Nachtbriefe I/2008


"Nigeria-Nachtbriefe aus Düsseldorf"

"Aber das wichtigste muss trotz vorgerückter Stunde noch zu Euch gelangen, sonst sitzt Ihr unwissend am Frühstückstisch und lest gelangweilt die Tages- zeitung." Mit diesen "Nachtbriefen" versorgt Bernd Blaschke den Kaduna- Freundes- und Mitarbeiterkreis regelmäßig mit den letzten Nachrichten aus dem Nigeriaprojekt. Hier werden technische Fragen besprochen oder allgemeine Ein- drücke vermittelt. "Nachtbriefe" deswegen, weil erstens Bernd am liebsten die ruhigen Nachtstunden nutzt, für diesen (kleineren) Teil seiner Mitarbeit am Projekt und zweitens, weil - für ihn optimal - die Telefonleitungen nach Nigeria am späten Abend viel bessere Qualität haben und man auch leichter durchkommt.



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Dü’dorf, Sonntag/Montag, den 29./30.6.2008


Liebe Freunde,
mein erstes Telefonat mit H. begann nicht so einfach, ich hatte allerdings mehr Probleme mit meinen Sprachkenntnissen erwartet, doch es war die Tochter Ta Dutse, die ich mit meinem Anruf aus dem Schlaf geholt hatte und entsprechend unleidlich reagierte sie, als die Mutter sich weniger um sie als mehr um mich kümmerte. Aus eigener Erfahrung als Opa weiß ich, dass das meist nicht gut geht und so war es, nach wenigen unverständlichen Sätzen haben wir unser Gespräch um 15 min. vertagt. Dann hatte ich plötzlich Verbindungsprobleme, entweder es war besetzt oder der Teilnehmer war unbekannt, doch man darf das mit afrikanischen Telefongesellschaften nicht so ernst nehmen, denn nach 3-4 Versuchen hatte ich H. wieder am Telefon, diesmal alleine. Ich hoffe ich habe sie nicht korrekt verstanden, aber es klang so, als ob das arme Kind jetzt in der Toilette untergebracht wurde. Während der folgenden Stunde wurden wir nur noch durch div. techn. Störungen beeinträchtigt.

Ich erzählte ihr von meinem Gespräch mit H. K. und die Aussicht, einen größeren 16 l Kochertyp zu erhalten und stellte meine erste Frage was sie davon hält. Die Antwort war für mich überraschend, denn sie sagte, 16 l ist zu klein, nicht nur für institutionelle Verbraucher (Gefängnis, Schule, Armee) sondern auch für viele Familien, denn im Norden gäbe es noch viele Familien mit 3-4 Frauen und entspr. groß ist die Zahl der Esser, 30 – 40 seien keine Seltenheit. Und dann fügte sie hinzu, dass bei solchen Dimensionen die Wonderbox riesig werden würde und damit gäbe es Probleme in den oftmals nur kleinen Küchen. Also schlägt sie vor, diesen Typ ohne Wonderbox auszustatten, denn 1. wäre die Holzersparnis auch in einem solchen Fall bestimmt über 70%, denn viele Gerichte können nicht in der Wonderbox weiterkochen, sie müssen ständig gerührt und beobachtet werden. Das Platzproblem wäre ein weiterer Aspekt und das Umsetzen eines kochenden 30 l Topfes ist für eine Frau Schwerstarbeit und gefährlich zudem. Ich versprach, über diese Aspekte mit H. K. zu sprechen.

Dann bat ich sie mir von ihrem Ausflug nach Sokoto zu erzählen. Gestartet sind sie am Do. um 3 Uhr morgens, denn die Fahrt dauerte 6 Stunden und der Kongress sollte um 9 Uhr eröffnet werden. Sie wurde von Hapyness, der neuen Verkäuferin und Ihtopa, dem zweiten Techniker begleitet. Die Einladung hatte sie über die Heinrich-Böll-Stiftung erhalten, die zusammen mit dem Umwelt- ministerium diese Veranstaltung organisiert hat. Das Thema lautete: Die bevor- stehenden Klimaveränderungen und mögliche Anpassungsstrategien im ländlichen Bereich. Aus den 11 Wüstenstaaten Nigerias waren Vertreter entsandt worden und der Sultan von Sokoto hatte seinen Vertreter geschickt und dieser hatte beim Besuch am Stand von DARE eine Einladung ausgesprochen. H. hatte die Gelegenheit erhalten, am Vormittag des 1. Tages einen Kurzvortrag (ein PP- Vortrag) über die Situation in der Nordregion zu halten und zum Mittagessen haben sie für die 60 Teilnehmer gekocht. Ich habe ein Reisgericht verstanden, bin aber nicht sicher, auf jeden Fall hat es allen geschmeckt und alle waren begeistert. Von 10 Landesvertretern erhielt sie deren Visitenkarten und die Bitte, unbedingt zu einem Besuch in die jeweilige Hauptstadt zu kommen, man müsse nur zuvor noch mit dem jeweiligen Umweltministerium sich absprechen. Für das Umwelt- ministerium in Borno hat sie dem Vertreter auf seinen Wunsch hin einen Brief mitgegeben, denn diese Regierung plant ein Kocherprogramm und der SAVE80 würde ideal dort hinein passen.

Zum Schluss berichtete sie nicht ohne Stolz, dass sie auf der Konferenz 15 Kocher verkaufen konnte, davon wurden 11 bar bezahlt. Am Freitag sind sie nach Kaduna zurückgekehrt. Wenn diese Einladungen auch nur zum Teil umgesetzt werden, ist das mit den vorhandenen Personen nicht mehr zu schaffen. Nun wollen wir erst einmal abwarten, welche Taten diesen Worten folgen werden, aber unsere erste Filiale in Kano ist inzwischen eingerichtet und eine Halbtagskraft sitzt im Büro und kann erste Auskünfte erteilen, unseren Kocher vorführen und auch diesen verkaufen. Die nächsten werden wohl im Osten liegen, also Jos oder Bauchi, dort haben wir immerhin schon eine Kontaktperson.

***

Dü’dorf, Montag/Dienstag, den 28./29.6.2008


Liebe Freunde,
ich gestehe, dass mich die Fußball EM etwas von meiner Arbeit abhält, denn bereits am Sonnabend habe ich mit Y. telefoniert, aber erst heute, 2 Tage später, komme ich zum Schreiben. Es war aber auch wieder eines der Nachtgespräche, bei denen ich dann mit mir schwer kämpfen muss, ob ich mich anschließend noch eine weitere Stunde an den PC setze und alles Gehörte für Euch niederschreibe. Andererseits: schon so manches Mal habe ich spätestens am Montag eine Anfrage erhalten, ob es denn dieses Mal Nichts aus Nigeria zu berichten gäbe. Also, es gibt etwas und jetzt, nachdem Europas Fußballmeister fest steht, kehrt das Tagesgeschäft wieder ein und damit mein normaler Rhythmus. Hier das Neueste aus Kaduna.

Mein erster Versuch ihn am Sonnabend zu erreichen war prinzipiell erfolgreich, denn ich erreichte ihn um 23.00 im Auto und da telefonierte es sich unbequem, aber auch die Verbindungsqualität schwankte sehr stark. Also startete ich meinen nächsten Versuch eine gute halbe Stunde später, es war jetzt 23.45 und ich hörte schon, dass Y. gerade etwas im Mund hatte und aß, es passte also noch immer nicht. Also noch eine halbe Stunde später, aber alle guten Dinge sind Drei, jetzt war die Sprachqualität gut und Y. hörte sich ausgeruht und erholt an, bis auf seine Stimme, die klang stark frequentiert. Meine erste Frage galt ihm und der Familie, denn ich wusste, dass sie beide die letzten Tage getrennt verbracht hatten und Ta Dutse war für gute zwei Tage bei einer Freundin untergebracht gewesen. Seine erste Frage war, gegen wen wir am Sonntag spielen müssen und bei der Nennung der spanischen Mannschaft wusste er sofort, dass dies kein leichtes Spiel werden wird.

Das Wetter war nicht das Beste, es regnete viel und die Luftfeuchtigkeit war sehr hoch, nichts für Leute die schnell ins Schwitzen kommen. Y. hatte den Tag in der Werkstatt bei Autan verbracht, denn für die bestellten Kocher mussten die Gestelle gefertigt werden und hier wurden viele Hände gebraucht. Morgen am Sonntag wollte er mit Autan nach Jos fahren, dort warteten in einer Gemeinde Interessenten auf 14 Kocher mit Gestellen, aber die Arbeit war um 22.30 abgeschlossen.

Am Do. und Fr. war Y. mit A. in Abuja gewesen, der Termin war vereinbart worden und eingeladen hatten drei Abteilungen aus dem Verteidigungsministerium: Die Nachrichten-Abtlg., die Infantrie und die Luftwaffe sowie eine private Einladung von einem ehemaligen Kapitän, der sich stark macht, dass auch die Soldaten privat die Möglichkeit erhalten, unseren SAVE80 zu erwerben. Vor zwei Abteilungen mußte Y. unseren S80 vorstellen und vorführen, die Nachrichten-Abtlg. war mehr an der SPB interessiert. Es wurde großes Interesse am Holzsparkocher signa- lisiert, einige Teilnehmer haben das Modell schon in Darfur gesehen (dorthin hat Nigeria einige Kompanien entsandt), jedoch wurde auch eine grundsätzliche Frage gestellt: Der 8 l Topf ist für die Armee zu klein, auch der nächst größere Modell mit 16 l würde nicht das Optimum darstellen, es werden Töpfe mit mind. 25 l Fassungsvermögen benötigt. Y. bat mich, mit H. K. über diese Frage zu sprechen und weil ich glaubte, die Antwort schon zu kennen, fragte ich nach der Stückzahl. Y. konnte keine exakte Zahlen hierzu nennen, aber in dem Gespräch war schon von Zahlen >10.000 die Rede.

Die Vertreter der Nachrichten-Abtlg. haben sich unsere SPB genauestens angesehen und viele Fragen gestellt. Die Verantwortlichen werden sich Gedanken machen über den Strombedarf und dann Y. noch einmal nach Abuja bestellen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Y. hat spontan sechs Kocher an die Offizieren für deren privaten Gebrauch gekauft, die anderen sechs sind bei Mr. Mustafa geblieben. Für den Verkauf dieser Kocher hat sich M.M. bereit erklärt. Am Freitag wollte Dr. M. mit P. telefonieren, doch in Soest war keiner erreichbar. Da Dr. M. in den nächsten Tagen für eine Woche nach London fliegt, wird er von unterwegs bei P. anrufen.

In der Zwischenzeit haben sich einige alte Kunden gemeldet: Der Sekretär aus Gwagwada, der eine Liste aufgestellt hat und von jedem Interessenten 1.000 Naira eingesammelt hat als Beweis für deren Ernsthaftigkeit. Aus Kaduna haben die Lehrerinnen vom Polytechnikum angerufen und sich in Erinnerung gebracht. Und H. war in Sokoto auch sehr erfolgreich, doch davon später mehr.

Zum Personal: Y. berichtete, dass der Fahrer, der sie auf den Überlandfahrten chauffiert, sich inzwischen so gut eingearbeitet hat, dass er schon sowohl bei der Montage als auch bei Vorführungen mithelfen kann. Er hat großes Interesse, seine Fahrkunst für DARE auch zukünftig zur Verfügung zu stellen und würde gerne die Fahrten im neuen Auto mit ihnen unternehmen. Einer der beiden Studenten, Mr. E. arbeitet parallel an den Fragebögen und gleichzeitig hat er sich um einen Job bei DARE beworben. Da er Marketing studiert hat ist es kein Wunder, wenn er bereits einige Barkäufer an Land gezogen hat. Von den 50 Fragebögen hat er 15 aus- gefüllt, zwei weitere müssen nachgearbeitet werden. Ich habe Y. versprochen, dass er eine Excel-Tabelle erhalten wird, in die alle Antworten aus den Fragebögen eingetragen werden können. Dann wäre es sehr viel einfacher (und billiger), diese Tabelle als Mail-Anhang uns zuzusenden (denn spätestens hier müssten wir die Fragebögen in den Computer übernehmen). Am Mo. trifft Y. den zweiten Studenten (Kaduna state) und dann werden wir wissen, wie es dort läuft. Was die Befragung der Interessenten aus Kano betrifft sollte ich H. befragen.

Bei den Verkäufen in Abuja hat einer der Käufer anschließend in der Kaffeepause ausgeplaudert, dass er zwar hier den Kocher gekauft habe, aber den würde er nach Lagos bringen, dort wohnt seine Frau und er. Es ist zu befürchten, dass noch mehr Strohmänner uns einen S80 abkaufen, diese aber in unzulässigen Gebieten eingesetzt werden. Und was noch schlimmer wäre: wenn Scheininteressenten uns in Abuja den Kocher für 60 Euro abkaufen und für 90 Euro in Lagos verkaufen (wir müssten dort 110 Euro nehmen). Es ist also ungemein wichtig, dass wir unseren Holzsparkocher in Nigeria zu einem Einheitspreis verkaufen können.

Y. wird also morgen nach Jos starten, zwei Gemeinden warten auf ihn – eine kleinere, die er bereits einmal besucht hatte, und eine neue und größere, die zu spät von seinem Aufenthalt in Jos erfahren hatte. Noch am Abend werden sie die 100 km bis Bauchi weiter fahren, denn dort werden sie um 9.00 im Polizei- präsidium erwartet, die Polizisten hatten nochmals um seinen Besuch gebeten, da er ihnen keinen Kocher verkaufen konnte. Für den Dienstag ist ein Besuch beim Ministerpräsidenten vorgesehen, um mit ihm über die Situation zu sprechen, den geplanten Kerosin-Kocher evtl. durch den S80 abzulösen. Erwartet wird er aber auch in Abuja, dort könnte die Umweltministerin zurück sein und dann wollte sie unbedingt unseren Kocher live erleben. Dieser Besuch ist wichtig, weil Dr. F. für die Unterschrift unter den LoA ihre Zustimmung braucht.

Damit war unser Gespräch beendet, es war inzwischen 1.30, und für meine Frage, was H. in Sokoto alles erlebt hat, war weder Y. noch ich selbst so richtig aufgelegt und Y. bat mich, am Sonntag mit H. selbst zu telefonieren. Ich erklärte mich einverstanden, doch mußte ich ihn darauf hinweisen, dass bei einem regulären Spielverlauf dies nicht vor 22.30 sein würde, und wenn es gar zu einer Verlän- gerung oder Elfmeterschießen kommen würde, könnte es auch noch eine Stunde später sein.


Düsseldorf, Montag den 23./24. Juni 2008

Liebe Freunde,
Y. ist wieder in Kaduna, schon deshalb, weil er sich von dem anstrengenden Ausflug nach Abuja erholen mußte: nach vier Tagen dort zurück für 12 Std. nach Kaduna, weiter nach Jos, zwei Tage später nach Bauchi, nach zwei Tagen wieder zurück nach Kaduna. Seine Stimme klang noch etwas rauh, eine kleine Erkältung hat ihn zudem zugesetzt, aber er fühlt sich schon wieder fit, fit für neue Taten, die ihm bevorstehen.

Meine erste Frage galt den 100 Saftbeuteln, die ich mit einem Speditionsunternehmen auf dem Luftweg nach Kano an die Adresse ihres Zoll- beamten habe senden lassen. Das Paket ist angekommen und muss nur noch abgeholt werden. Aber da unsere Dampfentsafter noch in Abuja liegen, wird eine größere Sammel-Reise eforderlich werden.

Zurück nach Kaduna, wohin Y. aus Bauchi nach der Wüstenkonferenz zurück- kehrte. Ich hatte zuletzt von einem ersten enttäuschendem Tag berichtet, aber der nächste Konferenztag am Di. verlief ganz anders, besser gesagt, ganz nach unserem Geschmack. Das Fernsehen aus Bauchi hat den Stand von DARE 2x aufgesucht und umfassend seine Zuschauer über unseren Holzsparkocher informiert. Am Vormittag hatte Y. dann Gelegenheit, seine PP-Präsentation zu zeigen und er ist immer wieder überrascht, welche Wirkung die Bilder zeigen, obwohl alle Zuschauer sie kennen: auf der einen Seite abgeholzte verwüstete Landschaften, auf der anderen Seite endlose Karawanen von Holztransporten. Y. hat die Teilnehmer dann an seinen Stand eingeladen und dort auch ohne größere Anstrengungen 11 Kocher verkaufen und weitere 11 Bestellungen aufnehmen können. Der Höhepunkt war dann aber der Besuch des Vize-Premierministers am Stand von DARE. Y. hat ihm unser gesamtes Programm vorgestellt, also unseren S80 und die damit zusammenhängende Möglichkeit der Schaffung von Arbeits- plätzen, zuerst im Bereich der Montage, später auch in der Teilefertigung. Besonders dieser Aspekt hat Wirkung gezeigt und der Vize hat spontan zu einem Besuch nächste Woche in sein Ministerium eingeladen, um weitere Details zu erfahren und zu besprechen. Bei diesem Gespräch hat Y. auch kühn behauptet, dass unser Kocher dem Kerosin-Kocher deutlich überlegen sei, da er das überall vorhandenen Brennmaterial Holz verwendet, der Konkurrent hingegen das teure und zunehmend schwerer zu beschaffende Kerosin. Dies hat dem Vize sofort eingeleuchtet und er informierte Y. darüber, dass das Programm „Kerosinkocher for everybody“ (meine eigene Formulierung) bisher noch nicht umgesetzt wurde, da das Umweltministerium diesen Kocher wegen seiner umweltschädigenden Wir- kung ablehnt. Wir werden also sehr gespannt in den nächsten Tagen mit einem Auge nach Bauchi blicken (das andere Augen wird für einen Blick woanders hin benötigt) und verfolgen, was die dortige Regierung entscheidet.

Auf dem Rückweg von Bauchi nach Kaduna hatte Y. ursprünglich einen Stop in Jos einlegen wollen, denn zwei Gemeinden hatten nochmals um seinen Besuch gebeten. Aber da sein erschöpfter Zustand dies nicht zuließ, wurde der Besuch um eine Woche verschoben.

Zurück in Kaduna und kaum erholt erreichte ihn ein Anruf aus dem Handels- ministerium in Kaduna, er möge bitte sofort kommen. H. sprach daraufhin ein Machtwort, Y. blieb also im Bett und sie klopfte stattdessen beim Minister an. Der war über das Erscheinen einer Frau gar nicht erfreut, er verhandle in wichtigen Angelegenheiten nur mit Männern, also zog sie grollend wieder ab und nun musste Y. dafür gestern antreten. Der Grund für die Einladung: die Regierung von Kaduna plant nun ernsthaft ein Programm zur Wüstenbekämpfung (es wird auch langsam Zeit) und will als ersten Schritt den Holzverbrauch eindämmen. Hierbei erinnerte man sich an DARE, die den Staat Kaduna so hervorragend auf der Messe in Abuja mit ihrem Sparkocher vertreten hatte. Das Wissenschaftsministerium wurde tags darauf in der Kabinettsitzung mit einer Marktuntersuchung beauftragt. Und nun das Beste: das Wissenschaftsministerium hat als Gutachter unseren schon bekannten Dr. K. benannt, der unseren SAVE80 bereits kennt und ihn auch schon intern über alle Maßen gelobt hat. Y. hat nach Erhalt dieser Information mit Dr. K. telefoniert und dieser hat den Untersuchungsauftrag an ihn bestätigt. Also blicken wir mit dem zweiten Auge gespannt nach Kaduna, zu welchem Ergebnis die Unter- suchung kommen wird.

Da Y. in diesen beiden Ländern derzeit nichts tun konnte, kam ein Anruf aus Abuja wie bestellt: Der Air Commander M M. von der NEMA rief ihn an und bat um seinen Besuch am Do. (bei der NEMA) und Fr. (bei den Stabschefs der Armee). Er wird also am Mi. Nachm. aufbrechen, vorauss. ohne H.. die sich verstärkt um Tochter TD kümmern muss, denn die Oma muss derzeit mehr arbeiten als sonst üblich. Und der Air Commander erinnerte ihn ebenfalls daran, unbedingt die SPB mitzubringen, denn die Armee braucht den SAVE80 zur Essenszubereitung und die SPB zur Stromerzeugung für Licht und zum Handy aufladen.

Es gibt auch Absagen, die machen Y. glücklich. So der Anruf von Pastor M., der wegen vieler Traugespräche nicht dazu kommt, die Vorbereitungen für den Kocher- verkauf zu forcieren. Das können wir verstehen, dass man die jungen Leute nicht warten lassen kann. Wir aber können die Zeit gut nutzen.

Z. Bsp. werden die Leute aus Maiduguri langsam ungeduldig, denn sie wollen endlich das schon lange vereinbarte Gespräch mit Y. führen. Und auch aus dem Umweltministerium von Borno liegt eine Anfrage vor, beides könnte Y. verbinden, evtl. in der kommenden Woche.

Zuvor am Mo. hat er sich verpflichtet, nach Gwagwada zu kommen, dort sollen die ersten 10 Kocher ausgeliefert werden, 100 sind als erste Teillieferung vorgesehen, und Y. will die Leute überzeugen, dass sie die Montage schnell erlernen können und dann die restlichen 90 Kocher selbst zusammenbauen sollten.

Es gibt ein Problem: die Pfannen werden knapp (wir haben nur 300 ausgeliefert) und die Käufer verlangen stattdessen einen zweiten Topf. Damit geraten wir in eine kleine Krise, denn wir können nur noch 300 Kocher mit zwei Töpfen verkaufen, dann ist Schichtende. Wir müssen mit den Leuten aus Berlin die neue Situation erörtern um zu vermeiden, dass wir in einen Lieferengpass kommen.

Es gibt auch einen Engpass bei den Werkzeugen, denn inzwischen wollen die Leute in Kano, in Enugu, in Jos, in Bauchi und in Maiduguri die Kocher selbst montieren, überall dort sind größere Mengen in Aussicht gestellt, d.h. sie benötigen mind. einen Tisch, eine Biegemaschine und Schraubenschlüssel. H. K. muss (und kann) uns helfen.

Personal: Die neue Mitarbeiterin im Büro (Name H.) macht sich ganz gut, als Verkäuferin top, als Beraterin ok. Der junge Mann (Name S.), der von I. in die Montage eingearbeitet wurde, wird immer besser und selbstständiger. Und es hat sich ein Student (mit Studienrichtung Marketing) vorgestellt, der in den nächsten 2 Wochen Y. + H. begleitet und man wird sehen, ob und wie er anbeißt. Sein Name: E.S.. Schließlich gibt es noch einen weiteren Interessenten, der ein Poly- technikum besucht hat. In Bauchi haben wir neben dem DW-Mitarbeiter H.A. einen weiteren Interessenten gefunden, der als Geologe derzeit Filialleiter einer Bank ist, unser Thema äußerst interessant findet und seine Unterstützung angeboten hat.



Düsseldorf, Dienstag den 17. Juni 2008

Liebe Freunde,

endlich hat es mit unserem Telefongespräch geklappt, seit zwei Tagen versuchte ich es, aber die Leitungen waren ständig besetzt. Aber schon in der Halbzeitpause beim 1:0 für Italien gegen Frankreich hatte ich einen ersten Kontakt zu Y., wir haben uns dann aber für 23 Uhr verabredet. Y. hat selber große Probleme mit schlechten Telefonverbindungen, je weiter er nach Norden oder Osten kommt. Derzeit ist er in Bauchi, Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates und er selber merkt, dass die Stadt auf einem 600m hohen Plateau liegt, da es tagsüber nicht sehr heiß wurde. Eine wahre Plage dagegen sind die vielen kleinen Mücken, die Region gehört zu den Malariagebieten. Vor etwa 20 Jahren war er letztmalig hier und es sind zwei Veränderungen, die ihm sofort auffielen: die Landstraßen sind gut ausgebaut, d.h. vierspurig, (es stehen auch viele Straßenlaternen am Rande, doch kaum eine leuchtet in der Nacht). Dagegen gibt es so gut wie keinen Baum mehr, die Region ist abgeholzt, die Bevölkerung in der Stadt kocht weitgehend mit Kerosin.

Aber jetzt der Reihe nach. Am Sa. fuhr Y. zuerst zurück nach Kaduna, um dort alle Vorbereitungen für seine Besuche in Jos und Bauchi zu treffen. Da die Menge der Gegenstände die Kapazität eines PKW übertraf (15 x S80 + Solar-power-box), mussten sie mit zwei Wagen fahren. Die für Sa. geplante Vorführung mussten sie aus Zeitgründen ausfallen lassen und kamen erst am So. gegen 10 Uhr in Jos an, gerade rechtzeitig, um die Gemeinde nach dem Gottesdienst zu empfangen. Sie haben nach ihrer Vorführung spontan vier Barverkäufe und weitere 22 Bestellungen bekommen, wobei sich der (evang.) Pfarrer höchstpersönlich um die Raten- zahlungen kümmern wird. Da so viele Kocher sie nicht dabei hatten, wurde ein zweiter Besuch am nächsten Sonntag verabredet.

Kaum hatten sie Jos in Richtung Bauchi verlassen, erreichte Y. ein weiterer Anruf aus Jos: eine größere Gemeinde hatte - leider zu spät - von ihrem Besuch erfahren und daraufhin wurden auch sie auf den nächsten Sonntag vertröstet. Schon dieser eine Besuch zeigt, dass hier ein großes Reservoir für unseren Kocher existiert und ein weiteres Büro würde sich bestimmt lohnen. Am So. Abend erreichten sie Bauchi. Der Montag war ein einziger Chaostag, denn auf Grund der hohen Sicher- heitslage hatten sie um 20 Uhr noch keinen Standplatz zugewiesen bekommen. Am Di. früh dann endlich erhielten sie direkt neben dem Eingang einen Platz für ihren Pavillon. Doch was bringt ein guter Platz wenn keiner hinguckt? Kurz gesagt, alle wichtigen Leute hatten ihre Vertreter geschickt und diese hatten kein Interesse an unserem SAVE80. Hingegen erkannten die Sicherheitsbeamten und Polizisten den Wert unseres Produktes und Y. wurde am Nachmittag für eine Vorführung in die nächste Polizeikaserne gebeten. Da hier zum Schluss die Frage der Bezah- lung aktuell wurde, schlug man ihm vor, direkt beim Personalbüro vorzusprechen und gesagt, getan. Dort hatte man 1. Verständnis für sein Anliegen und 2. Interesse für den S80 und spontan wurde eine weitere Vorführung für die dortigen Mitarbeiter organisiert. Der Behördenleiter kaufte sofort einen Kocher und seine Mitarbeiter bestellten 11 Stück. Für morgen hat man ihn schon an weitere Dienststellen weiter empfohlen und das bedeutet ein ordentliches Programm. Aber die Wüstenkonferenz hatte sich inzwischen an ihn erinnert und ihn ebenfalls für ein Kurzreferat und für eine Vorführung engagiert, also doppeltes Programm. Am Abend hat er sich mit einem DW-Kollegen verabredet, der sich für das Thema und den Kocher interessiert. Zusammen mit einer jungen Frau aus Bauchi, die ihnen geholfen hat, könnte das die Keimzelle für das Büro Bauchi sein?

Was gab es sonst noch? Das Telefonat mit Dr. F. hat noch nicht geklappt, Y. versucht es morgen erneut.

Es haben ihn in dieser Woche folgende Anrufe erreicht: Pastor M bittet um seinen Besuch, die Gemeinde in Maiduguri ebenfalls, der Kontaktmann aus Enugu hat sich gemeldet und berichtet, dass er jetzt kommen könne, in 4 Gemeinden wartet man auf seinen Vorführungen und nach Gwagwada wollte er ebenfalls . Also wird er in den nächsten Tagen zuerst nach Abuja, dann am So. nach Jos aufbrechen, in der nächsten Woche nach Wambai und Gwagwada und dann weiter nach Maiduguri und schließlich nach Enugu, alles zusammen eine Ochsentour.

Der erste Ausflug in die beiden Ostprovinzen hat sich gelohnt, denn sie haben 5 Barverkäufe getätigt und fast 40 Ratenzahlungen fest vereinbart, darüber hinaus interessante Kontakte zu weiteren potentiellen Käufergruppen geknüpft. Jetzt fehlt noch eine Einladung aus dem Nordwesten  und wir ahnen es schon:  Dort wird die Situation der Wüstenausbreitung  noch heftiger sein  als alles bisher gesehene. Wir stoßen an unsere personellen Grenzen, wir müssen uns unbedingt verstärken.



Düsseldorf, Freitag den 13. Juni 2008


Liebe Freunde,

Ich bin fast dafür, dass wir ein weiteres Büro in Abuja einrichten, denn Y. hält sich noch immer dort auf (und die Planung sieht weitere Besuche vor). Am Do. fand - wie verabredet – eine große S80-Vorführung auf dem Workshop statt und Y. und seine Frau haben ein Reisgericht mit Bohnen zubereitet. Aber der Andrang war so groß, dass jeder nur einen Probierlöffel kosten konnte und trotzdem drohten einige leer auszugehen. Daraufhin hat H. eine größere Menge Kochbananen besorgen lassen und diese in der Pfanne zubereitet. Einen großen Fan haben wir in Dr. G. gefunden, der auf seinem neuen SAVE80 bereits bei sich zuhause gekocht hatte und aus eigenen Erfahrungen berichten konnte. Prof. O. gehört ebenfalls zu unserer Fangemeinde und hat Y. assistiert. Da die ECOWAS-Frauengruppe unerwartet früh abreisen musste, konnten lediglich 4 Kocher verkauft aber immer- hin viele Adressen ausgetauscht werden.

Am nächsten Tag hat Y. mehrere Stunden bei Dr. G. im Büro verbracht, zuerst alleine mit Prof. O., später kamen noch weitere Mitarbeiter hinzu und man diskutierte gemeinsam unsere PIN. Dabei wurde uns versichert, dass wir keine EIA benötigen, diese sei nur für Großprojekte verbindlich. Große Zustimmung fand der Vorschlag von Prof. O., eine Doktorandin an das Thema „Indoor-Air-Pollution“ ranzusetzen, dies könnte für unser Projekt ungemein vorteilhaft sein. Dabei wurde auch die Frage einer Co-Finanzierung aufgeworfen. Prof. O. will sich mit P. über die nächsten Schritte verständigen. Nebenbei wurde darauf hingewiesen, dass im PDD als Project Proponent neben LHL auch DARE erwähnt werden müsse.

Einen großen Schritt vorangekommen sind wir durch den Umstand, dass uns Dr. G. den "Letter of Endorsement" unterschrieben ausgehändigt hat. Nun hat P. auf der anderen Seite von Dr. F. in Bonn erfahren, dass dieser "Letter of Endorsement" von seiner Behörde ausgestellt wird, sodass wir am nächsten Freitag zwei derartiger Letter besitzen könnten. Dieser Termin jedenfalls wurde von DR. F. als Wunschtermin ausgesprochen, an diesem Tage solle Y. sowohl dem Ministerium als auch vor interessierten Mitarbeitern den S80 vorführen (und einige Expl. auch verkaufen).

Mitten im Gespräch in Dr. G.'s Büro erhielt Y. einen Anruf aus Lagos. Dort hat der Chefredakteur der „News Agency from Nigeria“ von seinem Kollegen Toye Olori (dieser hat den GP-Artikel geschrieben) Y.'s Handy-Nr. erhalten und auf diesem Wege gelangte eine Einladung des Chief of Staff der Bundesumweltministerin an ihn, er möge schnellstmöglich zu seinem Büro (in Abuja) kommen. Nach Ab- schluss des Gesprächs mit Dr. G. (und nach Aushändigung des Letters ….) begab sich Y. in das nächste Büro um dort zu erfahren, dass er nach Bauchi eingeladen sei. Der Anlass war der begeisterte Bericht des Reporters über unseren Kocher und dies hat den Bürochef derart imponiert, dass er Y. spontan zu einer Wüsten- konferenz einlud. Er solle dort auf jeden Fall seinen Kocher groß herausstellen und sich darauf einstellen, dass er auch ein Kurzreferat über den Kocher halten müsse. Veranstalter ist die UNCCD und Teilnehmer sind die 19 Ministerpräsidenten / Gouverneure der nördl. Bundesstaaten. Ein besonders wichtiger Mann ist der MP von Bauchi, denn seine Regierung hat erst vor kurzem beschlossen, mehrere 1000 Kerosin-Kocher an die Bevölkerung zu verteilen. Ich habe Y. gebeten, diesem Mann unseren S80 zu überreichen mit der Bitte, er möge sich davon überzeugen, dass unser Kocher der beste auf dem Markt sei. Neben dem Ministerpräsidenten müsse ebenfalls die Umweltministerin einen Kocher erhalten, diese wird die Kon- ferenz eröffnen und es wäre für uns eine große Ehre, wenn in ihrem Büro unser SAVE80 stände. Dritter im Bunde ist der Emir von Sokoto, der geistliche Führer in Nigeria (zu Sokoto s. unten).

Es werden die nächsten Tage anstrengend aber auch spannend werden, denn am Sa. und So. ist Y. mit H. in Jos, am Mo. und Di. in Bauchi (ca. 150 km ostwärts), spätestens am Fr. wieder in Abuja (Vorführung beim Umweltministerium) und für Anfang Juli hat er schon eine Einladung nach Sokoto (im Nordwesten). Zwischen- durch muss er unbedingt in Wambay und in Gwagwada vorbeischauen, dort warten unsere ältesten Kunden, von denen wir endlich eine schriftl. Zusage über insgesamt 400 Kocher erwarten.

Zum Schluss noch eine kleine Geschichte, die ich auf der Rückfahrt von Berlin erlebt habe. Mit meinem Zugnachbar kam ich – leider – erst sehr spät ins Gespräch, als dieser in einem Telefongespräch die beiden Worte CDM und Abuja fallen ließ. Darauf angesprochen stellte sich heraus, dass er im Bundesumwelt- ministerium für CDM-Fragen zuständig sei und gerade eine Konferenz vorbereitet, die sich mit Energieproblemen in Nigeria befasst. Als ich ihm von unserem Projekt berichtete meinte er, dass ihm dieses Thema bekannt vorkäme, denn vor ca. 6 Monaten hätte er hohe Regierungsmitglieder aus Mali empfangen, die für ein Kocherprojekt die Unterstützung der Bundesregierung gesucht haben. Als er auf Nachfrage den Namen T. nannte, war klar, dass hier unsere „Konkurrenten“ aktiv geworden waren. Leider mußte mein Gesprächspartner in Duisburg den Zug ver- lassen, aber zum Austausch der Visitenkarten hat die Zeit noch gereicht.

Liebe Grüße: Bernd


Dü’dorf, Mittwoch, den 11. Juni 2008


Liebe Freunde,

Ich schwanke beim Datum immer, denn wenn ich mit Y. telefoniere, ist es bei ihm zwischen 22.00 und 23.00, bei mir aber eine Stunde später. Und wenn ich auflege ist der neue Tag angebrochen. So auch heute, inzwischen ist es schon wieder weit nach Mitternacht, aber ich verspreche Euch mich kurz zu fassen, denn in 6 Std. geht mein Zug nach Berlin, bis dahin möchte ich das Wichtigste losgeworden sein.

Diesmal kam der Anruf aber nicht aus Kaduna sondern er war noch immer in der Hauptstadt Abuja. Drei Gründe gab es für den verlängerten Aufenthalt: Dr. G. hatte erst am Nachmittag Zeit für ein Gespräch (da war der Flieger nach Kaduna bereits in der Luft), Dr. G. lud ihn spontan zu einem CDM-Workshop ein, der am Mi. begann und bis Do. dauern wird und dort wird er auch Prof. O. treffen, den Spezialisten in allen Fragen zu CDM. Gardner bat ihn aber nicht nur einfach um Teilnahme, sondern er wollte den Teilnehmern auch gleichzeitig die NGO vorstellen, die bisher die beste PIN geschrieben hat. Diese sollte als vorbildliches Muster den Teilnehmern vorgestellt werden und Y. sollte einige Details dazu erläutern. Er berichtete, dass keiner der Teilnehmer das Problem der nicht erneuerbaren Biomasse kannte und noch viele solcher Workshops stattfinden müssten, um ein Problembewusstsein in der Bevölkerung zu schaffen.

Aber da ich mich kurz fassen will vermeide ich Details hier. Wichtig aber ist zu berichten, dass Y. seine Frau H. nach Abuja bestellt hatte, und die kam in Begleitung des jungen Technikers und zwei SAVE80 (wovon einer als Geschenk für Prof. O. versprochen war). In einer Pause wurde ein S80 im Flur aufgebaut und Y. erläuterte an diesem Kocher dem Prof. die Bedienungsdetails. Aber sie blieben nicht lange alleine, es bildete sich eine ziemlich große Gruppe Neugieriger, der Workshop wurde daraufhin für einen längere Zeit unterbrochen, Dr. G. fragte ziemlich direkt, ob der zweite Kocher für ihn bestimmt sei. Y. kam nicht umhin ihm zu versprechen, dass er weitere Kocher heranschaffen lassen wird, denn inzwischen hatte eine Gruppe von Frauen 3 Stück ihm bar in die Hand bezahlt und ein Interessent aus Lagos bestellte daraufhin spontan 5 Stück, es ging zu wie auf einem arabischen Basar. Dies und seine Begeisterung für unseren Wunderkocher veranlasste Dr. G. zu einer spontanen Einladung, morgen in der Mittagspause ein Probegericht mit dem S80 für die Teilnehmer zu bereiten. Und so dauert der Aufenthalt in Abuja schon bis Do. Nachmittag. Damit nicht genug, denn die Frauengruppe bat ebenfalls um eine Demonstration und Vorführung ausschließlich für sie und dies wird am Fr. Mittag stattfinden. Also fährt der junge Techniker am Do. in aller Früh nach Kaduna und kehrt bis 12 Uhr zurück, beladen mit 15 Kochern (davon sind 8 verkauft). Diese Frauengruppe ist deswegen interessant, da in ihr einflussreiche Frauen hauptsächlich aus den nördlichen Bundesstaaten mitarbeiten. Es werden bestimmt daraus viele Kontakte und Einladung entstehen.

Allerdings darf er nicht alle verkaufen, denn am Fr. geht es auf direktem Wege nach Jos, wo am Sa. eine weitere Vorführung auf dem Programm steht.

Und zum Schluss noch eine nette Anekdote (so viel Zeit muss sein): Nachdem die deutsche Fußballmannschaft ihr erstes Spiel gewonnen hatte, bekam er div. Glückwünsche für seine Mannschaft. Erst guckte er etwas irritiert, doch dann war ihm klar: Hier in Nigeria ist er der Deutsche.

Liebe Grüße: Bernd



Montag, 9. Juni 2008


Liebe Freunde,

Nachdem es gestern mit dem Anruf nicht geklappt hat, ging es dafür heute umso besser, gute Verständigung und keine Unterbrechung. Y. habe ich ganz über- raschend in Lagos erreicht, er brauchte mal eine Luftveränderung. Doch außer der stickigen Luft gab es noch weitere Gründe, hauptsächlich eine Frauengruppe, die ihn zu einer Vorführung eingeladen hatte. Auch A. B. hatte sich stark dafür gemacht und gleich angeboten, aus seinem Büro einen jungen Mann und eine verlässliche Frau abstellen zu können, falls sich größere Geschäfte anbahnen sollten. Die Akzeptanz in Lagos für unsere Kocher (unsubventionierter voller Preis) ist hoch, denn einerseits sind die Subventionen für Kerosin weggefallen und andererseits liegt Lagos sehr ungünstig, was die Versorgung mit Holz betrifft, die Preise liegen über denen im Landesinneren. Zwar sind riesige Mangrovenwälder in der Küstenregion zu finden, aber dieses Holz ist als Brennholz ungeeignet. Die Holzversorgung aus den nördlichen Regionen geht bisher weitgehend an Lagos vorbei, da die Holzverkäufer mit Lagos bis jetzt keine bedeutende Geschäfte machen konnten und so schnell können die Versorgungswege nicht umgestellt werden. Y. hat also zwei SAVE80 dort im Büro von A. B. für Vorführungszwecke gelassen, und man wird jetzt sehen, wie sich die Nachfrage entwickelt, evtl. auch mit Workshops die Nachfrage anregen.

Bezüglich des Autounfalls konnte Y. Entwarnung geben, was A. betrifft, denn der hat zwar eine ordentliche Prellung am Brustkorb, aber keine ernsthaften Verletzungen. Seinen alter Mercedes jedoch hat es rechts vorne arg erwischt: Felge und Reifen sind hin, der Kotflügel und die Beifahrertür ziemlich eingebeult, die Lenkung hat einen Schlag weg und die Automatik funktioniert nur noch teilweise. Die Reparatur wird wohl um die 1.000 € kosten. Auta wird noch einmal die Werkstatt befragen, ob man überhaupt Ersatzteile bekommt.

Inzwischen ist auch das Auto des Botschaftsangehörigen eingetroffen, aber der Container konnte noch nicht entladen werden. Y. wartet darauf ungeduldig, denn darin befinden sich unsere 10 Dampfentsafter. Inzwischen habe ich hier 100 Saftbeutel und 100 Kartons per Luftfracht nach Kano abgeschickt, dort wird sie unser Zollbeamter in Empfang nehmen. Ich bin gespannt, wie hoch die Zoll- rechnung ausfällt. Im Büro von DARE liegt jetzt auf dem Schreibtisch ein mit Mangosaft gefüllter Saftbeutel und dient als Anschauungsmaterial, wie elegant und dauerhaft Mangosaft aufbewahrt werden kann.

Morgen am 10.6. wird er nur zu einem Zweck in Abuja Zwischenstation machen: er möchte Dr. G. treffen, um ihm die Dokumente (letter of approval) zu überreichen. Um 11 will er weiter, denn er hat nachmittags zwei Termine in Kaduna, u.a. mit inzwischen 10 Studenten, die sich gemeldet haben, um für uns eine Befragung im Rahmen der Baseline-Daten durchzuführen. Im Laufe dieser Woche wollen sie auch nach Kano und am Sonnabend nach Jos, denn dort werden sie erst vor einer kleineren Gruppe den S80 vorführen, am Sonntag nach dem Gottesdienst dann vor der gesamten Gemeinde. Evtl. bleiben sie sogar bis Mo., denn etwas außerhalb gibt es eine weitere interessierte Gemeinde, die ebenfalls um eine Vorführung gebeten hat.

Ich habe Y. darum gebeten, die alten Adressen wieder anzuschreiben/anzurufen, denn hier haben wir Zeit und Geld investiert und diese Kontakte müssen gepflegt werden, evtl. sind es Kleinigkeiten, woran eine größere Bestellung hapert. Wir sind dann anschließend die Verkaufsliste durchgegangen, ich werde sie morgen per eMail erhalten.

Zum Schluss habe ich ihm noch mitgeteilt, dass er Prof. O. anrufen möge, der wohl der Fachmann für das Thema CDM in Nigeria ist. Dieses Fachwissen benötigen wir dringend, denn bspw. die Frage der aktuellen Grenzen der einzelnen Savannenregionen kann bisher nicht beantwortet werden. Und dann konnte ich ihn noch auf P. eMail hinweisen, worin die Anschriften von Africaden zu finden sind.

Liebe Grüße
Bernd



Samstag, 7. Juni 2008


Liebe Freunde,

Eigentlich hatte ich mich mit Y. verabredet, damit ich etwas über die aktuellen Verkaufszahlen erfahren würde, aber es kam anders. Ein Autounfall hatte die ganze Planung durcheinander gebracht, und wenn auch A. unser Cheftechniker dabei glimpflich davon kam – außer einer Brustprellung hat er nichts abbekommen. Aber seinen Wagen, ein alter Mercedes, hat es ganz schön erwischt, die rechte Seite von der Beifahrertür bis zum Kotflügel ist ziemlich eingebeult und war auch anfangs nicht mehr fahrfähig. Besonders ärgerlich ist, dass der Unfallverursacher (ein Lastwagenfahrer) in der Dunkelheit verschwand und wir nun ohne Versicherung sehen müssen, wie wir den Schaden beheben können. Y. hatte noch Glück dabei, denn kurz vorher hatte Autan ihn zuhause abgesetzt.

Nun haben wir also - gezwungenermaßen - uns über andere Dinge unterhalten, z.B. über den Container, der hoffentlich noch in diesem Monat abgehen kann. Die gtz prüft noch, aber die bisherigen Fragen konnte ich zufriedenstellend beant- worten (so mußte ich versichern, dass sich kein Gefahrgut im Container befindet, d.h. die Tube mit der Gummilösung im Fahrradset muss ich entsorgen). Dann bekam ich noch einen konkreten Hinweis, wie das Auto im Container zu stehen hat (ganz vorne und den Motorraum vorne, damit die Motor- und Fahrgestell-Nr. ohne großes Umpacken überprüft werden kann). Ob die Batterie gefüllt sein darf werde ich bei der Spedition erfahren.

Ganz wichtig sind jetzt die Fragebögen für der/die/das Baseline und für die Region Kaduna will man mit Hilfe von vier Studenten hier bis Ende nächster Woche fertig sein. Für Di. sind sechs Bewerber eingeladen und am Mi. findet ein Besuch bei ausgewählten Familien statt und dann werden hoffentlich vier übrig bleiben, die dann selbstständig weiterarbeiten, zwei in der Stadt und zwei außerhalb auf dem Lande.

Fast genauso wichtig ist die Frage, wen man als Mitarbeiter für die das Thema CDM gewinnen kann. Hierzu hatte Y. am Do. ein Gespräch mit Dr. B. und Dr. K. geführt. Beide zeigen großes Interesse an einer Zusammenarbeit, aber das Thema CDM wäre ziemlich komplex und zudem müsse dabei mit Regierungsvertretern zusammengearbeitet werden, aus eigener Erfahrung berichteten beide über- einstimmend, sei dies ein ziemlich frustrierendes Geschäft. Daraufhin schlug Y. vor, noch einmal mit Prof. O. Kontakt aufzunehmen, da dieser ein ausgewiesener CDM-Fachmann sei und die Zusammenarbeit mit den Regierungsstellen bereits besteht und auf Grund seines Rufes der Kontakt auch von den Regierungsmit- arbeitern gesucht werde. P. wird helfen, den Kontakt noch einmal aufzunehmen.

Am Fr. war übrigens schon eine der Frauengruppen im Büro, die vor ein paar Tagen in Minna dabei waren, jetzt aber alles noch einmal genau wissen und sehen wollten. Sie haben einen Kocher gekauft und eine Einladung für die kommende Woche ausgesprochen. Die Gruppe sitzt in Minna, hat gute Kontakte zum Frauenministerium und bot sich spontan an, bei der Weiterverbreitung des SAVE80 mitzuhelfen, ihr Büro z.B. könnte anfangs mitgenutzt werden. Das hört sich sehr gut an, denn Minna ist eine bedeutende Stadt (ca. 300.000 Einw.) und liegt in einer wichtigen Region (überwiegend ländlich geprägt), die eindeutig zu unserem Verkaufsgebiet gehört (Sudan- oder Guineasavanne).

Liegt Minna in westlicher Richtung so fehlte bisher noch ein Stützpunkt in östlicher Richtung. der könnte jetzt aber gefunden sein, denn einer der Mitarbeiter aus dem Hydraulik-Institut hat seinen Kocher mit nach Hause genommen, nach Jos, Hauptstadt des Bundesstaates Plateau (knapp 1 Mill. Einw.). Dieser Mann hat den S80 auch seinem Pfarrer gezeigt und der hat prompt reagiert und um eine Vorführung in seiner Gemeinde gebeten. Diese wird nächste Woche am Sa. den 14.6. stattfinden und Y. wird mit seiner Frau dorthin fahren, denn die neue Mitarbeiterin macht sich sehr gut und wird an diesem Tag das Büro alleine öffnen, zusammen mit dem jungen Techniker.

An dieser Stelle habe ich Y. gefragt, bei wie vielen muslimischen Gemeinden sie schon den Kocher präsentiert haben und er antwortete mir ohne zu zögern: in keiner einzigen. Er bedaure dies außerordentlich, aber er hatte auch eine Erklärung dafür: Besuche und Erledigungen außerhalb des Hauses werden i.d.R. von den Männern wahrgenommen, Ausnahme ist der tägliche Einkauf (aber auch hier sieht man häufig die Männern, die ohne ihre Frauen den Einkauf besorgen). Bei offenen Vorführungen seien auch durchaus muslimische Männer anwesend und erkennen auch die Bedeutung unseres Kochers. Aber nur selten wird einer gekauft, oftmals ziehen sie sich nach endloser Fragerei zurück, sie müssen dies noch mit ihren Frauen besprechen, doch dann ist es meist still. In wenigen Fällen rufen allerdings die Frauen im Büro an und fragen, wie der mitgebrachte Kocher bedient wird oder warum er nicht funktioniert. Wenn dann Y. anbietet, ins Büro von DARE zu kommen oder an einem Workshop teilzunehmen, lehnen sie es ab, da sie alleine nicht an einer solchen Veranstaltung teilnehmen dürfen, schon gar nicht, wenn ein Mann die Einladung ausspricht. Y. und seine Frau H. haben oft darüber diskutiert, wie sie dieses Problem lösen können und sie wollen in Zukunft versuchsweise einen Workshop anbieten, der sich ausschließlich an muslimische Frauen wendet, vorzugsweise für die, die bereits einen Kocher besitzen.

Nach seinen Plänen für diese Woche gefragt berichtete er mir von einem geplanten Besuch von Mitarb. des Min. f. Wissenschaft und Technik im Büro von DARE. Dies hat Dr. K. eingefädelt, denn die Landesregierung verfolgt mit Sorge die Entwicklung auf dem Gebiet der Haushaltsenergie und sucht bei der sich anbahnenden Krise nach Auswegen. Unser SAVE80 könnte ein solcher Ausweg sein; wir sind nur etwas gespannt was dabei heraus kommt, denn zu oft schon haben amtliche Stellen allergrößtes Interesse bekundet und herausgekommen ist bisher sehr wenig.

Eine ganz neue Interessentengruppe hatte sich bereits vor einigen Wochen gemeldet: die Taxifahrergewerkschaft in Kaduna, die für ihre Mitglieder eine Vorführung plant, bei der Y. unseren S80 vorführen soll. In dieser Woche wollen sie Y. aufsuchen und Nägel mit Köpfe machen, d.h. einen konkreten Termin vereinbaren.

Wir haben uns für Sonntag verabredet, denn erstens will ich immer noch wissen, wie es mit den Verkaufszahlen steht und zweitens möchte Y. dann erfahren, wie Deutschland gegen Polen bei der Fußball-EM gespielt hat, er sei in letzter Zeit von jeglicher Information ziemlich abgeschnitten (aus Zeitgründen). Ich habe ihm versprochen, dass ich ihm bestimmt über ein gutes Ergebnis berichten kann und erhoffe natürlich, dass er ebenfalls gute Zahlen mir vorlegen kann. Schließlich wollen wir in den nächsten Tagen die Containerbestellung perfekt machen.

Liebe Grüße
Bernd


Dienstag, 3. Juni 2008


Liebe Freunde,

  1. Meine erste Frage galt dem Brief mit den Dokumenten und der CD und zu meiner Freude ist dieser wohlbehalten angekommen (ich habe mit TNT versandt die statt 156 € nur 52,80 € kassierte).

  2. Zuerst die wichtigsten Nachrichten aus Berlin von a.f.: wir haben jetzt eine der beiden Bedingungen erfüllt, die Voraussetzung sind für die Bestellung eines weiteren Containers: unsere Verkaufslimit von 600 Kochern ist geknackt. Aber nun müssen wir auch die zweite Randbedingung erfüllen, nämlich vom Validierer die mündl. Zusage erhalten, dass unser Projekt als CDM-Projekt anerkannt werden kann und die in Aussicht genommenen CO2-Einsparungen tatsächlich erzielt werden können. Hier hapert es etwas, denn einerseits sind wir noch nicht im Besitz der erforderlichen Basisdaten (baseline), andererseits haben wir auch noch nicht den optimalen Validierer gefunden. Nun gilt es, zügig diese beiden Schritte umzusetzen: In Deutschland kümmern wir – vorrangig atmosfair - uns um den Validierer, in Nigeria wird sich Yahaya vorrangig um den Erhalt von Basisdaten über ca. 200 Familien bemühen.

  3. Dieses Thema war ein zentraler Punkt unseres heutigen Abendgespräches. Seine Frau wird sich der Aufgabe annehmen, für 100 Familien (50 auf dem Lande, 50 in der Stadt) die Basisdaten aus Kaduna zu erhalten, Yahaya wird bei seinem nächsten Besuch in Enugu das gleiche Programm abarbeiten. Und nebenher wird er mit H. I. und Dr. O. die Gespräche fortsetzen und einige Präsentationen vor Gemeinden und Firmengruppen durchführen.

  4. Fast ebenso wichtig ist die Frage, wer kann sich mit den CDM-Aufgaben befassen. Dazu hat er mit Dr.B. und Dr. K. (Direktor im Wis. Min. in Kaduna) telefoniert und sich mit beiden am Do. verabredet, um über Details zu sprechen. Ein Gespräch mit Prof. O. ist bisher nicht zustande gekommen.

  5. Am Montag waren beide in Minna, der Hauptstadt des Bundesstaates Niger, um vor einer großen Versammlung zu sprechen. Eingeladen hatte das Min. für Frauen die Vertreterinnen aller Gemeinden zu einer Sensibilisierungstagung und erschienen waren etwa 500 interessierte Frauen. Die beiden Y. haben den Vortrag und Präsentation sich geteilt, er redete und sie stand auf der Bühne und hat unseren Kocher, seine Bestandteile, die Funktionsweise und die Bedienung vorgeführt. Dank Funkmikrofon, Beamer und Notebook waren alle Zuhörerinnen akustisch und optisch gut erreichbar. Nach dem Vortrag haben sie spontan viele Telefonnr. und eMail-Adressen erhalten mit der Bitte, sich bald dort zu melden, in der Zwischenzeit würde man eine Gemeindevers. organisieren. Aber eine sehr flotte Vertreterin hat sich gleich für Do. zu einem Besuch im Büro von DARE angemeldet. Y. hat das gesamte Programm vorgeführt, da auch der Gouverneur und Regierungsvertreter anwesend waren die sehr an dem Thema „Arbeit für Frauen“ interessiert sind. Daher war die SPB weniger gefragt, umso mehr der Dampfentsafter. Spontan wurde aus Ananas und Mango je ein Saftbeutel gefüllt und die Männer und Frauen waren begeistert. Wir haben daraufhin beschlossen, dass ich ihm 100 Beutel + Kartons per Luftfracht zusende (habe eine Fa. gefunden, die ein 30 kg Paket für 60 € bis zur angegebenen Adresse liefert).

  6. Die Fahrt nach Minna, etwa 200 km, führt weitestgehend durch eine nahezu baumlose Öde, das war vor 5 Jahren noch ganz anders. Bis auf ein paar km, wo die dortige Bevölkerung die Bäume schont, damit die Geister nicht verärgert werden, wurde in der gesamten Region durch Holzeinschlag fast vollständig der gesamte Wald vernichtet.

  7. Seit Montag gehört eine junge Frau zum Team, die auch gleich nach Minna mitgenommen wurde und alles mitmachen mußte. Die beiden Y. haben das Gefühl, dass sie ihren Job gut machen wird. Am Di. war sie auch schon als erste im Büro und hat ohne Aufforderung die Räume gefegt, noch ein gutes Zeichen. Dann gibt es noch einen männlichen Bewerber, der sowohl in der Technik als auch im Verkauf eingesetzt werden könnte. Man wird ihn ein paar Tage beobachten.

  8. Und eine kleine Story zum Abschluss: Von einem Bekannten wurden mir einige mechan. Büroschreibmaschinen angeboten, die evtl. in Nigeria Verwendung finden könnten. Y. mußte sich erst einmal auslachen ehe er mir erzählte, das tatsächlich bis vor wenigen Jahren vor der Post oder Ämtern pensionierte Lehrer und Beamte saßen, vor sich ein Tischchen mit einer Schreibmaschine, und auf bäuerliche Kundschaft wartete, die einen kleinen Brief oder ein Formular benötigten. Aber seitdem der PC erfunden wurde, sitzt ein Afrikaner, der etwas Besonderes darstellen will, am PC, auch wenn dieser nicht so recht funktioniert. Und da es auf der Straße keinen Strom gibt muss der kleine Bauer heute ins Internetcafe, wo die Pensionäre jetzt sitzen und in Auftragsarbeit Briefe schreiben. Modernes Afrika. Also muss ich die Schreibmaschinen doch verschrotten?

  9. Die Regenzeit spürt man nur im Süden, der Norden ist weitestgehend trocken geblieben. Die Bauern erwarten also wieder (unruhig) die Besitzer der Kamelherden, weil die Tiere nun mal lieber saftiges Gras fressen als vertrocknete Blätter. Sie errichten Zäune, legen Knüppel und Machete bereit und laden die Schrotflinte, man befürchtet wieder heftige Zusammenstöße.

Liebe Grüße
Bernd


Düsseldorf, Sonntag, den 1. Juni 2008

Erfreuliche Nachrichten aus dem Südosten Nigerias

Y. und seine Frau sind zusammen mit dem Cheftechniker A. seit Freitag in Enugu (Hauptstadt des Bundesstaates Enugu) und Onitsha (liegt am Niger). Sie sind mit dem Nachtbus am Do. Abend losgefahren und nach 10 Std. (mit 2 Pausen) angekommen. Die Fahrt verlief ohne Zwischenfälle, je weiter sie nach Süden kamen desto stärker wurde die Polizeipräsenz. Beide kennen diese Region noch nicht. Von Enugu sind es noch ca. 200 km bis zur Küste. Auch hier ist der Wald schon erschreckend stark gelichtet und die heftigen Regengüsse spülen den Boden weg, es herrscht starke Erosion. Am meisten erstaunt sie, dass hier das Holz teurer ist als in Kaduna oder Kano. Das liegt vermutlich an der guten Kaufkraft in dieser Gegend und die Regierung hat die Subventionen für das Kerosin gestrichen (denn viel ist davon in die Nachbarländer geschmuggelt worden).

Sie sind in Enugu, weil sie von dem Direktor des Hydr.Inst. Herrn M.T. A. eingeladen wurden, der hier wohnt. Am Freitag haben sie zuerst 5 S80 mit zwei jungen Männern zusammengebaut. Dann wurde vor Mitarbeitern mehrerer Firmen der Save 80 vorgeführt. Es herrschte große Begeisterung und es wurde ein sofortiger Beschluss gefasst, dass man mind. 200 St. kaufen möchte. Zusammen mit A. wurden daraufhin 5 weitere S80 montiert und dort gelassen. Im Laufe des Tages hat sich Dr. O. vorgestellt, ein Doktor und Ing., der seine Mithilfe anbot wenn es darum geht, den S80 bekannter zu machen. Später kam ein Presbyter (?) hinzu, Herr Stephan I., der in der Nachbarstadt Onitsha (80 km westl.) eine kleine Firma besitzt (Farben und Lacke) und sein Know How sowie eine große Lagerhalle und ein Büro zur Verfügung stellen könnte. Auch er ist an einer Zusammenarbeit mit DARE interessiert. Er hatte auch für Freitag mehrere Vorführungen organisiert und war wirklich sehr engagiert und interessiert. An diesem Tag wurden mit den beiden jungen Männern 5 weitere Kocher montiert; nach der Vorführung gab es auch hier Interessenbekundungen für weitere 200 Kocher. Die restlichen 5 Kocher werden selbstständig montiert und an die heißesten Interessenten verkauft.

Nach einer Woche sollen die beiden Y. noch einmal wiederkommen, bis dahin wolle man viele Termine in Enugu – u.a. auch an der dortigen Universität - und Onitsha für Präsentationen mit ihnen vorbereiten, dazu müssten sie wohl eine Woche insgesamt kalkulieren.

Beide fahren heute am Sa. früh wieder zurück nach Kaduna.

Insgesamt war der Besuch in der Südostregion ein toller Erfolg, denn die Situation im Enugu und den Nachbarstaaten ist doch ganz anders als sie sich das vorgestellt hatten. Erstens haben dort die Leute etwas mehr Geld zur Verfügung, zweitens ist das Holzproblem drängender als im Norden und es herrscht – auf Grund der christl. Prägung? – auch eine andere Einstellung zu den Problemen und die Lösung mit unserem Sparkocher wird sofort akzeptiert und realisiert. Aber die genaueren Gründe müssen wir noch analysieren. Y. wird am Mo. mit Ichu und Okoye telefonieren um zu erfahren, ob eine Regelung mit den Verantwortlichen der Firmen vereinbart werden konnte.

Es zeichnet sich ab, dass vorauss. noch in dieser Woche ein Container bestellt werden muss, und zwar ausschließlich für die Südost-Region. Aber auch in Kaduna/Kano läuft der Verkauf deutlich zügiger jetzt und auch hier ist eine nächste Containerbestellung absehbar. Für den Südost-Container muss noch Personal gefunden werden. Die beiden Herren verstehen sich mehr als Vertriebler bzw. als Vermittler, es fehlt Verkaufs- und Technikpersonal. Evtl. werden die beiden jungen Männer sich so gut einarbeiten können, dass sie übernommen werden könnten. H. V. kennt darüber hinaus eine junge Frau, die in Enugu wohnt und bei einer Bank arbeitet, dort aber unzufrieden ist und eine Beschäftigung auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe sucht. Ich werde ihn kontaktieren.

Am Mo. geht es fast nahtlos weiter, um 7 Uhr Start zu einer Fahrt nach Minna (Hauptstadt des Bundesstaates Niger, ca. 200 km entfernt). Hier veranstalten Sie einen Frauen-Workshop und eingeladen wurden Sie von einer Frauengruppe, die mit dem Ministerium für Frauen diese Veranstaltung gemeinsam organisiert. Am gleichen Tag geht es auch wieder zurück nach Kaduna.

Am Di. steht ein Besuch in Kano an, beim schon bekannten Hydraulik-Institut vorm. und am Nachmittag zu einer Gemeindeveranstaltung in Kumbotso (nahe Kano), hier haben die Mitarbeiter eingeladen. Am Abend Treffen mit A. B. und Gespräch über das neue Büro. Anschließend Treffen mit dem Zollbeamten.

Am nächsten Tag sind sie in die Uni eingeladen, der Uni-Präsident (war in Loccum und kennt Y. von dort) hat von ihrer Anwesenheit erfahren und der Fachbereich Geografie ist Gastgeber, Zuhörer und Zuschauer sind die Institutsmitarbeiter. Auf dem Rückweg nach Kaduna Zwischenstopp in Zaria, um dort mit Dr. B. zusammenzutreffen, der evtl. bei der CDM-Aufgabe mitarbeitet?

Am Do. und Fr. sind sie im Büro von DARE und haben an diesen beiden Tagen eine Menge von Besucher dorthin bestellt.

Ich habe Y. nach dem Form M gefragt. Er wird am Mi. mit dem Zollbeamten unsere Packliste durchsprechen und mir dann mitteilen, welche weiteren Informationen noch benötigt werden, um die Zollabfertigung nicht unnötig zu verzögern.

Falls wir einen Container nach Enugu versenden, käme als Containerhafen statt Lagos Warri infrage, die Stadt liegt etwa 200 km südlich von Enugu. Für den zweiten Container sollten wir nur den Seetransport vereinbaren, den Landtransport Lagos – Kaduna glaubt Y. selbst und preiswerter organisieren zu können.

Meine letzte Frage galt den Saftbeuteln: Ich habe eine Quelle, die Beutel und Kartons für 1,10 € anbietet, zzgl. Zoll und Transport liegt der Endpreis dann bei 1,50 €. Y. fragt nach einem Expressversand, denn es läuft bereits die Mangoernte. Er bat mich zu ermitteln, was die Luftfracht nach Kano kostet und wird dann seine beiden Händler befragen, ob sie bereit sind, diese Kosten zu übernehmen. Jetzt weiss ich, dass für die Luftfracht nochmals 60 Cent hinzukommen, sodass mit internen Kosten und Gewinn mind. 2,50 € verlangt werden muss.

Am Montag Abend wollen wir wieder telefonieren, denn dann möchte ich die aktuellen Verkaufszahlen erfahren.



Sonntag, 25. Mai 2008


Liebe Freunde,

ich hatte wirklich nicht vor lange mit Y. zu telefonieren, nur zum Geburtstag gratulieren, doch mein erster Versuch um 22.30 schlug fehl. Aber 1 Std. später rief er mich zurück und er war in guter Stimmung, denn die Geburtstagsparty war gerade zu Ende gegangen und er war davon überrascht und auch, dass ich seinen Geburtstagstermin wusste, doch es hat ihn gefreut.

Zuerst berichtete ich von dem Gespräch mit H. K., mit welchem ich am Vortag also am Sonnabend telefoniert hatte.

  1. Es gibt sehr bald eine tiefere Pfanne (10 cm statt 6 cm)

  2. Da wir mit dem ersten Container zu wenig bestellt haben wie sich jetzt herausstellt, gibt es einen Engpass. Doch H. K. kann nachliefern. Aber er empfiehlt grundsätzlich nur die tiefe Pfanne zu bestellen.

Anschließend berichtete Y.:

  1. Am Sonnabend hat sich eine Frau vorgestellt, die als neue Mitarbeiterin sich beworben hat. Sie macht einen guten Eindruck und wird ab 1.6. eine Probezeit beginnen. Nächste Woche kommen zwei weitere Interessenten.

  2. Am Mo. wird Y. mit H. Dr. V. A. F. telefonieren, der verantwortlich für den Clean Development Mechanism in Nigeria ist, um einen Besuchstermin zu vereinbaren. Dann wird er mit weiteren Organisationen und Personen in Abuja telefonieren, die er besuchen soll.

  3. Heute am So. war er vom Direktor des staatlichen Fernsehens Kaduna (KSMC) zu einem Mittagessen eingeladen worden (man hat sich auf der Messe in Abuja kennen gelernt). Dabei hat dieser ihn für Montag Nachmittag in die Fernsehstudios eingeladen, um den Mitarbeitern seinen Kocher vorzustellen. Diese Präsentation wird fürs Fernsehen aufgenommen und ausgestrahlt (Dauer der Sendung etwa 30 min).

  4. Der von Green Peace bestellte Journalist hat sich gemeldet und sie haben eine Verabredung für Di. in Kano, dann am Mi. im DARE-Büro in Kaduna und evtl. am Do. Fahrt nach Gwagwada.

  5. Am Di. Abend trifft Y. seinen Intendanten der DW in Kano, denn in Nigeria wird die DW ein ganz neues Programm vorstellen: Learning by Air. Y. hofft, auf der Feier am Abend seinen Kocher vorstellen zu können. Am Mi. kommen sie zurück nach Kaduna.

  6. Am Do. vorm. führt er mit einem Vertreter von mehreren Gemeinden aus dem Bundesstaat Niger ein Gespräch (man hat sich auf der Messe in Abuja kennen gelernt, man war Nachbar).

  7. Am Do. Abend fährt er mit seinem Techniker und dem Präsidenten des Hydraulik Instituts nach Enugu, um dort die S80-Kocher vorzuführen. Ich habe Y. angedeutet, dass wir den Preis evtl. noch um 5 € reduzieren könnten, aber Y. glaubt, er könne das Geschäft auch mit 80 € hinkriegen.

  8. Von H. K. benötigen wir weitere Werkzeuge für die Montage des S80, denn mit Kano, Maiduguri und Enugu stehen weitere Montageplätze an.

  9. Y. hat meine Packliste erhalten, aber 1. habe ich Details von H. G. zu seinen medizin. Geräten erhalten, die einzuarbeiten sind, 2. möchte ich die Preise korrigieren, um nicht soviel Zoll bezahlen zu müssen.

  10. Heute erhalte ich einen Brief von P. den ich per UPS nach Kaduna weitersende. Dort sollen noch 2 CD zugepackt werden: eine mit den ganzen Formularen und eine zweite mit dem Video von H. G, (Kochen bei DARE auf der Terrasse mit Y., Frau und Tochter).

Wir haben uns für Sa. oder So. verabredet, es wird eine anstrengende aber spannende und vielleicht entscheidende Woche.

Gruß
Bernd



Telefongespräch von Mittwoch 21. auf Donnerstag, 22. Mai 2008


Es war nach langer Zeit wieder ein anstrengendes Telefongespräch, da wir bis Mitternacht etwa ein Dutzend Mal unterbrochen wurden und erst nach Mitternacht konnten wir dann bis 1.30 problemlos telefonieren. Es ist noch Regenzeit, in Kano hatte es heftig geschüttet und gewindet, die Straße war an manchen Stellen wegen herabgefallener Äste oder umgestürzter Bäume kaum passierbar. Paul hatte bereits am Tage mehrmals versucht mit Y. zu telefonieren, ich ebenfalls, aber die Telefonqualität in Kano ist erbärmlich.

  1. Das Hydraulik-Institut hatte Y. für diesen Mi. zu einer weiteren Vorführung eingeladen, zudem sollte die Frage der Finanzierung und Überweisung besprochen werden (die Mitarbeiter haben inzwischen 22 fest bestellt und 7 haben die 1. Rate bez. und bereits ihren Kocher erhalten). Doch bevor der geschäftliche so richtig begann erzählte ihm der Präsident des Instituts von seinen Erlebnissen mit dem SAVE80. Er hatte nämlich bei der ersten Vorführung ein Expl. gekauft und mit nach Hause genommen. Und wie jede Woche musste er auch diesmal auf den Holzmarkt Brennholz für das Feuer einkaufen. Da ihm Y. aber bereits angekündigt hatte, er benötige nur 4/5 der Holzmenge, bestellte er bei seinem Händler diesmal nicht die übliche Menge für 400 N sondern nur für 80 N. Und zu seiner und zur Überraschung seiner Frau war diese Menge ausreichend, im Gegenteil, es blieb sogar etwas Holz übrig. Da am Freitag für den großen Freundeskreis gekocht wurde war das Erstaunen bei allen Anwesenden riesengroß und es wurde an diesem Abend über nichts anderes geredet als über den Wundersparkocher. Da die Holzpreise im Süden sich kaum von denen des Nordens unterscheiden, war am Schluss der Veranstaltung klar, dass dieser Kocher nicht der einzige in diesem Kreis bleiben könne. Und da es sich um eine Gruppe von Juden handelt wurde auch gleich Nägel mit Köpfe gemacht, d.h. der Gastgeber wurde gebeten, allen einen solchen SAVE80 zu besorgen, das sind etwa 600 Stück. Wir müssen jetzt mit a.f. beraten, ob diese Menschen im Süden den vollen Preis bezahlen müssen, da sie leider in einer Region wohnen, die noch kein Holzmangelgebiet darstellt. Bis Do. den 29.5. muss Y. die Antwort wissen, denn an diesem Tage fährt er nach Enugu zu einer Vorführung.

  1. Bei dieser Vorführung in Kano war auch ein Gefängnisdirektor anwesend, der in der Verwaltung in Abuja arbeitet. Hier besteht großes Interesse an einer holzreduzierten Verbrennungsmethode, also an einem sehr effizienten Holzsparkocher, sowohl wegen der Kosten als auch wegen gesundheitlicher Probleme. Hier besteht das Problem der instituionellen Anleger, die über andere Verbrauchszahlen verfügen als die Familien. Hierzu muss a.f. befragt werden.

  1. Am Mo. fand vor Krankenhauspersonal in Kaduna eine Vorführung statt, an der auch zwei junge Frauen teilnahmen, die sich um eine Stelle als Büroangestellte bei DARE beworben hatten. Nachdem ihnen gezeigt wurde, was alles getan werden muss (am PC arbeiten, Telefonieren, Kocher vorführen, Essen kochen und abwaschen etc.). Am Abend haben sich die Beiden verabschiedet und angedeutet, ein richtiger Bürojob wäre ihnen lieber. So weit zum Thema Personaleinstellung. Geworben wird übrigens auf der Hauptpost, die eine große Tafel für Anzeigen und Annoncen besitzt.

  1. Das neue Büro in Kano wird derzeit renoviert, das Personal (Büroangestellte und Techniker) sucht A. B. Mit dem Container kommt die Büroausstattung.

  2. Das Problem der wenigen Verkäufe sieht Y. darin begründet, dass einerseits die Banken es noch nicht geschafft haben, das Geschäftsmodell „Microcredit“ zu realisieren, sie kleben noch zu sehr an den alten Strukturen. Andererseits sind die ganzen Gruppen auch nicht in der Lage, kurzfristig sich selbst zu organisieren. Auf Bitte von H. Z. hin habe ich Y. gebeten, in den beiden Dörfern Wambai und Gwagwada auf die Banken nicht mehr zu warten. Stattdessen soll er mit dem Pastor oder dem Dorfchef ein eigenes Ratensystem auf die Beine stellen, sofern die geistlichen und politischen Führer mitmachen und dahinter stehen.

Gruß     Bernd



Sonntag, 18.Mai 2008


Liebe Freunde,

ein kurzes Telefonat, nur 1 knappe Stunde, welches vom Regen und Sturm abgebrochen wurde. Hier das Wichtigste:

   - Wenn in Gwagwada dort die MC-Bank nicht bald die notwendigen Konten für die Frauenkooperativen einrichtet, soll Y. ohne Unterstützung der Banken weitermachen, also nur mit Gemeinde- oder Kirchensekretär. Diese müßten dann die Aufgabe übernehmen, wöchentlich während des Markttages die Wochenraten von den Frauen abzukassieren und am Monatsende an DARE überweisen. Y. wartet noch bis Monatsende, dann schlägt er los, wenn die Bank bis dahin nicht aufgewacht ist. Es ist wohl doch nicht so einfach, aus einer normalen Bank über Nacht eine MC-Bank zu formen, die alten Strukturen sitzen zu tief (wer geht schon gerne in die staubigen Dörfer wenn er bis gestern ein klimatisiertes Büro besaß).

2.    Am Do. oder Fr. wird H. Z. zu einer Telefonkonferenz bitten, damit er sich persönlich von der Situation überzeugen kann. P. und mich sowie, Y. will er am Telefon haben. Sein Hauptanliegen ist das Personal und die Verkaufsergebnisse.

3.    Es wurde uns ein Greenpeace-Interview angekündigt, welches vorauss. in Kaduna stattfindet. der Interviewer wird auch mit aufs Land fahren und die Situation draußen beschreiben/dokumentieren.

4.    Wir brauchen im Büro Kaduna zwei neue Verkäufer/innen. Y. hat für Mo. 4 neue Interessenten eingeladen, die am Mo. vorm. an einer Vorführung mit H.  vor einer Belegschaftsversammlung und am Mo. nachm. mit Y. an einer PP-Präsentation vor Mitgliedern der Taxifahrergewerkschaft teilnehmen werden.

Darüber hinaus werden dringend zwei Vertreter für Y. und H. gesucht.

7.    Ein großer Erfolg sind die Bag-In-Box Saftbehälter. Die 10 Stück die ich ihm besorgt hatte fanden großen Anklang bei den Frauen und jetzt läuft die Mangoernte und es werden hunderte benötigt. Evtl. kann eine kleine Deutsche-Welle-Delegation, die in 2 Wochen nach Nigeria fliegt, einige mitnehmen.

8.    Die Kano-Regierung entsendet eine Umwelt-Kommission nach München zu der Solarmesse im Juni. Dazu wird ein Sprach- und Fremdenführer gesucht und man hat sich an Y. gewandt. Ich habe ihm dazu gesagt, er wäre hier willkommen, wenn er bis dahin einen Vertreter gefunden hat, der mit H. für diese 1 Woche die Geschäfte fortführen kann. Das Problem sind die großen NGO's, die den Preis für den Projektleiter verdorben haben. Ein guter Mann kann das Doppelte von dem verdienen, was Y. derzeit von uns bekommt. Dazu klimatisiertes bequemes Büro und klimatisierter Allradjeep.



Mittwoch, 14. Mai 2008


Liebe Umweltfreunde,

ich hatte wieder ein langes Gespräch mit Y. geführt und er berichtete mir, dass seit einigen Tagen das Wetter verrückt spielt. Jetzt, ziemlich spät, hat die Regenzeit eingesetzt und sie kommt dieses Jahr sehr heftig hernieder. Es regnet an manchen Tagen stundenlang, verbunden mit orkanartigen Böen was zur Folge hatte, dass die Rückfahrt von Abuja nach Kaduna sich schwierig gestaltete, da viele Bäume auf der Straße lagen. Dort - wie auch in Deutschland - liegen die Stromleitungen oberirdisch, wurden also viele zerstört und zu den ganz normalen Stromausfälle kommen jetzt weitere, die aber nicht nach wenigen Stunden behoben sind, sondern schon seit Tagen dauert der Stromausfall an. In diesem Fall muss Y. seine beiden SPB zwischen Büro und Wohnung hin und her schleppen, um stets Strom zur Verfügung zu haben.

Die Messe in Abuja ist am Sonntag zu Ende gegangen mit einer Siegerehrung: das Bundesland Kaduna wurde mit einer Medaille für die innovativsten Aussteller ausgezeichnet. Ohne die Beteiligung von DARE hätte die Kaduna-Delegation diese Auszeichnung nicht erhalten, da ist sich Y. sicher. Aufregend und erfolgreich war auch der Besuch des Wirtschaftsministers an seinem Stand. Als er die Neuigkeiten entdeckte und nach einem Glas frischen Mangosaft ließ er nach dem Präsidenten der Industrie- und Handelskammer rufen und dieser hat Y. eingeladen, um ihm sein ganzes Programm vorzuführen.

Es gab noch viele weitere kleinere Kontakte, die meisten der jungen Besucher interessierten sich für die mobile SPB. Zu erwähnen sind zwei Frauengruppen aus Abuja: WEP und AIWU, die beide eine private Präsentation des SAVE80 wünschen. Also wird Y. + Frau in der nächsten Woche für mind. zwei Tage nach Abuja fahren.

Es gab nur 6 Barverkäufe, aber auf Grund von Unsicherheiten hat Y. diese für je 110 € verkauft.

Gestern hat Y. Besuch von drei Lehrerinnen aus Kaduna erhalten, die für ihre Schule um eine Vorführung gebeten haben. Sie waren sehr erfreut, dass jetzt offiziell die Bezahlung mittels Ratensystem möglich ist.

In Gwagwada gibt es bei der Bildung von Kooperativen Schwierigkeiten, denn die Banken regeln dies recht kleinlich. Die bisher gemeldeten Gruppen sind zu groß und müssen neu zusammengestellt werden. Dann erst kann die Einrichtung von Konten erfolgen und die Einzahlung der ersten Raten.

Im Kaduna-Büro werden in den nächsten Tagen zwei neue Aushilfen anfangen und Y. mit seiner Frau werden aufmerksam beobachten, wie sich die Neuen anstellen. Man will jetzt erst einmal die Verkaufstätigkeit in Kaduna intensivieren.

Auf meine Frage nach den Verkaufsargumenten für die mobile SPB wurde von Y. genannt, dass auch das coole Aussehen eine gewisse Rolle bei den Yuppies spielt (in der rechten Hand das modern Notebook, links ein rollbarer kleiner eleganter Koffer mit dem Solarequipment). Wichtig wäre der 230 V-Anschluss (nur 12 V sieht zu poplig aus). Der Preis darf bis zu 600 € reichen, wir werden einen Prototypen mit dem Container mitliefern.

Mit P. ist noch zu klären, wie die Preisbildung vorzunehmen ist, wenn Käufer aus anderen Bundesstaaten kommen und auch wenn Käufer kommen, die sich als Hausfrauen ausgeben aber Mamiput sind, um in den Genuss des subventionierten Preises zu gelangen. Hier muß das System einfach und gerecht sein, wir sollten dazu noch einmal telefonieren lieber P.

Y. bittet um die Packliste, damit er das Form M fertig machen kann.

Hinsichtlich der Pavillons bittet Y. auch um den Erwerb von 3x3 und 3x6 m Zelten, für alle diese Zelttypen gäbe es Interessenten. Die Zelte dienen Händlern als Unterstand, die in den Wohnparks und Grünanlagen ihre kleinen Geschäfte betreiben.

Am kommenden Wochenende wird Y. und Frau einen Women-Workshop durchführen und zeigen, was alles mit dem SAVE80 gemacht werden kann.

Ich soll H. G. anrufen und ihn fragen, ob er Nähmaschinen, Wäschemangel oder Webstuhl gebrauchen kann.



Dienstag, 6.Mai 2008


Liebe Freunde,

ich berichte Euch hier von meinem Nachttelefonat am Sonntag Abend. Die Umstände in Kaduna sind ziemlich ungemütlich (um 24 Uhr war es fast 30 Grad, es hat lange nicht geregnet, kein Strom und eine schlechte Telefonverbindung). Trotzdem sind die Beiden gut dabei, das Interesse an unserem SAVE80 wächst täglich, sie erhalten inzwischen Einladungen aus allen Landesteilen, sogar aus Lagos, denn auch hier gibt es kaum noch Holz, und wenn dann ist es sehr teuer. Es wird langsam ein logistisches Problem, den Einladungen zu folgen, es muss Verstärkung her.



Sonntag, 4. bzw. Montag, 5. Mai 2008


Y. erzählt, dass es sehr heiss sei, jetzt um 23.42 und dass die Regenzeit dieses Jahr sehr dürftig ausgefallen ist. Die Telefonverbindung ist heute sehr schlecht, wir werden etwa ½ Dutzend Mal getrennt und die Stromversorgung ist katastrophal in den letzten Tagen, mehrmals täglich viele Stunden Stromausfall. Aber Y. hat eine kleine Solarlampe von Conrad mitgenommen, die als Notlicht benutzt sofort den Stromausfall erkennt und sich automatisch anschaltet.

Ich erzähle als erstes, dass wir jetzt seinen Wagen - einen Berlingo - geordert haben und von H. B. einen großen Container kaufen wollen. Ich werde H. Br. fragen, ob er ihn in den Farben von DARE anstreichen kann, also hellgrün mit schwarzer Aufschrift. Ich habe ihm auch von dem Treffen mit H. V. erzählt, das Protokoll hatte er noch nicht gelesen. Wichtiger ist aber, dass ich ihm die Adressen besorge.

Am Di + Mi waren sie auf Einladung von MCDF in Abuja, dort fand ein Workshop für Frauen (in leitenden Funktionen) statt. Diese Veranstaltung wurde gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung organisiert und die Teilnahme von DARE hatte Pastor W. angeregt. Es nahmen die Vertreterinnen aus 13 Bundesstaaten teil und nach der Präsentation erhielten sie Einladungen aus praktisch allen Ländern, sogar 3x aus Lagos. Die Stellvertreterin von H. K. hat gleich einen privat geordert und eine sehr engagierte Frau, die bei NHIS (National Health Insurance Scene) arbeitet und ihren Kolleginnen den S80 vorstellen möchte. Das scheint derzeit der Haupttrend zu sein: Firmen bestellen für ihre Mitarbeiter und die Raten werden direkt vom Gehalt abgezogen. Das ist für DARE sehr praktisch, denn die Beträge werden auch noch auf das Konto überwiesen.

In Abuja hat Y. Dr. G. getroffen der ihnen mitteilte, dass jetzt auch die Mitarbeiterinnen seiner Klinik 10 SAVE80 bestellt haben. Die Auslieferung der restlichen 5 an die 2. Klinik muss aus Zeitgründen verschoben werden.

Am Fr. gegen 16 Uhr erhielten sie einen Anruf vom Ministerium für Handel und Industrie und eine Einladung für eine Teilnahme an der Messe in Abuja. Der Bundesstaat Kaduna lädt hervorragende Firmen seines Landes ein, um mit ihnen den Bundesstaat Kaduna zu repräsentieren. Daher werden sie besonderen Wert auf die Montage der Kocher legen und dieses öffentlich vorführen. Ein Pavillon wird gestellt und alle Kosten werden übernommen. Sie werden zu Dritt dort antreten und eine Verkäuferin dort anwerben, um Reise- und Übernachtungskosten zu sparen. Sie erwarten viel prominente Besuche und viel Fernsehinterviews. Die Messe geht vom 4.5. bis 11.5.

Für den 5.5. haben sie eine Einladung nach Kano an das Institut für die Entwicklung hydraulischer Geräte. Die Mitarbeiter haben ihn eingeladen und möchten den S80 sehen und einen Kaufauftrag ordern. Aber auch die SPB hat ihr äußerstes Interesse gewonnen, denn sie haben Y. mit dieser auf dem Kongress in Kano vorige Woche erlebt, wie er mit der SPB locker den Stromausfall überbücken konnte, das hat ihnen sehr gefallen.

Für den 6.5. haben sie eine Einladung von NIHS erhalten, die Gewerkschaft (oder der Betriebsrat?) möchte den Mitarbeitern den S80 vorführen lassen. Was tun, denn eigentlich sind sie auf der Messe in Abuja.

M. M. von der NEMA (Katastrophenhilfe) hat das erbetene Angebot von DARE erhalten und jetzt wird er sehen, was daraus wird.



Sonntag, 27. April 2008


ich hatte gestern mit Y. das erste lange Telefongespräch nach seiner Rückkehr geführt und als erstes möchte ich seine Grüße an Alle ausrichten.Es hat in Kaduna die Regenzeit begonnen und die Temperaturen sind somit erträglicher als in den Wochen davor.

- Ein Highlight besonderer Art haben er und sie in Kano erlebt, wo sie am Do an einem Kongress über Erneuerbare Energien teilgenommen haben. Denn bei Ihrer Ankunft gegen 9.30 hatte der Kongress noch nicht begonnen, da Stromausfall herrschte und einige Kongressteilnehmer auf die Suche nach dem letzten Liter Diesel ausgesandt worden waren. Dies vorausahnend hatte Y. die große und kleine SPB mitgenommen und bot also dem Veranstalter großzügig seinen Strom an und darüber hinaus auch den neuen Beamer. Mit diesen beiden Geräten war der Kongress gerettet und um 10 Uhr begann die erste Vortragende mit einem abgelesenen Referat über die Milleniumsziele (stinklangweilig). Y. war der 3. Redner und war der einzige, der konkret die Teilnehmer aufforderte, selbst aktiv zu werden (nebenbei kritisierte er, dass dieser Kongress die Wichtigkeit von Erneuerbaren Energien betont und selbst aber umweltschädlichen Diesel für den Betrieb der Generatoren verwendet).

Den Höhepunkt der Veranstaltung aber bot Habiba, die mit einem leckeren Reisgericht die Teilnehmer verwöhnte (die Konferenzteilnehmer ließen spontan ihre Pappmahlzeiten liegen) und am Ende ernteten beide Y.s den verdienten Applaus. Zum Schluss kam es zu vielen Einzelgesprächen und Y. betonte auf Anfragen, dass in Firmen die Bildung von Gruppen oder Kooperativen eine Möglichkeit sei, um eine Bezahlung in Raten zu ermöglichen. Einladungen von Teilnehmern in den Süden zu Vorträgen und Vorführungen mußten sie aus Zeitgründen erst einmal ablehnen.

- An die Gruppe Corona (Frauengruppe in Kano) werden kommende Woche die ersten 12 Kocher ausgeliefert.

- Bereits am Di. wurden sie zum Local Government eingeladen um über die Möglichkeit der "Ausbildung" von Jugendlichen zu sprechen. Die Gespräche werden fortgeführt.

- Die NEPA (Nigerian Electric Power Authority) im Büro Kaduna will für ihre Angestellten unseren SAVE80 beschaffen und hat bisher 28 Bestellungen abgegeben, alle mit einem Ständer ausgerüstet. Die Raten werden direkt vom Gehalt abgezogen und an DARE überwiesen, sehr praktisch. Es gehen noch immer neue Bestellungen ein.

- Am Mi. besuchten beide Dr. G. in seiner Klinik in Zaria. Eine vorbildliche Einrichtung, auch wenn der Besuch  einen deprimierenden Eindruck besonders bei H. hinterließ, denn viele der betroffenen Frauen sind verdammt jung. Man hatte fünf S80 mitgebracht und alle wurden sofort in die Küche gebracht. Dort wurde mit H’s Hilfe ein Mittagessen für die 100 Patienten hergerichtet und alle waren sehr beeindruckt. Nächste Woche geht es zur zweiten REHA-Klinik, auch dorthin werden 5 unserer S80 ausgeliefert.

- In dieser Woche haben Y. und H. die ersten Personaleinstellungsgespräche geführt, es geht um ihre Vertreter. Am Di. werden die Gespräche in Kano fortgeführt, hier soll eine Sekretärin/Verkäuferin eingestellt werden. Das Gespräch führt A. B..

- Am Mo. hatte Y. mit den Verantwortlichen in Ngada (Dorf an der Grenze zum Tschad) geführt und mit dem Werkstattleiter in Maiduguri. Dort will er nächste Woche unbedingt hin, um die Frage der Büroeröffnung zu besprechen und sich mit dem Dorfchef von Ngada treffen, der zwei seiner Leute zur Ausbildung entsenden soll.

- Das Umweltministerium von Borno-State hat sich gemeldet und will ebenfalls für seine Mitarbeiter S80 ordern. Das Ministerium hat seinen Dienstsitz ebenfalls in Maiduguri, hier wird es also eine Reihe von Gesprächen geben.

Für den Versand der beiden Container (Büro/Werkstatt und SAVE80) ist es wichtig, dass bis Mitte Juli die Container Deutschland verlassen, um noch rechtzeitig vor den Ramadan-Feiertagen ab Mitte August abgefertigt zu werden.

Soweit das Neueste aus Kaduna.

Liebe Grüße
Bernd



Donnerstag, 13. März 2008


Liebe Freunde,

ich hatte mit Y. vereinbart, dass wir am Mi. Abend noch einmal telefonieren, denn er war beim  Emir von Gashua (der hat sein Stammesgebiet nördl. von Damaturu, Hauptstadt von Yobe) eingeladen und es war eindrucksvoll und wichtig.

Eindrucksvoll, weil er mit allen Gästen in die Geisterdörfer nahe der Grenze zum Niger fuhr um dort zu zeigen, welche verheerenden Zustände dort oben im Norden inzwischen eingetreten sind: bereits viele verlassene Dörfer, die Bewohner nomadisieren in Mittelnigeria und bringen dort Unruhe unter die Bevölkerung. Auf dem Rückweg wurde ihm ein (gescheitertes) Pilotprojekt des Bundesumweltministeriums gezeigt: Ein ca. 7 ha große Wiederaufforstungsareal, eingezäunt, großes Schild an der Str. Aber leider wurden die junge Bäume schnell als billiges Feuerholz identifiziert, die Zäune sind heruntergrtrampelt und der Kommentar des Gemeindevorstehers: Dilletantischer Versuch der Bundesregierung, die haben doch keine Ahnung. Erst müssen wir Eure Sparöfen flächendeckend einsetzen, dann erst kann man mit Wiederaufforstung beginnen. Er hält sehr viel von unserem Ofen und schätzt unser Projekt als wichtigsten Beitrag zum Umweltschutz ein.

Wichtig, da er am Abend nach seiner Vorführung des S80  viele Fragen zu beantworten hatte und besonders zwei Dorfchefs baten ihn hartnäckig, dass er heute ihre Dörfer besuchen möge, denn die Dorfbewohner erwarten ihn mit Ungeduld. Also sieht sein heutiges Programm wie folgt aus: Am Vormittag Besuch und Empfang beim Emir von Yusufari, ein ganz wichtiger Mann dort oben im Norden, er sitzt in Yobe. Das ist eine weitere wichtige Erkenntnis: die Kocher-Verkaufszentren sind auf der Linie Kano - Damaturu - Maiguduri einzurichten, hier sind die Verwüstungen am stärksten im ganzen Land und der Bedarf unserer Kocher am größten. Also Vortrag und Vorführung, da seine Frau nicht dabei ist wird nur Wasser gekocht.

Am Mittag geht es weiter zu den beiden Dörfern, hier ebenfalls kurzer Vortrag und kurze Präsentation, dann am Nachmittag wieder zurück bis nach Kano, dort Übernachtung, am Fr. dann zurück nach Kaduna.

Es gibt noch weitere gute Nachrichten: während auf der Messe kein S80 verkauft wurde, waren Y. und H. am Montag im DARE-Büro und hatten viele Besucher und endlich auch welche, die ihnen 4 (vier) Kocher abgekauft haben. Die meisten Besucher allerdings kamen, um in aller Ruhe die Solar-Power-Box anzuschauen und ihr heftigstes Interesse zu bekunden.

Ich werde Y. bitten eine Verkaufsliste anzulegen, das Geschäft entwickelt sich langsam in die gewünschte Richtung; und Y. erwartet beim heutigen Gespräch mit den beiden Gemeindevorstehern noch eine größere Zahl an Bestellungen. Wir haben jetzt doch schon ein gutes Gefühl dass wir auf dem richtigen Weg sind und werden bei unseren Gesprächen mit Y. unsere neue Strategie festlegen (Personal, Verkaufsstützpunkte im Norden, Bedarf an einem Lieferwagen etc.)

Ganz herzliche Grüße
Bernd



Montag, 10. März 2008


Liebe Freunde,

es war wieder einmal ein spätes und sehr langes Gespräch, welches ich mit Y. geführt habe. Er kam gerade von einem auswärtigen Besuch zurück. Es geht ihm etwas besser, aber ich habe ihm die Anstrengungen der letzten Tage angemerkt. Die Entwicklung der letzten Wochen scheinen sich zu verstetigen, d.h. Einzelverkäufe sind die Ausnahme, während die Anfragen aus den Dörfern und Frauengemeinschaften (die vorwiegend in den Städten agieren) zunehmen. Y. wird mit ziemlicher Sicherheit noch diese Woche in Nigeria bleiben, denn der Besuch beim Emir von Gashua am Di. ist ihm sehr wichtig. Es zeigt sich weiterhin, dass die Gemeinden im Süden am SAVE80 und Obstverarbeitung (Trockner oder Entsafter) interessiert sind, während die Gemeinden im Norden über wenig Obst und Gemüseanbau verfügen und daher überwiegend am SAVE80 interessiert sind.

Jetzt aber der Reihe nach:

- Der Termin am Do. 6.3. in Debeji war enttäuschend, denn der Chairman (Vorsitzender der Gewerkschaft NULGE = National Union of Local Employees) hatte einen wichtigeren Termin und Y. ist nach Std. des Wartens nach Kano weiter gefahren. Dennoch sind die Gemeindemitarbeiter eine interessante und zahlungskräftige Interessengruppe, es wird ein neues Gespräch vereinbart für April. Anschl. fuhr er zu einer Frauengruppe, die in Kano sehr aktiv ist und die von einer Ärztin geleitet wird: Frau Dr. B. Die Frauen haben spontan eine Liste aufgestellt und darin haben sich 11 Frauen verbindlich für den Kauf eines S80 ausgesprochen. Die Finanzierung stellt wohl kein Problem dar.

- Am Sonnabend 8.3. haben sie eine Gemeinde nahe Kaduna besucht, der Hauptort heißt Gwagwada. Der dortige Dorfchef ist selbst ein großer Mangobauer, aber das Thema SAVE80 interessiert ihn auch sehr. Dort bekamen sie 12 Listen mit Kooperativen überreicht, im Durchschnitt mit 10-12 Namen darauf. Jede Frau meldet hiermit ein Interesse an einem S80 an, d.h. mind. 100, evtl. auch 150 Kocher sind damit bestellt worden. Jetzt wird der beste Weg zur Finanzierung gesucht, wobei drei Möglichkeiten bestehen: 1. man macht alles selber oder 2. eine Bank finanziert die Raten (da unser Kocher in das Agrarprogramm fällt sind die Zinsen mit 12% äußerst attraktiv, sonst sind 30% üblich) oder 3. es findet sich eine MC-Bank, aber die haben sich noch nicht richtig aufgestellt. H. wird heute am Mo. mit der Bank sprechen, die sich schon auf der Messe vorgestellt hat. Es ist aber auch hier wieder von den Frauen das große Interesse an Entsafter und Trockner geäußert worden (Holz sparen mit dem S80 ist ein Thema, Geldverdienen mit Trockenobst oder Obstsäften ist ein anderes).

- Morgen am Di. 11.3. steht noch einmal der Besuch beim Emir auf dem Programm. Wegen der langen Anfahrt wird das Gespräch selbst wohl erst am Mi stattfinden. Danach plant er 250 km weiter nach Osten zu fahren zum Dorf nahe des Flüchtlingslagers. Die dortige Dorfgemeinde hat 50 Kocher reserviert, aber sowohl die Finanzierung als auch die Frage der Technikerausbildung ist noch zu klären. Das hängt miteinander zusammen, denn die Männer kennen weder Kano noch Kaduna, sie scheuen den weiten Weg und sind nur bereit, bis nach Maiduguri entgegen zu kommen (200 km). Dort sollen 2 Techniker von unserem Mann ausgebildet werden, aber nur, wenn unser Mann dort freie Kost und Logis erhält. Also wird dort am Do. verhandelt und am Fr. zurückfahren (1.200 km z.T. schlechte Straßen).

- Es gibt nahe Kaduna wieder Auseinandersetzungen zwischen den dortigen Ackerbauern und den Nomaden mit ihren Viehherden. Dabei ist ein Bauer schwer verletzt worden und liegt im Krankenhaus. Sollte er nicht überleben, droht ein ernsthafter Konflikt. Streitpunkt ist das Weideland und die Zahl der Nomaden, die aus dem Norden kommen, wächst täglich. Hier entwickelt sich ein neues Gefahrenpotential.

- Die Initiative der Regierung hinsichtlich Microcreditbanken steckt noch in den Anfängen, das Gesetz ist zwar verabschiedet, aber jetzt erst lesen die Banken den Text und überlegen nun, was sie dabei zu tun hätten. Hier werden wir noch eine Weile Geduld haben müssen, die Banken scheinen hier nicht das große Geschäft zu vermuten.

- Erfreulich ist die Situation an der Krankenfront, denn der junge Techniker I. ist auf dem besten Wege der Genesung, nur Fleischwunden, keine Knochenbrüche, er will bald wieder arbeiten kommen.

- Für die junge Verkäuferin, die sich während der Messe verabschiedet hat, wird kurzfristig eine Nachfolgerin gesucht.

- Es zeigt sich weiterhin, dass neben dem SAVE80 auch die Obstverarbeitung von größtem Interesse ist, besonders für die im Süden gelegenen Gemeinden.

- Auf der Messe haben viele Besucher sich für unsere Solar Power Box interessiert, denn die Stromversorgung ist zunehmend unsicher und der eigene Generator nur die zweitbeste Lösung.

- Y. will mit uns in Hildesheim schauen, was dort für ihn gesammelt wurde und dann entscheiden wir, wie wir das nach Nigeria bekommen.

Zum Schluss - da war Mitternacht schon vorbei - haben wir noch den Fragebogen von a.f. besprochen. Y. hat unsere Antworten bestätigt. Unser nächstes Telefongespräch haben wir für Mi. Abend vereinbart, nach dem Besuch beim Emir.

Liebe Grüße von Y. und auch von mir
Bernd


Freitag, 7. März 2008


Y. wußte zu diesem Zeitpunkt noch nichts von unserem Preisgewinn und natürlich war das meine erste Nachricht an ihn. Von seinem Freudenschrei ist seine Frau wachgeworden und beide haben sofort ein Freudentänzchen hingelegt.

1-    Die Messeleitung der Kaduna-Messe hat DARE auch dieses Jahr den Innovationspreis zuerkannt, das ist ein großartiger Erfolg, damit kann man punkten.

2-    Am Mo. haben sie den Stand abgebaut, am Nachmittag war Ruhetag, denn die 10 Tage Messe hat alle stark beansprucht (später mehr dazu).

3-    Am Di. war er und seine Frau in Debeji, eine Gemeinde kurz vor der Grenze nach Kano. Dorthin wurden sie vom Chairman eingeladen der plant, dass alle seine Mitarbeiter in der Gemeindeverwaltung einen S80 kaufen sollen (mit einer Bank und Direkteinzug vom Konto). Der Besuch muss am Do. wiederholt werden, diesmal im Beisein der Dorfbevölkerung, die ebenfalls an einem solchen Vertrag beteiligt sein will.

4-    Am Do. nachm. Weiterfahrt nach Kano, um dort eine Gemeinde zu besuchen.

5-    Der Emir von Gashua hat ihn nochmals eingeladen (einmal war er bereits in seinem Palast), leider zu einem unpassenden Termin, so dass Y. um Verschiebung auf nächste Woche gebeten hat. Er hofft, dort auch den Emir von Yusufari zu treffen (uns inzwischen bekannt aus dem Internet), eine bekannte Persönlichkeit, die sich viel für Umweltschutzmaßnahmen einsetzt und mit dem Emir von Gashua zusammenarbeitet.

Bei dieser Gelegenheit will Y. auch die Gemeinde besuchen, die nahe der tschadischen Grenze und nahe Flüchtlingslager schon 50 St. gekauft haben, jetzt wollen sie mehr.

6-     Viele Messebesucher haben ihren Besuch im Büro von DARE angekündigt. Diese wurden alle für Freitag bestellt und er rechnet mit einer vollen Bude.

7-     am Fr. Nachmittag Besuch dreier Privatbanken im Büro von DARE um zu besprechen, wie man gemeinsam weitermachen könne.

8-     am Sonnabend Vorführung und Gespräch bei der Frauengruppe "Better life for woman" in einer Gemeinde nahe Kaduna mit dem Ziel, eine Kooperationsvereinbarung vorzubereiten.

9-     am Sonntag ist (verdienter) Ruhetag

10-    es gibt unerwartete Personalprobleme: die junge Verkäuferin ist auf der Messe wegen physischer

Überlastung zusammengebrochen und hat daraufhin den Job hingeschmissen. Der junge Mann wurde als Beifahrer auf einem Motrorradtaxi in einen Unfall verwickelt, sein Bein ist jetzt schwer lädiert, Y. will ihn zum Röntgen in ein Krankenhaus schicken, vorerst ist er arbeitsunfähig, jetzt sitzen die beiden, Y. und H., alleine da und das Büro ist weitgehend unbesetzt. Y. hat Sorge, dass sich seine Frau während seiner Abwesenheit übernimmt und ich habe dringend empfohlen, dass für diese Zeit nur Bürotätigkeiten erledigt werden, keine Landfahrten und Dorfbesuche alleine.

11-    ich habe Y. gedrängt, nach einer neuen Mitarbeiterin Ausschau zu halten und besonders nach einem weiteren Vertreter für sie beide. Er hat einen jungen Mann im Auge, der sich auf der Messe vorgestellt hat und sich sehr interessiert und engagiert zeigt. Y. sollte ihn zu einer Probezeit einladen, wenn er aus D zurück ist.

Zusammenfassung: Verkaufstechnisch war die Messe ein Reinfall (nur 7 Kocher verkauft), aber aus Marketingsicht außerordentlich erfolgreich. Es sind viele Gespräche geführt und Kontakte geknüpft worden. Y. will die Termine in dieser Woche noch persönlich abarbeiten, der Termin beim Emir ist der wichtigste überhaupt, die Region im Nordosten wird der Verkaufsschwerpunkt sein. Er hofft, mit entspr. positiven Nachrichten dann hier einzutreffen, es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann die ganzen Verhandlungen in Verkaufsverträge münden werden. Y. freut sich sehr auf seine Zeit in Deutschland, sowohl uns zu treffen und vieles zu besprechen, Fotos zeigen und ausschlafen, er ist zum 1. Mal in seinem Leben urlaubsreif.

 

Sonntagnachmittag, 2. März 2008


Hallo P., hallo Y.,

ich habe mir daraufhin diese Seite bzw. diesen Beitrag durchgelesen und darin einen Namen gefunden, den ich - wenn ich nicht irre - vor einigen tagen von Dir Y. gehört habe: der Emir of Yusufarii, Alhaji Mohammed Zakariya.

Frage an Y.: Hast Du ihn getroffen als Du das Flüchtlingslager an der Grenze zum Tschad besucht hast?

Der vollständige Absatz lautet:

The Emir of Yusufarii, Alhaji Mohammed Zakariya, who spoke in the same vein, wants "severe punishment'' meted to any one caught destroying the forest for firewood. But as the world ponders over the best way to tackle the menace, the situation in Kebbi, Borno, Sokoto and other desert-prone states is getting worse as sand dunes are rapidly taking over many villages.

Die Situation ist treffend beschrieben und überhaupt ist der ganze Artikel hochinteressant, denn im 1. Absatz schildert ein Mann seinen Weg vom Ackerbauer zum Holzverkäufer, weil in seiner Heimat die Wüste sein Dorf einfach zugeschüttet hat.

Kurz darauf wird auch der Informationsminister von Bauchi, Mr. Bukar Bukata, zitiert, der berichtet von einer großen Anpflanzaktion "Grüner Sahara Gürtel", doch weiter unten wird festgestellt, dass diese Initiative noch nicht vom festem Willen aller getragen wird.

Ich meine, hierauf könnten wir eine Antwort geben, denn nach unserer Auffassung muss parallel dazu (besser vorneweg) unsere Aktion, nämlich der flächendeckende Verkauf und die massenhafte Benutzung holzsparender Herde, durchgeführt werden, ehe mit Wiederaufforstung begonnen werden kann; und überhaupt diese Seite des Prof. v. Cotthem im Auge behalten, denn sein Thema ist auch unser Thema.

Gruß
Bernd



Sonntagfrüh, 2. März 2008


Liebe Freunde,

einmal am Freitag und dann am Sonnabend habe ich mit Y. telefoniert. Die Messe ist morgen am Sonntag zu Ende und sie kann als Erfolg bezeichnet werden, wenn man die Anzahl der Kontakte zugrunde legt; Doch der Verkauf unseres Kochers war trotz des neuen Preises nur gering (es wurde im Durchschnitt tägl. 1 verkauft). Dafür hagelte es Anfragen aus den verschiedensten Dörfern und Y. hat für die Zeit ab Mo. nach der Messe einen vollen Terminkalender.

Es zeigt sich somit, dass die Stadtbevölkerung nicht das interessanteste Klientel ist (die Mama Puts schon gar nicht) sondern die verarmte Landbevölkerung. Das ist keine neue aber jetzt eine erhärtete Erkenntnis und unsere Verkaufs- und Marketingstrategien müssen darauf neu ausgerichtet werden.

Y. wird noch die kommende Woche bis Sonnabend in Nigeria bleiben und dann die nächste Maschine nach Deutschland nehmen. Er hat mit 4 Dörfern (einschl. Emir), drei Banken und dem Grenzdorf zum Tschad (die mit dem Kauf von 50 Kochern) Gespräche vereinbart, die er noch persönlich abarbeiten will, den Rest wird seine Frau übernehmen.

Die Messe (starker Verkehr) und die schlechte Luft (fortwährend sind Sandstürme) haben Y. sehr zugesetzt, er konnte nur mühsam sprechen. Seit der Fernsehberichterstattung am Mi.  wurden sie mit Besuchen, aber mehr noch mit Anrufen überhäuft (oft nach dem Motto: kannst du mich mal zurückrufen, ich habe eine Frage).

Y. hat unsere Diskussion bzgl. des Kocherpreises verfolgt (er war gestern in Abuja) und will dazu mit uns auch diskutieren, bis jetzt war er sich nicht sicher wie die Reaktion sein wird. Zumindest ist klar, dass Barzahlung wohl noch immer nicht der Regelfall ist und langfristig müssen wir uns auf überwiegend Ratenzahler einstellen. Dazu ist die Unterstützung der Banken hilfreich.

Fast jeden Tag haben sie auch ein oder zwei Mama Puts besucht, doch ein gesteigertes Interesse war nicht zu erkennen (sie bemängeln den kleinen Topf, obwohl ihr eigener großer Topf nur max. zur Hälfte gefüllt ist und H. ihnen zeigen konnte, dass man mit dem kleinen Feuer genau so schnell ist wie mit dem großen Holzbalkenfeuer). Es bleibt ein Rätsel bzw. es zeigt sich, dass die Not hier nicht groß genug ist.

Alles in allem eine ernüchternde Bilanz und es bleibt zu hoffen, dass wir mit dem Gewinn des Award uns etwas Luft verschaffen können.

Das nächste Telefonat haben wir für den Mo. Abend vereinbart

Liebe Grüße
Bernd

 

PS: Ein Teil des Abends habe ich mit einer interessanten Lektüre verbracht: die Zeitschrift "Amosinternational" widmet sich in dieser Ausgabe dem Thema Klima und es sind unsere Gedanken und unsere Erfahrungen, die ich dort in verschiedenen Artikeln wiederfinde. So schreibt O. Edenhofer (Direktor des PIK) sinngemäß: "Die Entwicklung emissionsarmer Energietechnologien sind zu vervielfachen und deren Kosten sowie die für die Umsetzung müssen durch die öffentliche Hand (der westlichen Länder) getragen werden. Zudem sind die Zollschranken für emissionsarme Technologien zu senken". Ihr werdet noch viele solcher Erkenntnissätze und Forderungen in diesem Heft lesen.



Mittwoch, 20. Februar 2008


Liebe Freunde,

ich habe gestern Abend wieder mit Y. telefoniert und fasse hier kurz zusammen:

- Heute war der 1. Messetag und er fing gleich mit Ärger an, da auch von den Ausstellern plötzlich Eintrittsgeld verlangt wurde. Daraufhin hat Y. zusammen mit anderen Ausstellern am Eingang einen Sitzstreik veranstaltet und den Messechef verlangt. Aber erst nachdem er seinen Ausweis von der Deutschen Welle vorzeigte und mit weltweitem Protest drohte gab es freien Eintritt.

- Der Aufbau sollte bereits vorgestern Abend abgeschlossen sein, doch ein Stromausfall hat alles stark behindert (zum Glück hat die Solar Power Box ein kleines aber stilles Licht ausgestrahlt, sehr zur Verwunderung der Nachbarn). Aber erst gestern konnten die letzten Arbeiten am Stand abgeschlossen werden.

- Immerhin hat er 3 SAVE80 verkauft und ein weiteren mit Anzahlung. Heute ist der erste richtige Tag und der neue Preis muss auch noch bekannter werden.

- Soweit erkennbar gibt es auf der Messe keinen weiteren Aussteller, der Produkte mit regenerativen Energien anbietet.

- Aus dem Dorf bei Maiduguri (wollen als erstes Dorf 50 St.) erhielt er einen Anruf, dass von dort 3 Leute direkt auf die Messe geschickt werden, einer soll noch während der Messe in der Kochermontage ausgebildet werden.

- Für diese dezentralen Montagearbeiten benötigt Y. mehrere Werkzeugsätze,

- Schon gestern erhielt er Besuch gleich von 3 Banken, die von seinem Kocherverkauf und den Problemen gehört haben und mit Mikrokrediten behilflich sein wollen. Am Mo. will man Details besprechen (überraschend war keine der offiziellen Banken dabei, die vom Ministerium benannt waren).

- In Maiduguri hat Y. bei einem sehr interessierten Brunnenbauer einen Testkocher hinterlassen und dieser rief einen Tag später an und berichtete, dass er erste interessierte Kundenbesuche gehabt habe.

- Das Flüchtlingslager soll - wie berichtet - an der Grenze zu Kamerun gebaut werden, aber nun hat die Landesverwaltung die Initiative übernommen und es dauert also. Außerdem sind aus dem provisorischen Lager ein Großteil der Flüchtlinge verschwunden und Y. hat die Befürchtungen, dass man sie zurück vertrieben hat.

- Am Freitag haben er und seine Frau zwei Mama Puts besucht, eine war etwas interessiert, die andere kaum. Jede hat einen Testkocher erhalten aber Y. ist schon jetzt sicher, dass die M.P. solange desinteressiert sind, wie die Restaurantbesucher die höheren Preise akzeptieren, wenn auch unter Gemurre.

- Da ich am gleichen Tag auch mit H. K. telefoniert hatte konnte ich ihm berichten, dass es bald einen neuen Pfannentyp geben wird, der sich vom alten darin unterscheidet, dass er doppelt so tief bzw. hoch  ist. Y. begrüßte diese Verbesserung, es gäbe sonst kaum Verbesserungspotential.

Wir werden am Mi. wieder telefonieren, die Messe hat dann Halbzeit und er erwartet in den kommenden Tagen den offiziellen Besuch der Messeleitung und des Fernsehens (gegen eine gewisse Gebühr wird er Reklame machen dürfen, d.h. Preis und Anschrift nennen).

Mit besten Grüßen
Bernd



Freitag 8. Februar 2008


Liebe Freunde,

es hat sich inzwischen einiges getan und ich will kurz darüber berichten:

1)    Mit Y. habe ich zuletzt am 5.2. telefoniert und es bleibt dabei: er kommt in der nächsten Woche nach Deutschland, vorauss. Ankunft am Di. Unser Treffen mit ihm wird an einem Wochentag in Düsseldorf stattfinden müssen. Er hatte am Mo. ein sehr interessantes Gespräch mit dem "Executiv secretary" des Ministeriums für Industrialisierung und Mikrokreditwesen. Dort erfuhr er, dass es ab 1.1.2008 in Kaduna State in jeder Gemeinde mind. eine Micro Credit Bank (MC-Bank) gibt. Es trifft sich also ausgezeichnet, dass wir für unseren Kocherverkauf in den verschiedenen Städten und Regionen jetzt MC-Banken haben, die unseren potentiellen Kunden einen Mikrokredit anbieten würden. Das Ministerium wird alle Banken mit einem Empfehlungsschreiben anschreiben und auf das Vorhaben von DARE aufmerksam machen. Ob auch die Dörfer diese Möglichkeit beanspruchen wird Y. am 7.2. erfahren, dann ist er wieder in einem der 4 Dörfer, welches er vor ca. 6 Wochen besucht hatte und das seitdem an der Bildung von Einkaufskooperativen arbeitet. Jetzt heißt es Daumen drücken damit endlich ein Modelldorf mit uns diesen Versuch unternimmt und wir eine größere Zahl von SAVE80 verkaufen können. Für uns wichtig ist auch die Tatsache, dass es ein MC-Angebot in den Städten gibt, hier hatten wir bisher wenig Erfolg.

2)    Von m.c. haben wir eine sehr positive eMail erhalten, worin wir noch um einige Informationen gebeten werden und dann darauf hingewiesen wurden, dass Ende Febr. der Stiftungsrat tagt und unser Projekt auf der Tagesordnung steht. Zwei Bedingungen allerdings werden uns gestellt: 1)  wird es ab 150.000 € Jahresumsatz eine externe Prüfung geben und 2. wird erwartet, dass wir bei nennenswerten Überschüssen dieses Kapital in eine Stiftung einbringen, die weitere Projekte mit sozialem und ökologischen Nutzen in Afrika unterstützt. Hierzu muss noch eine interne Diskussion zuende geführt werden, die Vor- und Nachteile auf den Tisch legt.

Aber auch a.f. hat sich gemeldet, denn wir hatten um eine zügige Bearbeitung gebeten und nun sitzen wir erstmalig am 18.2. in Berlin zusammen. Unabhängig davon, wie der Award entschieden wird, wollen wir konkret wissen, was a.f. bereit ist, für die t CO2 zu zahlen und in welcher Höhe und unter welchen Bedingungen eine Vorauszahlung möglich ist. Da Y. zu dieser Zeit in Deutschland ist, wird er dabei sein.

Um alle diese Ereignisse bzw. die Ergebnisse im größeren Kreis diskutieren zu können schlage ich vor, dass wir  uns am 19. oder 20. oder 21.2. treffen, da Y. vorauss. gegen Ende der Woche zurückfliegen wird. Ich gehe davon aus, dass wir 2 Std. für Y.s Bericht und 1 Std. für das Thema CO2-Zertifikate ansetzen müssen. Sollte dann noch etwas Zeit sein sollten wir auch das Thema Stiftung anschneiden (Pro und Contra). Unter der Annahme, dass J. spätestens gegen 18 Uhr die Rückreise antreten wird, sollten wir spätestens um 15 Uhr beginnen, von mir aus auch früher.

Mit besten Grüßen
Bernd



Samstag, 2. Februar 2008


Liebe Freunde,

heute habe ich mit Y. telefoniert, weil ich wissen wollte, wann er nach Deutschland kommt. Noch sind die Abflugzeiten nicht sicher, aber es schält sich als Ankunftstag entweder der Sa., 9.2. oder So., 10.2 heraus. In beiden Fällen könnte Y. sich mit uns am So. nachmittag (vielleicht ab 14 Uhr) treffen. Ich kann bis zum Wochenende Euch mehr sagen. Zu diesem Treffen sind alle herzlich eingeladen. Stattfinden wird es entweder in Hamm (Kirche von H.) oder in Derendorf (Kirche von Bernd).

Ich habe ihm dabei berichtet, dass wir finanziell keine großen Sprünge mehr machen können und diese Reise noch finanzieren können. In Gesprächen u.a. mit P. sind wir uns aber im Klaren, dass der Besuch der Messe in Kaduna schon ein großer und wichtiger Auftritt ist, u.a. weil auch das Fernsehen berichten wird (sowohl über den SAVE80 auf der Messe als auch ein SAVE80 bei einer Mami-Put (M.P.) im Einsatz). Diese Frauen sind schwierig (die hohen Brennstsoffkosten belasten sie nicht sonderlich) aber lohnenswert, einige von ihnen werden zur Messe kommen. Aber die Besitzerinnen müssen aufgesucht und durch eine breit angelegte Vorführung davon überzeugt werden. Hier stoßen wir aber an unsere personellen Grenzen, denn Y. und seine Frau sind häufig zu den Dörfern unterwegs und für die M.P. wäre eine Frau erforderlich, die sich mit nichts anderem beschäftigt. Es ist geplant, am letzten Tag einen Messeknüller gerade für diese Zielgruppe zu starten: Kaufen sie einen, und den zweiten gibts zum halben Preis. Dies erscheint uns lohnenswert, da sie behaupten, mit einem Kocher kommen sie nicht aus. P. und ich würden auch gemeinsam die 800 € für den Messestand vorschießen.

Außerdem hat er Kontakt mit der Fa. aufgenommen, die die Holzbriketts herstellt und angefragt, ob sie auch kleinere Holzpellets mit einem Durchmesser von max. 3 cm und einer Länge bis 10 cm fertigen können, dann wären auch die M.P. zufrieden, müßten sie dann nämlich nicht ständig Kleinholz nachschieben. Im übrigen wird das angelieferte Holz immer mickriger, da große Bäume kaum noch zu bekommen sind und jetzt die Holzfäller an den restlichen Wald sich ranmachen, der aber nur noch aus dünneren Stämmen besteht.

Y. fragte nach dem Tunneltrockner und ich habe von der kleinen Ausführung berichtet (2m Länge), hierfür gibt es im Internet eine ordentliche Beschreibung, eine Teileliste, einen Bauplan mit Explosionszeichnung und ein paar Fotos (). Lediglich die Plane, das Modul und den Ventilator müßten wir besorgen, alles andere ist in Nigeria erhältlich. Sein Wunsch war, dieses Modell auf der Messe aufzustellen und er geht davon aus, dass der Werkstattmensch das auch bis dahin fertigen kann. Nun habe ich die Idee, dass wir ihm statt des Solar-Koffers diese Teile mitgeben, das wird nur halb so teuer und ist für die Frauen wesentlich hilfreicher. Somit würde ich J. (wegen Plane) und H. (wegen Solarmodul) bitten, dort einmal reinzuschauen und zu prüfen, ob wir preiswert an Plane, Solarmodul und Ventilator kommen können (ein 12 W Modul hätte ich zur Verfügung, einen PC-Ventilator könnte ich auch besorgen).

 


Donnerstag, 31. Januar 2008


Liebe Freunde,

heute rief mich Y. an und er hat zwei Anliegen:

1. es gibt intensive Gespräche mit dem Minister für Wissenschaft und Technik hinsichtlich der Ausbildung junger Menschen im Bereich Regenerative Energien. Hier kommt etwas auf uns zu, was hochinteressant ist aber wir noch nicht so richtig darauf vorbereitet sind. Warten wir ab, heute ist Y. wieder im Ministerium, diesmal beim Abtlg.leiter für ...?..., der sehr an der Haltbarmachung von Obst- und Gemüsesäften bzw. der Lagerfähigkeit von Trockenobst und -gemüse interessiert ist. Die Herren mixen, unterstützt von Frau H., div. Mixturen aus Obst und Gemüse und probieren verschiedene Rezepturen. Wenn es denn dem Fortschritt dient, dann viel Spaß dabei.

Gruß
Bernd


Mittwoch, 30. Januar 2008


Lieber J.,
seit Wochen bin ich mit H. dran, eine mobile Solar-Power-Box zu basteln,
jetzt haben wir den bevorstehenden Besuch von Y. als Aufbruchsignal
interpretiert und H. hat eine Liste der erforderlichen Einzelteile
zusammengestellt. Alles in allem kommt er auf 560 € voraussichtlich, evtl.
kommen noch Kosten für die Kiste hinzu, die passgenau gefertigt werden soll.
Gruß
Bernd


Mittwoch, 23. Januar 2008


Liebe Freunde,

ich möchte Euch allen einen kurzen Überblick über die Ereignisse der letzten Tage geben, da sich hinter den Kulissen derzeit einiges ereignet.

1-    In Nigeria: Ich habe Euch letzmalig am Sonntag Abend berichtet, dass die Bemühungen von Y. gut voran gekommen sind, mit ganzen Dörfern einen Verkaufsvertrag abzuschließen. In Kuya wurde am Samstag die erste Vereinbarung mit dem Pfarrer und Bürgermeister getroffen (ein schriftl. Vertrag wird gerade angefertigt) und die umliegenden weiteren 5 Dörfer liegen in Lauerstellung und sind stark daran interessiert, mit uns ebenfalls ins Geschäft zu kommen. Die Anmeldung ist abgeschlossen, nun werden die ersten wöchentlichen Ratenzahlungen erwartet und in vier Wochen wird Y. erstmalig dort eintreffen, um die erste Monatsrate abzuholen und im Gegenzug unsere Kocher an die Familien auszuhändigen. Davon wird es abhängen, ob wir dieses Finanzierungsmodell fortsetzen.

2-    Die Dorfbewohner haben zudem ein großes Interesse an einer Weiterverarbeitung von Obst in Richtung Safterzeugung bzw. Trocknung. J. hat inzwischen mit Herstellern von Obstpressen Kontakt aufgenommen, ich habe Informationen und Preise über Trockner von der Fa. Innotech erhalten, das klingt alles sehr gut und wir suchen gerade die Anwender in Nigeria, die mit einem Tunneltrockner dieser Fa. arbeiten.
 

3-    In den Städten haben wir noch keine Lösung für die Bewohner, die auf dem Wege der Ratenzahlung unsere Kocher erwerben wollen. Hier kann uns vielleicht H. Vester weiterhelfen, der ja mit LAPO ein Mikrofinanzierungsinstitut im Süden Nigerias berät, welches seine Geschäftsaktivitäten nach Norden ausdehnen möchte. Eine entspr. Anfrage ist gestellt.

4-    M.c. hat sich tel. gemeldet und uns zu einem "Vorstellungsgespräch" für den 29. 1. nach Zürich eingeladen. J. und ich werden diesen Besuch wahrnehmen.

5-    A.f. hat sich gemeldet und starkes Interesse angemeldet, auch an einem Programatic CDM haben sie Interesse. Ihr Interesse geht sogar noch weiter, denn sie finden auch unser Dorf-Finanzierungssystem innovativ und wollen uns dabei unterstützen. Es sind wohl noch einige Fragen offen, die P. beantworten muss, ich rechne damit, dass wir in den nächsten Tagen auch eine Einladung nach Berlin erhalten werden.

6-    A.f. hat einen Award ausgeschrieben und wir werden uns daran beteiligen, auch wenn es bloß 50.000 Dollar zu gewinnen gibt. An den Fragen bzw. Antworten werden P. und ich mich heranarbeiten, es hat keiner weiter sich hiefür gemeldet.

7-    Y. plant ernsthaft nach Deutschland zu kommen, ab dem 8.2. ist mit seiner Ankunft zu rechnen. Rückkehrtermin ist vorauss. ab dem 20.2., denn er hat zu Hause noch einige Präsentationstermine wahrzunehmen und muss sich auf die Kaduna-Messe vorbereiten. Sollte er bereits am 9.2.  eintreffen, würden wir uns mit Y. am liebsten schon am 10.2. treffen, am geeignetsten erscheint Düsseldorf als Tagungsort. Eine Einladung an alle geht raus, sobald wir seinen Ankunftstermin kennen.

Diese Zusammenfassung zeigt, dass es derzeit hochinteressante Entwicklungen gibt und es ist äußerst spannend den weiteren Verlauf zu verfolgen. Wir werden Euch auf dem Laufenden halten.

Gruß
Bernd

 

Montag, 21. Januar 2008


Liebe Freunde,

ich habe am Mi. und gestern am Sonntag mit Y. telefoniert und hier die Zusammenfassung:

- In Kaduna gab es Unruhen und Tote wegen Stromausfälle über viele Monate hinweg

- Der Vorsitzende des NCEF (Northern Christian Elders Forum) will eine Schule (Kantine) mit S80 ausstatten. Zuvor soll seine Frau einen S80 zum Test erhalten.

- Die Radiowerbung hat zu einem großen Ansturm (auf sein Telefon und ins Büro) geführt, doch  nur einer hat den S80 gegen Barzahlung mitgenommen.

- Im Dorf Kuya will der Pastor Majau die gesamte Gemeinde mit Kochern ausstatten. Er bürgt für seine Schäfchen und will mit dem muslimischen Dorfvorsteher sprechen, der eine gleiche Erklärung für die muslimischen Gemeindemitglieder abgeben soll. Kassierer für alle ist der Kirchensekretär. Alle 4 Wochen kommt Y. zum Abkassieren. Dafür erhält der Sekretär 1 Kocher geschenkt. Vorgestern ist alles mündl. beschlossen worden und gestern wurde es der Gemeinde verkündet (es wird noch ein Vertrag aufgesetzt). Heute oder morgen wird Pastor Majau bei Y. anrufen und die Zahl der Bestellungen durchgeben.

- Im Nachbardorf residiert Pastor Isiya Huya, der hat an den Gesprächen und Vorführungen teilgenommen und will das gleiche für seine Dorfgemeinde tun.

- Da in dieser Region - nahe der Grenze nach Kano - ein Unterzentrum entstehen könnte, ist auch daran gedacht, dort die Montagearbeiten durchzuführen. 2 junge Männer haben sich schon für eine Ausbildung in Kaduna gemeldet.

- In dieser Region ist die Holzversorgung kaum noch gesichert, da die Städter ebenfalls erscheinen, wenn der Holztransport eintrifft und den Holzverkäufern bessere Preise bieten als die Dorfbewohner. Außerdem würden sie auch an anderen tagen mit Äxtwen und Sägen kommen und die letzten Bäume abholzen (mittels Bestechung der Forstbeamten). Es bleiben eigentlich nur noch Kleinholzstücke übrig, die aber für den S80 gut geeignet sind.

- Am 23./24.1. wird Y. an einer Konferenz der 19 Nordstaaten teilnehmen, die sich auf Einladung von Ref. Hajab in Kaduna treffen, um Maßnahmen gegen die Wüstenausbreitung zu besprechen. Es geht auch um Reduzierung des Feuerholzverbrauches und um Arbeitsplätze für Jugendliche. Y. wird dort über seinen SAVE80 vortragen und präsentieren.

- Das  Min. für Wissenschaft und Technik ist an Y. herangetreten, man will mit Hilfe von DARE eine Berufsausbildung für junge Handwerker im Bereich Solartechnik ermöglichen. Die Bezahlung erfolgt durch den Bundesstaat Kaduna.

- Bei den vielen Vorführungen sind zwei weitere Geräte immer wieder sehr gefragt: die Entsafter-Modelle und ein Solartrockner (gehört nicht zur Ausstattung von Y.). Er fragte mich, ob wir über ULOG den Bauplan für einen großen Solartrockner erhalten können. Er fragt, wie schädlich das keimfrei Kochen ist?

- Y. will in der Zeit vom 8.2. - 20.2. nach D. kommen. Dann sollte eine gemeinsame bespr. stattfinden, auch eine, zu der H. K. eingeladen wird.

- Am 18.1. war er zu einer Kooperative eingeladen, die zu einer Ölraffinerie gehört (Leider arbeitet diese nur noch zu 20%). Der Präsident der Kooperative hat 2 gekauft und will weitere haben, u.a. für ein Kulturdorf und für die Belegschaft.

- Der Besuch bei den Mama Puts mußte immer wieder verschoben werden, aber man hat sie nicht vergessen.

- Der Kontakt zu LAPO konnte noch nicht hergestellt werden, leider.

- Y. fragt nochmals nach einem Solartrockner und nach Bauplänen für den großen ULOG Solartrockner.

- Die Solar-Power-Box läuft noch immer hervorrragend mit einer Autobatterie.

- Es bildet sich innerhalb von DARE eine Frauengruppe, die gemeinsam S80 erwerben wollen. Aber da sie das zum ersten Mal machen kommt es nur langsam voran.

- Die Standard-Ausstattung unseres S80 besteht aus Kocher, Box, Topf und Pfanne, diese Kombination kommt am besten an. Manchmal wünschen die Frauen einen 2. Topf, selten wird die Pfanne weggelassen.

Liebe Grüße von Y. und er hat wieder eine aufregende und anstrengende Woche vor sich, aber es macht ihnen viel Spaß. Er wünscht uns viel Erfolg bei m.c. und bei a.f..

Euch auch von mir herzliche Grüße

Bernd


Mittwoch, 9. Januar 2008

Liebe Freunde,

es gab tagsüber noch etliches zu tun, aber ich schließe den Tag nicht ab, bevor ich Euch über einige Details meines Telefongesprächs mit Y. informiert habe.

Man merkt jetzt deutlich, dass die Feiertage vorbei sind und man spürt auch noch immer die Nachwirkungen der Fernsehsendung; die Zeichen dafür sind eine ungemein rege Besuchertätigkeit und Anrufe, die kein Ende nehmen wollen. Was aber die eigentliche Arbeit macht sind die vielen Einladungen, denn natürlich wird Y. nicht zur Familie um die Ecke eingeladen sondern von Dorfgemeinschaften, die manchmal hunderte km entfernt sind. Und ich schildere nochmal den krassen Fall, dass der Überlandbus um 7.00 den Busbahnhof Kaduna verläßt, um 13.00 Markudi erreicht, dann weiter 1 Std. Fahrt mit dem PKW, dann 4-5 Std. Vortrag und Vorführung vor etwa 200 Frauen in einem Dorf und am nächsten Tag noch Gespräche mit Verantwortlichen und die gleiche Strecke zurück, das alles mit 2-3 SAVE80 und persönlichem Gepäck.

Auch der letzte Sonnabend war anstrengend, denn bereits um 7.00 ging es los mit dem PKW, nach 4 Std. Ankunft im Norden an der Grenze zu Kano. Das Tanken gestaltet sich schwierig derzeit, die Tankstellen horten das Benzin, man muss am Straßenrand literweise beim Schwarzhändler zu horrenden Preisen tanken, also auch noch teuer dazu. Als ich um 22.30 bei ihm anrief waren die Beiden gerade eingetroffen und ich habe dann 45 min später telefoniert. Das Gespräch dauerte 1 Std + 15 min und um 7 Uhr war Y. schon wieder mit einem Interessenten im DARE-Büro verabredet. Wochenende also gibt es derzeit nicht für die beiden Ys.(die kleine Tochter, die an den 5 Wochentagen bei der Schwiegermutter ist, muss als auch an so manchem Wochenende auf Papa und Mama verzichten), der Arbeitstag dauert derzeit mind. 12 Std. und ich wundere mich dann, wie munter er noch am Telefon um 0 Uhr wirkt.

Die allgemeine Situation in Kaduna ist angespannt, denn immer mehr Migranten kommen aus dem Norden, haben eine große Familie dabei und wenig Geld, es wird auf den Straßen gebettelt und die Einwohner Kadunas sind genervt wegen der vielen Fremden (wie die schon aussehen und rumlaufen!).

Aber der Besuch war ungemein aufregend, denn der Pastor (es handelte sich um eine überwiegend christl. Gemeinde) ließ bei ihrer Ankunft die Glocke läuten und nach 15 min. hatten alle ihre Felder verlassen - z.Zt. läuft die Tomatenernte - und sich auf dem Dorfplatz versammelt, um den Vortrag des Pastors zuzuhören (mit Appell: jeder solle 4-5 Bäume pflanzen) und die Vorführung von Y. zu verfolgen. Danach war große Begeisterung und Aufregung, weil die Frage nicht sofort beantwortet werden konnte, wie es weitergehen soll. Auch hier wieder: ein funktionierendes Mikrokreditsystem würde uns immens behilflich sein. Auf die Frage, wieviel kann als Rate pro Woche eingezahlt werden, bekam er zur Antwort: etwa 1000 N, das sind ca. 5 Euro. Das erscheint auf den ersten Blick wenig, aber man muss wissen, dass etwa 80% der Einkünfte für Essen ausgegeben werden, da bleibt kein großes Sparpotential. Auf diese Weise dauert es dann knapp 1/2 Jahr bis der Kocher bezahlt ist. Am Montag kam der Pastor ins Büro und fragte, was Y. sich hat einfallen lassen. Der bat um 1 Tag Bedenkzeit, um mit uns zu sprechen. Wir haben dann folgendes vereinbart:

Vorausgesetzt, der Pastor ist vertrauenswürdig und hält auch seine Gemeinde für verlässlich, dann sollen alle Interessenten (max. 200 Kocher) einen S80 sofort erhalten und ihre Ratenbeträge beim Pastor (oder einer anderen Vertrauensperson)  hinterlegen. Einmal im Monat kommt Y. kassieren.

Inzwischen hat Y. sieben Dörfern seinen Besuch abgestattet und es sieht überall ähnlich aus. Es handelt sich bisher ausschließlich um christl. Gemeinden, die nach Aussage Y. besser organisiert sind und denen das Umweltproblem ein echtes Anliegen ist, denn sie leiden darunter und wissen, dass sie selbst etwas dagegen unternehmen müssen. Die muslimischen Nigerianer sind noch mit den Nachwirkungen der Pilgerfahrt beschäftigt, aber ab der nächsten Woche hofft Y. dass auch sie sich stärker beteiligen (er ist jedoch etwas pessimistisch, denn es gibt eine ganze Reihe von Gründen, die dagegen sprechen). Er hofft, dass auch Imam Ashafa sich stärker einklinkt, aber auch hier eine gewisse Skepsis.

Bei allen Besuchen in den Dörfern ist von den Frauen das Probelem der Obst verwertung angesprochen worden. Y. führt jedesmal seinen Obstkocher mit sich einschl. einiger leerer Flaschen und die "Verkorkungsmaschine" (J. weiss genau was damit gemeint ist). Dieser Apparat findet stärkstes Interesse, denn in 1-2 Wochen beginnt die Mangoernte und es ist jetzt schon absehbar, dass für 4 Wochen die Menschen in Mango fast ertrinken und danach alles vorbei ist mit der Folge, dass 3/4 der Ernte verdorben ist. Wir wurden von Y. gebeten, dass bei der nächsten Lieferung auch ca. 100 Dampfobstkocher und 10-15 Verkorkungsmaschinen (1 pro Dorf) dabei sein sollten. Denn mit diesen Geräten können die Frauen durch den Saftverkauf Geld verdienen, also ein echter Fall für den Mikrokredit. Und ich sehe auch eine Möglichkeit, für 100 Entsafter (EKP ca. 60 €) ein Darlehen zu besorgen.

Und noch etwas Neues gibt es in Nigeria: Holzpellets. Sie werden als Holz-Briketts angepriesen und sind sehr hochwertig (halten lange die Hitze). Hergestellt werden sie aus den Holzspänen und Restholz, welches in den Sägewerken anfällt. Dieses Material ist geradezu ideal für unseren S80, denn die Größe stimmt und man muss nicht ständig Brennmaterial nachschieben. Hergestellt werden sie im Süden Nigerias.

Ich habe nun folgenden Plan: wenn der Test mit diesem Dorf gelingt, d.h. nach 4 Wochen die erwartete Summe abgeliefert wird, würde ich sofort Y. die Vollmacht geben, auch den anderen sechs Dörfern dieses Angebot zu unterbreiten

Noch eine letzte gute Nachricht: Einige Tage vorher bekam ich einen Anruf von Dr. G., Gynäkologe, ich habe Euch von ihm berichtet. Jetzt ist er in Deutschland, fliegt aber im April zurück nach Nigeria. Er ist dann fest entschlossen, für seine beiden Reha-Kliniken 8 S80 zu kaufen, die in den Küchen statt der Feuerstellen eingesetzt werden sollen (es handelt sich um eine überdachte Feuerstelle). Weiterhin würde er den Frauen zur Entlassung jeweils einen S80 mitgeben, das sind 20 St. in Kaduna und 40 St. in Kano jährlich. Und weiter würde er Kontakt zu den anderen 50 Kliniken aufnehmen mit denen er zusammenarbeitet und eine Empfehlung für den S80 aussprechen um damit Y. die Tür zu öffnen.

So, liebe Freunde, das waren die aktuellsten Nachrichten aus Nigeria. Inzwischen habe ich auch a.m. geantwortet und unser grundsätzliches Interesse bekundet. Ich gehe davon aus, dass bald ein Anruf kommen wird und dann werde ich nach den übrigen Konditionen fragen. Es bleibt also spannend und entwickelt sich nun doch sehr positiv.

Y. hat angedeutet, dass bei einem guten Verkauf in den nächsten 14 Tagen er für einen Kurzbesuch nach

Deutschland kommen wolle, er muss auch privat einiges regeln.
 

Liebe Grüße
Bernd


Dienstag, 8. Januar 2008

Liebe Freunde,

ich will mich kurz halten, aber das wichtigste muss trotz vorgerückter Stunde noch zu Euch gelangen, sonst sitzt Ihr unwissend am Frühstückstisch und lest gelangweilt die Tageszeitung.
 

Zuerst aus Nigeria: der Aufwärtstrend hält an und das zeigt sich z.B. in den Verkaufszahlen: am gestrigen Montag hat Y. und seine Frau fünf (5!) Save80 verkauft (wenn auch nicht alle bar bezahlt wurden, aber das Geld kommt in den nächsten Tagen).

Zweites Indiz: man tritt sich im Büro von DARE auf die Füße und besonders gern gesehen sind die Vertreter von Dorfgemeinschaften. Vorgestern haben Y. und seine Begleitung einem Dorf im Norden des Bundesstaates Kaduna einen Besuch abgestattet, es war beeindruckend (später mehr davon) und gestern hat der Pastor das DARE-Büro aufgesucht und gefragt, wie es weitergehen kann, besonders die Frauen seiner Gemeinde sind total aus dem Häuschen. Was wir vereinbart haben um diesem Dorf zu helfen, später mehr.

Und die dritte gute Nachricht: Ich hatte vor Wochen Kontakt zu a.f. aufgenommen und angefragt, ob sie für mein Madagaskar-Projekt ebenfalls CO2-Klimagelder geben würden. Daraufhin bekam ich eine Absage. Gestern Abend fragt a.f. an, ob ich noch immer an einer Zusammenarbeit interessiert bin.  

Jetzt möchte ich Schluss machen, verspreche aber, dass ich in ein paar Stunden wieder am PC sitze und Euch ausführlicher über das lange Gespräch mit Y. berichte.

 

Liebe Grüße

Bernd