Warum Nigeria?


weiterlesen: Beschleunigter Klimawandel als Sicherheitsrisiko für Afrika, Klimakompakt Nr.53, Nov.2007
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Warum wir Nigeria helfen müssen


Faltblatt, pdf, 524 kb

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Holzsparende Herde für Kaduna

von Paul Krämer

Nigeria war einmal ein holzreiches Land. Seit 1976 ist der Export von Rohholz verboten, um dem durch Raubbau bedingten wachsenden Holzmangel im Land entgegen zu wirken. Ende des letzten Jahrhunderts begann der Verbrauch den jährlichen Neuzuwachs im nationalen Durchschnitt zu übersteigen. Doch sind Verbrauch und Zuwachs ungleichmäßig auf das Land verteilt. In der Feucht- und Trocken-Savannen ist der Zuwachs gering. Daher muss das wachsende Defizit durch Zufuhr aus den Waldgebieten ausgeglichen werden. Auf diese Weise hat Nigeria zwischen 1990 und 2005 über 35 % seiner in Wäldern gebundenen Biomasse verloren. 95 % der ländlichen Bevölkerung sind auf Holz als Energiequelle angewiesen. Wo dies fehlt, müssen sie ihre Heimat verlassen.

In Sachen Entwaldung steht Nigeria in der Welt an der Spitze. Dabei spielt eine große Rolle, dass sich die verarmende Bevölkerung in den Städten angesichts der rasant gestiegenen Preise und des Abbaus von Subventionen Petroleum oder Flaschengas nicht mehr leisten kann und daher massiv zum Holz zurückkehrt, obwohl das Land über große Öl- und Gasvorräte verfügt. Aber das Roh-Öl geht in den Export. Fertigprodukte wie Petroleum und Flaschengas muss Nigeria importieren die eigenen Raffinerien sind verrottet. Holz das Öl des armen Mannes ist bisher noch die billigste Energiequelle, obwohl auch dafür die Preise stark gestiegen sind, was mit den hohen Transportkosten zusammenhängt Die Preise für Öl werden durch die Kaufkraft der reichen Länder auf dem Weltmarkt bestimmt. Nach der von der Regierung verfügten Preiserhöhung um 15 % Ende Mai 2007 sind weitere Steigerungen zu erwarten. Das wird erneut den Überverbrauch an Holz und die Entwaldung verstärken.

Das Holz wird zudem bisher sehr ineffektiv genutzt. Nur zwischen 10 und 15 % der Holzenergie werden dem Kochgut zugeführt. Holzsparende Öfen sind bisher nur wenig bekannt.

Hier setzt das Projekt an, das wir von Lernen – Helfen – Leben e.V. gemeinsam mit unserer Partnerorganisation „Development Association for Renewable Energies“ (DARE) durchführen wollen. Der von uns ausgewählte Herdtyp, der Save80, erreicht bei gleichem Kocherfolg eine Einsparung von 80% gegenüber dem Holzverbrauch am offenen Feuer. Der Energiegehalt des Holzes wird zu rund 60 % ausgenutzt,; dieser Wert liegt weit über dem, was sich durch die sonst bekannten Holz sparenden Herde erreichen lässt. Durch die Kombination mit einem Thermobehälter zum Nachgaren ohne weitere Energiezufuhrlassen sich zusätzliche Einsparungen erzielen.

Zudem werden auch die gesundheitschädlichen Emissionen wie Stäube und halbverbrannte Gase beim Kochen im Inneren der Häuser stark vermindert, denn die Verbrennung ist nahezu vollständig. Mit der Verminderung der zum Kochen notwendigen Holzmenge sinken natürlich auch die klimawirksamen Schadgase. LHL und DARE haben daher die begründete Hoffnung, Klimaschutzmittel zu erlangen, um die Herde auch breitren Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen. Darüber hinaus soll ein Mikrokreditsystem einem ähnlichen Zweck dienen. Dafür suchen wir noch nach einem geeigneten Partner. Der erste Container mit 1000 Herden ist geordert und soll noch im Juni auf den Weg gehen. Viele weitere werden folgen. (LHL Rb. 2/2007)

LHL-Rundbrief Weihnachten 2007