Ein Flaschenhaus in Nigeria, ein erster Bericht


Das erste Flaschenhaus in Afrika

Photos vom 7. September 2011

Noch fehlt das Dach. Aber zuvor muss das Ende der Regenzeit abgewartet werden. In der Zwischenzeit wird weiter"gemauert" und zwar für die sanitären Anlagen
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Bild: am rechten Bildrand unser Flaschenhaus, in der Mitte der Verbindungstrakt, der als Sanitärbereich ausgebaut werden soll, links ein schon existierender Bungalow, der auf diese Weise angeschlossen wird und das Ganze ergibt einen Doppelbungalow.



Bild: der Flaschenbungalow, fast fertig, aber wie man sieht fehlt noch das Dach, die Fenster und Türen.



Bild: Blick auf die Eingangstür; gut zu erkennen ist die rechte schon verputzte Wand während die linke Wand noch roh ist und dadurch die Flaschen noch zu erkennen sind.



Bild: das Wasser entnehmen wir dieser Zisterne, die ganz hervorragend aus PET-Flaschen gebaut werden kann. Gespeist wird der Wasserbehälter über die Dachrinne (rechts das Dach eines Werkschuppens).

(Photos: Heinz Rothenpieler)

Der Emir ist begeistert. Die Bingo-Stiftung Hannover finanziert gemeinsam mit der GLS-Bank in Bochum das erste Flaschenhaus Afrikas, in Nigeria, das seit Juli von LHL-Partner Andreas Froese von Ecotec in der Nähe von Kaduna in Norden Nigerias gebaut wird. Weltweit gelangen Millionen PET-Flaschen in den Müll. Andreas Froese baut damit die schönsten Häuser – für Jahrzehnte dauerhaft und sogar erdbebensicher.


Für die Einweihung in Kaduna hat sich der Emir mit seinem Gefolge angesagt, denn so etwas hat Afrika noch nie gesehen: Ein Bungalow, 6 m im Durchmesser und 3 m hoch, 4 Fenster und 2 Türen, Betonfußboden und Strohdach, und das hauptsächliche Baumaterial sind ca. 10.000 PET-Flaschen. Auf den Plänen wird ihm gezeigt, wie das Haus in 8 Wochen aussieht: Solarbeleuchtung innen und außen, Wohn- und Schlafzimmer, Badezimmer mit Handwaschbecken einschl. Kalt- und Warmwasser und Toilette mit Sitzklo (in Trenntoilettentechnik). Auf dem Dach eine Fotovoltaikanlage für die Stromerzeugung und ein Solarkollektor zur Warmwassererzeugung, hergestellt in der eigenen Werkstatt. Das ist es, was den hohen Besuch besonders interessiert: Hier können junge Menschen in vielen Berufen angelernt werden und es besteht ein riesiger Bedarf nach bezahlbarem Wohnraum, der auch den nächsten Starkregen übersteht. Bereits jetzt haben sich schon viele Interessenten gemeldet, sowohl Handwerker, die hier lernen wollen, als auch Häuslebauer, die ein stabiles und modernes Haus sich wünschen. Auf dem Gelände unserer Ecofarm wollen wir mit den Auszubildenden ein Musterdorf errichten und es ist jetzt schon absehbar, dass wir eine Marktlücke aufgetan haben.


Die PET-Flasche wird aus Polyethylenterephthalat hergestellt und zeichnet sich durch eine hohe Bruchfestigkeit und Witterungsbeständigkeit aus. Während in Deutschland ca. 30% der PET-Flaschen durch das Flaschenpfand in den Recyclingkreislauf wieder zurückgeführt werden, stellen in anderen Ländern die PET-Flaschen ein großes Umweltproblem dar. Dieses hat den deutschen Bauhandwerker Andreas Froese bewogen, die PET-Flaschen erstmalig in Honduras als Baumaterial zu verwenden. Inzwischen hat er seine Technik so weit verbessert, dass er überwiegend in Mittelamerika mehr als 50 Flaschenhäuser, Zisternen und andere Bauwerke gebaut hat (und alle stehen noch, auch im erdbebengefährdeten Honduras). Andreas Froese hat über seine Ideen auf der 2. Düsseldorfer „Solarkonferenz für Afrika“ (Veranstalter waren die beiden Vereine Lernen-Helfen-Leben und Dialog International) im September 2010 berichtet und einen gut besuchten Bauworkshop durchgeführt. Darüber ist ein intensiver Kontakt entstanden und mit Bernd Blaschke, dem Verantwortlichen von L-H-L, wurde der Plan entwickelt, diese Bautechnik auch in Afrika populärer zu machen.

Jetzt, fast ein Jahr später, sind wir in Nigeria mit dem Projekt angekommen, denn Andreas Froese legt gerade die letzten Flaschenreihen auf die 3 m hohe Mauer des Bungalows und will bis zu seiner Abreise auch noch möglichst das Dach draufsetzen. Aus den ursprünglich 4 Wochen sind 7 Wochen geworden, aber Bauvorhaben in fremden Ländern sind nur schwer planbar. Ein Problem war eine Geschmacksfrage, denn unser deutscher Baumeister wollte die Wände einheitlich aus Flaschen des gleichen Herstellers fertigen, um damit einen ordentlichen Eindruck zu erzeugen. Nachdem 5.000 Flaschen verbaut waren gab es einen Engpass und die Helfer wurden in alle vier Windrichtungen ausgesandt, um Ausschau nach diesem Flaschentyp zu halten. Auf einem großen Wochenmarkt wurden sie fündig, allerdings erst nach längerem Feilschen um den Preis (1 Cent pro Flasche). Der Bau konnte endlich weitergehen!


Der Flaschenbaumeister Andreas mit unseren Projektpartnern Yahaya und Chris.

Die Photos sind alle im Juli 2011 aufgenommen worden, nicht im Februar 2011. Das Aufnahmedatum ist nicht aktualisiert.

Bernd Blaschke (LHL) + Andreas Froese (Ecotec soluciones)

Einen Bericht nach seiner Rückkehr finden Sie hier

Link zu einem Youtube-Film mit einer Beschreibung des Konzepts von Andreas Froese von der Konferenz "Solarenergie für Afrika" 2010


Internetseite (auf Spanisch) mit weiteren Photos

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