Nachtbriefe II/2008


"Nigeria-Nachtbriefe aus Düsseldorf"

"Aber das wichtigste muss trotz vorgerückter Stunde noch zu Euch gelangen, sonst sitzt Ihr unwissend am Frühstückstisch und lest gelangweilt die Tages- zeitung." Mit diesen "Nachtbriefen" versorgt Bernd Blaschke den Kaduna- Freundes- und Mitarbeiterkreis regelmäßig mit den letzten Nachrichten aus dem Nigeriaprojekt. Hier werden technische Fragen besprochen oder allgemeine Eindrücke vermittelt. "Nachtbriefe" deswegen, weil erstens Bernd am liebsten die ruhigen Nachtstunden nutzt, für diesen (kleineren) Teil seiner Mitarbeit am Projekt und zweitens, weil - für ihn optimal - die Telefonleitungen nach Nigeria am späten Abend viel bessere Qualität haben und man auch leichter durchkommt.



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31.12.2008

Nachrichten aus Kaduna Nr.53


Liebe Freunde,

in meinem letzten Brief hatte ich von etwas Skepsis und viel Hoffnung gesprochen und nun freue ich mich, dass ich am letzten Tag dieses Jahres 2008 noch ein Telefongespräch mit Y. führen konnte und einen ganz anderen Y. erlebte. Das hat natürlich seinen Grund und damit will ich diesen Brief beginnen, denn die Nachricht aus Nigeria ist die lang erwartete: unser Container mit den SAVE80-Sparherden hat die größte Klippe überwunden und das Zertifikat von C. erhalten. Der Agent rief Y. am Montag an und berichtet ihm, dass er zur Abholung am Dienstag bestellt sei und am Dienstag kam ein neuer Anruf und darin bestätigt er, dass ihm das begehrte Zertifikat ausgehändigt wurde. Da am Donnerstag - Neujahr - auch in Nigeria nicht gearbeitet wird und der Freitag vermutlich als Urlaubstag ausfällt, wird Y. am Sonntagabend nach Lagos starten. Dann am Montag wird hoffentlich alles ohne weitere Probleme ablaufen (unverbesserlicher Optimist), die Erledigung der Zollformalitäten einschließlich der Überweisung der Zollgebühren und MWSt, das könnte am Mittwoch abgeschlossen sein, so dass am Donnerstag der Lastwagen kommen kann und am Freitag sich auf die lange Reise begeben könnte. Knapp 1000 km sind es, es wird vorauss. zwei Tage dauern, also rechnen wir mit Ankunft am Sonntag in Jos auf unserem neuen Bürogelände. Y. wird natürlich anwesend sein zusammen mit Didi, unserem neuen Mann in Jos und einigen Helfern, es wird aufregend sein: Kommt der Kran pünktlich? Hat er ein entsprechend stabiles Seil dabei? usf. Y. wird sich in Jos ein paar Tage aufhalten, die Ladung wird aufgeteilt und ein kleinerer Teil nach Kaduna verladen, der größere Teil der Sendung wird in Jos verbleiben und dort verkauft.

Diese Nachricht ist Gold wert, sowohl für meine Gemütsverfassung als auch für den wirtschaftlichen Teil unseres Projektes. Y. wird in Lagos auch die Gelegenheit nutzen, um mit dem Leiter der C.-Niederlassung zu sprechen, besonders über unseren zweiten Container. Unabhängig davon werden wir nach Alternativen suchen müssen, denn der scheinbar direkte Weg über Lagos erscheint in Wirklichkeit als der zeitlich längste und vermutlich teuerste, denn die Liegezeit von 3 1/2 Monaten hat einiges an Liegekosten verursacht. Bereits letztes Jahr hatten wir kurz überlegt, den Weg über Benin zu nehmen und hier käme C. als Containerhafen infrage. Aber evtl. wäre auch die Luftfracht interessant, wenn dafür die Zollkosten entfielen. Nun ist der Weg über Cotonou wieder interessant geworden, da Y. in der Woche vor Weihnachten an einer Veranstaltung der westafrikanischen Grünen teilgenommen hat, ich hatte dies nur kurz in meinem Nachtbrief Nr. 51 erwähnt. Y. war zu dieser Veranstaltung eingeladen worden, da er bereits einmal vor den Delegierten unser Projekt vorstellen konnte und er damit auf reges Interesse gestoßen war. Die Grünen der westafrikanischen Länder planen eine Organisation zu gründen mit Sitz in Cotonou und damit hätten wir eine Empfängeradresse. Hinzu kommt, dass Y. im Norden Benins viele Lastwagen entdeckt hat, die alle diesen Weg nehmen um nach Nigeria zu gelangen. An der Grenze würde zwar ständig eine Kolonne von Fahrzeugen auf ihre Zollabfertigung warten, aber die hier erforderliche Zeit liegt in der Größenordnung von Tagen und ist nicht mit den vielen Wochen zu vergleichen, die wir in Lagos hinnehmen müssen. Von Interesse ist auch der Weg als Luftfracht, wobei diese direkt nach Kano geflogen werden könnte, dabei entständen mit Sicherheit höhere Frachtkosten, dagegen stehen aber geringere Kosten für den nachfolgenden Landtransport und evtl. geringere Zollkosten. In Cotonou hätten wir einen weiteren Partner, den Kontakt hierzu wird J. herstellen.

Wir haben ein weiteres interessantes Thema angesprochen als ich Y. auf eine Veranstaltung hinwies, die ich auf der Internetseite des Afrika-Vereins entdeckt habe: am 20. Februar findet in Genf das Rencontre Nigeria 2009 - Treffen mit nigerianischen Gouverneuren in Genf - statt und dazu wird betont, dass 14 Gouverneure aus Nigeria dabei sind. Leider wird die Teilnehmerliste nicht angezeigt, auch keine Unterlagen für die Anmeldung. Aber sie wäre für uns wichtig, denn Y. hat auf der Tagung der westafrikanischen Grünen den Generaldirektor des Amtes für NGO’s des Bundesstaates Niger kennen gelernt, er war sogar Y.'s Zimmergenosse. Dieser Mann versichert glaubhaft, dass auch sein Chef ein Grüner sei und an unserem Produkt S80 hohes Interesse haben würde. Dieser Chef ist nun kein Geringerer als der Gouverneur des Bundesstaates Niger, Mr. Babangiba, derzeit ist er Vorsitzender des NGF (Northern Governor Forum) und als solcher ein Mann mit erheblichem Einfluss. Leider hat er sich bisher noch nicht als Teilnehmer in Genf angemeldet, dann wäre ein Treffen mit ihm von hohem Interesse für uns. Y. wird nachforschen, ob er in Genf teilnimmt. Allerdings sind 3 Staaten aus der Guinea-Savannen-Zone und 5 Staaten aus der SSZ dabei, das ist schon eine interessante Zahl und es wäre zu überlegen, ob wir deswegen Genf besuchen sollten (meine Frage richtet sich an P.).

Nächstes interessantes Thema: die Presse. Y. hat erfahren, dass ein Redakteur der größten Zeitung in Nigeria seit einiger Zeit bei der taz als Austauschredakteur arbeitet. Es wäre zu überlegen, ob wir uns mit ihm – zusammen mit Z. – in Berlin zu einem Interview treffen sollten, damit er über unser Projekt entweder hier, besser noch in seiner Heimat, berichten kann. Ich werde bei der taz anrufen und versuchen, den Namen herauszubekommen.

Und noch ein interessantes Thema: Im Rahmen der Stakeholder-Konferenz in Jos hat Y. auf die Frage, welche Möglichkeiten der Erwerbstätigkeit für Holzsammler/-händler wir bieten könnten, von unserem Saft- und Trocknerprojekten berichtet. Dies ist einem Vertreter des Local Gov. in Rigacicun zugetragen worden und dieser Mann war so interessiert, dass er noch während der Feiertage bei Y. anrief um Einzelheiten zu erfahren. In der Gemeinde leben etwa 2.000 Einwohner und pflanzen Gemüse an, wobei mind. 50% der Ernte wegen unzureichender Weiterverarbeitungsmöglichkeiten nicht verwertet werden kann. Y. bat mich, dass ich Kontakt aufnehme zu der Herstellerfirma des Tunneltrockners, da hier ein großes Interesse an einem professionellen System besteht.

Und schließlich noch ein paar Interna:

Jetzt gibt es endlich wieder reichlich zu tun, auch für uns, das tut gut.

Bernd


Dü’dorf, den 22. Dezember 2008


Nachrichten aus Kaduna Nr.52


Liebe Freunde,

eine positive Nachricht habe ich immerhin: die Mutter von H. ist aus dem Krankenhaus entlassen worden und befindet sich in ihrer Wohnung, zusammen mit ihrer Schwester, um wieder besser laufen und sprechen zu lernen. H. selbst muss öfter bei Ihrer Mutter sein, daher ist Y. am Montagnachmittag nach Kaduna geflogen, denn in Lagos ging es eh nicht weiter und seine Frauen baten um seine Rückkehr. Fakt ist, dass C. uns mitteilte, dass wir den Container erworben haben und es fehle ihnen der Preis dafür. Den hat ihnen Y. jetzt mitgeteilt, alles schön ordentlich auf dem Dienstweg, d.h. das FormM geht zurück an die Bank, diese übersendet es an Y., der ändert, zurück an die Bank und diese sendet es dann an C. Zu normalen Zeiten kein Problem, aber jetzt müssen wir die Feiertage abwarten, bis das Zertifikat uns ausgehändigt werden kann und das wird frühestens Freitag, den 2.1. sein, noch wahrscheinlicher ist wohl der 5.1.2009. Dann sind noch die Zollformalitäten zu erledigen, der Transport usw. so dass ich den Monat loben werde, wenn der Container noch in der ersten Hälfte des Januars in Jos ankommt.

Aus finanzieller Sicht ist das der letzte Termin, so dass alle Ausgaben noch aus eigener Kraft gestemmt werden können. Denn aus dem Dezember gibt es noch einige Rateneingänge und auch Ende Januar, das sind dann aber die absolut letzten Eingänge vom 1. Container, parallel dazu müssen die ersten Verkäufe aus dem 2. Container angelaufen sein. Irgendwelche Hilfen sind nicht zu erkennen: Da wäre die Presse, aber die wird nur aktiv, wenn es nationale Missstände offen zu legen gibt; der neue Umweltminister ist noch zu frisch im Amt, die Gattin des Präsidenten ist geschwächt, weil der Gatte kränkelt. Überraschenderweise ist der alte Landwirtschaftsminister Shitima zum Verteidigungsminister aufgestiegen, dem sind damit auch die Hände gebunden, und wo Dr. F. sich aufhält wissen wir nicht.

Wir haben jetzt die Hoffnung, dass die neue Pro-Forma-Rechnung innerhalb der nächsten vier Monate geprüft wird und das könnte der Zeitpunkt der nächsten Lieferung sein (man muss schon ein Superoptimist sein um solche Szenarien zu entwerfen). Aber es gibt auch einen Plan B: Y. war in Benin in der ersten Wochenhälfte und hat Kontakte zu den Grünen der westafrikanischen Staaten geschlossen. Die eröffnen in Kürze ihr Zentrum in Cotonou und über diesen Stützpunkt könnte DARE den Container offiziell in Benin einführen. Der Inhalt muss dann per Lastwagen ins 50 km entfernte Nigeria transportiert werden. Aber das prüfen wir später, wenn nichts mehr geht.

In den folgenden 90 min. haben wir viele Fragen erörtert, die uns at. gestellt hatte, auch Herr K. hatte ein paar Fragen zum Kocher, den H. seit 4 Jahren im DARE-Büro betreibt, und eigentlich wollte ich ein paar Einzelheiten über H.'s Indien-Reise erfahren. Dazu wird es wohl einen Bericht von H. geben, bitte abwarten. Um 1.30 jedenfalls war Y. ziemlich müde, aber ich glaube es ist auch ein Zeichen seines Allgemeinzustandes, die Nachrichten sind zermürbend, die Perspektive ernüchternd und ich konnte ihn nicht so richtig aufbauen. Jetzt versucht er im Kreis seiner Familie etwas Ruhe zu bekommen und sich ablenken zu lassen, soweit das geht. Mir geht es ähnlich, in Gedanken bin ich oft in Nigeria und es kommt immer wieder die Frage: wie geht es weiter wenn es nicht weiter geht? Euch lasse ich mit dieser Frage erst einmal alleine, die Antwort gibt es im Januar.

Bernd


Dü’dorf, den 19. Dezember 2008


Sorgenvolle Nachrichten aus Kaduna Nr.51


Liebe Freunde,

in meinen letzten Briefen hatte ich die Hoffnung ausgesprochen, dass unser SAVE80-Container in den nächsten Tagen den Hafen Lagos in Richtung Kaduna verlassen könnte. Doch dies war ein Trugschluss, denn die Situation ist unverändert, wie mir heute Y. in einem Telefongespräch berichtete. Ich hatte gerade meinen Besuch bei unseren Programmierern abgeschlossen und die Entwicklung der Datenbank begutachtet, die für unsere Abrechnungsdaten und Monitoringberichte aufgebaut wird. Ich war also einigermaßen gut drauf, aber hatte seit Tagen ein tiefes Grummeln in der Magengegend. Y. war bereits am Montag von Kano aus nach Lagos geflogen, denn dort hatte er noch einmal seine Schwiegermutter besucht, die noch immer im Krankenhaus liegt, jetzt aber ist H. bei ihr, die inzwischen aus Indien zurückgekehrt ist. Dieses ist ebenfalls ein weniger erfreuliches Kapitel, doch dazu später etwas mehr.

Noch am Freitag letzter Woche hatte der Agent ihn angerufen und angedeutet, dass er am Montag oder spätestens Dienstag die Papiere von C. erwartet, die für den Zoll benötigt werden. Also flog Y. am Montag nach Lagos direkt zum Agenten, der aber in seinem Büro nicht persönlich anzutreffen war, aber immerhin telefonisch. Bei diesem Telefonat erfuhr Y., dass jetzt vor Weihnachten das größte Geschäft gemacht wird und entsprechend groß ist der Ansturm auf die Prüffirmen und den Zoll, alle sind total überlastet und es dauert einfach, vielleicht am Mittwoch. Also hieß es ein Tag warten und am Mittwoch ein neuer Versuch. Das Ergebnis haben wir befürchtet: es ist noch immer Weihnachtsgeschäft, der Warenstrom ist noch stärker geworden, alles drängt um seinen Container rechtzeitig rauszubekommen, vielleicht nächsten Montag. Diese Nachricht hat Y. fast zermürbt und statt nach Kaduna zurück zu kehren hat er sich ins benachbarte Benin begeben, wo die Grünen mehrerer westafrikanischer Länder eine Konferenz zu erneuerbaren Energien durchführten. Darüber werde ich ebenfalls später berichten, doch fiel Y. auf, dass die Situation in Benin hinsichtlich seiner Holzversorgung noch deutlich schlechter ist als in Nigeria, da es so gut wie nie eine Waldzone gab. Die Preise für Feuerholz sind nahezu doppelt so hoch wie in Nigeria. Jetzt ist Y. auf dem Weg nach Lagos, heute Abend will er evtl. schon in Porto Novo sein und morgen die 200 km bis nach Lagos weiterfahren.

Die Lage ist ernst aber nicht hoffnungslos, doch wenn es bis Montag nicht gelingt, den Container auszulösen, dann wird in diesem Jahr nicht mehr viel passieren, denn während der Weihnachtsfeiertage ruht so ziemlich der Betrieb, zumindest im südlichen Teil des Landes. Und den Neujahrwechsel feiern natürlich alle Nigerianer. Die finanzielle Situation ist äußerst angespannt, noch haben sie ein paar letzte Raten kassiert, im Januar werden die allerletzten Raten für einen schmalen Geldfluss sorgen, aber dann ist definitiv Ende. Hier in Deutschland gibt es ebenfalls keine Reserven auf dem Konto, wir müssen uns in diesem Fall etwas einfallen lassen.

Ein letzter Satz zur familiären Situation. H.'s Mutter war bereits vor 14 Tagen gestürzt und es scheint, als ob es ein Infarkt die Ursache dafür war. Sie ist seitdem bettlägrig und kann kaum sprechen. Sie muss versorgt werden, ob sie zu einem Pflegefall wird ist abzuwarten. H. nimmt sie jetzt mit nach Kaduna und wird sich mit ihren beiden Schwestern um sie kümmern. Die Schwiegermutter war für Ta Dutse eine wichtige Person, die die Enkelin oft zu sich genommen hat, wenn H. und Y. auf Promotiontour in Sachen SAVE80 unterwegs waren. Ich mache mir auch hier Sorgen, dass H. wegen Betreuungsaufgaben weitgehend ausfallen könnte.

Bernd


Dü’dorf, den 13. Dezember 2008


Nachrichten aus Kaduna Nr.50


Liebe Freunde,

in meinem letzten Brief hatte ich von dem Abflug der Leute vom TÜV und auch von H. Z. berichtet, seitdem laufen die Drähte in Deutschland heiß. Doch zuvor möchte ich von der schwierigen Situation berichten, in der sich Y. derzeit befindet. Dass H. sich zur Zeit in Neu-Delhi auf einer Konferenz befindet habe ich Euch erzählt. So ganz glücklich waren wir alle nicht mit ihrer Reise, denn wir rechnen damit, dass jeden Tag der Container aus dem Hafen von Lagos „befreit“ werden kann und dann kommt viel Arbeit auf uns, d.h. vor allem auf Y. und H. zu, denn die Kocher müssen auf unsere beiden Büros verteilt werden und in Jos ist das Personal noch völlig unerfahren. Dennoch hat sich H. entschlossen zu fliegen, obgleich am Tag vor ihrem Abflug ihre Mutter gestürzt ist und seitdem im Krankenhaus liegt. Für Ta Dutse war die Oma immer eine wichtige Betreuungsperson, nun liegt sie im Krankenbett und zudem noch in Kano. Dorthin wurde sie von einer der Töchter begleitet und diese hat Ta Dutse mitgenommen. Wie der Tag für ein nicht einmal 4 Jahre altes Mädchen aussieht weiß ich nicht, aber Zeit zum Spielen bleibt sicher nicht allzu viel.

Y. hat sich inzwischen von den Besuchern aus Deutschland erholt, vom Montag bis Donnerstag war er in Lagos in der Hoffnung, etwas für unsere Container tun zu können. Aber Montag und Dienstag waren Feiertage, alles geschlossen. Y. konnte sich dennoch erholen, weil es auf den Straßen ziemlich ruhig war, aber ab Mittwoch setzte der normale Wahnsinn wieder ein. Immerhin hat er im Laufe eines Telefongesprächs von dem C.-Chef erfahren, dass für unseren Bürocontainer noch etliche Probleme zu lösen sind, so wird u.a. erwartet, dass alle Bücher mit Titel und kurzer Inhaltsangabe beschrieben werden. Um diese „Strafarbeit“ zu vermeiden gibt es nur einen Ausweg: der Container wird als persönliches Eigentum Y's deklariert und damit würde die Prüfung wohl entfallen. Also machen wir es so, er erhält eine neue Pro-Forma-Rechnung von mir, schreibt selbst ein neues Form M und dann beginnt der ganze Prozess von vorne. Damit ist klar: In diesem Jahr kommt der Büro-Container nicht raus. Freundlicher sieht es mit dem SAVE80-Container aus, bisher keine Beanstandungen, Y. wird also am Montag wieder nach Lagos fliegen und diesmal bei C. persönlich vorsprechen, man hat ihm gewisse Hoffnungen gemacht.

Hier in Deutschland haben wir Post vom TÜV erhalten, er hat uns zwei Prüf-Berichte zugesandt, einen für das PDD und den zweiten für den Gold-Standard-Report/Passport. Im ersteren gibt es 23 Anmerkungen (mit unterschiedlicher Gewichtung), im zweiten 9. Alle 32 haben wir in zwei Telefonkonferenzen durchgearbeitet, die Aufgaben verteilt und wollen bis Ende nächster Woche damit fertig sein. Um Euch einen kleinen Eindruck zu vermitteln, wo die Knackpunkte liegen: Das größte Problem sind die Familien, die bisher nur mit einem Kerosinkocher die Mahlzeiten zubereitet haben. Beim Umstieg auf den S80 werden sie plötzlich zu Holzverbrauchern, das ist nicht in unserem Sinne. Also muss der Kaufvertrag ergänzt werden worin die Käufer jetzt versichern, dass sie bisher Holz als Brennmaterial verwendet haben (wer das nicht unterschreiben kann erhält den Kocher nicht zum subventionierten Preis). Dann ist es für viele Familien undenkbar, dass sie ihren alten Kocher zerstören oder unbrauchbar machen müssen, damit ganz sicher darauf nicht mehr gekocht wird (denn sonst erhalten wir den CO2-Ausgleich, aber es wird die alte Menge CO2 erzeugt). Ein weiteres Problem sind Leckagen, also Kocher die verschwinden und für die wir trotzdem abkassieren. Wie kann man erfahren, dass der Besitzer verstorben ist, seinen Kocher verschenkt hat oder dieser gestohlen wurde und die Familie sich einen neuen gekauft hat? In allen diesen Fällen dürfen wir für den ursprünglichen Kocher keine CER’s weiterhin kassieren. Und schließlich haben wir die Aufgabe, für das Monitoring mittels eines Zufallsgenerators die Familien auszuwählen, die besucht werden sollen. Wer von den Lesern für Excel ein Makro kennt, welches aus der Menge von 12.000 Namen uns 100 nach dem Zufallsprinzip auswählt, bitte beim Webmaster melden.

Am Montagabend wollen wir wieder telefonieren und ich hoffe, dass ich dann endlich die erlösende Nachricht erhalte, dass nämlich die Freigabe durch C. erfolgt ist. Dann würde ich mich auch mit Glühwein vollaufen lassen und einige Bratwürste dazu verzehren.

Bernd


Dü’dorf, den 7. Dezember 2008


Nachrichten aus Kaduna Nr.49


Liebe Freunde,

zwei Tage später ein weiteres Telefonate mit Y., denn heute am Sonntagabend sollten unsere Gäste aus Deutschland wieder abgereist sein und ich war neugierig, wie die letzten Stunden verlaufen sind. Y. habe ich wieder aus dem Schlaf geholt, obwohl es erst 22.30 war, ich glaube er ist groggy, anders kann ich mir seine Müdigkeit nicht erklären. Und bei der anschließenden Berichterstattung war mir auch klar, dass der Besuch an die Grenze seiner physischen Belastung gegangen ist. Verabschiedet hatte ich mich am Freitagabend, es war da schon Mitternacht und am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen. Geplant war zuerst eine Besprechung über den Ablauf des Monitoring und ab 12 Uhr Besuch bei verschiedenen Familien.

Mich interessierten doch mehr die Ergebnisse aus den Familienbesuchen, denn in Kaduna lief es doch nur holprig. Zusammengefasst: In Jos war der Eindruck wesentlich besser, das lag auch daran, dass man genau zur Mittagsessenszeit kam und die Frauen alle fleißig den S80 benutzten oder schon benutzt hatten (dann lag das Essen noch in der Wonderbox). Aber das Problem aus Kaduna gab es auch in Jos: Einige Familien hatten vor dem S80 einen Kerosinkocher benutzt und hier stellte der TÜV besonders intensive Fragen (wann, wie lange, zu welchem Zweck, ob und welcher Holzverbrauch) und es wurde auch hier wiederholt, was schon in Kaduna gesagt wurde: Familien, die nur Kerosinkocher benutzt hatten, kommen für einen subventionierten Kocher nicht in Frage. Wohl aber Familien, die sowohl mit Kerosin als auch mit Holz das Essen zubereitet hatten. Aber die Kollegen fragten auch, ob die Kocher – also auch die 3-Steine-Feuer - wirklich nicht mehr benutzt wurden. Sie störten sich sogar daran, dass die drei Steine und die Feuerstelle noch auf dem Hof zu sehen war und mutmaßten sofort, dass hier heimlich sowohl mit dem S80 als auch zusätzlich mit dem 3-Steine-Feuer gearbeitet wird (das könnte zu einem Mehrverbrauch an Holz führen). Am liebsten wäre es ihnen, wenn die Steine fortgeschafft und der Kerosinkocher zerstört oder verschenkt wird. Hier werden wir noch harte Verhandlungen führen müssen, denn diese Forderung erscheint mir zumindest etwas unrealistisch.

Um 16 Uhr brach die Mannschaft auf und erreichte gegen 19.30 Abuja. Noch gut drei Stunden saß man dann in der Hotellobby zusammen und diskutierte den Abschlussreport, der uns schließlich übergeben wurde. Bei dieser Diskussion wurde nochmals deutlich, dass der Begriff Drei-Steine-Feuer nur schwer zu packen ist. Die TÜV-ler monierten z.B. dass auf dem Bild aus Düsseldorf [Schulversuch] Backsteine genommen wurden, dies entspräche nicht der Praxis. Y. antwortete darauf, dass er Kochfeuer kenne, die in einer Feuermulde angelegt werden und fast mit Steinen umschlossen sind, so dass hier die thermischen Verluste sehr gering sind. Auch das ist ein Drei-Steine-Feuer, aber nirgendwo wird beschrieben, wie groß die Steine sein müssen/dürfen, wie dicht sie beieinander stehen müssen, welche Form der Topf haben soll etc., da gibt es große Unschärfen und dementsprechend schwanken die Ergebnisse. Und es gibt noch mehr Probleme (und Fragen), wir werden von Z. am Dienstag den Report erhalten und dann besprechen, wie wir ihn beantworten werden.

Y. ist gegen 13 Uhr nach Kaduna zurückgekehrt, die TÜV-Leute waren schon weg, Z. flog alleine gegen 16 Uhr ab. H. ist bei ihrer Mutter in Kaduna geblieben, die gestürzt ist und bettlägerig zu Hause liegt, dennoch wird H. am Montag nach Neu-Delhi fliegen. Y. wird sie bis Lagos begleiten und ich habe ihn gebeten, die Diskussionen einzustellen, diese eine Woche wird er und werden auch wir überleben. Y. wird in Lagos mindestens bis Mittwoch bleiben und er hofft, dass er bis Freitag für den S80-Container das Zertifikat von C. erhalten hat (trotz Feiertage und Opferfest). In der darauf folgenden Woche wird er mit Auta im Büro die Dokumente neu ordnen und vervollständigen, an diesem Thema werden sie noch hart arbeiten müssen. Eines ist wohl sicher: zwischen den Weihnachts-Feiertagen will/muss Y. sich mit H. für ein paar Tage zur Erholung zurückziehen, dorthin wo es kein Handy und keine nervenden Mitarbeiter gibt. Natürlich hofft er, dass dann der Container schon in Jos auf dem Hof steht. Das neue Büro dort haben sie besichtigt und es ist viel schöner als das in Kaduna. Jetzt muss der Verkauf langsam beginnen, damit sie die Kosten auch bezahlen können.

Es bleibt noch einiges zu tun (neues Personal wird dringend für CDM benötigt und für seine Vertretung), aber das Kapitel TÜV-Besuch in Nigeria (im Rahmen der Registrierung) ist Gott sei Dank glücklich abgeschlossen, es stand zeitweise auf des Messers Schneide. Jetzt folgt der nächste Schritt und dann sehen wir das Ziel schon deutlicher vor Augen. Mir fallen meine jetzt allerdings zu, darum Schluss für heute, Guten Morgen wünsche ich Euch noch (P. ist bestimmt schon auf den Beinen um diese Zeit).

Bernd


Dü’dorf, den 4./5. Dezember 2008


Nachrichten aus Kaduna Nr.48


Liebe Freunde,

zwei Telefonate habe ich seit den letzten Nachrichten mit Y. geführt, an zwei Tagen hintereinander. Am 4. Dezember war es sehr spät geworden, fast 23 Uhr und da ich aber unbedingt wissen wollte, ob sie jetzt nach Jos fahren werden, rief ich also dennoch an. Das war ein Fehler, denn Y. habe ich damit aus dem Schlaf geholt. Nun wollte ich eigentlich nur zwei Fragen stellen und dann hatte er aber auch einiges zum Erzählen, sodass das Telefonat immer länger dauerte und er dabei immer munterer wurde. Nach 20 Min. machte die Handy-Batterie schlapp und das war das Ende.

Inzwischen sind die TÜV-Leute angekommen, pünktlich, und wurden mit Begleitung durch die Flugsicherheit zum Ausgang gebracht, wo Y. und Z. die beiden Herren erwarteten. Ihr erster Besuch galt Dr. G., der nun gleich eine schlechte Nachricht parat hatte: Das LoA ist noch nicht fertig, denn die zuständige Kommission hat noch nicht getagt. Erschwerend kommt hinzu, dass Dr. F. noch im Amt ist und laut Geschäftsverteilungsplan gehört die Ausstellung eines LoA zu seiner Befugnis. Also machte Z. den spontanen Vorschlag, Dr. F. einen Besuch abzustatten. Leider war dies erfolglos, denn Dr. F. weilte in Posen (Polen, UN-Konferenz) und seine Vertreterin war bar jeder Fachkenntnis. Dies hat wohl schon zu einer ersten kleinen Verstimmung geführt. Da konnte der Hinweis von Dr. G. nur noch wenig helfen, dass nämlich bestimmt noch in diesem Jahr der LoA ausgestellt werden wird.

Noch am Nachmittag des gleichen Tages fuhren sie zu Viert nach Kaduna ins Büro von DARE und haben sich dort sofort in die Arbeit gestürzt. Die Fragen der TÜV-Prüfer galten den Fragebögen und Vertragsunterlagen. Hier konnten sie an etlichen Dokumenten nachweisen, dass diverse Fragen nicht beantwortet waren, was allerdings auch daran liegt, dass in afrikanischen Städten und erst Recht in den Dörfern Straßennamen weitgehend unbekannt sind, Hausnummern sind völlig unüblich. Wir werden also die Fragebögen daraufhin überprüfen müssen, ob stattdessen nicht die Handy-Nummer ausreichend ist. In den Kaufverträgen wiederum fehlten die Ortsangaben vollständig, bei gleichen Namen wird es dann schwierig.

Auch die sich anschließenden Familienbesuche verliefen nicht ganz nach Plan. Besonders der Murhu bereitet uns Kopfzerbrechen (wie effektiv kann man damit kochen?). Zudem bekommen wir ein Problem mit den Besitzern von Kerosinkochern: wenn sie bisher noch kein Holz (auf dem Drei-Steine-Feuer) verbrannt haben, jetzt aber mit dem SAVE80 sie Holz kaufen und verbrennen, ist das kontraproduktiv, denn damit wird der Verbrauch an Biomasse gesteigert, unser Ziel ist aber eine Verbrauchsminderung. Pech gehabt ihr liebe Kerosinbesitzer, nach Meinung des TÜV seid ihr nicht berechtigt, den S80 für einen subventionierten Preis zu erhalten. Das sind die Regeln (Methodologie), auch wenn sie auf den ersten Blick unverständlich sind: geht es nicht darum, den CO2-Verbrauch zu reduzieren?

Über diese Frage habe ich am nächsten Morgen sowohl mit H. als auch P. diskutiert und wir waren uns einig, dass darüber mit der Kommission (Working Group) gesprochen werden muss. Am Abend dann mein nächstes Gespräch, Z. bat ich ans Telefon. Sein Eindruck ist: wir werden viele Fragen beantworten und noch div. Änderungen durchführen müssen, denn die Prüfer sind sehr kritisch. Und zudem haben sie noch keine Vorzeigefamilie angetroffen, immer gab es kleinere Probleme. Nun hoffen sie, dass bei ihren Besuchen in Jos endlich die Drei-Steine-Feuer angetroffen werden. In Jos ist es übrigens erstaunlich ruhig, die Nachrichten hatten ein wahres Chaos beschrieben. Dies ist jedoch wohl nur in einem Stadtviertel der Fall und darum machen sie einen großen Bogen. So also sieht der letzte Tag aus: Nach dem Frühstück Gespräch über das Monitoring, dann Besuch von ca. 5 Familien (wenn diese nicht auf Grund der Unruhen in die Dörfer geflüchtet sind) und am Nachmittag Weiterfahrt nach Abuja, denn am nächsten Morgen geht der Flieger nach Deutschland.

Y. wollte ursprünglich von Abuja nach Lagos weiterfliegen, merkt jetzt aber langsam, dass daraus nichts wird, denn am Sonntag/Montag ist Opferfest, ein hoher Feiertag für Muslime. Das Opferfest dauert 5 Tage, aber offizieller Feiertag ist wohl nur Mo + Di; zumindest die wohlhabenden Einwohner gönnen sich anschließend noch drei Tage Urlaub, so dass das Büro von C. in dieser Woche verwaist sein wird. Aber der SAVE80-Container könnte das Freigabe-Zertifikat schon besitzen, das wird Y. in den nächsten Tagen vom Agenten erfahren. Dann wird er sofort aufbrechen, vielleicht schon am Mittwoch...?

Zusammenfassend kann man sagen, dass nach der Rückkehr von Z. uns viel Arbeit erwartet, das hatte er auch schon befürchtet. Wir werden uns bald treffen und das weitere Vorgehen besprechen, aber wir sind endlich auf dem Weg denke ich, dieser Schritt ist der schwierigste d.h. arbeits- und zeitaufwändigste. Wir werden auch diesen Schritt erfolgreich abschließen, jetzt heißt es Zähne zusammenbeißen, denn noch am Sonntag wird Z. den TÜV-Bericht erhalten und spätestens am Dienstag ist er im Büro und wird uns eine Kopie zusenden. Dann fängt die Arbeit an, so kurz vor Weihnachten, Juhu, nichts ist mit der vielen Feierei.

Bernd


Dü’dorf, den 1./2. Dezember 2008


Nachrichten aus Kaduna Nr.47


Liebe Freunde,

die Nachrichtenlage aus Jos hatte sich auch in den Medien seit Sonntag scheinbar beruhigt, es gab keine neuen Berichte und nur alte Bilder, dennoch war ich bis Montag Mittag sehr unruhig, am Sonntag Abend hatte ich keinerlei Telefonkontakt erhalten, und so habe ich dann am Nachmittag das Telefon zur Hand genommen und Y. angewählt. Zu meiner allergrößten Überraschung meldete er sich fast sofort, zuerst in Haussa, doch als ich „Here is Germany“ hineinrief, erklang seine vertraute Stimme in Deutsch. Er gab umgehend sein Handy an Z. weiter und der berichtete mir dann, dass es dort in Kaduna überhaupt keine Unruhe gegeben hatte und in Jos auch nur in einem Distrikt. Dennoch überlegen sie, ob die Stakeholder Konferenz in Jos nicht besser gestrichen werden sollte. Sofern die TÜV-Leute keine Bedenken hätten würden sie aber die Demonstration bei der CRUDAN-Gemeinde (findet etwa 50 km außerhalb von Jos statt) wie geplant besuchen und auch die Familienbesuche wollten sie nicht canceln. Dann berichtete er kurz über den Besuch bei den Holzhändlern und bei den Familien, es sei für ihn schon etwas besonderes, denn Nigeria ist wahrlich kein Touristenland und damit ist einiges anders, auch in den großen Städten. Abuja war noch einigermaßen erträglich, aber Kaduna liegt deutlich nördlicher, näher an der Sahara, und die Temperaturen erreichen tagsüber locker 35 Grad. Der ständig wehende Hamatan ist schon alleine unangenehm, trocken und staubig, dazu kommen die Auspuffgase aus den billigen Motorrollern und am Abend gesellt sich eine Unmenge von Feuerrauch hinzu, das alles stellt eine Umweltbelästigung ersten Ranges dar, die ein Europäer nur schwer aushält.

Ein weiteres Problem im täglichen Leben ist neben den schon obligatorischen Stromausfällen jetzt auch noch Wassermangel. In den Stadtbrunnen befindet sich nur Brackwasser, gerade noch für Toilettenspülung geeignet, die Wasserverkäufer haben keine Ware, in den Wasserrohren herrscht ständige Ebbe und man muss notfalls weit zu Bekannten laufen, die noch über sauberes Frischwasser verfügen. 2 x 5 l war die Ration, die Y. im Augenblick täglich beschaffen kann, dazu muss er quer durch die Stadt zu Dr. K., in seinem Institut kann Y. die beiden 5l-Kanister auffüllen.

Mit Y. hatte ich vereinbart, dass wir noch einmal abends telefonieren sollten, das taten wir dann auch. Dabei berichtete er mir, dass der Pastor von ECWA (Evangelical Church of West Africa, siehe in Wikipedia ) die Situation als jetzt ruhig bezeichnete. Auf der Internetsite des Auswärtigen Amtes ist noch ein Hinweis auf eine gefährliche Situation zu finden, also gehen wir davon aus, dass der TÜV am Dienstagabend abfliegt und wie geplant am Mittwoch früh in Abuja eintrifft. Um 11 Uhr trifft man sich bei Dr. G., auch in der Hoffnung, den Letter of Approval zu erhalten. Danach geht es weiter nach Kaduna, evtl. Besuch der Werkstatt von Auta. Am Donnerstag Besuch im Büro und anschließend die Stakeholder-Konferenz. Hier werden auch die Vertreter der Holzhändler erwartet, denen sie gestern am Sonntag einen Besuch abgestattet haben. Von diesen hat Z. erfahren, wie dramatisch sich auch für die Holzhändler die Situation verschärft hat. Statt ein paar km mit dem Esel in den nahen Wald müssen sie jetzt mit schweren Trucks über 150 km zu den letzten Wäldern.

Nicht ganz einfach gestaltete sich der Besuch bei den S80-Familien, denn es sollten die Taxifahrerfamilien aufgesucht werden, da bestand Hoffnung, dass ein Mann im Hause ist. Aber das war doch nur selten der Fall, trotzdem haben sie bei zwei Anrufen vom Mann die Erlaubnis erhalten, die Frau aufzusuchen. Beide lebten in einem Mehr-Familien-Haus und besaßen je einen SAVE80, sehr zum Leidwesen der Nachbarinnen. Diese bedrängten Z. mit der Frage, wann und wo der nächste SAVE80-Verkauf stattfinden wird. Die Qualität unseres Holzsparkochers hat sich also herum gesprochen und auch ohne Werbeveranstaltungen könnten wir jetzt problemlos alleine in Kaduna mehrere Container verkaufen. Das sah Z. mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn frühestens nächste Woche kann der S80-Container aus dem Hafen von Lagos kommen und um diese Zeit ist Z. schon wieder im kalten Deutschland und kann nicht mehr bewundernd verfolgen, wie man sich um den Wunderkocher schier reißt. In einer Familie wurde ihnen ein Murhu vorgestellt und dabei kam heraus, dass ein Murhu auch ein einfaches Drei-Steine-Feuer sein kann. Somit sind die Folgerungen, dass viele Stadtbewohner nicht mehr das Drei-Steine-Feuer benutzen sondern ein verarbeitetes Ölfass, nicht korrekt und müssen revidiert werden.

Y. hat mit Z. noch einmal das Problem der Projektgebiete angesprochen und sie werden spätestens beim Besuch bei Dr. G. am Mittwoch dieses Thema erneut anschneiden. Nach Auffassung von G. sei es reine Willenssache, statt eines Einzelprojektes ein pCDM zu starten. Und dann wäre vieles einfacher, beginnend mit einer einmaligen nationalen Stakeholder-Konferenz in Abuja, ganz abgesehen von den Validierungs- und Monitoringkosten.

Morgen werden sie nach Gwagwada fahren, etwa 50 km südlich Richtung Abuja und dort mit dem Häuptling ein Gespräch führen. Gwagwada ist die Gemeinde, die möglichst geschlossen für alle Dorfbewohner einen SAVE80 beschaffen will und dazu auch schon Gespräche mit Mikrokredit-Banken geführt hat. Außerdem kennen die Menschen dort auch schon den Dampfentsafter und warten auf den Solartrockner. Diesen muss Auta noch verbessern, denn ein Holzbrett dieses Ausmaßes ist schwer zu bekommen, eher kann man Blech bekommen.

Nächste Woche Dienstag wird Y. nach Lagos fahren, dann sind die Feierlichkeiten zum Opferfest vorbei, das Leben läuft wieder normal, und er ist sich jetzt sicher, dass er dann das Zertifikat von C. erhält und die Zollformalitäten bis zum Wochenende abgeschlossen hat. Und bei dieser Gelegenheit wird er auch den Leiter der C.-Niederlassung sprechen können, um auch die Freigabe für den Büro-Container zu erhalten.

Ende Febr. wird DARE sich wieder bei der Kaduna-Messe anmelden und einen Stand beantragen.

Unser nächstes Gespräch wird am Donnerstag stattfinden, nach der Stakeholder-Konferenz und vor der Abfahrt nach Jos (übrigens eine Stadt mit nahezu 1 Mill. Einwohner, haben Sie da gewusst?). Weil am nächsten Morgen frühes Aufstehen verabredet war, haben wir vernünftigerweise unser Gespräch kurz nach Mitternacht beendet.

Gruß

Bernd

Anmerkung: Berichte über die Unruhen in Jos u.a. in der nigerianischen Zeitung Vanguard , Daily Independent (Lagos) , taz-Berlin (in deutsch), All-africa.com , BBC

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Dü’dorf, den 28./29. November 2008


Nachrichten aus Kaduna Nr.46


Liebe Freunde,

schon im letzten Nachtbrief vor 10 Tagen war ich mit der Entwicklung unseres Projektes nicht so zufrieden, wie ich es mir vorgestellt und gewünscht hätte, und auch heute, nach dem gerade beendeten Telefonat mit Y., hänge ich ziemlich durch und Schuld daran ist die verzwickte Lage unserer Container. Zwar sind unsere beiden nigerianischen Freunde fleißig und engagiert und ich kann Ihnen auch gleich noch vom letzten Besuch einer Veranstaltung aus Port Harcourt berichten, doch es kommen aus Lagos nicht die Nachrichten, auf die ich und wir alle warten, nämlich dass es für die Containerweiterfahrt Grünes Licht gibt.

Wenn ich ausnahmsweise hinten beginne dann hat das seinen Grund darin, dass Z., unser Mann von a., wohlbehalten in Nigeria gelandet ist. Einzig die Temperaturumstellung machte ihm etwas zu schaffen – in Deutschland Schneefall, in Abuja 32 Grad. Der Flieger landete pünktlich und er erhielt eine Sonderbehandlung durch den Grenzschutz, die ihn direkt von der Maschine abholten und zum Ausgang brachten, wo A. B. schon wartete. Warum dieser Empfang? Fragt mich etwas Leichteres. Die Hotelunterkunft war einfach aber ausreichend, am nächsten Morgen mußte allerdings schon improvisiert werden, denn Y.'s Ankunft aus Port Harcourt hatte sich deutlich verspätet. So traf sich Z. erst einmal mit Prof. O. und gemeinsam fuhr man zu G's Büro, wo sie auf Y. trafen. Zusammen wurde die etwas längere Wartezeit mit den ersten Gesprächen überbrückt und Z. erhielt einen Einblick in das nigerianische Regierungswesen aus erster Hand. Gegen 17 traf endlich Dr. G. ein und dieser versprach, bis Mittwoch den Letter of Adorsement fertig zu machen (um ihn dann an die Leute vom TÜV zu übergeben). Zugleich bedauerte er, dass wir nicht konsequent den ursprünglich geplanten Schritt eines programmatic CDM gegangen sind. Ihm wurde zugesichert, dass dieser Schritt geplant ist, nur nicht als erster.

Warum Y. sich im entfernten Port Harcourt aufgehalten hat, darüber habe ich nur kurz berichtet. Eingeladen waren sie von der „Christlichen Frauen-Vereinigung für Frieden“, die hier ihre Jahresversammlung abgehalten hatte und ca. 120 Frauen warteten auf den Vortrag bzw. die Vorführung. Es war wie wir es bereits kennen: Begeisterung und zum Schluss diverse Einladungen aus allen Landesteilen. Y. mußte auch aufklärerisch wirken, denn weder die Entwicklung in der Landesmitte (aus dem Norden und dem Süden strömen die Menschen in die Mitte des Landes, so dass es hier schon mehrmals zu Auseinandersetzungen um Acker- und Weideland gekommen ist) war weit verbreitet noch die Kenntnis um den Zustand im Süden, den Y. mit ganz aktuellen Bildern belegen konnte, die er wenige Stunden zuvor aus dem Flieger heraus aufgenommen hatte.

Aber die wichtigste Nachricht aus Lagos ist weiterhin negativ, denn noch gibt es keine Freigabe unseres SAVE80-Containers, obgleich es auch keine Hinderungsgründe gibt. Also hofft Y. heute im Laufe des Tages auf die lang ersehnte Nachricht. Und das Treffen mit dem Leiter der C.-Niederlassung am Mo. soll stattfinden, ein Treffen, von dem wir viel erhoffen.

Bernd


Dü’dorf, den 19. November 2008


Nachrichten aus Kaduna Nr.45


Liebe Freunde,

es ist seit dem letzten Nachtbrief nicht einmal eine Woche vergangen, die Ereignisse beginnen sich zu überschlagen und ich will Euch noch heute berichten, welche Wendung unsere Geschichte genommen hat (obwohl wir noch mittendrin sind in der Wendung). Wir hatten am 13. letztmalig telefoniert aber da schon unser nächstes Telefongespräch verabredet, wohl ahnend, dass an diesem Tage viel passieren könnte. Ist ja auch, wir haben das Fußballspiel gegen England verloren, ein weiterer historischer Trauertag steht damit fest, aber dafür konnte Y.mit guten Informationen punkten und mich wieder aufrichten.

Doch zuvor hatte er eine überraschende Nachricht parat: sein letztes Gepäckstück ist in Abuja eingetroffen und es ist ihm ausgehändigt worden und viele Kinder in Kaduna können jetzt jubeln, denn darin befinden sich viele kleine Kinderrucksäcke. Bei dieser Gelegenheit bat ich ihn, die Original-Flugtickets zurück zu senden und er wird sie H. G. übergeben, dass ist sicherer, billiger und schneller...

An diesem Montag war er auch bei Dr. G. der ihm als erstes zum PDD gratulierte. Dies sei doch endlich wieder eine gute Nachricht, denn in der Zeit des Dr. F. wäre viel kaputt gegangen und einige Interessenten an CDM-Vorhaben seien inzwischen abgesprungen und für Nigeria verloren gegangen. Aber dass wir durchgehalten haben rechnet er uns groß an und möchte unbedingt einige der handelnden Personen sehen, also Z., der am 27.11. in Abuja eintrifft. Da bietet sich der 28.11. an und ein weiteres Treffen sollte mit den T.-Leuten stattfinden, auch darauf legt er großen Wert. Unser Projekt sei von großer Bedeutung für Nigeria und überhaupt für die ganze Stove Community. Er machte auch gleich den Vorschlag, die Stakeholder-Konferenzen (S.K.) in Kaduna und Jos sausen zu lassen und stattdessen nur noch eine nationale in Abuja zu veranstalten, das würde auch für alle Folgeprojekte ausreichend sein. Doch das macht uns Probleme, eine große Stakeholder-Konferenz zu organisieren, dazu brauchen wir mehr Zeit und viel Geld. Also wurde diese Idee gleich wieder gestrichen und es bleibt bei einer S.K. die in Kaduna mit den Teilnehmern der 1. S.K. durchgeführt wird.

Inzwischen ist er aber in Lagos eingetroffen, übernachtet bei einem Freund und kämpft gegen den Fluglärm. Obgleich schon Mitternacht vorüber ist landen und starten die Maschinen auf dem nahen Flughafen, ein Airport mit 24 Std. Betrieb. Er hat für Mittwoch einen Termin beim Leiter des Zollamtes, welches den direkten Draht zu C.hat. Seine Bank hat ihm jedoch schon signalisiert, dass die Papiere/Zertifikate unterwegs seien und er möge doch ebenfalls morgen vorbeischauen. Bei dieser Gelegenheit erfahren wir, dass zur Einreichung des Form M kein Container im Hafen stehen muss, auch nicht auf dem Atlantik Kurs Lagos, nein, man kann die Proforma Invoice einreichen und den Container ½ später losschicken. Dann hat man garantiert keine Wartezeiten bei C. Warum erfahren wir das erst jetzt? Keine Antwort, ich habe diese Frage auch ganz leise an mich gerichtet und beschlossen,. mit H. K. umgehend Kontakt aufzunehmen und von ihm die nächste Proforma Invoice zu bestellen.

Nun atme ich seit Tagen wieder freier und kann mich entspannt den weiteren Nachrichten widmen. Ganz wichtig: am 19.11. hat Ta Dutse Geburtstag, sie wird drei Jahre, ich bin erstaunt wie weit sie schon ist (geht immerhin seit ½ Jahr in den Kindergarten). Dann haben sie noch eine Einladung aus Jos erhalten, dort führt die CRUDAN-Gemeinde ihre Jahresversammlung durch und als Höhepunkt will man am letzten Tag Y. und H. mit dem S80 präsentieren, sie sollen dort ihr volles Programm abspulen. Evtl. wollen Z. und die T-Leute das auch einmal sehen frage ich? Also wird Y. das so organisieren, denn der T. hat bisher noch keine konkreten Vorstellungen geäußert.

Auch wichtig: die Aktion mit dem Solartrockner ist von mehr Leuten beobachtet worden als sie annahmen und am nächsten Tag haben sich 5 ernsthafte Interessenten gemeldet. Was so ein Trockner koste? Ob es ihn auch eine Nummer größer gibt? Wann er geliefert werden kann? Auf alle drei Fragen hatten wir keine Antwort, aber wir müssen uns jetzt vorbereiten, es kann Ernst werden.

Dann der Tag der Niederlage und der guten Nachrichten, Mittwoch den 19.11. Ich wählte gleich nach Spielende um 22.45 seine Nr., diese war besetzt, aber H.’s war frei. Diese berichtete mir dann, dass Y. gerade erst nach Hause gekommen sei und sich mit einem Essen stärke, ich könne um 23.30 ihn besser erreichen. Er war aber schneller und rief mich an und stöhnte mir als erstes die Ohren voll, wie furchtbar die Inlandsflüge sein können. Ab Abflugzeit 17 Uhr saßen die Fluggäste geschlagene 3 Std. im Wartebereich ohne jede Information und hofften, dass überhaupt noch eine Maschine abhebt nach Kaduna. War dann auch der Fall, aber damit kam er erst gegen 22 Uhr zu Hause an und das Geburtstagskind lag längst im Bett und schlief.

Der Besuch beim Zollamt war - trotz des miesen Wetters (es hatte für knapp eine Stunde aus allen Kübeln gegossen und die Fahrt in die Innenstadt dauerte drei Stunden) - erfolgreich, aber es muss noch mehr passiert sein. Denn aus dem Telefonat mit dem Leiter des C.-Büros war einiges an Unzufriedenheit heraus zu hören und im Übrigen sei er nach Abuja bestellt worden zum Rapport. Doch am Freitag sei er zurück und will dann Y. empfangen, um die ganze Geschichte zu erfahren und er versprach, dass man über beide Container sprechen wolle, er könne das alles nicht glauben. Also wird Y. voraussichtlich am Freitag nochmals nach Lagos, vielleicht auch erst am Montag, die Zertifikate abholen und zum Zollamt bringen. Dort benötigt man mindestens 3 Tage, am Freitag wird nicht mehr richtig gearbeitet, d.h. ab Mo., den 1.12. könnten wir mit der Herausgabe rechnen.

Yahaya hat Zweifel, ob wirklich mehr Menschen als beim ersten Mal zur S.K. eingeladen werden sollen, denn es kommen nur die Leute, wenn man ihnen das Fahrgeld erstattet. Ich werde diese Frage mit Z. klären, aber Holzhändler, Mami Put und NGO’s wollen wir auf alle Fälle dabei haben.

Trotz 1:2 in Berlin ein guter Tag für unser Nigeria-Projekt.

Bernd



Düsseldorf, den 16. November 2008


Nachrichten aus Kaduna Nr.44


Liebe Freunde,

es sind seit dem letzten Nachtbrief 14 Tage vergangen, ich habe einmal kurz am 31.10., ein längeres Gespräch am 6.11. und ausführlich zuletzt am 13.11. mit Y. telefoniert, es wird also Zeit, dass ich Euch berichte, zumal es Bewegungen gibt, die uns bewegen könnten. Die erste Kurzinformation war weniger erfreulich, denn H's Großmutter war verstorben und Beide waren dabei, sich für eine Beerdigungsreise fertig zu machen, sodass in den nächsten 6 Tagen Funkstille herrschen wird. Nur eine Information erhielt ich in der Kürze: es gab eine größere Kabinettumbildung, der auch unsere allseits geliebte Umweltministerin zum Opfer gefallen war. Wie weit nach unten die Aufräumarbeiten reichen war unklar, Dr. F's Büro allerdings war verwaist, die Sekretärin konnte keine Auskunft geben. Also auch hier heißt es warten und wenn wir Pech haben kann das lange dauern, das ist in Deutschland kaum anders, vielleicht geht es schneller bei Obama?

Am 6.11. erst fand unser nächstes Gespräch statt und wie sich herausstellte, war Y. nicht nur in Sachen Beerdigung unterwegs gewesen sondern sie hatten auf dem Rückweg Station in Kwara gemacht. Diesen Namen sollen wir uns merken orakelte Y., denn es ist ein Paradies im sonst staubigen Nigeria, ein Nationalpark, nahe der Grenze zu Benin, dort ist die Welt noch in Ordnung. Unser nächstes Partnerschaftstreffen würde er gerne dort veranstalten. Sein einziger Nachteil: Er ist nicht gut zu erreichen, viele Kilometer über schlechte staubige Straßen, aber wenn man dort ist, grün soweit man blickt und an einem riesigen Stausee gelegen. Ehe wir uns dazu vertiefen konnten bekam ich schnell meine Hausaufgaben diktiert: Er benötigt ... eine Reihe von Daten....

Was ihn nach Kwara getrieben hatte wollt Ihr wissen? Während Deutschlands Grüne sich in Erfurt treffen, hatten sich die Grünen Westafrikas (ist [noch] keine Partei) in Kwara verabredet, dies bereits zum 4. Mal, erstmalig in Nigeria. Obwohl Y. und H. nicht explizit eingeladen waren, erlaubte man ihnen dennoch einen Vortrag zu halten und das komplette DARE-Programm vorzustellen. Leider hatten sie den SAVE80 nicht dabei, aber auch ohne ihn war plötzlich die Versammlung aufgescheucht, denn zum ersten Mal wurde Tacheles gesprochen, vorbei mit langweiligen abgehobenen trockenen Politikerreden. Das Thema lautete: Wie weit ist die Nahrungsversorgung bei fortschreitender Klimaänderung noch sicher? Und mit ihren Vorträgen und Erläuterungen trafen sie mitten ins Schwarze. Der begierigste Zuhörer war der Vertreter des Gastgebers, ein ranghoher Abteilungsleiter aus dem Ministerium für NGO-Angelegenheiten (gibt es nur im Bundesstaat Niger State). Er möchte unbedingt DARE nach Minna einladen und sie seinem Gouverneur vorstellen, der wäre ein ganz Grüner. Zudem plant der Gouverneur schon seit längerem eine Microkreditbank für "grüne Projekte" in Niger State einzurichten und es ist vorstellbar, dass mit DARE eine erste Zusammenarbeit erfolgt. Aber es gab noch weitere Gespräche und sie haben noch diverse Einladungen erhalten, die sie aber alle erst einmal vertrösten mussten.

Weniger erfreulich sind die Nachrichten, die aus Lagos von C. kommen: Jetzt nach 8 Wochen haben sie festgestellt, dass sich im Container ein Neuwagen befindet und für diesen ist der Kaufvertrag vorzulegen. Glücklicherweise hat Y. alle Papiere von mir erhalten, also heißt es Kopien anfertigen, an die Bank senden, dort werden sie nach Lagos weiter gefaxt und nach einer Woche geht es dann weiter mit den Prüfungen. Y. ist kurz vor dem Nervenzusammenbruch und nur solche positiven Erlebnisse wie die in Kwara können ihn wieder aufrichten. Wie lange hält er durch frage ich mich, bei unseren Gesprächen macht er einen müden Eindruck...

Zu Dr. F. hat er noch keinen Kontakt bekommen, aber auch nicht zu Prof. O., dieser befindet sich vermutlich auf einer Auslandsreise, denn O. antwortet sonst innerhalb von Minuten zurück.

Ich war wohl auch etwas müde, immerhin war es bereits nach 1 Uhr, denn in meinen Aufzeichnungen finde ich den rätselhaften Satz: See im Niger ?????

Aber ich habe noch mitbekommen, dass sie eine Einladung einer religiösen Frauengruppe erhalten haben, die sie nach Port Harcourt holen wollen. Aber auch hier werden sie sich bremsen müssen, denn diese Region liegt außerhalb unseres Projektgebietes. Ich frage mich zum wiederholten Male, wie unsinnig es ist, in einem Land ein Projektgebiet zu definieren, worin alle dort lebenden Einwohner in den Genuss des subventionierten Preises für unseren Kocher kommen, alle die darum herum wohnen müssen den vollen Preis zahlen, also das Doppelte. Wer kann dies verstehen?

Mit diesen problematischen Gedanken bin ich aber problemlos eingeschlafen. Am 13.11. dann mein letztes Gespräch (sehr schlechte Qualität, viele Unterbrechungen, fliegender Wechsel der Telefonkarten und der SIM-Karten) und das Thema war BP. Gemeint ist unser Bundespräsident Herr Köhler, denn seine Reise war gerade vorüber, er war gut in Berlin gelandet, viel hat man in Deutschland über seine 6 Tage in Nigeria nicht gehört, ein bisschen vom ersten Teil, seiner Afrika-Konferenz. In Nigeria war während dieser Zeit Alarmstimmung, Köhler wurde bewacht wie die Queen, an ein Herankommen war nicht zu denken, auch nicht über den Weg einer Pressekonferenz. Also kümmerte sich Y. um seine Aufgaben und die hießen Treffen mit O. Dieser hat zugesagt, den WBT durchzuführen und macht dies alleine in seinem Labor bis zum kommenden Wochenende. Dann lässt er fragen, welche Aufgaben wir während des Besuchs des TÜV für ihn haben.

In Abuja hatte vom Montag bis Mittwoch eine Global Energy Conference stattgefunden, dort hatten sich drei Mitarbeiter aus dem DARE-Büro verdient gemacht, während Y. in Kaduna an einer Veranstaltung des Wissenschaftsministeriums teilnahm, die sich das Thema „Haushaltsenergie“ vorgenommen hatten. Für das vorgestellte Angebot erhielt DARE den 3. Preis (immerhin), der 1. Preis ging an einen Hersteller von Kräuter- und Heilpflanzenextrakten. Bei dieser Veranstaltung hat Y. auch einen 5l-Saftbeutel mit frischen Mangosaft mitgebracht und an die Teilnehmer verteilt. Dies kam einer Sensation gleich, denn frischen Mangosaft gibt es sonst nur während der Erntezeit. Dass es möglich ist, den Mangosaft ohne Zusätze und Konservierungsstoffe frisch zu halten wollte zuerst keiner glauben, Y. mußte den Vorkoster spielen. Aber dann, als nichts passierte, war der Damm gebrochen, die Begeisterung war riesengroß, so etwas hatte noch Keiner gesehen. Nun wird sich Y. intensiv bemühen, die in Lagos liegenden Entsafter nach Kaduna zu schaffen. In Gwagwada will er sie zu einem größeren Test einsetzen lassen.


So sieht das Tomatenangebot am Straßenrand von Nigerias Straßen aus.

Jetzt zum Lichtblick im langen Tunnel. Y. hat einen Tipp von B. erhalten, der kennt den Leiter der Zollverwaltung in Abuja und diesen haben sie spontan gemeinsam besucht. Er hatte Zeit zum Zuhören und, oh Wunder, er hatte auch Zeit mit seinem Untergebenen in Lagos zu sprechen, dem Leiter des dortigen Zollbüros. Das Ergebnis ist aufregend: Y. soll am Montag sich dort einstellen und dann werden wir sehen was zu machen ist, aber es wird etwas geschehen. Das waren die Originalworte die ich mir notiert habe und an die ich mich klammere.

Aber unser Leute sind nicht nur auf Veranstaltungen und Konferenzen zu treffen, nein auch die praktische Arbeit wird nicht vernachlässigt. Y. hatte sich am Freitag mit Auta, unserem Werkstattbesitzer und Chieftechniker verabredet und sie hatten sich vorgenommen, endlich den Solartrockner nachzubauen. Alle Komponenten hatten wir ihnen zugesandt, einen Bauplan hatten sie aus dem Internet geholt, die Grundplatte bildete einer der vorhandenen Arbeitstische. Die Aufgabe hieß ein "Dachgestell" zu bauen, darüber die Folie zu spannen, ein Loch für den Solarventilator vorne, ein Loch für den Luftaustritt hinten, ein Gitter um das Obst aufzunehmen, fertig. Sie waren am Samstagmittag mit dem Bau fertig und haben schnell noch ein paar Tomaten drunter gelegt, obwohl die Sonne nur noch einige wenige Stunden schien. Aber dies hatte ausgereicht um das Gemüse soweit zu trocknen, dass man schon eine ersten Eindruck erhalten konnte. Am Sonntag trafen sich die beiden Herren in der Frühe, jeder bewaffnet mit 2 kg Tomaten, packten diese unter die Folie und konnten bei Sonnenuntergang die ersten Kostproben an die zahlreichen Neugierigen verteilen. Hier die Originalkommentare: schmeckt köstlich, sehr hygienisch sauber, äußerst schmackhaft, schmeckt nach Originaltomate, hält viel länger als frische Tomaten u.s.w. Also war das ein voller Erfolg und Auta muss sich noch eine Unterkonstruktion ausdenken damit sie in die Serienproduktion gehen können. Wenn das nächste Modell größer werden soll, wird auch ein stärkerer Ventilator benötigt und naturgemäß ein größeres Solarmodul. Na, endlich winkt wieder Arbeit für mich!

Und zum Schluss noch eine Überraschung: Dr. F. ist wieder aufgetaucht, aber keiner weiß mit welchen Aufgaben er betraut wurde. Prof. O. mahnt zur Ruhe und glaubt, Dr. G. wäre unser richtige Mann, wir werden es sehen.

Das war wieder ein langes Gespräch und zudem noch einige interessante Neuigkeiten, jetzt wird der Container dringend gebraucht. Vielleicht erhalte ich ja Anfang nächster Woche eine angenehme Nachricht? Und Sie natürlich auch.

Bernd Blaschke



Dü’dorf, den 30. Oktober 2008


Nachrichten aus Kaduna Nr. 43


Liebe Freunde,

auch heute gibt es wieder eine Doppelausgabe, denn ich berichte hier von meinen beiden Telefonaten vom 27.10. und vom 30.10. Die Telefonverbindung nach Nigeria war heute problemlos möglich, lediglich unsere Handybatterien schwächelten etwas. Es war um 23.15 noch immer 28 Grad, wenn Y. Strom gehabt hätte, würde er sogar um diese Zeit seinen Deckenventilator laufen lassen, aber mit der Solarpowerbox kann er sich solchen Luxus nicht leisten, er ist schon froh, wenn er Licht im Zimmer hat. Es ist noch keine Sommerzeit und die Hitze ist schon fast unerträglich, auch der Staub macht ihnen zu schaffen. Jeden Tag muss geduscht werden und hierfür hat H. zwei Eimer warmes Wasser bereitet (die allerdings ziemlich abgekühlt waren, als wir nach gut drei Stunden unser Telefonat beendeten).

Ich hatte mir fast ein Dutzend Fragen zurecht gelegt, und darum begann ich heute mit ganz konkreten Fragen an Y., doch zuerst wie immer die wichtigste Frage: was machen unsere beiden Container? Vom S80-Container hört Y. nichts und das ist ein gutes Zeichen. Dies ist auch nicht ganz überraschend, denn dieser Container ist reinrassig beladen und Beanstandungen wären da schon verwunderlich (ausschließen kann man allerdings nichts). Beim Büro-Container allerdings gab es eine weitere Beanstandung: jetzt hat Cotecna nach 10 Wochen festgestellt, dass für das neue Auto ein separates Einfuhrformular auszustellen ist. Damit ist eine weitere Woche Liegezeit verbunden.


Bild: Nigerianische Holzverkäufer am Stadtrand

Meine nächste Frage galt den unterschiedlichen Holzverbräuchen in der Region Kaduna, die wir bei genauerem Betrachten der Fragebögen festgestellt hatten. Die Antwort von Y. war verblüffend einfach: in der Regenzeit kaufen die Frauen eher Holzkohle als Holz, denn dieses wird draußen gelagert und ist entsprechend feucht und schwer entzündbar, wenn überhaupt. In der Regenzeit ist also der Umsatz an Holzkohle am höchsten, Holz hingegen verkauft sich besser in der Trockenzeit (dann machen die Holzkohleverkäufer Zwangsurlaub).



Bild: Junge Holzkohleverkäufer am Straßenrand in Nigeria

Ein wichtiges Thema ist unser PDD (Project Definition Document), welches sehr zügig bis Monatsende abgeschlossen werden muss. Der Hintergrund ist die bevorstehende Reise des TÜV nach Nigeria, die er nur antreten wird, wenn bis dahin unser PDD im Internet veröffentlicht ist. Diese Veröffentlichung ist eine der Voraussetzungen, die zur Erlangung der offiziellen Registrierung zu erfüllen ist (es kann stattdessen auch eine weitere Stakeholderkonferenz durchgeführt werden). Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Monitoring-Verfahren. Hierin wird geprüft, ob unsere Kocher auch tatsächlich von den Familien benutzt werden, und zwar über die gesamte Projektdauer. Da wir planen, jährlich etwa 5.000 Holzsparkocher einzuführen, fallen große Datenmengen an, die nur noch mit Hilfe eines Computerprogramms zu bewältigen sind. Hier muss unser nigerianischer Partner sicherstellen, dass er in der Lage ist, die Daten per Interview zu erheben, zu erfassen und in eine Datenbank einzugeben. Ich bin ganz begeistert, hier meine beruflichen Kenntnisse einsetzen zu können; leider kann ich die Leute in Nigeria nicht auch noch hierfür ausbilden.

Meine letzte Frage galt seinem Gepäck, doch hierzu konnte Y. keinen erfreulichen Stand berichten: der Koffer bleibt weiterhin unauffindbar.

Erfreulicher ist, was er mir aus Jos berichtete, denn hier hat Didi ein nahezu ideales Büro (im Zentrum, bezahlbar, mit Lagerraum und Platz für den Container, alles rund um die Uhr bewacht) gefunden. Y. hat am Wochenende den Eigentümer getroffen und einen Ein-Jahres-Vertrag abgeschlossen, Beginn 1.11.2008. Nun hoffen wir natürlich, dass der Bürocontainer bald freigegeben wird, denn darin sind einige Dinge, die zur Büroeinrichtung dienen, u.a. ein PC, eine Solar-Power-Box und ein Deckenventilator. Weiterhin hat er in Jos auch schon das meiste Personal rekrutiert (Geschäftsführer und Techniker), was fehlt ist noch eine Verkäuferin.

Obgleich nahezu keine Reklame gemacht wird, melden sich täglich Interessenten, sowohl Vertreter größerer Organisationen als auch Einzelkäufer, die wissen wollen, wann es mit dem Verkauf weiter geht. Von besonderem Interesse ist die COCIN-Kirche, die ihren Hauptsitz in Jos hat und zu einer größeren Präsentation eingeladen hat. Aber ohne jeden Kocher will Y. nicht vor die Leute treten, also müssen sie sich noch etwas gedulden, bis der Container eingetroffen ist. Sehr zukunftsträchtig erscheint auch die Anfrage von CRUDAN (Christian Rural and Urban Development Association), eine NGO mit über 80 Mitarbeitern, die schon alleine sehnlich auf eine Präsentation unseres Kochers warten. Und dann wären da noch die Taxifahrergewerkschaft, die Mitarbeiter der Uni-Klinik und eine Kaserne, alles in allem etwa 500 Anfragen.

Am 30.10. erfahre ich, dass sich H. einer Augenoperation unterziehen musste. Sie kann nur eingeschränkt sehen, ein Auge ist verklebt, Y. muss sich um Ta Dutse kümmern. Im Büro von DARE hat sich eine Frauengruppe gemeldet, die mit ihnen zusammenarbeiten möchte, besonders auch bei den weiteren Einsatzmöglichkeiten (Entsafter und Marmeladenherstellung). Sie sind sehr aktiv und haben schon div. Erfahrungen mit den Geräten, jetzt wollen sie mehr und würden im Gegenzug für den SAVE80 auch viel Werbung machen wollen.

Zum Schluss diskutieren wir noch, was alles getan werden muss, um die Internet-Veröffentlichung unseres PDD möglichst breit zu streuen (Bekanntmachung im Radio und TV, möglichst in Englisch und Haussa, Aushang bei MCDF, Auslage von je einem Expl. im Büro von DARE und in Jos, das bedeutet schon ein paar hundert Seiten zu drucken). Ich habe den Entwurf unseres PDD jetzt zum ersten Mal gesehen. Hilfe, wer soll das denn alles lesen und verstehen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass aus der Öffentlichkeit heraus es einen Einwand oder auch nur eine Anfrage geben wird, das Thema ist doch ziemlich kompliziert. Noch immer steht nicht fest, wann genau der TÜV nach Nigeria fliegen wird, Y. hätte gerne schon ein Hotel heraus gesucht und Zimmer reservieren lassen. Sicher ist nur, dass sie zu Dritt kommen und max. 5 Tage bleiben werden. Es wäre sehr gut, wenn wir jetzt schon unseren kleinen Wagen für die Fahrten zur Verfügung hätten, aber ob das noch klappt?

Y. will am Do. nach Abuja, will dort Dr. F. treffen, um nach dem Letter of Endorsement (Befürwortung) bzw. Approval (Zustimmung) zu fragen (wird benötigt, um das Projekt registrieren zu lassen), hofft dort auch Prof. O. zu treffen und besucht schließlich noch die Frachtabteilung auf dem Flughafen, vielleicht weiß man inzwischen mehr über seinen vermissten Koffer.

Es war wieder einmal ein langes Gespräch und wir verabschiedeten uns bis zum Wochenende, nicht ohne Grüße und gute Besserung für H. zu wünschen.

Bernd


Dü’dorf, den 23. Oktober 2008


Nachrichten aus Kaduna Nr.42


Liebe Freunde,

auch heute gibt es wieder eine Doppelausgabe, denn bereits am 18. hatte ich mit Y. telefoniert und ein weiteres Mal heute Nacht. Einfach war es diesmal nicht mit der Telefonverbindung, bereits kurz nach der Tagesschau begann ich mit den ersten Wählversuchen, hatte nach ½ Std. ihn auch kurz am Apparat, doch nach wenigen Minuten brach die Leitung zusammen. Mehr Glück hatte ich dann um 23 Uhr, aber da saß Y. beim Abendbrot und da man beim Essen sich nicht anderweitig beschäftigen soll, habe ich ihn für 45 min. in Ruhe futtern lassen (konnte in der Zwischenzeit die streckenweise sehr informative Sendung “Gut zu wissen“ im ZDF verfolgen).

Zurück zum 18.10., da hatte ich ebenfalls beim ersten Versuch kein Glück, Y. saß noch bei seiner Mami Put und aß dort zu Abendbrot. Das Wetter dreht langsam, es hatte nur kurz geregnet, noch gibt es viele Moskitos, aber es wird wärmer (gegen 21 Uhr noch über 30 Grad) und bald wird der Hamatan kommen. Ta Dutse leidet sehr unter den Moskitos, sie strampelt sich nachts frei, was bei diesen Temperaturen jeder tun würde, aber dann haben die Moskitos reichlich Angriffsfläche und so bleibt man besser unter der Decke. Während nachts sie von den Moskitos gepiesackt werden, geht es ab 8 Uhr morgens weiter mit heftigen Glockengeläut und Lautsprecherdurchsagen aus der benachbarten Kirche. Das Ehepaar Y. ist inzwischen ziemlich genervt, denn für glatte drei Stunden wird die Nachbarschaft mit geistlichen Sprüchen vollgedröhnt, das hält auch ein kirchentreuer Christ kaum aus. Also werden schon Umzugspläne geschmiedet.

Unser erstes und wichtigstes Thema war der Wasserkochertest, den Y. zusammen mit Kadashi durchführen wollte. Haben sie auch, wie ich erfuhr, doch als ich nach Ergebnissen fragte, war ich nun doch ziemlich überrascht. Auch Y. konnte sich die Messwerte nicht erklären, denn danach wäre unser S80 nur minimal dem 3-Steine-Feuer überlegen. Aber da die Testbedingungen ziemlich schlecht waren (Regen und kräftiger Wind) wollte man den Test wiederholen. Und das Thermometer hatte wohl auch einen Aussetzer, denn trotz sprudelndem Wasser zeigte das Thermometer 85 Grad im S80-Topf und 95 Grad im Topf des 3-S-F, da konnte irgendetwas nicht stimmen. Ich bat ihn, ein Protokoll nach dem Muster anzufertigen, wie wir es bei H. im F-J-B angefertigt hatten, und dieses uns zuzusenden.

Das nächste Thema galt den Fragebögen. Hier ist noch alles im Gange, zwei DARE-Mit­arbeiter werden in Kaduna Interviews durchführen, zwei in Jos. Y. ist optimistisch, dass er bis zum Wochenende mind. 300 Fragebögen uns zusenden kann. Wir benötigen diese dringend, denn die Baselinedaten sind Bestandteil des PDD und dieses soll noch im Oktober veröffentlicht werden. Dann muss es mindsestens vier Wochen im Internet veröffentlicht sein, damit evtl. Einwände berücksichtigt werden können. Erst dann will der TÜV seine Reise nach Nigeria antreten. Wir haben also keine Zeit zu verlieren, denn ich weiß aus eigener Erfahrung, wie mühsam und zeitaufwändig es ist, Fragebögen auszufüllen, in Excel zu erfassen, auf Korrektheit und Plausibilität zu prüfen und uns dann noch zuzusenden.

Und dann meine Standardfrage: wo befinden sich unsere Container? Zuerst die bessere Nachricht: Über unseren Container mit den S80 Öfen gibt es keine Information, das ist erfreulich, denn dann läuft es erst einmal ohne Beanstandungen seinen normalen Gang. Der Bürocontainer hingegen ist zum Spielball geworden, denn jetzt müssen wir erfahren, dass im Form M die Frachtkosten nicht aufgeführt sind (schwerer Fehler, zurück auf LOS und weitere Lagergebühren zahlen). Und zudem hat sich ein „Helfer“ gemeldet, der behauptet, von unserem Problem zu wissen und seine Hilfe anbietet: bei Zahlung von 50.000 Na könnten wir die Aufenthaltsdauer drastisch verkürzen. Wir winken dankend ab. Unsere Strategie: Y. will Kontakt zur Umweltministerin aufnehmen, die uns bereits einmal geholfen hat, ich selbst werde mit C.-Deutschland Kontakt aufnehmen und nachfragen, ob so lange eine inhaltliche Überprüfung dauert.

Am 21.10 ist Stichtag für den Ashden Award und wir wollen uns bewerben. Es fehlen aber noch einige Informationen aus Nigeria, so z.B. die Referenzen und die Finanzübersicht. Wir diskutieren, wer als Referenzadresse benannt werden könnte, möglichst zwei aus Nigeria, und wie wir das Geld verwenden würden, wenn es uns erreicht: Aufklärungsarbeit an den Schulen ist uns wichtig (vielleicht mit der Einrichtung von Schulgärten, um praktisch zeigen zu können, wie Aufforstung aussieht?). Zweitens sollte die Arbeit der Frauen unterstützt werden, wir wollen ihnen zeigen, welche Möglichkeiten bestehen, um das viele Obst und Gemüse zu konservieren (Trocknen, Saftherstellung). Und schließlich muss unsere Öffentlichkeitsarbeit verstärkt werden, besonders die kurzen Sendungen im Radio sind hilfreich, denn viele Menschen hören regelmäßig Radiosendungen.

Am Sonntag werden sie mit großer Besetzung nach Abuja fahren, denn am Montag und Dienstag können sie auf der Nationalen Umweltkonferenz einen Stand aufbauen und es besteht die Chance, viele politisch Verantwortliche aus allen Bundesstaaten zu treffen.

Gestern haben wir praktisch dort angeknüpft, meine Frage lautete: ward Ihr zufrieden? Im Prinzip ja, denn sie hatten tatsächlich viele Gespräche, aber ob und wann und wie sich das einmal in Erfolgen niederschlagen wird, bleibt vorerst offen. Immerhin konnten sie ihre letzten neun Kocher verkaufen, damit sind schon mal die Kosten für diese Unternehmung gedeckt. Der Höhepunkt war gleich am Montagvormittag, denn der Vizepräsident Ibrahim Omar hatte die Veranstaltung eröffnet und eilte anschließend mit der Umweltministerin Frau Halima Tayo zum Ausgang. Dabei passierten sie den Stand von DARE und die Dame erkannte Y. auf Anhieb und winkte ihm nicht nur zu, sondern stoppte hier und bat den Vizepräsidenten für ein paar Minuten an den Stand. Y. musste jetzt erklären, was sie hier anpreisen, die Idee und den Kocher. Das Ergebnis ist erfreulich: Lob von allerhöchster Stelle. Das Ganze hat geschlagene sieben Minuten gedauert, eine Ewigkeit für einen gefragten Politiker. Hoffentlich behält er uns lange in Erinnerung. Aber es kamen auch niedere Ränge zum Stand von DARE, Gouverneure, deren Vizes und div. Umweltminister. Zu unserer Verblüffung waren aber die Vertreter der südlichen Bundesstaaten ebenso interessiert wie die der nördlichen Staaten, denn sie fürchten um den Bestand ihrer letzten Wälder. Täglich müssen sie mit ansehen, wie Lastwagenkolonnen mit bestem Holz nach Norden fahren, damit es dort verbrannt wird. Also auch von denen Lob und Anerkennung und der eine oder andere lud sie spontan zu einem Besuch ein ("Sie müssen unbedingt einmal bei uns vorbeischauen."). Da wir derzeit keine Kocher haben müssen wir uns diese langen Reisen vorerst verkneifen...


Bild: Holztransport aus dem Süden Nigerias in Richtung nördliche Regionen

Bei unseren Auswertungen der Baselinedaten sind wir auf ein neues Phänomen gestoßen: der Murhu. Sicher ist hiermit nicht der Tränensee in Michael Endes Roman „Die unendliche Geschichte“ gemeint, aber auch im Internet wird man nicht fündig, sogar Wikipedia versagt: Es ist der einfache Kocher, der aus einem Ölfass gefertigt wird, billig in der Herstellung und der dafür nur eine kurze Lebensspanne besitzt. Doch scheint er sich großer Beliebtheit zu erfreuen. Nun haben wir den Salat, denn bei der letzten Befragung hatten wir noch nicht nach Alternativen zum 3-Steine-Feuer gefragt. Doch unser neuester Fragebogen enthält diese Zusatzfrage und jetzt kommt es raus: in den großen Städten kocht die Mehrzahl der Frauen auf dem Murhu. Jetzt müssen wir uns etwas einfallen lassen, zuerst ein Effizienztest und dann schauen wir weiter.

Jetzt wieder eine gute Nachricht: Keine Information von unserem S80-Container, es läuft fantastisch. Hingegen liegt unser Bürocontainer noch immer im Containerhafen und Cotecna sucht nach einem neuen Haar. Ich habe mich an die Düsseldorfer Niederlassung gewandt und man versprach, sich dort umzuhören. Immerhin.

Meine letzte Frage in dieser frühen Morgenstunde (na ja, erst 1 Uhr, es dauert noch eine Weile bis zum Morgen): Habt ihr ein Büro in Jos gefunden? Y. glaubt es zumindest, am Samstag wird er es sich anschauen, was Didi entdeckt hat. Am Sonntag dann ist Ruhetag (Ta Dutse möchte endlich wieder die Eltern für sich haben) und dann schon Vorbereitung auf Lagos, denn er glaubt, dass es am Montag losgehen könne. Ich hoffe mit ihm und wünsche zum Schluss viel Erfolg und eine Gute Nacht.

Bernd


Dü’dorf, den 14. Oktober 2008


Nachrichten aus Kaduna 41


Liebe Freunde,

es gab nur scheinbar eine längere Pause, aber in Wirklichkeit habe ich inzwischen 2 x mit Y. telefoniert, konnte aber aus Zeitgründen (das letzte Telefonat am 14.10. beendeten wir um 2.35) nicht sofort mich an den PC setzen.

Die erste Frage galt der Geldüberweisung und Y. erläuterte mir, warum er lieber größere Summen in Dollar oder Euro erhalten möchte als in Naira. Wenn er, wie diesmal geplant, 6.000 € für den Zoll bezahlen muss, erhält er bei seiner Hausbank im günstigsten Falle 12 Scheine a 500 Euro, die man bequem und unauffällig in der Hosentasche verstauen kann. Wird der gleiche Betrag in Scheinen der ein- heimischen Währung Naira. ausgezahlt, muss man einen Koffer mitbringen, wenn unglücklicherweise der Betrag von 1.050.000 Naira in 20 Naira Scheinen aus- gezahlt wird (zum Nachrechnen: bei einem Kurs 1 : 175 sind das 52.500 Scheine). Dummerweise erhält man sein Geld auch nur bei seiner Hausbank in Kaduna sofort ausgezahlt, in einer Filiale in Lagos müsste er einige Tage warten, bis der Transfer erfolgt ist. Mit einem Koffer mit 1 Mill. Naira reist keiner gerne übers Land, schon gar nicht in Nigeria. Und auch die Vorstellung, diese Summen zweimal zählen zu müssen, schreckt einen eher ab.

Nachdem dieses Problem geklärt ist, berichtet er von seiner erfolglosen Suche nach seinem Gepäck, noch macht man ihm Hoffnung. Am nächsten Tag wird er nochmals nach Abuja fliegen, erstens um weiter nach seinen Koffern zu forschen, aber auch eine Verabredung mit Prof. O. steht auf der Agenda und ein Besuch bei Dr. F. Derweil wird H. mit drei weiteren Helfern an diesem Tag die Interviews fort- setzen, um Baselinedaten zu erhalten. Am Dienstag und Mittwoch wird Didi in Jos das gleiche machen und auf diese Weise hoffen wir, etwa 200 Interviews bzw. Fragebögen zu erhalten, die für das PDD benötigt werden. Spätestens am Freitag will man mit der Datenerfassung abschließen, damit wir die Daten am Freitag- abend oder Samstag erhalten.

Es gibt auch Vorführungen, die laufen nicht so prächtig wie wir es in der letzten Zeit gewohnt sind. Z.B. die in Kujama, liegt etwa 40 km Richtung Jos, also süd- östlich. Hier war die Veranstaltung in einem Hotel mit zweifelhaften Ruf vorgesehen und zudem feierte Nigerias Fußballmannschaft einen Sieg über ????, dies hatte zur Folge, dass zahlreiche Betrunkene sich in Hotelnähe aufhielten und dies war für viele Frauen ein (verständlicher) Grund, der Vorführung lieber fern zu bleiben.

Andererseits gibt es auch erfreuliches zu berichten, und dies betrifft die Kommu- nikation. Von ihrem Handy-Provider haben sie sich einen WLAN-USB-Stick gemietet und den ganzen Nachmittag damit verbracht, zu Hause bequem am eigenen Notebook, eMails aus Deutschland zu lesen. Keine Stromunterbrechung konnte sie stören, und wenn auch der Empfang größerer Daten (besonders Bilder als Anlage) nicht immer problemlos auf Anhieb herunter geladen werden können, so ist es schon ein großer Unterschied. Jetzt können sie einen Monat testen und dann müssen sie sich entscheiden, es gibt verschiedene Modi, je nach Uhrzeit und Datenmenge.

Letzte Information betraf den Dienstag, denn an diesem Tag wollten sie endlich den Chef der Gbagyi besuchen, der so freundlich ist, ihnen den Platz für den Container zur Verfügung zu stellen. Sie werden einen SAVE80 als Geschenk mitnehmen, aber es ist auch eine größere Vorführung geplant.

Am Dienstag begannen wir schon verdammt spät miteinander zu telefonieren, kurz vor Mitternacht, ich hatte schon einiges hinter mich gebracht, aber das war mit sehr viel positiven Eindrücken und Gefühlen verbunden, ich war also noch hell- wach. Yahaya berichtete zuerst von seinem Besuch in Abuja und auch er hatte mehrere positive Erlebnisse. Zuerst ist zu vermelden, dass immerhin zwei der drei Gepäckstücke aufgetaucht sind und auch für das Dritte besteht noch Hoffnung (es kommt jeden dritten Tag ein Flieger aus Amsterdam). Mit Prof. O. hatte er am Vormittag ein längeres Gespräch geführt, es ging dabei um den Waterboiling Test und um den CDM-Manager. Er, O., ist sehr an den Immissions- bzw. Emissions- messungen interessiert (ich setze voraus, dass Ihr alle den Unterschied kennt), doch sind dazu komplizierte und teure Geräte erforderlich, die sein Institut derzeit nicht besitzt. Er würde gerne mit uns ein Geschäft abschließen in dem Sinne, dass wir in Vorauslage treten und sein Institut die Geräte uns abkauft, sobald die Finanzmittel verfügbar sind. Und schließlich stattete er Dr. F. einen Besuch in seinem Büro ab und überreichte als erstes das Original des Letters of Endorse- ment. Dabei erwähnte Y., dass dieser Brief durch TNT in seinem Hause abge- geben wurde und F. kennt auch den Empfänger. Wann der Brief beantwortet wird, kann er allerdings nicht sagen, aber er wird sich persönlich darum kümmern. Sehr schön, denken wir beide, ob das was nützt? Hinsichtlich der Zollbefreiung kündigte er ein Round-Table-Gespräch beim Präsidenten an, denn es lägen bereits mehrere Anträge vor. Wichtig war für F. der Hinweis auf eine Gipfelkonferenz für alle Gouver- neure, die nach Abuja zum Thema „Umweltproblematik insbesondere Abholzung und Wüstenausbreitung“ für den 21./22.10. eingeladen sind. Für Y. hat er schon einen Ausstellerplatz reserviert und hofft auf seine Teilnahme, denn er möchte mit den Gouverneuren der nördlichen Staaten ihm auf dem Stand von DARE einen Besuch abstatten. G. schließlich war nicht in seinem Büro, sitzt aber immer noch im gleichen Ministerium.

Die Suche nach einem CDM-Manager sieht Y. als nicht einfach zu lösende Auf- gabe an, da die Aufgabenbeschreibung bzw. die gefor­derten Qualifikationen nur ganz wenige mit­bringen werden. Also wollen wir mit Z. sprechen, was davon wirklich mitgebracht werden muss und was evtl. auch durch Learning by Doing man sich aneignen oder von einem Externen erledigt werden kann. Den Water- boiling Test könnte Y. auch zusammen mit Kadashi durchführen, der Mann ver- steht eben­falls sein Geschäft und sitzt zudem in Kaduna. Notfalls würde Y. den Test auch mit Auta durchziehen, lt. Protokoll müsste das möglich sein.

Y. hat div. Fragen bezüglich des Besuchs vom TÜV Anfang November und ich werde diese an a. schnellstens weiterreichen. Von Y. erfahre ich, dass F. plant, den TÜV auf seiner Reise nach Nigeria zu begleiten.


Holzsammeln scheint doch Spass zu machen!

Dann kam Y. auf den Besuch am Dienstag bei den Holzfällern zu sprechen. Der Besuch war sehr eindrucksvoll und vielversprechend, denn dem lokalen Chef unterstehen insgesamt 18 Dörfer, eines davon ist übrigens Gwagwada. Der Volks- stamm der Gbagyi erstreckt sich über ein großes Gebiet, beginnend im Süden von Abuja bis in die Bundesstaaten Kaduna und Niger State und die Menschen ver- dienen sich ihr tägliches Brot überwiegend als Holzfäller und Holzsammler. Y. hatte zu wenige SAVE80 mitgenommen, denn der Chef benötigt vier Stück, schließlich will jede seiner Frauen einen eigenen. Der Mann ist gebildet, ehemali- ger Gymnasiallehrer, der die von DARE sehr unterstützen möchte. In Gwagwada soll DARE beginnen die Dorfbewohner mit dem S80 auszustatten und schrittweise sollen auch die übrigen 17 Dörfer davon parti- zipieren. Y. glaubt, dass man hierfür einen eigenen Container benötigt. Auf jeden Fall hat der Chef sofort angeordnet, dass sein Sekretär bis Mittwoch nächste Woche eine Liste der ersten Interessenten zusammenstellt.

Holzverkäufer am Stadtrand warten auf Kundschaft

Von den beiden Containern hat Y. wenig gehört, er rechnet aber damit, dass er nächste Woche, nachdem er in Abuja fertig ist, nach Lagos weiterfliegen kann um sich dort um beide kümmern zu können.

Schließlich bestätigte er mir nochmals, dass mit der Erhebung der Baselinedaten begonnen wurde und bis Donnerstag alle Interviews durchgeführt sind. Damit wäre auch quasi gesichert, dass wir am Freitagabend spätestens am Samstag eine Exceldatei erhalten werden.

Y. deutet an, dass er sehr gerne im nächsten Jahr den Kongress von EG-Solar besuchen würde, um dort endlich über die Verwendung der 50 Solarkocher zu berichten.

Bernd


Düsseldorf, den 08. Oktober 2008


Nachrichten aus Kaduna 40


Liebe Freunde,

in den Nachrichten wird von beschleunigtem Klimawandel gesprochen, in Nigeria kann man ihn beobachten. In den letzten Tagen muss es auf dem Atlantik heftige Stürme gegeben haben, denn Lagos war zu vielen Teilen Land unter. Nicht nur die Uferpromenade war überschwemmt, das Hochwasser hatte auch weite Teile der Stadt erfasst und die Bewohner erhielten ein Vorgefühl, was ihnen in den nächsten Jahren bevorsteht. Die Klimaforscher gehen jetzt davon aus, dass der Meeresspiegel nicht um 0,6 m sondern fast doppelt so hoch ansteigt und dann wird man Lagos auf der Landkarte nicht mehr finden.

In Kaduna gibt es andere Probleme, die Regenzeit jedenfalls geht dem Ende entgegen und dafür kommen stürmische Winde und heiße Luft aus der Wüste, der Sommer kommt. Die Mobilnetze in Nigeria waren (deswegen?) einige Tage gestört und auch gestern habe ich nur auf einem der drei Handys einen Anschluss bekommen, doch damit konnten wir dann problemlos unser Gespräch führen. Y. war noch immer guter Laune, obwohl seine Koffer noch nicht eingetroffen sind, es hat aber auch schon ein paar Tage gedauert, bis er den richtigen Ansprechpartner gefunden hatte. Aber 2 x die Woche landet eine Maschine aus Amsterdam in Abuja, noch darf er hoffen.

Meine erste Frage galt den Kokosnüssen in Nigeria und in der Tat: es mangelt nicht daran. Aber da die Schalen nur schwer entzündbar sind, werden nur die Fasern verbrannt. Wir haben einen Test verabredet, er wird ebenfalls einen Versuch unternehmen, sie im S80 zu verheizen, evtl. bekommt man sie doch zum Brennen. Auf jeden fall müssten sie zerkleinert werden. Da wäre es interessant, ob die Schalen der Ölpalme im S80 verbrannt werden können, denn die sind deutlich kleiner und evtl. schneller entzündbar.

Meine zweite Frage galt dem Büro-Container. Hier haben wir neue Probleme mit Contecna bekommen, denn jetzt monieren sie, dass die Anschriften von LHL auf der Rechnung eine andere ist als auf Form M. Es sieht ein bisschen nach Willkür aus, was mit uns veranstaltet wird und ich prüfe, ob man über die schweizerische Zentrale oder den Deutschen Afrikaverein sich beschweren kann. In Nigeria jedenfalls sind alle ziemlich sauer, es sind seit der Ankunft fast zwei Monate vergangen.

Dann bat er mich, dass ich von H. K. zwei weitere Bill of Lading anfordere, sie werden für den Agenten und die Hafenbehörde benötigt. Das hätten wir alles in einem Aufwasch machen können, jetzt sind dafür weitere 62 € an Versandgebühren zu bezahlen.

Erfreuliches gibt es aber auch: seit Montag ist das Büro von DARE wieder offiziell geöffnet (es war während der Deutschlandreise geschlossen) und sie haben zwei größere Aufträge erhalten. Eine kleine Kostprobe werden sie jetzt noch ausliefern können, der Rest muss warten, bis der Container eingetroffen ist. Dazu gehören die Angestellten eines Gefängnisses, die von unserem SAVE80 erfahren haben und spontan 26 St. bestellt haben (weitere Bestellungen sollen folgen).

P. hatte uns gewarnt, die Höhe des Preisgeldes bekannt zu geben, dies könnte unerfreuliche Bekanntschaften anziehen. Y. hat jetzt eine erste Begegnung dieser Art gehabt, nur auf Grund der Tatsache, dass jemand vermutet, aus dem SAVE80-Geschäft würde er bzw. mit H. ein Vermögen erwirtschaften. Dummerweise kommt diese Person aus dem näheren Umfeld und Y. versucht, gemeinsam mit den beiden Geistlichen diese Person davon zu überzeugen, dass das alles ein Zuschussgeschäft ist, weil dafür in Deutschland ein großer Kredit aufgenommen werden musste. Ich hoffe, dass es sich hier um einen einmaligen Fall handelt und die Angelegenheit friedlich gelöst wurde.

Mit H. F. konnte Y.inzwischen auch telefonieren, sie haben sich für Freitag in Abuja verabredet. Dabei hat F. angedeutet, dass sich jetzt auch die Landesregierung in Niger State für den S80 interessiert, näheres wird er ihm am Freitag erzählen. Da wir aber schon öfter von interessierten Regierungsstellen gehört haben, bleibt Y.ganz cool und geht seinen normalen Geschäften nach, das war immer noch die bessere Wahl.

Erfreulich ist auch, dass sich jetzt der „Dorfchef“ der Gwagwada-Region bei ihm gemeldet hat und um einen Besuch bat. Den werden beide am Sonntag auch antreten, denn das erste der Dörfer (von insgesamt 11) hat jetzt damit begonnen, von ca. 30 Frauen die ersten Raten einzusammeln. Man hätte auch schon bei einer Bank ein Konto hierfür eingerichtet und mit den ersten 5 Kochern soll der Start eingeläutet werden. Der Dorfchef hat aber noch weitergehende Wünsche, nur Kocher zu verkaufen ist ihm zu wenig, er fragte nach weiteren Hilfs- bzw. Unterstützungsmöglichkeiten. Nach Rücksprache mit H. habe ich Y. gebeten, die Situation der Region zu beschreiben (Lage, Größe, Einwohnerzahl und –struktur, Klima, Wirtschaftsdaten und besonders wichtig die Probleme), damit wir damit beim BMZ ein Projekt im Rahmen der Armutsbekämpfung beantragen könnten. Dazu gehört vermutlich auch das Wasser- bzw. Brunnenproblem und evtl. auch die Ausbildung von Jugendlichen für bestimmte Zukunftsberufe, die evtl. unterstützt werden könnten. Und ein weiterer Aspekt gibt uns Auftrieb: die Bank, die bereit ist für die Kooperativen in dieser Region Konten zu eröffnen, hat sich auch positiv zu dem Thema „Mikrofinanzierung“ geäußert und H. will bei dem Besuch auch ausloten, wie das konkret aussehen könnte.

Y. wird hoffentlich nächste Woche nach Lagos gerufen, um zumindest den ersten Container abzuholen. Wenn wir am Sonntag wieder telefonieren wird er in Abuja H. F. besucht haben und hoffentlich auch den Kontakt zu Prof. O. der unseren SAVE80 hinsichtlich seiner Effizienz wissenschaftlich unter die Lupe nehmen soll.

Nigeria: Mit dem SAVE80 macht Holzsammeln wieder Spaß...


Düsseldorf, den 02. Oktober 2008


Nachrichten aus Kaduna


Liebe Freunde,

jetzt bin ich wieder über das aktuelle Wetter in Nigeria informiert und weiß auch, dass es gestern Abend in Kaduna keinen Strom gab. Nach drei Wochen Pause kann ich Euch und Ihnen nun endlich wieder von unserem Projekt in Nigeria berichten, denn seit gestern sind Y. und H. von ihrem Deutschlandbesuch wohlbehalten zurückgekehrt in ihre Heimat. Als erste Aktion haben sie, nachdem sie Abuja verlassen hatten, eine Rast im nächsten Dorf gemacht, um in einem dort typischen Restaurant endlich wieder etwas Vernünftiges zu essen. Das hatten sie sich aber auch verdient, denn es war nicht so sehr das deutsche Essen während der 14 Tage, welches ihnen schwer im Magen lag, sondern das Wenige, was sie in den letzten drei Tagen erhalten haben. Der Rückflug hat nämlich nicht wie geplant 10 Std. gedauert sondern fast 48 Std. und dabei haben sie außer wenig zu essen auch noch allerlei Kuriositäten erlebt, die man nicht alle Tage erleben kann. Y., der in seinem Leben schon vieles an Reiseüberraschungen erleben durfte, hat mir zumindest gestern Abend versichert, dass diese Reise den absoluten Höhepunkt darstellt. Ich habe etwa ein halb Dutzend Anrufe von den div. Zwischenstationen erhalten und will hier kurz das Wichtigste zusammenfassen.


Bild: Treffen in Barnstorf am 27. Sept. 2008 anlässlich unseres Jubiläums

Am Sonntagabend noch trafen wir uns ein letztes Mal bei U., dort wollten sie die Nacht verbringen und in aller Frühe zum Flughafen Düsseldorf starten. Die Nacht war kurz, denn gegen 22.30 habe ich mich von ihnen verabschiedet und um ½ 5 wurden sie von U. geweckt. Pünktlich um ½ 6 waren sie am Flughafen zum Einchecken, doch hier begann das Chaos mit der Mitteilung, dass sie zu spät seien. Der Grund lag in der falschen Abflugzeit, die auf ihrem Ticket vermerkt war (6.50 statt 6.05). Sie wurden etwas getröstet mit dem Hinweis, dass 2 Std. später ein weiterer Zubringerflug nach Amsterdam abginge. Soweit die Theorie, in der Praxis hatte dieser Flug Verspätung und es kam wie es nicht kommen sollte: bei der Landung in Amsterdam war ihre Maschine nach Abuja bereits weg. Jetzt folgte eine längere Diskussion mit dem KLM-Personal über die verschiedenen Weiterflugmöglichkeiten (H. über London, Y. über Kairo), welche aber von den beiden kategorisch abgelehnt wurde mit dem Ergebnis, dass nach 4 Std. nun für beide in einer Maschine nach London zwei Plätze frei waren. Von dort sollte es am gleichen Abend nach Lagos weitergehen. Doch davor stand die Passbehörde, die zwar Y. die Einreise nach GB gestattete, nicht aber H., denn GB ist nicht gleich EU (Schengen sei Dank). der weitere Verlauf nahm kuriose Züge an, denn sie waren aus der EU ausgereist, das Visum war mit dem Ausreisestempel „entwertet“ worden, eine erneute Einreise war rechtlich nicht möglich (das Visa erlaubte nur eine einmalige Einreise). H. und Y. saßen somit auf dem Flughafen Amsterdam in einer neutralen Zone, quasi zwischen EU und GB. Nur nach längerem Einreden auf den Vorgesetzten ist etwas passiert, was nur selten sich ereignet: der Ausreisestempel wurde ungültig gemacht und damit wurden die beiden zum Einreisebeamten geschickt. Der bestand jedoch darauf, dass sie damit erneut einreisen müßten, dies wäre aber rechtlich nicht möglich, da das Visum nur für eine einmalige Einreise gültig war. Jetzt war allerhöchstes diplomatisches Geschick gefordert und Y. konnte auf seine Erfahrungen zurückgreifen, die er als Mitarbeiter am Frankfurter Flughafen gesammelt hatte. Hier werden jetzt keine weiteren Details verraten, schon gar keine Namen, aber zumindest soviel: sie konnten schließlich durch den Personaleingang die EU wieder betreten. Der Rest ist schon fast Routine: alle Flieger nach Nigeria waren inzwischen abgeflogen, die Nacht verbrachten sie immerhin in einem Flughafenhotel, am nächsten Morgen aber mussten sie früh raus, denn sie hatten nur 5 Std. Zeit um nach dem Gepäck zu forschen. Gegen 13 Uhr flogen sie dann, wen überrascht es noch, ohne Gepäck ab; in Lagos dann eine kleine Überraschung: sie trafen spät abends ein und wurden dort von immerhin zwei ihrer Koffer erwartet. Aber da war der Anschlussflug nach Abuja auch schon wieder weg, also eine weitere Nacht in fremden Betten und am nächsten Morgen dann endlich die letzte Etappe: Lagos – Abuja, wo sie am Mittag eintrafen, noch immer ohne das fehlende Gepäck. Hier wurden sie von Musa, dem Fahrer abgeholt (der seit zwei Tagen hier auf sie wartete). Den Rest der Geschichte kennt Ihr/kennen Sie: Als erstes ein vernünftiges Essen in einem kleinen Dorf und nach zwei Stunden Autofahrt erreichten sie Kaduna, wo sie endlich Ta Dutse, ihre Tochter, in Empfang nehmen konnten.

Der Rest unseres Nachtgespräches ist schnell erzählt: Y. und H. werden sich noch einen Tag Ruhe gönnen und das Büro von DARE erst am Freitag wieder betreten. Der Bürocontainer liegt noch immer im Hafen von Lagos, Montag und Dienstag waren die letzten Ramadan-Feiertage und am Mittwoch war Natio­nalfeiertag, gear­beitet wird erst wieder am Donnerstag. Sie warten sehnlichst auf den Anruf der Fluggesellschaft, dass das restliche Gepäck einge­troffen ist und werden am Freitag nach Lagos fliegen, um den Zoll zu entrichten, die wichtigste Voraussetzung, um den Container auszulösen. Ich hoffe, dass ich in meinem nächsten Nacht­brief über die Fahrt unseres Containers nach Kaduna berich­ten kann.

Bernd



Düsseldorf, 14. September 2008


Liebe Freunde,
unsere erste Veranstaltung zum Jubiläum hat stattgefunden, in Soest in der schönen alten VHS. Der Ablauf verlief etwas anders als geplant, da Habiba und Yahaya erst  gegen 11 Uhr eintrafen und das Programm deshalb umgestellt werden mußte. Darunter hat die Qualität etwas gelitten, aber wir sind im Großen und Ganzen zufrieden, da einige neue Kontakte hergestellt werden konnten.



Und unsere afrikanischen Partner (in der ersten Reihe von links Abdallah, Habiba, Yahaya und Milisor ) hatten Gelegenheit, über unsere Projekte aus ihrer Sicht zu berichten und damit bei den Zuhörern einen authentischen Eindruck zu vermitteln. Am Nachmittag gab es eine Außenveranstaltung, wobei Habiba den SAVE80 kurz vorführte und im Handumdrehen mit wenig Holz einen Liter Wasser zum Kochen brachte.
Mit besten Grüßen
Bernd


Düsseldorf, den 12. September 2008

Liebe Freunde,
nach einem aufregenden Tag sind Yahaya und Habiba von Abuja nach Lagos geflogen, da der vorgesehene Flieger ausgebucht war. Aber es gab einen Trost: am gleichen Abend fliegt auch eine KLM-Maschine ab Lagos. Tatsächlich konnten Yahaya und Habiba dort zwei Plätze buchen, unter Zuzahlung von ein paar hundert Dollar natürlich. Natürlich war auch der Flug nach Lagos Privatangelegenheit. Ein solcher Inlandsflug ist nicht mal eben so zu absolvieren, denn beide Städte haben je einen Inlands- und einen internationalen Flughafen, und die liegen natürlich nicht Tür an Tür. In Lagos um 17 Uhr angekommen hatten sie noch 2 Std., denn um 19 Uhr, zwei Std. vor Abflug, schließt der Schalter auf dem internationalen Flughafen. Für die Strecke benötigt ein flotter Taxifahrer eine Std., wenn es keinen Stau auf der Strecke gibt. Und da ein TMC-System für Nigerias Straßen noch nicht vorhanden ist, muss man sich auf seine Erfahrung und seinen Riecher verlassen. Es wurde knapp zum Schluss, aber sie haben das Gepäck pünktlich abgeben können und um 19 Uhr erhielten sie ihre Bordkarten.
Ein aufregender Tag ging schließlich glücklich zu Ende, aber ob die vor uns liegenden drei Wochen Erholung bringen?
Schau'n wir 'mal.
Herzliche Grüße
Bernd


Düsseldorf, den 11. September 2008


Nachrichten aus Kaduna


Liebe Freunde,

heute wollte ich meine Kaduna-Nachrichten mit den aktuellsten Ereignissen und zugleich erfreulichen Informationen beginnen: Habiba hat das lang ersehnte Visum erhalten. Was aber ihr nicht gelang: in Abuja den Flieger nach Europa zu erreichen, denn ein heftiger Tropenregen in Lagos hatte den Flugverkehr für zwei Stunden unterbrochen und diese Verspätung reichte aus, um den Anschlussflug zu verpassen. Ich bin einerseits überglücklich, denn die Spannung um das Visum war kaum noch zu überbieten (das Fußballspiel gegen Finnland war dagegen eine Heimatschnulze) und wir haben einigen Grund, mit dem Service unserer (Deutschen) Botschaft unzufrieden zu sein. Alleine die Flüge für die drei Besuche in Lagos bei der Deutschen Botschaft haben uns 3 x 300 € gekostet, ganz zu schweigen von der Zeit und den Nerven, die für dieses Unternehmen geopfert wurde. Andererseits bin ich schon traurig, denn jetzt sitzen die beiden in einem Hotel in Abuja und werden versuchen, den nächsten Flug am Freitagabend zu bekommen. Hier sind wieder einige Überraschungen möglich, angefangen von Gebühren für die Umbuchung bis hin zu verfallenen Tickets. Wenn wir also Glück haben, erreichen sie Düsseldorf 24 Stunden später und dann muss der Vortragsplan [beim Seminar in Soest] spontan geändert werden (das ist dann eindeutig das kleinere Übel).

Und wenn wir schon beim Verkünden guter Nachrichten sind: der Container mit der nächsten Lieferung der SAVE80 ist bereits in Hamburg angekommen und wird voraussichtlich am Montag auf das Containerschiff gehoben, Ankunft dann Ende September in Lagos. Also auch hier können wir tief durchatmen und Dank sagen an a. und H. K. Letzterer hat sich mächtig ins Zeug gelegt und seinen ursprünglich bekannt gegebenen Termin täglich um einige Tage nach vorne terminiert, wo findet man das heute noch?

Für den Container haben wir jetzt auch einen Lagerplatz in Jos gefunden, die Kirchengemeinde, unser bester Kunde in Jos, wird auf ihrem Gelände eine Ecke freimachen und dort soll er dann seinen Platz für die nächste Zeit finden. Ein Büro hat Y. noch nicht ausfindig machen können, aber einige Angebote haben sie schon ins Auge gefasst. Wenn wir jetzt in Kano vorübergehend kürzer treten müssen (denn Kano liegt in der Sudan-Savannen-Zone und unser Projekt ist für die Guinea-Savannen-Zone beantragt), dann ist die Filiale in Jos umso wichtiger. Sobald Y. und H. zurück sind aus Deutschland wartet eine Menge Arbeit auf sie, denn sie müssen sich um zwei Container kümmern.

Damit kommen wir zur Rubrik der weniger erfreulichen Nachrichten, denn aus Lagos kann ich Euch nichts Neues berichten außer: noch immer sucht Contecna in unserem Container nach Unerklärlichem, aber da sie dort nicht fündig wurden, haben sie jetzt in den Frachtpapieren entdeckt, dass dort die Adresse von DARE in einer anderen Reihenfolge steht als auf der Proforma Rechnung. Das ist ein Grund, um noch einmal die Herausgabe der wichtigen Bescheinigung für den Zoll um ein paar Tage zu verzögern. Wir haben das Gefühl, diese Firma arbeitet mit der Hafenbehörde Hand in Hand, denn dadurch fallen weitere Lagergebühren an. Somit wird Y. die Ankunft des Containers in Kaduna nicht miterleben, sein Freund wird sich um die letzten Schritte kümmern. Aber er hat zumindest die Anweisung herausgegeben, dass der Container nur durch ihn geöffnet wird, schließlich besitzt er den Autoschlüssel und wird das Wägelchen eigenhändig aus dem Container rausfahren. Im Übrigen haben sie es nun endlich geschafft, dem Chief, der ihnen das Grundstück kostenlos für die Lagerung der beiden Container zur Verfügung stellt, einen Besuch abzustatten. Sie wollten ihm ihren Dank auszusprechen und einen S80-Kocher überreichen (wird unter Werbungskosten verbucht).

Die Datenerhebung/Interviews, die für die Baselinedaten benötigt werden, gestalten sich doch schwieriger als erwartet. Ein Interview durchzuführen und Daten/Zahlen abzufragen erfordert ein klein wenig Kombinationsgabe und Grundlagenkenntnisse in der Mathematik, z.B. wenn nach dem Tagesverbrauch gefragt aber der Wochenverbrauch angegeben wird, dann muss hier entweder selbst gerechnet oder der Schätzwert zumindest plausibilisiert werden. Und auch Widersprüchlichkeiten sollten entdeckt werden, dass also z.B. eine 30-köpfige Familie nicht mit 2 kg Holz/Woche auskommen kann. Y. will nun nach seiner Rückkehr ein paar Studenten der Fachhochschule für Forstwirtschaft ansprechen, die hatten sich sowieso für die Arbeit von DARE interessiert.

Bereits im Telefonat am 4.9. sprachen wir über die Regelungen, die im PDD stehen und das Monitoring betreffen. a. hatte in dem Entwurfstext vorgeschlagen, welche Tätigkeiten in Nigeria von DARE zu erledigen sind und es blieb lediglich die Frage zum Schluss, wie viele Stichproben zu nehmen sind und wie häufig die Familien zu besuchen sind. Wir gehen jetzt also davon aus, dass 1% der Käufer interviewt werden müssen, das aber jedes Jahr. Dies bedeutet, dass ca. 100 Besuche (pro Projekt) jährlich durchzuführen sind und dieses ganze Geschäft soll nach Vorstellung von atmosfair durch den CDM-Officer erfolgen.

Dann musste Y. die Frage von H. K. beantworten, was er noch alles in den Container zupacken soll und wir haben dann die Liste festgelegt: 3 Arbeitstische sind dringend erforderlich (das Zusammenbauen auf der Erde ist sehr mühsam), ebenso drei Werkzeugsätze (hier besonders die Rollen-Biegemaschine), damit auch in Jos montiert werden kann. Wichtig ist 1 Satz Schlagzahlen, nur Nummern und ein kl. Hammer dazu. Zum Ausladen werden 5 Paar Handschuhe benötigt, denn die Bleche sind scharfkantig und man kann sich leicht schneiden. Für das Büro wünschen wir uns 2 Displays als Eyecatcher und Broschüren (mind. 1000, gerne mehr), um die Besucher, die sich noch nicht entscheiden können, mit Informationsmaterial versorgen zu können. Auf Vorschlag von Y. sollten wir Kocher noch einmal überprüft werden, insbesondere ob die Nr. eingeschlagen wurde und dann sollte ein grüner Punkt aufgeklebt werden, also benötigen wir Sticker (Etiketten, rund, einfarbig)  als Kontrollaufkleber, Durchmesser max. 1 cm, mind. 1000 St. Und im Verkauf ist darauf zu achten, dass jeder verkaufte Kocher diesen grünen Punkt enthält. Ganz wichtig sind 3 Erste-Hilfe-Kästen (wichtigstes Utensil sind Pflaster), denn kleine Verletzungen gibt es nicht nur in der Werkstatt. Bei der Frage der Serien-Nr. kamen wir in eine längere Diskussion, denn hier hat sich heraus gestellt, dass hin und wieder geschlampt wird, denn es gab einige doppelte Nummern. Wie kann man das vermeiden? Wir beschlossen eine Liste anzufertigen, die alle Serien-Nr. umfasst und eine Nr. ausgestrichen werden muss, sobald sie in den Kocher eingestanzt wurde.

Y. hatte mir bereits beim letzten Gespräch angekündigt, dass auch Abba B., der Jurist im Vorstand von DARE, plant, Deutschland einen Besuch abzustatten und will das Wochenende in Düsseldorf nutzen, um uns zu besuchen (zusammen mit seiner 17-jährigen Tochter). Ich habe inzwischen die persönlichen Daten erhalten und auch schon beim Ausländeramt vorgesprochen. Hier muss ich eine Verdienstbescheinigung vorlegen und die Unbedenklichkeitsbescheinigung unterschreiben, was bedeutet, dass ich für alle Kosten aufkomme, sofern Kosten durch Krankheit oder Unfall entstehen. Diese Bescheinigung habe ich abgegeben und eine abgestempelte Einladung erhalten und diese an Abba B. übersandt. Ein solcher Dokumentenbrief kostet die Kleinigkeit von 52 €, zzgl. der Kosten für Versicherungen (50 €) und Gebühren (25 €), alles zusammen 125 €, nur auf deutscher Seite.

Im Gespräch am 8.9. berichtete Y. über einen Besuch bei einem Chief, der in der Nähe von Kaduna über viele Dörfer regiert. Seine Hauptsorge gilt der Wiederaufforstung und er treibt die Dorfbevölkerung an, dass jeder mind. 50 Bäume im Jahr neu pflanzt. Bei einem Besuch hat Y. ihm unseren SAVE80 vorgestellt. Das hat einen tiefen Eindruck hinterlassen, denn diesem Manne ist klar, dass eine Wiederaufforstung nur erfolgreich sein kann, wenn der Holzverbrauch drastisch gesenkt werden kann. Im SAVE80 sieht er eine große Chance dies endlich zu erreichen und Y. hat dort einen neuen (und großen) Kunden gefunden. Wir werden aus dieser Region bestimmt noch viele erfreuliche Nachrichten hören und auch bei den Themen „Wiederaufforstung“ und weitere Nutzungsmöglichkeiten des S80 zusammen mit Dampfentsafter erhoffen wir eine intensive Zusammenarbeit.

Eine Zusammenarbeit anderer Art bahnt sich in Bauchi an, denn dort existiert eine NGO, die ähnliche Ziele wie DARE verfolgt. Der Vorstand hat jedenfalls bei DARE angeklopft und es hörte sich gut an, was von dort vorgeschlagen wurde. Also eine gute Nachricht zum Schluss und weil ich morgen um 7.45, also in 8 Std., auf dem Flughafen Y. und H. empfangen möchte, ist jetzt Feierabend für heute. In den nächsten zwei Wochen werde ich weiterhin meine Berichte schreiben, doch dann aus Deutschland von unseren Jubiläumsveranstaltungen, an denen außer Y. und H. auch Milisor und A. Diop aus dem Tschad als Vortragende teilnehmen und von unseren verschiedenen Projekten in ihren Heimatländern berichten werden.


Düsseldorf, den 4. September 2008


Nachrichten aus Kaduna


Liebe Freunde,

mehr als eine Woche ist inzwischen vergangen, Y. hat sich wieder erholt, obwohl er sich noch etwas schwach fühlt turnt er schon wieder durch die Gegend, allerdings nur in Kaduna, d.h. überwiegend im Büro. Aber für dieses Wochenende ist ein mehrtägiger Aufenthalt in Jos geplant, das sind nur 250 km und er will es ruhig angehen. Ich bat ihn sich zu schonen, denn schon in einer Woche starten sie nach Deutschland und hier geht es gleich am Freitag in Soest los, da muss er fit sein. Wir haben in dieser Zeit mehrmals kurz telefoniert, hier mein Bericht darüber.

Nach der Gesundheit galt meine nächste Frage den 400 Pfannen, die auf der Post in Kaduna seit zwei Wochen lagern. Die Zahl der Pakete stimmt mit unserer Zahl überein, aber ein oder zwei haben sich geöffnet und er sah auch Glassplitter, sodass zu befürchten ist, dass einige Glasdeckel kaputt sind.. Er hatte bereits berichtet, dass die Pakete auf einem großen Haufen lagen, alles halb offen und es sah wenig fachmännisch behandelt bzw. gepackt aus. Inzwischen hatten sie auch den Chef des Postamtes erreichen können und nach zähen Verhandlungen wurde der Zollpreis auf 150.000 Na herunter gehandelt, das sind knapp 1.000 € und bedeutet, dass jede Pfanne 2,50 € teurer werden muss als geplant. Diese Lösung ist insgesamt die preiswerteste, zurückschicken wäre garantiert teurer geworden, beim nächsten Mal werden wir eine andere Adresse wählen und nicht mehr in großen Mengen versenden, soviel zum Thema Lehrgeld.

Bei dieser Gelegenheit diskutierten wir über das langfristig zu beobachtende Käuferverhalten: Unsere Kunden sind in vielen Fällen mit dem Standardset (1 Kocher, 1 Topf, 1 Pfanne, 1 "Wonderbox") nicht zufrieden, sie wollen oftmals eine Pfanne oder einen Topf (sogar mit "Wonderbox") hinzukaufen. Manche sind auch von den blitzenden Pfannen mit Glasdeckel oder den blanken Töpfen so begeistert, dass sie gerne nur die Pfannen oder Töpfe kaufen würden. Aber wir sind uns einig: ohne den Kocher wird nichts verkauft. Allerdings wollen wir die Kauflust nicht zu sehr einschränken und darum darf neben dem kompl. Set alles nach Belieben hinzu gekauft werden. Das macht die Kalkulation zwar etwas schwieriger, aber wichtiger sind uns zufriedene Kunden.

Der Container lagert noch immer in Tin Can Island, im Containerhafen von Lagos. Es kümmert sich liebevoll Cotecna um unseren Container und rätselt schon länger, welchen Wert die medizinischen Geräte besitzen, die wir für Dr. G. mitgenommen haben. Da die deutschen Fachausdrücke dort nicht bekannt sind, kann es noch etwas dauern. Y. hofft, dass er zu Beginn dieser Woche nach Lagos gerufen wird, um den Container zu empfangen. Die 14-tägige kostenlose Lagerzeit ist inzwischen abgelaufen. Es ist spannend und jetzt beginnen auch die Ramadan-Feiertage, das erhöht den Blutdruck. Ist alles nichts für schwache Nerven.

Inzwischen ist es der 30.8., wir telefonierten nach dem Besuch bei H. K., ich habe mir diesen Luxus gegönnt, im Zug auf der Rückfahrt konnte ich ausschlafen, Y. bat mich beim ersten Anruf, gegen 0 Uhr es noch einmal zu versuchen, sie säßen noch im Büro zusammen. Also dann um 0.15 ein neuer Versuch und ich hatte Glück, er war zu Hause, hatte gegessen, es war Stromausfall, man hörte die Dieselgeneratoren brummen. Diesmal hatte ich viel zu berichten aber meine erste Frage galt der Containerbestellung, denn wir hatten ein paar Stunden zuvor erfahren, dass atmosfair den Container in Auftrag gegeben hatte. Y. wollte sofort seine Frau wecken um ihr diese gute Nachricht zu verkünden, aber ich dämpfte seine Vorfreude, denn H. K. hatte die Abfahrt auf Ende September angekündigt, das war eine lange Wartezeit. Wir besprachen wie viele Töpfe, Pfannen und "Wonderbox" er bestellen wollte und diese zahlen habe ich auch am nächsten tag an H. K. und H. Z. durchgegeben: 1000 Kocher, 1250 Töpfe, 1250 Pfannen und 1500 "Wonderboxen".

Auta musste sein Personal verstärken, denn derzeit bestellt jeder Käufer bei ihm einen Ständer für den Kocher und er kommt mit der Fertigung nicht mehr hinterher. Ein großes Problem ist das Schweißen, denn er selbst besitzt (noch) kein Schweißgerät und zieht mit seinen Ständern von Werkstatt zu Werkstatt und hofft, dass dort gerade Strom zur Verfügung steht oder der Dieselgenerator läuft. Der Diesel bzw. das Benzin wird wohl bald sehr viel teurer, denn es gehen Gerüchte in der Stadt um, wonach die Weltbank darauf dringt, die Subventionierung der Erdölprodukte abzuschaffen. Das könnte zu Unruhen führen, denn die Taxi-, Bus- und Autofahrer werden ihren Unmut Luft machen, befürchtet Y. Ich habe ihm vorgeschlagen, dass Auta eine neue Verbindungstechnik erprobt, schrauben oder nieten wäre eine Lösung (kleben könnte auch gehen), um aus diesem Dilemma heraus zu kommen.

Es ist noch immer Regenzeit, heute am Sonnabend hat es stark und lange geregnet, mit dem Ergebnis, dass das Holz feucht ist und daher verstärkt mit Kerosin oder Holzkohle gearbeitet wird.

Es liegen Anfragen aus Borno State vor (weit oben im Nordosten) und ich musste Y. darauf verweisen, dass unsere Projektzone nur die Guinea-Savannen-Zone umfasst, also die Mittelregion, und Borno gehört nicht dazu. Dafür aber liegt – zu unserer Überraschung – Enugu in unserer Zone, dorthin gibt es auch schon viele Kontakte. Überraschend kommen viele Anrufe aus Lagos, denn auch dort ist Holz knapp und teuer (auch wenn nach unseren Zonenkarten dort Überschuss herrscht).Y. bat darum, dass man ihnen die Karte der Zonen zusendet, damit sie erkennen können, wo sie sich etwas zurückhalten müssen. Leider gehört auch Bauchi zu der verbotenen Zone, das ist Schade, denn von hier kommen sehr viele und interessante Anfrage. Es ist schon fast so, dass der neue Container verkauft ist, viele Kooperativen haben neue Bestellungen durchgegeben und bei den Zahlen schwindelt es uns ein wenig. Damit ist auch klar, dass der neue Container nur zur Hälfte in Kaduna bleibt, die andere Hälfte geht nach Jos. Dort gibt es eine sehr große und aktive Kirchengemeinde, die bereits eine lange Nachbestellliste angelegt hat.

Wir haben im Büro von DARE kleine Personalprobleme, daher wird Y. das Büro während seiner Abwesenheit schließen. Weitere Details werden hier aus Gründen der Vertraulichkeit nicht bekannt gegeben.

Ein weiteres Thema waren die Baselinedaten, die vom TÜV erwartet werden. Bei der Prüfung hier ist aufgefallen, dass die Serien-Nr. doppelt auftreten, die Adressdaten nicht vollständig sind und anfangs auch keine Kaufverträge ausgestellt wurden. Die erwartete Exaktheit der Daten ist ein kleines Problem hier und die Übertragung von den Listen in Excel-Tabellen ein zweites. Beides klappt noch nicht wie gewünscht und Y. hat bereits in einer Mitarbeiter-Fortbildung über die Bedeutung und Wichtigkeit der Datenerhebung und –erfassung informiert. Es ist auch für mich nicht immer nachvollziehbar, wie umfänglich und fast pedantisch der Verkauf zu organisieren ist. Es wird bestimmt noch eine Stufe heftiger, wenn die Prüfer zum Monitoring kommen, denn dann muss sich zeigen, ob jeder Käufer noch seinen Kocher in Betrieb hat (sonst bekommen wir Ärger) oder evtl. an die Zweitfrau weiter verschenkt hat.

Heute ist Do. der 4. Sept. und ich rufe Y. an, weil H. Z. nur noch einen Tag im Büro ist und ein paar wichtige Fragen gestellt hat. Also gehen wir diese Fragen als erstes durch und dann meine Fragen, die sich inzwischen angesammelt haben. Zuerst die Frage, ob Miet- oder Kaufcontainer. a. hatte signalisiert, dass sie bereit wären, einen weiteren Container zu kaufen. Dies stellt eine große Erleichterung dar, denn natürlich haben wir jetzt einen ziemlich leeren Container in Kaduna, aber mind. 500 Kochersets sollen nach Jos gebracht werden, wohin damit dort? Abgesehen vom Umpacken, wir haben nur zwei Stunden Zeit dafür, sonst kostet jede Stunde Standzeit auf dem Platz Miete. Also beschließen wir, dass der nächste Container gleich nach Jos transportiert wird, dort kann er abgestellt werden und wir haben Zeit, um in aller Ruhe aus- und umzupacken. Aber wir haben noch kein Gelände für den Container, das muss schnellstens besorgt werden. Und ein kleines Büro in Jos benötigen wir auch. Und natürlich neue Mitarbeiter. Immerhin steht uns Didi ab 1.9. zur Verfügung, seinen Zivildienst hat er am 31.8. beendet und interessíert sich schon seit langem für unsere Arbeit. Er könnte sich um Lagerplatz und Büro kümmern, denn Y. hat hierfür keine Zeit, Lagos ruft.

Y. berichtet, dass sie die Pfannen gut verkaufen. Die keine bekommen haben und dafür einen zweiten Topf hinzukauften erhalten die Pfanne zu einem Vorzugspreis, alle anderen müssen den normalen Preis bezahlen. Trotzdem ist die Nachfrage groß. Y. stellt bei seinen Kundengesprächen fest, dass sie sich im nächsten Jahr auf den Ramadan besonders einstellen müssen. Die Frauen sind von der Tatsache begeistert, dass unsere "Wonderbox" das Gericht lange warm hält. Dies würden sie nutzen, um den Männern noch am Abend das Frühstück zu kochen und in die "Wonderbox" zu stellen, am nächsten Morgen vor Sonnenaufgang können sich die Männer ihr Frühstück selbst zubereiten. Anderenfalls müssen die Frauen tief in der Nacht aufstehen und das Frühstück zubereiten, damit es noch vor Sonnenaufgang verzehrt werden kann.

Ich fragte Y. nach dem Einsammeln des Geldes, welches er von den Kooperativen für die Ratenzahlungen erhält. Er berichtet mir, dass es durch die langen Fahrten zwar etwas anstrengend ist, aber andererseits wäre es sehr vorteilhaft, einmal im Monat sich zu treffen. Dabei nimmt er das Geld entgegen und bringt es umgehend auf die nächste Bank, auch wenn die Banken horrende Gebühren dafür nehmen. Dies wäre allemal günstiger als ein Überfall, den er sonst riskieren würde. Die Einzahlung der Geldbeträge durch die Kooperativen selbst ist für den Durchschnittsnigerianer noch sehr ungewöhnlich, Sparbücher oder Girokonten sind noch nicht ins Privatleben vorgedrungen.

Wir sprechen zum Schluss – es ist schon nach zwei Uhr - noch über die bevorstehende Reise nach Deutschland. H. hat Probleme mit ihrem Pass, denn die Deutsche Botschaft akzeptiert nur einen ePass, denn bisher kaum jemand besitzt. Während andere Botschaften eine Übergangsregelung einräumen, erwartet die Deutsche Botschaft von jedem Antragsteller einen ePass (wobei ich mich frage, ob denn die Sicherheitslage so dramatisch ist?). Aber auch er hat ein Problem, die Preise für die Flugtickets sind explodiert, das billigste kostet 1.350 € (und auch hier in Deutschland gibt es keine Fluglinie, die es für weniger macht).

Wir sind beide müde, unser Ärger hält sich darum in Grenzen. Wir schaffen es gerade noch, uns für das kommende Wochenende zu verabreden, er fährt morgen nach Jos um Interviews zu machen.




Düsseldorf, den 31.August 2008


Nachrichten aus Norddeutschland


Liebe Freunde,

in den letzten Tagen ging es hier ziemlich hektisch zu, der eine oder andere hat dies evtl. bemerkt, spätestens am Sonnabend den 30. August war allen Beteiligten klar, dass unser Treffen bei H. K. wieder ein historisches Treffen sein würde, zumindest für unsere Vereinsgeschichte. Dieses Treffen war ursprünglich vereinbart worden, um die guten Geschäftsbeziehungen zwischen der Fa. K. und LHL durch ein gemeinsamen Zusammentreffen zu dokumentieren. Wie bereits im letzten Jahr sollten zuerst die geschäftlichen Angelegenheiten in den K.’schen Werks- und Büroräumen erledigt werden und nach getaner Arbeit wollten wir gerne der Einladung zum Jugoslawen folgen. Es kam auch fast so wie geplant bis auf die Tatsache, dass H. Z. als Vertreter von a. erstmalig teilnahm und quasi als Einstandsgeschenk den schon lange erwarteten Auftrag für die Lieferung eines Containers nach Nigeria in der Tasche hatte. Somit hatten wir allen Grund zufrieden zu sein, denn aus Nigeria hatte ich schon vor einigen Tagen den Ausverkauf gemeldet und es war ein logischer Schritt, dass der leere Container in Kaduna schnellstmöglich aufgefüllt werden musste.

Aber das waren noch nicht alle guten Nachrichten, denn auch H. K. überraschte uns mit zwei Neuigkeiten: Im großen Besprechungsraum stand unübersehbar der neue 24-l-Kocher (der für Großfamilien, Firmen und Institutionen wie Polizei, Gefängnis oder Armee gedacht ist) und daneben die neue 5-l-Pfanne, die deutlich tiefer ist und somit mehr Gemüse, Soße oder Beilagen (auch bequemer) zubereitet werden können (ich gehe davon aus, dass zum neuen Großkocher ein entspr. Topf und eine entspr. Pfanne gehören).

Während die Pfanne bereits ab Oktober mit Sicherheit ausgeliefert werden kann, wird der neue Big-Save80-Kocher erst zum Jahresende fertig entwickelt sein. Dennoch konnte H. K. versprechen, dass auch dieser Kocher über die gleichen guten Eigenschaften verfügen wird, also 80% Holzeinsparung. Einen Preis konnte er allerdings noch nicht benennen, den wir aber sehr gerne erfahren würden, denn es gibt eine Reihe potenter Interessenten.


Bild: Neue Pfanne links und alte Pfanne reechts

Beim Blick in die Runde entdeckten wir dann eine Reihe von Brennmaterialien, u.a. auch Holzpellets und Holzbriketts. Da Y. bereits Holzbriketts in Nigeria entdeckt hat, lag die Frage nahe, wie diese hergestellt werden können, denn der nigerianische Produzent zeigte sich bisher wenig kooperativ (Abnahmegarantie von 1 Mill. Briketts z.B.). Also haben wir uns über die Herstellung von Holzbriketts unterhalten und sind dann auf das Thema „Produktion von S80 in Nigeria“ gestoßen. Dies ist ein ziemlich komplexer Stoff, man weiß kaum wo anzufangen und so waren wir letztendlich zu dem Ergebnis gekommen, dass dieses Thema frühestens dann wieder aufgegriffen werden sollte, wenn der Verkauf glatt läuft und größere Stückzahlen verkauft werden.

Zu dem Kreis der Besucher gehörte auch M. W., der im Senegal sich mit dem Bau von Pumpen bzw. Brunnen befasst. Seit er von dem S80 gehört und jetzt gesehen hat, ist er davon überzeugt, dass auch im Senegal der SAVE80 ein Verkaufsschlager sein würde. Hiermit traf er aber auf eine gehörige Portion Skepsis bei H. K., der die Größe des Landes und die geringe Kaufkraft als großes Hindernis einstufte. H. Z. regte an, diese Idee dennoch weiter zu verfolgen und dabei wäre ein nächster wichtiger Schritt, einen Partner zu finden, entweder eine Firma die sich mit ähnlichen Produkten bereits befasst oder eine NGO, die sich auf diesem Gebiet bereits tummelt.


Bild: beim Jugoslawen....

Inzwischen ist fast eine Woche vergangen, der Auftrag ist schriftlich bei H. K. eingegangen, wir haben mit Y. den genauen Bedarf festgestellt und bereits Mitte September könnte der Container abgeholt werden. Wenn alles nach Plan verläuft würde dann der Container etwa Anfang Oktober in Lagos eintreffen, quasi zeitgleich mit Y., der am 30.9. Deutschland wieder verlassen wird und sich sofort nach Rückkehr in die Arbeit stürzen könnte.

Liebe Freunde, es stehen uns stürmische Zeiten bevor, das hat uns Y. versprochen und wir alle können es kaum erwarten, dass es bald ordentlich brummt. Wir sehen uns im September wieder, an einem der drei Wochenenden besteht genügend Gelegenheit und es würde mich freuen, wenn alle Mitglieder diese Gelegenheit des Zusammenkommens und Kennenlernens nutzen könnten.

Mit besten Grüßen

Bernd Blaschke


Düsseldorf, den 25.August 2008


Nachrichten aus Kaduna


Liebe Freunde,

eine wichtige und unangenehme Nachricht aus Kaduna: Y. ist krank und liegt zu Hause im Bett. Er fühlt sich schlapp seit gestern am Montag und hat etwas Temperatur, er glaubt, dass es ein Schwächeanfall ist wie er ihn schon einmal gehabt hat. Wenn es morgen, am Mittwoch, nicht besser geworden ist, wird er sich ins Krankenhaus begeben, obwohl er misstrauisch ist, was die Leistungen der Krankenhäuser betrifft (die staatlichen sind mehr ein billiges Hotel, die privaten mehr ein teures Hotel).

Da wir am 19.8. und am 21.8. miteinander telefoniert hatten, darüber aber Euch noch nicht berichtet wurde, fasse ich alles hier und heute zusammen:

Abba B., ein Vorstandsmitglied von DARE, besucht England im August und möchte gerne auf dem Rückweg in Deutschland vorbei kommen und am 19./20. in Düsseldorf an unserer Jubiläumsfeier teilzunehmen. Er benötigt für sein Visum eine Unbedenklichkeitsbescheinigung und wir überlegen, wie wir ihm diese verschaffen können. Er kommt nicht alleine, seine Tochter begleitet ihn.

Am 19.8. hatte DARE eine Vorstandssitzung (nur die Männer kamen) und das wichtigste Thema war die Frage, wie DARE sich erweitern kann. Da wir mit unserem ersten Projekt in der Guinea-Savannen-Zone starten wollen, liegt es nahe, entweder in Jos oder in Bauchi die nächste Filiale zu eröffnen. In Jos sind schon Vorbereitungen dafür eingeleitet worden, dort sind auch die weitaus meisten Verkäufe getätigt worden, so dass derzeit alles für Jos spricht. Dort müssen zuallererst die „Techniker“ noch einmal nachgeschult werden, das wird nicht Auta unser Cheftechniker sondern Itopa übernehmen, der sich in der letzten Zeit sehr gut eingearbeitet hat und wertvolle Arbeit leistet, sowohl im techn. Bereich als auch im Verkauf.

Im Büro von DARE treffen viele Anrufe ein, man fragt, wann der nächste Container kommt. Legt man die Anfragen zugrunde, dann könnte der nächste Container auch in Jos angeliefert werden, dort kann er ebenso flott verkauft werden wie in Kaduna selber. Also wurde weiterhin beschlossen, gleich nach dem Eintreffen des Containers die Hälfte weiterzufahren nach Jos, sofern bis dahin alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, also neben Büro und Verkaufsraum auch ein Lagerplatz gefunden wurde. Und Y. ist fest davon überzeugt, dass die nächste Bestellung noch in diesem Jahr aufgegeben werden muss. Ich glaube ihm das!

Eine wichtige Frage meinerseits war, wie es mit den Einnahmen ab August aussieht. Denn ich hatte die Buchhaltungsdatei für die Monate Januar – Juli erhalten und daraus konnte ich erkennen, dass noch nicht alle Kocher verkauft worden waren. Y. beruhigte mich und wies darauf hin, dass sehr wohl nahezu alle Kocher verteilt worden sind, aber für alle Kocher werden erstmals zum Ende des Monats August die vereinbarten Raten eintreffen, also für ca. 600 Kocher x 10 € = 6.000 €. Diese Einnahmen werden jeden Monat bis November erwartet, dann werden sich die Einzahlungen vermindern. Mit diesen 6.000 € kann der gesamte Betrieb fortgeführt werden, so dass spätestens im Oktober der nächste Container eintreffen muss, damit im Nov. der Verkauf wieder starten kann.

Meine nächste Frage galt dem Container, der seit dem 4. August in Lagos liegt. Y. berichtete, dass unser Zollbeamter, zusammen mit dem Agenten sich darum kümmert, die Papiere zusammen zu bekommen. Eine Schwierigkeit haben wir wieder mit Contecna, die Probleme macht, weil auf unserer Proforma-Invoice nur der Preis für den Wagen vermerkt war, alle andere waren als Missionargüter (ohne Wert) deklariert worden. Dies ist für die Leute von Contecna kein Grund, alles hat einen Wert, und sei es nur, um darauf Zoll zu erheben. Die Aufgabe von Contecna ist eine Ware auf ihre Ordnungsmäßigkeit im Hinblick auf Menge, Qualität oder Preis zu überprüfen. Derzeit wird also mit Contecna um die Preise gerungen. 50.000 Na (gut 200 €) fordert der Agent für seine Mithilfe bei diesen Verhandlungen.

Auf meine Frage bzgl. der Pakete mit den Pfanne erhielt ich zur Antwort: die Post hat noch nichts abgeliefert.

***

Zwei Tage später, am 21.8. haben wir wieder miteinander telefoniert. Es war schwierig, eine Verbindung herzustellen, bei den ersten Versuchen landete ich bei wildfremden Leuten. Dann endlich war Y. am Telefon und ich fragte ihn als erstes, ob es regnet. Er bejahte und sagte mir auf den Kopf zu, dass es heute schwieriger als sonst war, durchzukommen. Und in der Tat mussten wir das Gespräch noch einige Male unterbrechen, da die Verbindung während des Gesprächs so schlecht wurde, dass man überhaupt nichts mehr verstehen konnte vor Geknatter oder dass die Leitung einfach tot war.

Die gute Nachricht: die Pfannen sind eingetroffen, d.h. die Post hat sich gemeldet. Eigentlich stimmt das auch nicht, denn der Kurierbote von TNT, mit dem wir einen wichtigen Brief an DARE versandt haben, erwähnte beiläufig, dass er bei seinen Nachbarn, der nigerianischen Post, in einer Ecke einen großen Pakethaufen gesehen habe und die darauf vermerkte Anschrift „DARE“ war ihm nicht unbekannt. Also rief Y. sofort dort an und siehe da: „Schön dass sie sich melden, hier liegen seit 14 Tagen mehrere Pakete für sie“. Auf die Rückfrage, warum die nicht ausgeliefert wurden, erhielt er zur Antwort, dass man das Büro von DARE einfach nicht gefunden habe. Aber nun sei man ja endlich zusammen gekommen, dummerweise müsse DARE ab heute Lagergebühren bezahlen, denn nur die ersten 14 Tage sind frei. Na, so ein Zufall! Also fuhren Y. und Abba B. zur Hauptpost und entdeckten einen übel zugerichteten Haufen halboffener Pakete. Sie waren bestimmt nicht professionell verpackt, da haben viele unprofessionell mitgewirkt, aber die Art der Paketbeförderung ist wohl auch nicht die feinste, vermutlich werden schwere Pakete nicht vom Lastwagen heruntergereicht sondern heruntergeschubst, so sah jedenfalls das Ergebnis aus. Jetzt muss aber erst einmal mit dem Zoll verhandelt werden, das ist Aufgabe unseres Zollbeamten und wir müssen uns gedulden, bis die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen sind. Wir sind uns einig, dass wir die Pfannen nicht zurücksenden lassen, zahlen also notfalls den geforderten Preis, vielleicht stimmt ein SAVE80 den Chef freundlicher...

Am Sonntag findet im Büro von DARE eine betriebsinterne Fortbildung statt, denn Y. wird die Mitarbeiter über die Interviewtechnik instruieren und wie man die Fragebögen auszufüllen hat. Er wird dabei auch über die Hintergründe von CDM vortragen, damit seine Leute wissen, was sie und wofür sie das alles machen. Dies ist erforderlich, da bei den ersten Fragebögen doch eine Menge Ungereimtheiten auftauchten und wir erst hier durch Nachfragen dies klären konnten (in den meisten Fällen jedenfalls).

Zum Schluss habe ich Y. noch einmal auf die Liste für a. eingeschworen und er versprach, spätestens am Montag diese abzuschließen und mir zuzusenden. Eine ganze Reihe von Käufern wohnt in Jos und dorthin müsse er am Montag fahren, um die Daten abzufragen.

Spätestens am Dienstag muss alles fertig sein, denn am Mittwoch fliegen Y. und H. nach Lagos. Am Donnerstag um 9 Uhr haben sie einen Termin in der deutschen Botschaft, damit H. endlich ihr Visa erhält. Es ist mal wieder eine Reise in die Vorhölle. Vom Flughafen Lagos bis in die Innenstadt – dort hat die Botschaft ihr Residenz – dauert es fast einen halben Tag. Ein Termin um 9 Uhr bedeutet, Du kannst nicht erst am Morgen einfliegen. Das muss am Abend vorher erfolgen, dann fährt man in die Innenstadt und übernachtet in einem Hotel nahebei, damit man garantiert um 9 beim Botschafter anklopfen kann. Kommst Du zu spät, erhältst Du einen neuen Termin in vier Wochen, das ist auch Afrika.

Späte Grüße

Bernd

[Nachbemerkung des Setzers: Das ist nicht Afrika, sondern europäisches Denken in Afrika!]


Düsseldorf, den 09.August 2008


Nachrichten aus Kaduna


Liebe Freunde,

heute hatten wir Probleme zusammen zu kommen, denn mind. 5 x hatte ich bereits den Kontakt herstellen können, hörte Y. auch gut und deutlich, aber die Kommunikation war einseitig, er vernahm mich nicht und ich legte schnell auf und wählte neu. Dann endlich klappte es beim 5. Mal. Gestern war heftiger Regen, heute ist es mild aber sehr trübe, der Himmel verhangen, keine Sonne zu sehen, unsere Solar Power Box kommt nicht auf 100 % und die Besitzer von Solarkochern blicken ratlos drein und wünschen sich jetzt sehnlich einen unserer SAVE80...

Ich berichtete zuerst von ein paar Neuigkeiten, denn Y. hat seit drei Tagen keine eMail mehr gelesen. Dann war er am Zuge und berichtete seinerseits, dass Dr. F. bei H. angerufen hatte, weil er mit Y. keinen Funkkontakt bekam. Bei den vielen Erzählungen horchte H. erst richtig auf, als F. von einem Plan des Umweltministeriums sprach, wonach eine größere Stückzahl unseres S80 gekauft werden und mit weiteren Subventionen an die ärmeren Bevölkerungsschichten verkauft werden soll. Wir werden erst feiern, wenn es diesen Auftrag schriftlich gibt und dann würde die Frage nach einheimischer Produktion mit einem Schlage akut. Nächste Woche will Y. nach Abuja ins Umweltministerium um Näheres zu erfahren, aber auch, um den neuen Mann zu sprechen, der für das EIA zuständig ist.

Unser Container könnte bereits in Lagos eingetroffen sein, ich habe Y. den Namen des Schiffes nennen können (BUX SAILOR) und die Container-Nr., die ich auf einem Foto von H. B. erkannt habe. Was noch immer fehlt sind die Ladepapiere der Spedition, ich muss am Montag dringend anrufen. Ebenfalls bei DHL, weil die Pfannen noch nicht eingetroffen sind.

Y. hat sich am Freitag den Besuch in Zaria verkneifen müssen, denn der Direktor des Flughafens Kaduna hatte angerufen und um ein Gespräch gebeten. Er erschien im Büro von DARE mit seinem Finanzchef und sein erstes Thema war Solartechnik: er suche eine zuverlässige Stromversorgung für die Anlage, die den Instrumenten-Landeflug ermöglicht. Die Anlage arbeitet unzuverlässig, da es häufig Stromunterbrechungen gibt und mit Solarstrom verspricht sich die Flughafenleitung einen gesicherten Betrieb. Man wäre gezielt zu DARE gekommen, denn hier wisse man am meisten zum Thema Solarstromversorgung. Dann rückten beide Herren aber auch mit ihren privaten Wünschen heraus: Ihre Häuschen seien ebenfalls mit Strom unterversorgt und man habe gehört, hier gäbe es Solar-Power-Boxen, mit denen man die Stromlücken problemlos überbrücken könne. Y. plant also, sobald unsere SPB im Büro eingetroffen sind, alle Interessenten zu einem Solartag einzuladen und Ihnen vorzustellen, was wir mit den SPB machen könnten.

Heute am Sonntag fahren sie zu Pastor Majauh nach Wambai, etwa 100 km nördlich von Kaduna. Dort wollen sie noch einmal eine Vorführung veranstalten und dann mit dem Pastor und seinem Sekretär das weitere Vorgehen besprechen. Gestern, am Samstag, haben sie im Büro sich überwiegend mit der Buchhaltung beschäftigt und heute wollen sie die Arbeiten abschließen, so dass dann das zweite Halbjahr vorgelegt werden kann. Begonnen hat er auch schon mit einer Liste für a., darin sollen alle verkauften Kocher mit Serien-Nr. und Name eingetragen werden. Wenn wir diese beiden Dokumente vorlegen, wird der zweite Container bestellt. Ins Büro hatten sie auch Ta Dutse mitgenommen, doch die Kleine wollte partout mit Papa und Mama dort spielen, weswegen H. ihre Schwester anrief und um Unterstützung bat. Die kam dann auch und die beiden gingen in einen nahen Park, dort steht seit einiger Zeit ein uraltes Karussell und für ein paar Naira kann man sich ein paar Runden drehen lassen. Das muss Ta Dutse gefallen haben, denn sie kamen sehr spät nach Hause, als es schon dunkelte.

Ich sprach Y. auf die sehr abweichenden Holzmengen in Borno State an, hier liegt der Durchschnittsverbrauch etwa 3 x höher als in anderen Regionen. Diese starke Abweichung können wir uns nicht erklären. Y. wird noch einmal die Original-Fragebögen sich anschauen und prüfen, ob ein Rechenfehler vorliegt (Monatsverbrauch statt Wochenverbrauch?). Aber er könne sich das durchaus auch deswegen erklären, da die Haussa-Familien in Borno State bekannt für ihre Gastfreundschaft sind, d.h. es steht ständig ein Kessel mit Essen auf dem Feuer um Gäste sofort bewirten zu können. Und das bedeutet, dass ständig ein Topf mit Essen auf dem Feuer köchelt.

Ich wies ihn noch darauf hin, dass die neuen Fragebögen zwei Änderungen erfahren haben und dabei erzählte mir Y. dass während der Regenzeit in der Stadt häufig der Kerosinkocher zum Einsatz kommt, weil alles Feuerholz nass ist und zudem in den Stadtwohnungen bei solchem Wetter man den Kocher nicht in das Wohnzimmer stellen möchte, sonst würde der Raum zu verqualmt werden.

In vier Wochen bereits wird Y. und H. in Deutschland sein. Sie bereiten auch schon ihre Vorträge vor und wollen nicht nur Bilder zeigen sondern auch kleine Filmsequenzen vorführen.

Das nächste Telefongespräch werden wir führen, wenn die beiden Tabellen mir vorliegen.

Bernd


Dü’dorf, den 08.August 2008


Nachrichten aus Kaduna


Liebe Freunde,

ich bin in letzter Zeit etwas ins Hintertreffen geraten, denn ich bin stark tagsüber mit Krankenhausbesuchen beschäftigt. So berichte ich heute über zwei Telefonate, das erste war am Dienstagabend (5.8.), das zweite und letzte gestern am 7.8. und zusammen habe ich mehr als zwei Stunden mit Y. telefoniert.

Der Bericht beginnt mit den Wetternachrichten: noch immer regnet es, in Kaduna erfreulich viel, in Kano unterdurchschnittlich wenig. Die Bauern werden in Kaduna eine gute Ernte einfahren, vor allem Jam, sonst Getreide und Gemüse, besonders Tomaten, und Obst (besonders Mango).

Beide sind nach Abuja eingeladen, wo das Umweltministerium eine Konferenz über das Thema „Bodenerosion + Abholzung“ durchführt. Sie hoffen dass sie nur einen Tag benötigen, sollten sie auch noch bis Mittwoch bleiben, dann würden sie Dr.H. G. und seine Reisegruppe vom Flughafen abholen und nach Kaduna begleiten. Und so kam es auch, denn am Dienstag lief nicht allzu viel und sie hatten am Abend Zeit für eine kleine Begrüßung in der Empfangshalle. Es regnete zur Ankunftszeit so heftig, dass sie beinahe in einen Unfall mit einem unbeleuchteten Bus verwickelt worden wären. Aus der gemeinsamen Fahrt nach Kaduna wurde allerdings nichts, denn der Workshop beschäftigte sie stärker als erwartet.

Am Mittwoch hatten sie Gelegenheit, in einem12 Minuten Vortrag unseren S80 vorzustellen und anschließend eilte die Umweltministerin auf unsere beiden Vertreter zu um sie zu begrüßen. Ihren Staatssekretär im Schlepptau wies sie ihn an, mit uns Kontakt zu halten, um die Frage der Zollbefreiung zu diskutieren und die Frage eines weiteren Subventionsprogramms. Die Ministerin versprach auch sich bald zu melden bezüglich eines gemeinsamen Termins mit der Präsidentengattin.

Besonders aus den Wüstenstaaten waren verschiedene Vertreter der Umweltministerien anwesend, die sich durch die Bank begeistert von dem SAVE80 zeigten und versprachen, bald im Büro von DARE anzurufen, evtl. veranstalten sie auch Sensibilisierungsworkshops. H. hat einen Kurzvortrage gehalten und den Kocher vorgestellt; sie waren die einzigen Aussteller, die das Thema „Energiesparen“ behandelten. Auch H. F. schaute vorbei, P.'s Briefe an die Ministerin erwähnte er mit keinem Wort. Ich habe vorgeschlagen, dass Y. die Schreiben von P. mitnehmen solle um sie beim nächsten Besuch dem Staatssekretär auszuhändigen. Verschiedene Personen wollten einen Kocher spontan kaufen, aber es gibt derzeit keinen Verkauf von SAVE80, man wartet auf die Pfannen. Die Rückfahrt traten sie gegen 17 Uhr an, eine Stunde brauchten sie bis sie eine Tankstelle fanden um vollzutanken, dann noch drei Stunden Fahrt bei strömenden Regen im Dunkeln.

Mit dem Form M gab es Probleme, weil eine Unterschrift nicht im Original drunter stand (dazu hätte Y. nach Lagos fahren müssen). Es eilt, denn der Container könnte am Wochenende eintreffen.

Mit Studenten der Uni Kaduna will er die weitere Befragung von S80-Besitzern durchführen, dazu möchte er sie in einem Ganztages-Workshop fit machen, u.a. eine Einführung in das Thema CDM von Prof. Obio und dann natürlich Einführung in die Interviewbögen.

Am Freitag ist eine große Einsetzungsfeier in der Rehaklinik von Dr. G., es wird auch als Gast der Emir von Zaria erwartet und Y. + H. sind eingeladen.

Am Wochenende wollen sie sich endlich um den Finanzbericht des 2. Quartals kümmern. Bei dieser Gelegenheit hat Y. erwähnt. dass H. sich zukünftig um die Kundengespräche und Workshops verstärkt kümmern möchte, dass Buchhaltungsgeschäft wollen sie outsourcen.


Düsseldorf, Montag den 28. Juli 2008

nur noch gute Nachrichten aus Kaduna.

Liebe Freunde,

es liegt eine Woche Urlaub hinter mir und jetzt bin ich neugierig und voller Tatendrang. Noch am Abend unserer Rückkehr habe ich gegen 22.30 zum ersten Mal zum Telefon gegriffen und Y.  Mobil-Nr. gewählt, hatte auch Glück was die Verbindung betraf, Pech allerdings auch, denn Y.  befand sich im Auto und bat um meinen Anruf etwa 30 min. später. Also ein erneuter Versuch um 23.15 und jetzt schien alles in bester Ordnung zu sein, lediglich der Hinweis, dass seine Handybatterie schwächelt und wir beim Totalausfall über H.s Handy das Gespräch fortsetzen müssten.

Wir haben wenig Zeit mit Vorgesprächen vertan, er berichtete sofort, dass der letzte Sonntag ein voller Erfolg waren, (ich erinnerte mich, dass sie noch 38 St. vor dem Ende des Gottesdienstes montiert haben wollten) Das haben sie nicht ganz geschafft, während die Montagearbeiten noch andauerten wurde aber schon mit dem Verkauf begonnen, immer streng die Liste herunter. Über Nacht waren jedoch weitere 50 Interessenten eingetragen worden, das ist dann wie der Kampf gegen Windmühlen (oder ist es eher wie in der Sage von Sisyphus, der seine Zeit mit Steine schleppen vertat?), kurzum, es blieben am Abend sowohl begeisterte Besitzer als auch enttäuschte Interessenten zurück, aber Y. versprach wieder zu kommen, musste aber bereits schon andeuten, dass auf Grund von Lieferengpässen nur ein Teil beliefert werden könne.

Am Abend dann zurück in Kaduna empfing ihn eine Nachricht von der Taxifahrergewerkschaft, die von ihren Kollegen in Jos erfahren hatte, dass der Mann mit den Wunderkochern sie besucht hätte. Y. konnte den sich anbahnenden Ärger nur durch ein Versprechen begegnen, 30 SAVE80 waren sein Angebot, natürlich wieder mit je 2 Töpfen.

Am Mo. kam der erwartete Anruf von der NEMA (die Katastrophenschutzorganisation) und man bat ihn zu einem Gespräch am Do. nach Abuja, dieses mal mit dem Generaldirektor, der bisher an allen Gesprächen verhindert war. Y. erläuterte ihm die Situation, d.h. die Subventionierung auf Grund des CDM-Vertrages und dies war dem Manne sofort einsichtig. Er plane, ein größeres Lager für den Katastrophenschutz einzurichten und dazu sollten auch etwa 1.000 Kocher gehören. Er würde sich dafür stark machen, die Entscheidung liegt jetzt beim Beschaffungsausschuss. Na, wir wollen gerne noch etwas zuwarten, können sowieso nicht liefern.

Gerade will Y. wissen, wann H. K. den nächsten Container bepackt hat, reißt unser Gespräch wie angekündigt ab, aber es gelingt mir in dieser Nacht nicht mehr, eine Verbindung mittels H.s Handy-Nr. herzustellen. Nach einer Stunde und ca. 25 Wählversuchen gebe ich auf, bin auch zwischendurch mehrmals eingenickt und hoffe auf den Sonnabend.

Am Sonnabend wähle ich erst um 23.15 Y.s Handy-Nr. und bekomme sofort Anschluss. Wir versuchen erst gar nicht, die Gründe für das Nichtzustandekommen einer Verbindung zu finden, evtl. war es der starke Regen, denn es ist noch Regenzeit. Aber er verteilt sich sehr ungleichmäßig, denn im Süden regnet es reichlich, im Norden merkt man kaum etwas von der Regenzeit, die Bauern befürchten schlechte Ernten. Die Frage, wie der Preis unseres S80 bei der nächsten Lieferung aussehen wird, notiere ich mir für mein nächstes Gespräch mit H. K.. Y. hofft darauf, dass der nächste Container bald aus Deutschland abreisen kann, aber ich musste seine Erwartungen etwas dämpfen, denn soviel wusste ich schon, dass H. Koch zwar sein Angebot abgegeben hat, ein Auftrag ihm aber noch nicht vorliegt. Doch die Zeit drängt, durch den Verkauf von jeweils zwei Töpfen schmilzt der Bestand rapide und ich empfehle Y., keine weiteren Verkaufsaktionen zu starten, da er sonst alle Kocher und Töpfe verkauft hat und beim Eintreffen der Pfannensendung nur noch diese verkaufen kann.

Gute Kunde kommt aus Jos, welches sich immer mehr zu einem wichtigen Verkaufsgebiet entwickelt. Aus einer Armeekaserne wird nach einem Termin für eine Verkaufsvorführung angefragt. Die Armeeangehörigen haben sich für den privaten Gebrauch für unseren Holzsparkocher entschieden. Y. gibt eine grundsätzliche Zusage, will aber noch keinen Termin nennen. Doch diese Anfrage bietet eine große Chance, denn ehe die Armeeführung mit ihrer Entscheidung rüberkommt, könnten wir für den privaten Gebrauch eine große Stückzahl unkompliziert und kurzfristig an die Armeeangehörige verkaufen. Angerufen hat auch die Polizei und die Taxifahrergewerkschaft, die eifrig ihre Bestelllisten fortführen und um Belieferung bitten.

Wir haben dann noch zwei organisatorische Fragen erörtert: erstens was sollen wir den beiden „Studenten“ bezahlen, die sich für eine weitere Mitarbeit beworben haben. Beide haben gut zugeschaut und inzwischen auch selber bereits Käufer gewonnen. Wir sind uns einig, dass wir ein Zwei-Säulen-Modell bevorzugen, d.h. Fixum und Erfolgsprovision. Zudem gibt es für Familienväter –mütter einen Familienzuschlag und Fahrtkostenbeteiligung für den, der nicht in der Stadt wohnt. Und die zweite Frage betraf den Transport des Containers: Sollen wir mit der Spedition wieder einen Pauschalvertrag abschließen oder können wir uns um den Landtransport besser selber kümmern?

Schließlich haben sie in Jos bereits ein erstes Angebot für unser Büro erhalten, sehr zentral gelegen, Neubau, aber das hat seinen Preis: 100 € im Monat. Ich meine zu teuer, noch sind unsere finanziellen Ressourcen sehr beschränkt. Zwei Interessenten als DARE-Mitarbeiter hätten wir bereits und aus der Gemeinde sind zwei Gemeindemitglieder, die sich bei den Montagearbeiten sehr ordentlich angestellt haben. Wir überlegen, ob nach Jos nicht gleich der dritte Container geliefert werden sollte, doch zuerst brauchen wir den zweiten in Kaduna, da brummt uns beiden der Kopf und wir machen für heute nach 2 Std. Schluss.



Dü’dorf, Montag/Dienstag, den 14./15.Juli.2008


Erfreuliche Nachrichten aus Kaduna


Liebe Freunde,

nach dem gestrigen Kurzgespräch haben wir heute endlich wieder ein vernünftiges Gespräch miteinander führen können, d.h. die Sprachqualität war einigermaßen und wir wurden auch nicht unterbrochen, so dass wir fast zwei Stunden gut uns austauschen konnten.

Es ist noch immer Regenzeit, in Jos hat es heftig geregnet, jetzt in Kaduna nur noch mäßig. Leider ist die Regenmenge sehr ungleichmäßig verteilt, in den nördlichen Regionen ist bisher nur sehr wenig Regen gefallen und die Bauern dort befürchten eine schlechte Ernte, wenn sich die Verhältnisse nicht bald ändern.

Y. hat seinen Aufenthalt in Jos noch verlängern müssen, denn nach der Vorführung bei der großen Gemeinde in Jos (eine lokale COCIN-Gemeinde, d.h. Church of Christ in Nigeria) am Sonntag hat er von einer Frau aus dieser Gemeinde eine dringende Einladung zur Local Government erhalten, dort würde man ihn am Montag erwarten. Es ist eine von insgesamt fünf lokalen Gemein­deverwaltungen und im Büro herrschte großes Gedränge. Es war bereits eine Bestellliste vorbereitet worden, bis zum Eintreffen standen ungefähr 80 Namen von Interes­senten darauf und die Direktorin der Finanzabteilung hat ihm versichert, dass sie die Raten­zah­lungen organi­sieren würde (Abzug vom Gehalt und Überweisung auf das Konto von DARE). Während Auta und der Fahrer (Name: Abdul Rasak, bitte merken) mit der Montage begannen, konnte Y. den Zuhörern die Funktion des Kochers erklären. Aber die Zuschauer blickten nur mit einem Auge auf ihn, das andere hatten sie auf den Montagetisch gerichtet, und immer wenn ein SAVE80 fertig war gab es ein kurzes Gedränge, denn jeder wollte heute seinen S80 mit nach Hause nehmen. Das allerdings blieb Utopie, denn nur 20 hatten sie mitgenommen, der Rest wird voraussichtlich am kommenden Wochenende ausgeliefert werden. Die Direktorin wird bis dahin auch die anderen vier Lokalbehörden informiert haben, sodass dieser Besuch auch mit einer weiteren Vorführung verbunden sein wird. Bei jeder dieser Gemeinden werden wir mit ähnlichen Verkaufszahlen rechnen können (4 x 80 = 320 St.)

Auf der Gemeindeversammlung der COCIN-Gemeinde war auch ein Gemeindemitglied anwesend, welches Y. anschließend ansprach und ihm die Telefon-Nr. vom Regional­büro übergab. Mit dem dortigen Regional Chairman hat Y. sofort telefoniert und dieser hatte von ihm und dem SAVE80 bereits gehört und bedeutete ihm, dass er sich doch bitte den nächsten Sonntag zu einem Besuch in seinen Terminkalender eintragen möge, evtl. noch ein Vorgespräch in dieser Woche. Die Regionale Gemeinde umfasst mehrere 1000 Gemeinde­mitglieder und das Interesse in seiner Gemeinde ist groß, vielleicht könne man einen kom­pletten Container schon reservieren? Yahaya versprach, dass er bei dem Vor­gespräch Details nennen könne. Denn das bedeutet, dass wir bei H. K. gleich zwei Container bestellen müssten...

H. hatte während Y.'s Aufenthalt in Jos einen Anruf aus Maiduguri erhalten, es hatte sich der Professor gemeldet. Seine Frau war inzwischen sehr rührig gewesen und hätte bereits über 60 Interessenten gefunden, dies macht einen Besuch von H. oder Y. unbedingt erforderlich. Wann sie nach Maiduguri kommen würden, konnte noch nicht verbindlich ver­einbart werden, aber es ist klar, dass hier Audiola, unser Mann dort, auch die Montage jetzt ernsthaft erlernen muss, denn wir können für die Montagearbeiten nicht das halbe Büro nach Maiduguri transportieren.

Es gibt jetzt auch schon den ersten Ärger. Ihr erinnert Euch, dass die Taxifahrergewerkschaft in Jos bereits zu unseren Kunden gehört und diesen Kontakt hat uns unser Fahrer Abdul Rasak (!) vermittelt.10 Kocher hatten wir bereits an die Funktionäre verkauft und diese haben jetzt eine erste Bestellliste mit 35 Interessenten zusammengestellt. Rasak kommt aus Jos, ist aber ein eingetragener Taxifahrer in Kaduna. Die dortige Taxifahrergewerkschaft hat Wind davon bekommen, dass die Kollegen in Jos den SAVE80 kaufen können, ihnen in Kaduna hat Rasak diese Möglichkeit noch nicht vermittelt. Also waren sie zurecht sauer, zumindest bis ihnen Rasak versprach, dass Yahaya auch bei ihnen eine Vorführung durchführen werde, sie mögen aber bitte schon einmal anfangen die Namen von Interessenten zu sammeln. Inzwi­schen ist dieser Akt abgeschlossen, 67 Namen von Taxifahrern aus Kaduna stehen auf der Liste und warten auf den Besuch von DARE.

Nur zur Erinnerung möchte ich noch einmal die Mitarbeiter der Uniklinik in Jos erwähnen, die sind auch schon fleißig dabei, Namen von Interessenten zu sammeln, und wenn man bedenkt, dass mehr als tausend Arbeitnehmer an der Klinik arbeiten, kann man sich leicht ausrechnen, wie umfangreich diese Bestellliste werden kann. Hier ist die Situation auch besonders günstig, denn eine Einkaufskooperative existiert bereits.

Nach diesen Erfahrungen, und auch auf Grund der eigenen Eindrücke bei seinen Fahrten durch den Bundesstaat Plateau ( es sieht unterwegs erbärmlich aus, keine Bäume weit und breit, die Not an Brennholz ist groß, Brennmaterial ist verdammt teuer) erscheint es logisch, dass unsere nächste Verkaufsfiliale in Jos liegen könnte. Unser Mann in Jos heißt Didi (?), er ist der Zivi, der in Kano am Institut für Hydraulik arbeitet und hat uns den Kontakt nach Jos vermittelt. Seine Zivizeit ist im August vorbei, eine Arbeitsstelle hat er noch nicht und die Arbeit bei DARE interessiert ihn schon sehr.

Wir haben jetzt auch in Kaduna wohl eine Bürobesetzung, die gut funktioniert. Happyness ist mehr die Verkäuferin, Rita kann gut erklären und vorführen und Esekiel ist im Marketing gut. Diese Drei waren in den letzten Tagen alleine im Büro und es ist gut gelaufen. In Kaduna wird sich H. um die Werbung und Verkäufe kümmern, neben den Buchhaltungs­auf­gaben, für die allerdings noch eine weitere Hilfe gesucht wird.

Y. hatte noch einen konkreten Wunsch: wenn wir ihnen ein Schweißgerät mit dem Container liefern, sollte unbedingt eine Schutzbrille dabei sein. Mir wurden inzwischen ein Hometrainer und ein guter gebrauchter Miele-Geschirrspüler angeboten. Y. ist überzeugt, dass wir diese Gegenstände gut verkaufen könnten, aber ein Transport mit dem gtz-Container ist nicht möglich, ebenso wie der Motorroller. Aber ich denke, dass wir in einigen Monaten einen weiteren Container nach Kaduna versenden können, worin wir evtl. weitere Entsafter und SPB’en transportieren könnten, und bei dieser Gelegenheit hätten wir auch Platz für andere Gegenstände.

Bei F. hat Y. nichts erreichen können bzgl. LoA oder Erklärung zum EIA. Er vertröstete Y. mit dem Hinweis, die Ministerin werde uns antworten. Da ist was faul im Staate Nigeria, würde ich jetzt mal sagen. Wir warten auf G., nur der kann uns weiterhelfen.

Wir haben jetzt die Hälfte der Kocher verkauft, davon alleine 200 seit dem 1.7. Hier in diesem Protokoll sind potentiell weitere 2000 Interessenten für unseren Kocher erwähnt, d.h. es muss schnellstens der nächste Container bestellt werden.


Dü’dorf, Sonntag/Montag, den 13./14.Juli.2008


Liebe Freunde,
diesmal hat uns die Telefonqualität einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn nach ca. 30 Minuten schon mußten wir unser Gespräch abbrechen. Die in dieser Zeit übermittelten Nachrichten sind aber auch schon hervorragend, wer weiss, was ich da alles noch versäumt habe.... Herzliche Grüße


Gute Nachrichten aus Kaduna


Liebe Freunde,

heute habe ich gleich zweimal mit Nigeria telefoniert, ein Gespräch mit H., um ihr ein paar Fragen zu den Auswertungen zu stellen, ein weiteres Gespräch mit Y. um zu erfahren, was er aus Abuja berichten kann (Besuch bei der NEPA). Während für das Gespräch mit H. mir an manchen Stellen nur die engl. Übersetzung fehlte, mangelte es im Gespräch mit Y. an der erforderlichen technischen Qualität. Von Minute zu Minute wurde es schwieriger und schließlich mussten wir das Gespräch abbrechen und werden es morgen fortsetzen. Von H. habe ich immerhin erfahren, dass die Feier mit H. T. zum Anlass der Geburt eines Kindes sehr gelungen war, denn erstens schmeckte das Essen hervorragend (das Fleisch wurde traditionell auf einem Drei-Steine-Feuer zubereitet, den Reis und das Gemüse hat H. auf den beiden S80 gekocht, immerhin 4 Töpfe Reis und 3 Töpfe Gemüse für über 100 Personen). Da sie alle ihre Kocher bereits am Vortage im Umweltministerium bzw. bei Mr. F. verkauft hatten, konnte jetzt nur noch die sparsame und einfache Essenszubereitung gezeigt werden. Natürlich hat sich auch hier spontan eine Interessengemeinschaft gefunden und in den nächsten Tagen wird Y. einen Anruf bekommen, worin man ihm die Anzahl der bestellten Kocher mitteilen wird und man wird auch nach einem Termin fragen.

Am nächsten Tag (Sonnabend) um 8 Uhr fuhr Y. zur NEMA und der Leiter, Mr. A., hat viele Fragen gestellt und großes Interesse gezeigt. Am Donnerstag wird es eine größere Sitzung in Abuja mit anderen Abteilungsleitern geben und er bat Y. dazu zu kommen und es wäre prima, wenn zwecks besserer Vorbereitung er auch schon am Montag sich bei ihm einfinden könne.

Die Rückfahrt nach Kaduna fand erst am Sonnabend Abend statt, Ankunft gegen 20 Uhr und dann musste Y. zusammen mit Auta noch den Wagen beladen für die nächste Tour am Sonntag Morgen nach Jos zur großen Gemeinde. Und wieder haben sie die Kaufwilligkeit unterschätzt, denn alle 24 Kocher wurden im Handumdrehen verkauft, aber 49 Bestellungen hatte er unterwegs per Handy erhalten, so dass 25 Interessenten vertröstet werden mussten. Nachdem alles vorbei war, trafen sie auf die Vertreter zweier benachbarter Gemeinden, die von dieser Veranstaltung gehört hatten und nun enttäuscht waren, dass es heute keinen weiteren SAVE80 mehr zu kaufen gibt. Sie ließen sich nur schwer mit der Zusicherung trösten, dass man bald wiederkommen wolle. Auch schon deshalb, weil unter den Zuschauern ein Mitarbeiter der hiesigen Universitätsklinik saß und am Ende der Veranstaltung ebenfalls eine Einladung aussprach. Es zeigte sich verstärkt, dass im Bundesstaat Plateau mit der Hauptstadt Jos der Bedarf an Holzsparkochern immens ist und wir mit unserem S80 eine Lücke entdeckt haben; das gesamte Land leidet unter Holzarmut und Mangel an Bäumen.

Dann zählte Y. mir noch kurz sein Wochenprogramm auf, aber seine Stimme entfernte sich dabei, begleitet von einem Rauschen und Knacken, so dass ich nur noch verstanden habe:

am Montag in Kaduna, Gespräch mit den Studenten über die Fragebögen und ab Mittag in Abuja bei NEMA;

am Dienstag nach Kano, hier wartet die Verkäuferin auf eine weitere Einführung und der Banker (Herstellung von Karitebutter) hat um seinen Besuch gebeten.

am Mittwoch: Aufenthalt in Kaduna

am Do:nnerstag Fahrt nach Abuja, Besprechung bei NEPA

am Freitag in Kaduna;

am Samstag Besuch der großen Gemeinde in Jos und mindestens eine weitere Gemeinde (noch größer).

Wenn die Verkäufe in diesem Tempo so weitergehen, dass also bei jedem Besuch mindestens 20 Kocher verkauft werden und im Büro von DARE es auch täglich Bar-/Einzelverkäufe gibt, dann sind das etwa 100 Kocher pro Woche und damit können in den kommenden fünf Wochen alle restlichen Kocher aus unserem Container verkauft werden.



Dü’dorf, Freitag/Samstag, den 11./12.Juli.2008


Nachrichten aus Kaduna


Liebe Freunde,

Das ist die nigerianische Umweltministerin Frau Halima Tayo Alao, mit der Y. und H. sich gestern getroffen haben, und den Namen sollten wir uns gut merken. Diese Frau hat sich fast eine Stunde lang von unserem Projekt berichten lassen und sie haben auch gemeinsam die Probleme festgemacht: Zoll, hoher Preis, fehlende Subventionierung. Sie hat versprochen, beide zu einem weiteren Termin zu empfangen, dann aber verbunden mit einer Kochervorführung, zu der heute leider keine Zeit war.


Umweltministerin aus Nigeria, Halima Tayo Alao, hier mit ihrem deutschen Kollegen.

Pünktlich um 11 Uhr wurden unsere beiden Freunde vorgelassen und sie trafen die Frau Ministerin im Kreise ihrer etwa 30 Abteilungsleiter (zu der auch H. F. gehört), die schon sehr erwartungsvoll sie begrüßten. Einige der Anwesenden hatten H. bereits auf der Konferenz in Sokoto kennen gelernt und unser Kocher war somit ebenfalls bereits bekannt. Bekannt war auch Y. aus seiner Zeit als Reporter der Deutschen Welle, seine Stimme ist vielen Nigerianern vertraut. Nach der Vorstel­lungsrunde berichtete Frau Alao dass sie glücklich sei, endlich eine echte Alternative zum Drei-Steine-Feuer kennen zu lernen. Denn bei allen Veranstaltungen mit Frauen zum Thema Gesundheit, Holz- sparen und Energiepreise hatte sie stets das Problem, dass außer allgemeinen Appellen sie keine konkrete Hilfe anbieten konnte. Sie hat auch bereits mit der Gattin des Präsidenten gesprochen und ihr von diesem heutigen Besuch berichtet und die Präsidentengattin ist natürlich auch sehr neugierig geworden und bat auszurichten, dass man die Y.'s gerne zu einer Demonstration mit dem SAVE80 einladen möchte.

Bevor der Umweltministerin als Geschenk unser SAVE80 überreicht wurde, hat man intensiv über die drängendsten Probleme diskutiert, also das Zollproblem, der hohe Preis besonders für die Landbevölkerung und die Tatsache, dass der Kocher zwar aus Deutschland subventioniert wird aber eine weitere Subventionierung aus Nigeria notwendig sei, um die Beschaffung auch den ärmsten Familien zu ermögliche. Hierfür könnte man ein Programm anzapfen, welches von den Erdölfirmen gesponsert wird „Social responsibility“. H. F. wurde von der Ministerin gebeten, alle diese Vorschläge zu Papier zu bringen und baldmöglichst ihr vorzulegen, damit sie diese Punkte auf einer der nächsten Sitzungen des Kabinetts vortragen könne. Der ihr überreichte Kocher wird übrigens nicht in einer Glasvitrine in ihrem Büro verstauben, sondern sie wird ihn mit nach Hause nehmen und so oft als möglich selbst darauf kochen um sich immer daran zu erinnern, dass dieser Holzsparkocher von möglichst vielen Familien benutzt wird. Das alles wurde auch vom Fernsehen aufgenommen, leider war Y. nicht in der Lage, den ganzen Abend vor dem Fernseher zu sitzen und auf die Sendung zu warten.

Doch damit war der Tag aber noch nicht beendet, denn anschließend zog man sich in das Büro von F. zurück, wo wiederum eine große Runde, die Mitarbeiter von F.'s Abtlg. (F. ist Abteilungsleiter für das Thema „Auswirkungen der Klimaveränderung“) auf sie warteten, u.a. auch ein Herr T. Dieser war mit F. in Bonn und hat Y. und Frau für den nächsten Tag eingeladen, da möchte er gerne mit ihnen die Geburt seines Kindes feiern und die beiden Y.'s sollen der Gesellschaft auf den beiden SAVE80 vorführen, wie sparsam und lecker zugleich damit gekocht werden kann. Leider hatte Y. nur 6 Kocher im Gepäck, die ihm förmlich aus den Händen gerissen wurden (alles Bar- verkäufe), er hätte gut und gerne die vierfache Menge nur an diesem Nachmittag verkaufen können. Aber eine weitere Verkaufs­veranstaltung wird sicher morgen ein Thema sein.

Bevor Y. um 10 Uhr von Herrn T. abgeholt wird hat er noch einen weiteren Termin mit Morgan M. und seinem Vorgesetzten, dem Leiter der NEMA (die nigerianische Katastro­phenschutzbehörde), der nun endlich