, um hier eine Werkstatt für Solartechnik aufzubauen und einen ersten Kurs mit 12 Azubis durchzuführen. Hierzu brauchen wir ein bisschen Startkapital, denn die Werkstatteinrichtung und das Lernmaterial für 12 Lehrlinge muss vorher beschafft werden. Ich habe vor, bei der GLS Bank anzuklopfen, die haben ein Fonds für Entwicklungshilfeprojekte.

In der Angelegenheit „neues Büro“ bewegt sich nur wenig, der Chef hat seine Vorstellungen und bewegt sich kaum. Es ist weniger der Mietpreis als der Zustand der Immobilie, wir befürchten, dass nach unserer Renovierung die Kündigung kommt (dann ließe sich das Objekt zum doppelten Preis vermieten). Ab Sept. könnten die Renovierungsarbeiten beginnen, dann ist die Hauptregenzeit vorüber. Bis dahin muss klar sein, wie die Investitionskosten mit der Miete verrechnet werden, das ist unser Ziel. Und jetzt stellt sich auch heraus, dass der Teil unseres Grundstückes nicht bewacht wird; also müssen wir uns an den Kosten für die Wachmannschaft beteiligen, aber Y. bringt selbst seine beiden alten Wachleute mit, die sollen dort in das Team eingeschleust werden.

Y. erzählt zwischendurch, dass Nigeria von Kuba ein Geschenk der besonderen Art erhalten hat: eine Million Energiesparlampen (in Kuba sind sie Pflicht).

Kummer macht Y. der Brunnen auf seinem Hof, der noch immer nicht einwandfrei funktioniert. Es könnte nun doch an der Pumpe liegen und ehe er sich eine neue kauft überlegt er sich, eine Solarpumpe zuzulegen. Was kostet eine Solarpumpe, die bis auf 20 m tief Wasser hochpumpt?

In Nigeria wird heiss diskutiert, wer den Rädelsführer der fundamentalistischen Aufständischen erschossen hat, Armee und Polizei schieben sich den Schwarzen Peter zu. Y. allerdings glaubt, das alles sei ein abgekartertes Spiel gewesen, denn man wollte den Anführer loswerden, sonst hätte Gefahr bestanden, dass er plaudert und daran hatten einige Personen kein Interesse. Aber zumindest herrscht derzeit äußerliche Ruhe.

Unser Gespräch wird zuerst gestört, da Y. plötzlich im Dunkeln sitzt und dann mit dem Telefon am Ohr minutenlang im dunklen Zimmer umhertappt und seine Tuareglampe sucht. Als er sie gefunden hat und weiterplaudern will meldet sich mein Mobilteil, die Batterie sei alle. Also müssen wir ziemlich schnell abbrechen, aber mir ist das Recht, denn inzwischen ist es ein Uhr und ich hatte am Rheinufer einen anstrengenden langen Tag.

Mit besten Grüßen

Bernd


Nachrichten aus Kaduna Nr. 72


01.08.2009

Liebe Freunde,

seit etwa 10 Tagen ist Y. zurück in Nigeria und wir telefonierten bereits mehrere Male miteinander, Zeit also um darüber zu berichten.

Ich beginne mit unseren beiden Praktikantinnen, die ab Ende Juli für drei Monate unser Projekt hautnah begleiten wollen. Nataly kommt aus Berlin und Julia aus Budapest und am 23.7., kurz vor ihrem Abflug, besaß nur Nataly ein Visa, Julia mußte der Nigerianischen Botschaft jeden Tag neue Dokumente beibringen: die Einladung aus Nigeria, nicht nur als eMail, sondern im Original, zwei Tage später wurde eine Passkopie erbeten und nochmals drei Tage später sollte ein Dokument über die Registrierung von DARE als NGO vorgelegt werden. Am Montag, den 27.7., hatte die Botschaft alles erhalten, am Dienstag, um 12 Uhr, wurde das Visum ausgehändigt und damit eilte Julia direkt zum Flughafen und erreichte noch ihr Flugzeug nach London, wo sie sich mit Nataly traf. Gegen 22 Uhr ging es dann endlich los und um 4.35 früh landeten beide in Abuja. Unser Freund Y. hatte die Zoll- und Passbehörden über die bevorstehende Ankunft der beiden jungen Frauen informiert und beide wurden über den VIP-Weg zum Ausgang geleitet, wo sie von Y. und Habiba empfangen wurden. Als erstes wurde ein Hotel mit gut funktionierender Internetverbindung aufgesucht, damit Grüße an die Heimat versendet werden konnten, dann eine kleine Sightseeing-Tour durch die Hauptstadt, Versuch bei der Deutschen Botschaft den deutschen Besucher anzumelden (ohne Voranmeldung ging aber nichts) und dann wurde der Wagen Richtung Kaduna gesteuert. Dabei haben sie gleich die nigerianische Rushhour erleben dürfen, denn es dauerte mehr als zwei Stunden, bis sie aus der Stadt heraus kamen. Während der Fahrt über Land konnte Y. nur wenig zeigen, denn die beiden Touristinnen waren eingeschlafen und erreichten in diesem Zustand auch ihre neue Heimatstadt.

Am nächsten Abend telefonierten wir, ich hatte von den schrecklichen Ereignissen in Maiduguri und Kano und in Bauchi gehört und gelesen, doch Y. beruhigte mich, dass es sich nur um eine terroristische Vereinigung handelt, die Attentate gegen staatliche Einrichtungen verübt, es sei kein Religionskrieg (obwohl ich in unserer Presse schon gelesen hatte, dass die Gruppe gegen alle christlichen Einrichtungen kämpfe). In Kaduna, mit muslimischer Mehrheit, zumindest sei alles ruhig und die Bevölkerung habe sich nicht verrückt machen lassen und verurteile die Überfälle.


Habiba beim Telefonieren und so nebenbei mal schaun, ob's Essen gar ist, mit dem SAVE80 kein Problem.

Dann bat mich Y., ihm ein paar Details zum Solar-Tunneltrockner zu besorgen (Preis, Kapazität etc.), denn eine Vertreterin von UNDP habe sie angerufen und gebeten, einen Vorschlag zu unterbreiten, mit dem man sich beim Small Grants Programm bewerben könne. Also wollen die beiden den Solartrockner der Fa. Innotech vorschlagen. Ich habe also H. E. (von Innotech) ein paar Fragen per eMail gestellt und nur zwei Tage später erhielt ich die Antworten darauf, die ich an Y. schon weitergeleitet habe. Wichtig ist, dass der Trockner ständig gefüttert wird (etwa 200 kg pro Durchgang) und dass das getrocknete Obst bis zum Verkauf trocken und dunkel gelagert wird. Wenn es ernst wird, werde ich ggf. mir den Trockner beim Hersteller anschauen.

Dann berichtete Y. weiter, dass sich endlich der neue Vermieter gemeldet hat, aber sein Angebot sei doppelt so hoch wie die bisherige Miete. Dafür erhielten wir auch eine Menge von Vorteilen, also viel Platz drinnen und draußen, dennoch wollen Y. und Abba Bello nach verhandeln, auch weil sehr viel von uns Richtung Sanierung gemacht werden muss. Dann wäre es unschön, schon nach kurzer Zeit eine Mieterhöhung oder gar eine Kündigung zu erhalten, nur weil jetzt die Räume besser vermietet werden könnten. Aber für drei Jahre sollte die Miete schon festgeschrieben werden.

Am Mittwoch 29.7. waren sie mit Julia und Nataly in Kafanchan, liegt südlich von Kaduna auf dem Weg nach Jos, kurz hinter Kachia. Dort agiert eine Frauengruppe, sehr rührig, und von dieser waren sie für eine Vorführung eingeladen worden. Schon während des Kochens begann es zu regnen, aber mit einem SAVE80 kann man auch unter ein Dach ziehen, das hat die Frauen begeistert, denn mit einem Drei-Steine-Feuer wäre jetzt der Kochvorgang beendet gewesen. Der Regen hat sich dann zu einem wahren Tropenregen entwickelt, und das undichte Dach und der heftige Wind haben dazu geführt, dass alle doch ziemlich durchnässt wurden - und das bei 30 Grad. Nach der Kochdemonstration haben sich spontan 100 Frauen in die Kaufliste eingetragen - und das ist erst der Anfang. Hoffentlich trifft der Container mit den 1.500 Kochern bald ein.

Um die laufende Registrierung beim UN-Klimasekretariat zu beobachten kann man auf deren Website in der Liste "Undergoing completeness check" unser Projekt suchen, derzeit stehen wir auf Position 68, wir rechnen mit vier Wochen Wartezeit. Sollte die Registrierung nicht im ersten Durchgang erfolgreich sein, dann werden wir einen Request erhalten und müssen diesen beantworten, das kann dann noch einmal mehrere Wochen dauern.

Y. teilt mir bei dieser Gelegenheit mit, dass er einen Anruf von einer kleinen Bank erhalten hat, die jetzt mit unserer Hilfe auf den Mikrokredit-Zug aufspringen will. Die nigerianische Bundesbank habe allen Banken Kapital für Mikrokredite zur Verfügung gestellt, diese müßten allerdings bis Jahresende verbraucht sein, sonst drohe der Bank die Schließung. Also hat ihnen Y. vorgeschlagen, mit einer Solarlampe zu beginnen und tatsächlich wollen sie jetzt versuchen, erst einmal 20 St. auf dem Wege des Mikrokredites mit unserer Hilfe zu verkaufen. Also habe ich Kontakt mit SOLUX aufgenommen und man wird ein Paket mit 20 SOLUX50 Lampen mit Hilfe unseres Logistik-Unternehmens nach Kaduna schicken, das geht per Luftfracht und ist dennoch bezahlbar.

Eine Lampe habe ich mir nach Hause bestellt und jetzt liegt sie auf dem Fensterbrett um aufgeladen zu werden.

Am Freitag war Stadtbummel angesagt, allerdings nur die drei Frauen und Rasak als Fahrer, während Y. sich in ein Internetcafe zurückzog. Dabei haben sie den Berlingo benutzt und eine ganz schöne Show abgezogen, denn es gibt von diesem Modell kein zweites in Kaduna und dann noch ein nagelneues Auto, auch eine Rarität in Nigeria. Unser Wägelchen hat Radio und auf dem Dach einen großen Dachgepäckträger , damit fällt man schon auf, denn der Wagen ist von Natur aus schon sehr hoch gebaut. Y. will noch DARE, den Namen ihrer NGO draufmalen lassen, schließlich fahren die UNO-Wagen auch bemalt durch die Gegend. Das größte Interesse galt einer Telefonkarte, mit der man preiswert nach Europa telefonieren kann. Der Verkäufer hat sie sogleich als wohlhabende Deutsche eingestuft und ihnen noch eine UMTS-Karte verkauft, damit könne man "preiswert" von seinem Handy aus ins Internet.

Am Sonnabend sollen Julia und Nataly zu Y. und Habiba umziehen, bis dahin soll die Pumpe repariert sein. Zeitweise läuft sie, vielleicht hängen die Stillstände auch nur mit den Stromausfällen zusammen? Auch während unseres Telefonates hörte ich ein kurzes „Huch“, dann weiß ich dass der Strom weg ist. Aber Y. hat jetzt eine neue Taschenlampe, ebenfalls solargeladen, das Tuareg-Modell von A.M., welches sehr gute Dienste leistet. Und durch dieses Ereignis sind wir noch einmal, trotz vorgerückter Stunde (es war bereits 1.30) auf das Thema Solarlampen gekommen. Für die vielen arbeitslosen Jugendlichen möchte Y. etwas tun und dazu eine Solarwerkstatt einrichten. Die Solarlampen von A.M. wären hervorragend geeignet, denn viele Einzelteile erhält man in Nigeria, evtl. muss das Solarmodul und die LED-Lampe importiert werden. Also soll ich A.M. den Vorschlag machen, im Rahmen eines SES-Besuches [=Senior Expert Service] nach Nigeria zu kommen und hier die Möglichkeit einer Solarwerkstattgründung auszuloten bzw. vorzubereiten. Nachdem wir unser Gespräch beendet hatten, habe ich dann schnell noch eine eMail an A.M. gesendet und warte gespannt auf seine Antwort.

Am kommenden Wochenende wird gearbeitet, denn am Sonnabend hat Y. alle DARE-MitarbeiterInnen aus Kaduna und Jos ins Büro eingeladen um die beiden Frauen aus Europa vorzustellen, und der Sonntag ist dem Thema Monitoring gewidmet. Das wird langsam ein immer wichtigeres und größeres Thema, denn bei der geplanten Ausweitung unseres Projektes in die nördliche Sudan-Zone werden auch hier die Käufer registriert und Monitoringbesuche durchgeführt werden. Im August soll unsere Excel-Datenbank von einer mysql-Daten­bank abgelöst werden und wir wollen dann auch eine Web-basierte Datenbank nutzen, um von verschiedenen Orten darauf zugreifen zu können. Das wird schon für uns ein kleines aber spannendes Projekt, für die nigerianischen Freunde bedeutet dies ein Sprung ins nächste Jahrhundert: Eben noch hat eine afrikanische Familie auf dem Drei-Steine-Feuer ein Topf mit Reis gekocht, jetzt ist sie Besitzer eines SAVE80, der im Internet registriert ist und dessen Historie weltweit verfolgt werden könnte - welch eine Story!

Mit Y. habe ich mich für nächste Woche verabredet, dann war er in Abuja; und ich bin gespannt, ob die Solarlampen bereits eingetroffen sind.

Mit besten Grüßen

Bernd


Nachrichten aus Kaduna Nr.71

24.07.2009

Liebe Freunde,

nach längerer Zeit versende ich heute wieder einen Nachtbrief, denn nun ist Y. zurück in Nigeria und wir telefonieren wieder miteinander, heute zum ersten Mal seit seiner Rückkehr am Montag. Die Umstellung von Europa nach Afrika hat ihn gleich am ersten Tag herausgefordert, denn als er um 21.15 sein Flugzeug verließ und mit seinem reichlichen Gepäck (diplomatisch ausgedrückt) von seiner Frau abgeholt wurde, um in die Stadt zu fahren, währte das Glück nur ein paar km, denn eine Reifenpanne stoppte die kurze Fahrt. Da H. einen Leihwagen fuhr mussten sie bei strömendem Regen sich ein Taxi suchen, um zum Hotel zu kommen. Am nächsten Morgen dann zurück zum Wagen, einen Pannendienst bestellen, Reifen reparieren lassen, zurück zum Hotel, Gepäck aufnehmen - und um 10.45 Start nach Kaduna. Aber ihre Heimatstadt erreichten sie nicht nach zwei sondern erst nach sechs Stunden, denn unterwegs haben sie eine weitere Reifenpanne erlebt, jetzt ohne Regen zwar aber mitten in der Landschaft. Hier war die Reparatur schon etwas schwieriger, denn es hielt nur ein Motorradtaxi um zu helfen. Aber Afrikaner meistern solche Situationen lachend, während Y. zu lamentieren begann über den Zustand ihres Mietwagens. Da auch das Reserverad seinen Namen nicht verdient hatte, wurden beide Räder kurzerhand aufgeladen (eines balancierte der Fahrer einhändig auf dem Kopf), während Y. als Beifahrer sich das zweite unter den Arm klemmte. Dies allerdings hätte er sich auch sparen können, denn die Vulkanisierwerkstatt – gibt es in jedem kleinen Dorf – konnte das Reserverad nicht mehr reparieren. Aber das Originalrad wurde immerhin repariert und damit konnten beide ihre Fahrt, dann ohne jede weitere Unterbrechung, erfolgreich bis Kaduna fortsetzen. Von diesem ungewohnten Tageserlebnis völlig geschafft, musste Y. sich erst einmal ausruhen und schlief bis zum nächsten Morgen durch.

Wenigstens Strom gab es an diesem Tag, hinzu kam ein zweiter Glücksumstand: der Handwerker hatte die Pumpe für den Brunnen repariert und so konnte endlich der Wasserbehälter aufgefüllt werden. Allerdings war das Wasser nicht sehr genießbar, denn durch die lange Stillstandzeit waren die Leitungen ziemlich verrostet und es kam nur eine rotbraune Brühe aus dem Hahn. So werden sie vorerst Wasser weiter kaufen müssen.

Y. hat am Mittwoch einen Flug nach Lagos unternommen, um die Papiere für den Container abzugeben. Der Rückflug verlief etwas ungewöhnlich, denn die Maschine nach Kaduna rollte erst einige km bis zum benachbarten Flughafen International, um dann von dort zu starten. Der Grund für dieses Manöver war ein Ausfall der Flughafenbefeuerung. In Kaduna waren ebenfalls etliche Leuchtfeuer neben der Landebahn ausgefallen, aber da es hier keine Ausweichmöglichkeiten gibt, musste gelandet werden (vermutlich sah es beim Nachbarflughafen in Kano nicht wesentlich besser aus).

Wir haben Kontakt mit SOLUX aufgenommen und die Solux50 ist vom Preis her interessant (wenn man große Mengen bestellt). Allerdings war Y. etwas zurückhaltend mit einer Bestellung, denn er möchte zuerst wissen, wann und wie er den nächsten Container verkaufen kann, dann erst kann er über eine größere Bestellung entscheiden. Im Prinzip wäre aber eine billige Solarlampe schon eine interessante Erweiterung unseres Angebotes, wenn diese dann noch ein Handy nebenbei aufladen kann, wäre es ein ideales Gerät, vorzugsweise für die Landbevölkerung. A. unser LHL-Mitglied aus Norddeutschland, bastelt derzeit an einer einfachen aber sehr preiswerten "Tuareg-Ausführung", aber für diese benötigen wir eine kleine Werkstatt in Kaduna. Das wäre schon ein Traum, eine Solarwerkstatt zu errichten, wo auch Solartrockner oder Solar-Home-Systeme hergestellt werden können.

Schließlich erfuhr ich noch, dass es eine kleine Kabinettsreform gegeben habe: Shedima, "unser" Verteidigungsminister, wird mit dem Innenminister, einem General, die Aufgaben tauschen, d.h. er wird in nächster Zukunft Innenminister sein und damit auch zuständig für Gefängnisse – eine interes­sante Nachricht für uns, denn auch in Gefängnissen wird gekocht, idealerweise auf dem Speedmaster. Am Wochenende wollen sich die Leute von DARE im Büro treffen,


Bild: Y. mit Speedmaster als Regenschutz

auch Didi aus Jos wird dazukommen, um über den Stand und die Arbeiten für die nächsten vier Wochen zu beraten. Für nächste Woche gibt es schon zwei Vorführtermine, wir müssen den Brei am Kochen halten...

Mit besten Grüßen

Bernd

PS: Fast hätte ich es vergessen zu berichten, dass inzwischen ein neuer Container mit 1.500 SAVE80 bestellt wurde und dieser sich bereits auf einem Containerschiff Richtung Lagos befindet.





Powered by CMSimple | Template Design by CMSimple-Styles